Fides News - German (Standard)https://fides.org/Aus dem Archivder FidesagenturdeDie auf unseren Internetseiten veröffentlichten Inhalte unterliegen einer Licenza Creative Commons. ASIEN/SRI LANKA - Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke: “Die Kirche ist nach dem Bürgerkrieg eine Brücke der Versöhnung“https://fides.org/de/news/77819-ASIEN_SRI_LANKA_Nationaldirektor_der_Paepstlichen_Missionswerke_Die_Kirche_ist_nach_dem_Buergerkrieg_eine_Bruecke_der_Versoehnunghttps://fides.org/de/news/77819-ASIEN_SRI_LANKA_Nationaldirektor_der_Paepstlichen_Missionswerke_Die_Kirche_ist_nach_dem_Buergerkrieg_eine_Bruecke_der_VersoehnungVon Paolo Affatato<br /><br />Colombo – „Die Versöhnung der verschiedenen Gemeinschaften Sri Lankas und die Heilung der Wunden, die der fast dreißigjährige Bürgerkrieg hinterlassen hat, sind heute ein integraler Bestandteil der Mission der Kirche in Sri Lanka“, bekräftigt Pfarrer Nayagam Roy Clarence aus der Diözese Kandy, Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Sri Lanka, gegenüber Fides. Er erinnerte an einen Konflikt, der die Nation 26 Jahre lang erschütterte und dessen schwerwiegende soziale und politische Folgen noch immer spürbar sind. „Sowohl die Tamilen als auch die Singhalesen“, so Pater Clarence, „litten während des Konflikts schwer. Noch heute gibt es Gemeinschaften, die von Schmerz gezeichnet sind, Witwen, Familien, die Angehörige verloren haben, Menschen, die auf die vollständige Rückgabe ihres Landes und eine stabile politische Lösung warten. In diesem schwierigen und leidvollen Kontext bleibt die Kirche ein Ort der Begegnung, des Dialogs und der Versöhnung.“<br /> „In der katholischen Glaubensgemeinschaft leben Tamilen und Singhalesen Seite an Seite“, erklärt der nationale Direktor der Päpstlichen Missionswerke. „Aus diesem Grund hat die Kirche eine grundlegende Rolle beim Aufbau von Frieden gespielt und spielt sie weiterhin, indem sie die Menschen auf ihrem Weg der Heilung von den Traumata des Krieges begleitet.“<br />Organisationen wie Caritas Sri Lanka, die Päpstlichen Missionswerke und zahlreiche Ordensgemeinschaften haben Programme für Dialog, Unterstützung und Versöhnung auf den Weg gebracht. „Vergebung und der Wiederaufbau von Beziehungen sind zu einem wesentlichen Bestandteil unseres christlichen Zeugnisses geworden“, sagt der katholische Geistliche.<br />Während des Krieges, so erzählt er, habe es eine Art Mauer zwischen dem Norden und dem Süden des Landes gegeben, die Begegnungen zwischen den Menschen verhinderte. „Nach dem Konflikt ermöglichte die Reisefreiheit neue Beziehungen und ein tieferes gegenseitiges Verständnis“, so Pfarrer Clarence, der auch über seine persönlichen Erfahrungen spricht: „Ich war Seminarist, als der Krieg endete. Seminaristen aus den nördlichen Diözesen konnten endlich in den Süden reisen und umgekehrt. So erlebten wir den Schmerz anderer hautnah und verstanden das Leid so vieler Familien. Aus diesem Bewusstsein erwuchsen Vergebung und die Heilung von Beziehungen. Viele junge Singhalesen sagten: ‚Die Tamilen sind nicht so, wie wir sie uns vorgestellt haben.‘ Und junge Tamilen sagten dasselbe über die Singhalesen.“<br />“Heute, lernen wir als Sri Lanker, als ein Volk, weiterhin aus unserer Geschichte und unseren Fehlern. Wir wollen eine friedliche Nation aufbauen, gegründet auf harmonischem Zusammenleben und gegenseitigem Respekt“, fügt er hinzu.