ASIEN/IRAK - Kurdistan ist nach dem Unabhängigkeitsreferendum in Schwierigkeiten

Dienstag, 10 Oktober 2017 politik   internationale politik   gerechtigkeit   religiöse minderheiten   ethnische minderheiten     kriege  

Kirkuk (Fides) - “Die Situation entwickelt sich kontinuierlich weiter. Bagdad setzt das um, was das irakische Parlament bereits in den ersten Stunden nach dem Unabhängigkeitsreferendum festgelegt hatte: Beamte, die an der Abstimmung teilgenommen haben, erhalten kein Gehalt mehr; die Arbeiten aller Unternehmen und Gesellschaften in der Region wurden eingestellt; der Präsident der Republik Kurdistan wurde aus dem Amt entlassen und Al Maliki an seiner Stelle ernannt; die Grenzen zischen dem Irak und Kurdistan wurden geschlossen; Soldaten wurden in der umstrittenen Region stationiert. Auf der anderen Seit betrachten sowohl die Türkei als auch der Iran die Proklamation der Unabhängigkeit des Kurdistan mit Misstrauen, weil sie Unabhängigkeitsforderungen der kurdischen Minderheiten im eigenen Land befürchten", so Mustafa Jabbar, Sachbearbeiter für Kurdistan bei der christliche Organisation für internationale Entwicklungszusammenarbeit „Focsiv“ (Federazione Organismi Cristiani di Servizio Internazionale Volontario).
"Die wahren Probleme”, so Jabbar, “sind jedoch andere: es geht um Erdöl- und Gasvorkommen, den Handel und die militärische Präsenz. Es besteht die Möglichkeit, dass ein Wirtschaftsembargo verhängt wird, wenn Kurdistan nicht auf die Unabhängigkeit verzichtet, wie dies Saddam bereits in den 90er Jahren getan hatte. Wenn dies der Fall wäre, würden die Einheimischen, die bereits von einem dreijährigen Bürgerkrieg gezeichnet sind, verhungern. Die Kurden wünschen sich den Dialog mit Bagdad, aber momentan sind die Iraker nicht bereit mit den kurdischen Autoritäten zu sprechen".
Focsiv verteilte bereits 350 Pakete mit Lebensmittehilfen unter den neu angekommenen Flüchtlingen aus Hawija, die vor der Offensive der irakischen Armee zur Rückeroberung der Stadt fliehen mussten. Die Menschen kamen nach Dibs, rund 30 km westlich von Kirkuk. "Wir haben fast alle unsere Programme in Erbil eingestellt. Die Vertriebenen, die in den Camps in der Stadt untergebracht waren, kehren in ihre Häuser in der Niniveh-Ebene, in Qaraqosh, Bartella, Caramles, Basciqa, usw. zurück. Man befürchtet, dass man sich vielleicht bald nicht mehr frei fortbewegen kann. Wir versuchen die Rückkehrer bei ihrem Neubeginn zu unterstützen, damit sie wieder eine Arbeit finden und eine Wohnung haben”.
Seit drei Jahren hilft Focsiv Flüchtlingen in den Camps in Erbil, Dibaga und Kirkuk. Nach ersten Nothilfemaßnahmen, gilt das Augenmerk vor allem den Kindern: es werden Kindertagesstätten eingerichtet, damit die Mütter arbeiten oder sich fortbilden können; für größere Kinder werden Sportangebote auf den Weg gebracht, damit sie auch in der Freizeit ihrem Alter entsprechend beschäftigt sind.. Focsiv kümmert sich vor allem um Personengruppen, die besonders verletzlich sind, wie Mütter von Neugeborenen oder Menschen mit einer Behinderung, die auf besondere Therapien und Medikamente angewiesen sind. Hinzu kommt die Verteilung von Lebensmitteln, Küchengeräten, Kleidung, insbesondere warme Kleidung für den Winter, der in der Region sehr lang und kalt ist.
Dabei soll in den Ländern des Nahen Ostens auch die Botschaft des Friedens vermittelt werden, die Papst Franziskus anlässlich der Kampagne von Caritas Internationalis “Syria: Peace is possible” ausgab. In Zusammenarbeit mit anderen in der Region tätig Organisationen versucht Focsiv aktiv zur Beendigung des bewaffneten Konflikts beizutragen, um eine inklusiven Dialog auf den Weg zu bringen, der auf der Achtung der Menschenwürde basiert.
(PA) (Fides 10/10/2017)


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