<br />Zehn Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs hat eine weitere tiefe Wunde die Kirche in Sri Lanka erschüttert: die Osteranschläge vom 21. April 2019. „Die Kirche hat sich stets für Transparenz und Gerechtigkeit eingesetzt“, erklärt der Priester. „Kardinal Malcolm Ranjith, Erzbischof von Colombo, hat sich gemeinsam mit allen Bischöfen des Landes mit großem Engagement mit diesem Thema auseinandergesetzt. Wir fordern weiterhin, dass die ganze Wahrheit ans Licht kommt.“ Laut Pfrrer Clarence bestand nach den Anschlägen ein sehr hohes Risiko einer Eskalation der Gewalt. „Kirchenvertreter“, erinnert er sich, „brachten sich persönlich in Gefahr, um jegliche Form von Rache zu vermeiden. Sie riefen die Bevölkerung zur Ruhe auf und wurden zu Symbolen und Werkzeugen des Friedens. Es entwickelte sich ein bedeutendes interreligiöses Engagement, an dem muslimische, buddhistische und hinduistische Führer sowie Vertreter anderer christlicher Konfessionen beteiligt sind.“<br />„Auch heute noch steht das Thema im Fokus der Öffentlichkeit, ebenso wie der Wunsch, die Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit fortzusetzen. Neue Untersuchungen laufen derzeit, und wir hoffen, dass sie zu konkreten Ergebnissen führen werden“, betont der Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke, „Die Opfer waren unschuldige Menschen: Kinder, Jugendliche, ganze Familien, die während der Osterfeierlichkeiten angegriffen wurden. Sie haben ein Recht auf Wahrheit und Gerechtigkeit. Die gesamte Nation erwartet den Abschluss der Ermittlungen“.<br />Sri Lanka sah sich in den letzten Jahren auch einer schweren Wirtschaftskrise gegenüber und wurde im November 2025 vom verheerenden Zyklon Ditwah heimgesucht, der das Land, insbesondere die Zentralregion und die Diözese Kandy – die Heimatdiözese von Pfarrer Clarence – schwer traf. „Viele Familien haben alles verloren“, berichtet er, „und müssen sich alles wieder aufbauen. Die soziale Lage ist weiterhin schwierig: Die Menschen kämpfen täglich ums Überleben. Verglichen mit vor drei Jahren hat sich die Situation zwar langsam verbessert, aber es ist noch ein langer Weg. Die neue Regierung unter Präsident Anura Kumara Dissanayake versucht, die Probleme anzugehen, doch es bleiben viele Herausforderungen bestehen, und in der Wiederaufbauphase steht die Kirche den Menschen stets zur Seite.“ Während der Wirtschaftskrise und nach dem Zyklon leistete die Kirche umgehend materielle Hilfe, vor allem aber auch psychologische und spirituelle Begleitung und bewies damit umfassende Solidarität: „Wir haben die bedürftigsten Familien unterstützt und ermutigt, ihnen Ressourcen und kirchliche Einrichtungen zur Verfügung gestellt. Wir haben ihnen das Nötigste geboten, ihnen zugehört und Trost gespendet. So viele Menschen fühlten sich nicht im Stich gelassen“, sagt er.<br />Zu den anhaltenden sozialen Problemen – so der Priester zur sozialen Lage des Landes – zählen regionale Ungleichheiten , weiterhin bestehende ethnische Spannungen mit geteilten Gedenkfeiern zum Ende des Bürgerkriegs sowie Arbeitslosigkeit mit der daraus resultierenden Auswanderung von Arbeitskräften, die aufgrund mangelnder Perspektiven zunimmt.<br />„Trotz all dieser Prüfungen und Schwierigkeiten ist die Flamme des Glaubens nie erloschen“, so Pfarrer Clarence, „Die Kirche möchte weiterhin ein Zeichen der Hoffnung und ein Instrument der Einheit zum Wohle aller Sri Lanker sein.“ Diese „Flamme“, betont der Nationaldirektor, habe uralte Wurzeln und eine christliche Geschichte voller Zeugnisse des Glaubens und der Widerstandsfähigkeit, die als Inspiration für die Gegenwart diene: „Obwohl man gemeinhin annimmt, das Christentum sei mit den Portugiesen im frühen 16. Jahrhundert nach Sri Lanka gekommen, belegen einige archäologische Funde, wie beispielsweise ein nestorianisches Kreuz, eine frühere christliche Präsenz. Mit der Ankunft der Portugiesen erfuhr der Glaube einen starken missionarischen Impuls, durchlebte aber auch schwere Zeiten. Während der darauffolgenden niederländischen Kolonialherrschaft ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurde der Katholizismus verboten, Priester wurden vertrieben, und das Land blieb fast dreißig Jahre lang ohne die Sakramente.“ Die calvinistischen Autoritäten der Niederländischen Ostindien-Kompanie schränkten den Katholizismus stark ein und bevorzugten die Niederländisch-Reformierte Kirche. „Doch die Menschen gaben den Glauben nie auf: Es waren vor allem die Laien, die ihn am Leben erhielten. Ein entscheidender Moment war die Ankunft des heiligen Joseph Vaz , des „zweiten Gründers“ der katholischen Kirche in Sri Lanka. Er kam mit nur einem Gehilfen aus Goa in Indien. Dank seines Mutes und dem der Priester, die ihm folgten, erlebte die katholische Gemeinde eine Wiedergeburt.“ „Aus dieser Geschichte der göttlichen Vorsehung, die der Herr für uns geschaffen hat, lernen wir, dass Gott uns nicht verlässt, und wir gehen mit Glauben und Hoffnung voran“, sagt er.<br />Der Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke blickt zuversichtlich in die Zukunft seines Landes: „Sri Lanka ist eine kleine und wunderschöne Insel. Unsere Bevölkerung ist friedlich und gastfreundlich. Die Hoffnung ist, dass wir durch Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung weiterhin in Frieden und Wohlstand leben können.“<br />Thu, 18 Jun 2026 14:13:02 +0200EUROPA/SPANIEN - Caritasdelegierter der Diözese Teneriffa im Anschluss an den Papstbesuch: “Eine Grenze, die zur Brücke wird”https://fides.org/de/news/77816-EUROPA_SPANIEN_Caritasdelegierter_der_Dioezese_Teneriffa_im_Anschluss_an_den_Papstbesuch_Eine_Grenze_die_zur_Bruecke_wirdhttps://fides.org/de/news/77816-EUROPA_SPANIEN_Caritasdelegierter_der_Dioezese_Teneriffa_im_Anschluss_an_den_Papstbesuch_Eine_Grenze_die_zur_Bruecke_wirdSanta Cruz de Tenerife – Der Besuch von Papst Leo XIV. auf den Kanarischen Inseln habe die dortige Kirche tiefgreifend geprägt und die Rolle des Archipels als Ort der Aufnahme und der Begegnung zwischen den Kontinenten gestärkt. Dies betonte Juan Pedro Rivero González, Diözesanbeauftragter von Caritas Tenerife, im Anschluss an die Apostolischen Reise des Papstes nach Spanien gegenüber Fides.<br />Laut Rivero González gewann die Anwesenheit Leos XIV. auf den Kanarischen Inseln eine Bedeutung, die über die lokale Dimension hinausgeht und ihre rein pastorale Relevanz übersteigt. „Für diejenigen, die auf diesen Inseln leben und es gewohnt sind, gleichzeitig nach Europa, Afrika und Amerika zu blicken, hallten seine Worte wie eine Bestätigung einer Berufung wider, die Teil unserer Identität ist: ein Land des Willkommens, der Begegnung und des Durchgangs zu sein“, so Rivero González.<br />Der Diözesandelegierte betont, wie die Anwesenheit des Papstes die Aufmerksamkeit auf die Migrationsrealität des Archipels gelenkt hat, eines der wichtigsten Tore nach Europa für Tausende von Menschen aus Afrika. „Der Heilige Vater kam nicht einfach, um sich mit einer komplexen soziale Situation zu befassen. Er wollte genau dort präsent sein, wo die Menschenwürde auf die Probe gestellt wird“ bekräftigt Rivero González<br />Mit Blick auf die Begegnungen Leos XIV. mit Migranten auf Gran Canaria und Teneriffa betont Rivero González: „Seine Worte an jene, die ihr Leben riskieren, um den Atlantik auf der Suche nach einer besseren Zukunft zu überqueren, erinnerten die gesamte Kirche daran, dass hinter jeder Zahl ein Gesicht, eine Geschichte und eine Hoffnung stehen.“ In diesem Zusammenhang fügt er hinzu: „Als er seinen Wunsch äußerte, sich vor der Würde der Migranten zu verneigen, rückte er eine wesentliche Wahrheit des Evangeliums wieder in den Mittelpunkt der Debatte: Der Mensch ist mehr wert als jede Grenze, jedes Interesse und jede politische Kalkulation.“<br />„Doch“, fährt er fort, „die Botschaft des Papstes beschränkte sich nicht auf einen Aufruf zur Solidarität. Sie war auch ein Aufruf zur pastoralen Umkehr. In den letzten Tagen haben die Kanarischen Inseln erfahren, dass Mission mit Zuhören beginnt. Mit dem Zuhören des Leidens, der Fragen, der Ängste und der Hoffnungen derer, die an unseren Küsten ankommen. Eine Kirche, die zuhören kann, ist eine Kirche, die glaubwürdig christliche Hoffnung verkünden kann“, fügt der Caritas-Delegierte hinzu.<br />Seiner Ansicht nach war eine der wichtigsten Lehren aus dem Papstbesuch die Erkenntnis, „dass die Peripherien nicht bloß geografische Orte sind. Es sind menschliche Räume, in denen Menschen auf Anerkennung, Unterstützung und Liebe warten“. Aus diesem Grund, so bemerkt er, „wurden die Inseln an der westlichsten Außengrenze Europas für einige Tage zum Symbol für die universale Mission der Kirche. Von dieser atlantischen Grenze aus erinnerte uns Leo XIV. daran, dass das Evangelium uns stets zur Begegnung drängt und dass sich keine christliche Gemeinschaft abschotten kann“.<br />Am Ende seines Besuchs auf Teneriffa, so Rivero González, lud der Papst alle ein, „ihren Blick zu heben“ – ein Ausdruck, der seiner Ansicht nach die Bedeutung dieser Tage für die Kirche auf den Kanarischen Inseln treffend zusammenfasst. „Lasst uns über unsere unmittelbaren Probleme, über unsere Gewissheiten und sogar über unsere Grenzen hinausblicken. Schaut auf unsere Brüder und Schwestern, schaut hoffnungsvoll in die Welt und schaut auf Christus, der immer wieder in den Schwächsten zu uns kommt. Für die Kirche auf den Kanarischen Inseln wird dies wohl das nachhaltigste Vermächtnis dieser wahrhaft unvergesslichen Tage sein.“<br /> Thu, 18 Jun 2026 13:32:34 +0200AFRIKA/SÜDSUDAN - Bischof Hiiboro Kussala zur Enzyklika “Magnifica Humanitas“: „Welche Art von Generation ziehen wir groß?“https://fides.org/de/news/77818-AFRIKA_SUeDSUDAN_Bischof_Hiiboro_Kussala_zur_Enzyklika_Magnifica_Humanitas_Welche_Art_von_Generation_ziehen_wir_grosshttps://fides.org/de/news/77818-AFRIKA_SUeDSUDAN_Bischof_Hiiboro_Kussala_zur_Enzyklika_Magnifica_Humanitas_Welche_Art_von_Generation_ziehen_wir_grossTombura Yambio – „Wir sind eine junge Nation. Unser größter Reichtum sind nicht Öl, Gold, Land oder politische Macht. Unser größter Reichtum sind unsere Kinder und Jugendlichen. Viele Kinder verbringen heute mehr Zeit vor Bildschirmen als mit ihren Eltern. Sie kennen Influencer in den sozialen Medien besser als ihre Lehrer. Sie werden Informationen ausgesetzt, lange bevor sie die nötige Weisheit entwickelt haben, um Wahrheit von Lüge, Gut von Böse zu unterscheiden“, so Bischof Eduardo Hiiboro Kussala von der Diözese Tombura Yambio in einem Kommentar zur kürzlich erschienenen Enzyklika „Magnifica Humanitas“, der ersten Enzyklika von Papst Leo XIV., in der dieser daran erinnert, dass Technologie ein Geschenk ist, aber niemals über uns bestimmen darf und uns dienen muss.<br />„Dies ist ein äußerst eindrucksvolles Dokument, das die Menschheit dazu aufruft, den Menschen und dessen Würde, die Moral, die Weisheit und die Verantwortung in den Mittelpunkt des technologischen Fortschritts zu stellen“, bemerkt der Bischof in einer Stellungnahme, die Fides vorliegt.<br /> „Technologie hat viele Vorteile gebracht“, bekräftigt der Bischof. „Sie hat Menschen vernetzt, den Zugang zu Wissen erweitert, die Kommunikation verbessert und Möglichkeiten eröffnet, die sich frühere Generationen nicht hätten vorstellen können. Doch jeder Vorteil bringt auch Verantwortung mit sich“, erklärt er. „Soziale Medien prägen unser Denken, beeinflussen unser Verhalten, schaffen Vorbilder, bestimmen Werte und formen Meinungen. Oftmals werden sie zum neuen Klassenzimmer, zum neuen Marktplatz, zum neuen Warenhaus und leider manchmal auch zur neuen Quelle der Verwirrung. Erziehen wir Denker oder bloß Konsumenten von Informationen? Erziehen wir verantwortungsbewusste Bürger oder digitale Süchtige? Erziehen wir Führungskräfte oder Mitläufer jeder Modeerscheinung? Helfen wir unseren Kindern, ihre eigene Identität zu finden, oder lassen wir Fremde im Internet diese für sie definieren? All diese Fragen müssen wir uns stellen.“<br />Bischof Hiiboro bezieht sich insbesondere auf die Realität, die ihn am meisten betrifft, und betont die Wichtigkeit, diese Fragen anzugehen und zu beantworten. „Im Südsudan, wo wir unsere Nation noch im Aufbau befinden, sind diese Fragen umso dringlicher“, bekräftigt er, „Eine Gesellschaft, die sich von einem Konflikt erholt, kann es sich nicht leisten, ihre Kinder an Sucht, Fehlinformationen, Online-Ausbeutung, Stammeshass, Pornografie, Gewalt und moralische Verwirrung zu verlieren. Unsere Kinder brauchen Bücher genauso wie Handys. Sie brauchen Spielplätze genauso wie Plattformen. Sie brauchen echte Freundschaften genauso wie virtuelle Kontakte. Sie brauchen Mentoren mehr als Influencer. Sie brauchen Charakter mehr als Popularität. Ich glaube, die Diskussion sollte sich nicht auf ein Verbot sozialer Medien beschränken. Es sollte darum gehen, Kinder zu schützen, Verantwortung zu fördern und sicherzustellen, dass Technologie der menschlichen Entwicklung dient, anstatt sie zu behindern. Eltern müssen sich stärker einbringen. Schulen müssen digitale Kompetenzen vermitteln. Kirchen müssen den ethischen Umgang mit Technologie diskutieren. Regierungen müssen Richtlinien zum Schutz von Kindern entwickeln. Technologieunternehmen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Vor allem aber müssen junge Menschen selbst lernen, dass Freiheit ohne Verantwortung unweigerlich in Sklaverei umschlägt“.<br />In diesem Kontext erinnert Bischof Hiiboro auch an die Erwägungen des britischen Premierministers Keir Starmer hervor, der Maßnahmen zur Einschränkung des Zugangs zu sozialen Medien für Kinder unter sechzehn Jahren in Betracht zieht. „Starmers Entscheidung hat in vielen Ländern Debatten, Lob, Kritik und Nachdenken ausgelöst. Ich persönlich halte sie für eine mutige und richtige Entscheidung. Unabhängig davon, ob wir mit allen Details einverstanden sind, wirft sie eine wichtige Frage für uns alle auf: Was für eine Generation ziehen wir da eigentlich groß? Diese Frage ist insbesondere für den Südsudan relevant“.<br /> „Die Botschaft von Papst Leo XIV. in der Enzyklika ‚Magnifica Humanitas‘ ist aktueller denn je“, betont der Prälat. „Menschlicher Fortschritt ohne moralische Weisheit ist gefährlich. Wissen ohne Werte kann zerstören. Technologie ohne Ethik kann die Gesellschaft spalten. In unserem Land dürfen wir die Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema nicht aufschieben; wir dürfen uns nicht darauf beschränken, Straßen, Schulen, Krankenhäuser und Institutionen zu bauen. Wir müssen den Charakter stärken. Die Zukunft einer Nation wird nicht durch die Raffinesse ihrer Technologie bestimmt, sondern durch die Qualität ihres Volkes. Eine Nation mit festen Werten kann Technologie weise nutzen. Eine Nation ohne Werte wird letztendlich zum Opfer ihrer eigenen Erfindungen.“<br />„Die Herausforderung, vor der wir stehen, ist also keine technologische, sondern eine menschliche“, schließt Bischof Hiiboro. „Die eigentliche Frage ist nicht, ob unsere Kinder Zugang zu sozialen Medien haben dürfen. Die eigentliche Frage ist, ob soziale Medien unseren Kindern helfen, zu den Männern und Frauen zu werden, die Gott geschaffen hat.“<br /> Thu, 18 Jun 2026 13:14:51 +0200AFRIKA/NIGERIA - Christliche und muslimische Religionsvertreter besorgt über zunehmende Unsicherheithttps://fides.org/de/news/77820-AFRIKA_NIGERIA_Christliche_und_muslimische_Religionsvertreter_besorgt_ueber_zunehmende_Unsicherheithttps://fides.org/de/news/77820-AFRIKA_NIGERIA_Christliche_und_muslimische_Religionsvertreter_besorgt_ueber_zunehmende_UnsicherheitAbuja – „Jeden Morgen erreichen uns Nachrichten über die Gräueltaten von Boko Haram, Banditen und Kriminellen aller Art im ganzen Land“, so Erzbischof Alfred Adewale Martins von Lagos, stellvertretender Vorsitzender der Katholischen Bischofskonferenz Nigerias , mit Blick auf die anhaltenden Entführungen, Angriffe auf Sicherheitskräfte und die Vertreibung ganzer Gemeinschaften in verschiedenen Regionen Nigerias.<br />Während des Dankgottesdienstes am 16. Juni in der Kathedrale des Heiligen Kreuzes in Lagos anlässlich des 90. Geburtstags, des 60jährigen Priesterjubiläums und des 55. Jahrestages der Bischofsweihe von Kardinal Anthony Okogie, emeritierter Erzbischof der katholischen Erzdiözese Lagos, appellierte Erzbischof Martins an Präsident Bola Tinubu, entschlossen zu handeln, um Frieden und Sicherheit im Land wiederherzustellen.<br /> „Es vergeht kein Tag ohne Berichte über Entführungen durch sogenannte Banditen und andere Kriminelle, über Hinterhalte und Tötungen von Soldaten, darunter auch Generäle, über Menschen, die gezwungen sind, ihre Häuser zu verlassen, und sogar über traditionelle Anführer, die aus Angst vor gewaltsamen Angriffen ihre Gebiete verlassen“, sagte Erzbischof Martins und fügte hinzu: „Es wird immer schwieriger zu verstehen, was in unserem Land geschieht.“<br />Auch der Sultan von Sokoto, Alhaji Muhammad Sa'ad Abubakar, Präsident der Jama'atu Nasril Islam , einer der wichtigsten islamischen Organisationen des Landes, sprach die Unsicherheit an, die weite Teile Nigerias heimsucht. In einer ebenfalls am 16. Juni veröffentlichten Erklärung rief der Sultan die Gläubigen zu inständigen Gebeten für das Wohlergehen Nigerias und die Festigung von Frieden und Sicherheit auf und betonte, dass die neue Welle der Gewalt und Unsicherheit allen bisherigen Gegenmaßnahmen zu widerstehen scheine.<br />Der Sultan bat insbesondere darum, dass das Freitagsgebet am 19. Juni besonderen Bittgebeten gewidmet werde, um die sozialen Missstände in Nigeria zu beheben, einschließlich des zunehmenden Phänomens von Entführungen und Banditentum.<br /> Thu, 18 Jun 2026 12:41:01 +0200ASIEN/HEILIGES LAND - Griechisch-orthodoxes Patriarchat von Jerusalem beklagt Aneignung von kirchlichem Eigentum im Stadteil Silwanhttps://fides.org/de/news/77821-ASIEN_HEILIGES_LAND_Griechisch_orthodoxes_Patriarchat_von_Jerusalem_beklagt_Aneignung_von_kirchlichem_Eigentum_im_Stadteil_Silwanhttps://fides.org/de/news/77821-ASIEN_HEILIGES_LAND_Griechisch_orthodoxes_Patriarchat_von_Jerusalem_beklagt_Aneignung_von_kirchlichem_Eigentum_im_Stadteil_SilwanJerusalem – Als „illegale und unrechtmäßige Aneignung“, die „einen gefährlichen Präzedenzfall schafft“, bezeichnete das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Jerusalem die Beschlagnahme eines Grundstücks neben dem Kloster des Heiligen Onuphrius im palästinensischen Stadteil Silwan von Jerusalem, durch israelische Behörden am 15. Juni.<br />In einer am 17. Juni veröffentlichten Erklärung äußerte das orthodoxe Patriarchat von Jerusalem „tiefe Besorgnis über die Razzia und widerrechtliche Aneignung von Land durch israelische Behörden am 15. Juni 2026 auf Kirchengrundstück in Silwan“.<br />„Während der Operation“, heißt es in der Erklärung, „wurde der Vertreter des Patriarchats vor Ort gewaltsam entfernt. Seine Ausrüstung wurde beschlagnahmt, die Bäume entwurzelt und das Grundstück eingezäunt und mit einem Tor versehen.“ Laut Patriarchat stellt dieser Vorfall „eine unrechtmäßige Aneignung von Kircheneigentum im Herzen Jerusalems“ dar.<br /> „Das Patriarchat bekräftigt, dass das Grundstück, Parzelle Nr. 6 des Blocks 29985, das in den offiziellen Grundbüchern auf seinen Namen eingetragen ist, an das alte Kloster des Heiligen Onuphrius angrenzt und von großem historischem, archäologischem und religiösem Wert ist. Es weist außerdem die am Tag der Aktion veröffentlichte Erklärung zurück, in der der Eingriff als ‚Rückgewinnung von staatseigenem Land‘ von archäologischer Bedeutung bezeichnet wird“, heißt es in der Erklärung weiter.<br />In der Erklärung, die Fides vorliegt, heißt es weiter: „Das Patriarchat betont, dass die Beschlagnahmung dieses Privateigentums der Kirche mit seinem christlichen Erbe und seiner religiösen Bedeutung einen gefährlichen Präzedenzfall für die Rechte der Kirche in Jerusalem schafft. Es betont ferner, dass die Anwendung einer städtischen Verordnung zur Grünflächenpflege vom 18. April 2019 mit Gültigkeit bis April 2024 keine Rechtsgrundlage für das Roden von Bäumen, die Absetzung des rechtmäßigen Verwalters, die Absperrung von Kirchengelände oder die Verweigerung des Zugangs des Patriarchats zu seinem Eigentum bietet.“<br />Die Erklärung schließt mit der Äußerung wachsender Besorgnis darüber, dass die Ereignisse in Silwan Teil eines umfassenderen Musters von Übergriffen seien, die darauf abzielten, die einheimische christliche Präsenz im Heiligen Land zu schwächen. Das Patriarchat weist zudem auf die Zunahme von Angriffen gegen Christen und Gotteshäuser hin und verurteilt ein Klima der „inakzeptablen internationalen Toleranz“. Laut der Erklärung wurden im Jahr 2024 insgesamt 111 Angriffe oder Gewalttaten gegen Geistliche, Ordensfrauen, Gläubige und christliche Gemeinden registriert, 35 davon richteten sich gegen Kirchen, Klöster und religiöse Symbole.<br /> Thu, 18 Jun 2026 12:31:53 +0200Pater Camerlengo: „Osorios Hingabe wird zum Samen, um das Böse mit dem Guten zu besiegen“https://fides.org/de/news/77817-Pater_Camerlengo_Osorios_Hingabe_wird_zum_Samen_um_das_Boese_mit_dem_Guten_zu_besiegenhttps://fides.org/de/news/77817-Pater_Camerlengo_Osorios_Hingabe_wird_zum_Samen_um_das_Boese_mit_dem_Guten_zu_besiegenVon Pater Stefano Camerlengo*<br /><br />Dianra – Ich habe Osório Citora Afonso persönlich im Theologischen Seminar der Consolata-Missionare in Kinshasa kennengelernt, wohin er aus unserem Noviziat in Mosambik gekommen war. Mein erster Eindruck war der eines jungen Mannes voller Lebensfreude und Tatendrang, der Gutes tun und es gut machen wollte. Er hatte ein großes Talent, Beziehungen aufzubauen, eine Eigenschaft, die ihn sein ganzes Leben lang begleitete. Wo immer er hinkam, schlug er Brücken, schuf Gemeinschaft und öffnete neue Wege.<br />Ich erinnere mich, als er nach einem schweren Autounfall, den er zusammen mit anderen Missionaren im Kongo erlitten hatte, gezwungen war, mehrere Jahre in medizinischer Behandlung zu bleiben. Der Unfall hatte ihn gelähmt und ans Bett gefesselt und zwang ihn zu einer sehr schmerzhaften Intensivbehandlung. Er ertrug all dies mit Freude und Dankbarkeit gegenüber denen, die sich um ihn kümmerten. Da ich seine gute und einladende Art kannte und schätzte, schmerzt es mich umso mehr, an seinen Tod zu denken. Er, der Mann des Dialogs, der Begegnung, der Freude am Miteinander, wurde in seinem eigenen Zuhause getötet. <br />Sein trauriger und schmerzlicher Tod ist ein Same, eine Liebe, die alles und jeden umfasst und jede Barriere überwindet. Eine Liebe, die uns ermutigt, unser Leben dem Evangelium getreu zu leben, und die mich heute dazu bewegt, einige Gedanken mit den Lesern zu teilen.<br /><br />Der Kampf gegen das Böse<br /><br />Was Bischof Osorio widerfahren ist, lässt sich weder erklären noch rechtfertigen; es ist die Macht des Bösen, die sich aufdrängt und ihre Opfer fordert. Angesichts dessen offenbart sich die Ohnmacht des Menschen und die Tragik seiner Existenz. Tragisch ist die Unfähigkeit, das Gute zu tun, das wir uns wünschen, und die Unfähigkeit, das Böse zu verhindern.<br />Der Apostel Paulus beschrieb im siebten Kapitel des Römerbriefs eindringlich den tragischen Zustand des Menschen angesichts des Bösen: Es ist der Zustand des Selbst, ohnmächtig angesichts des Guten, das es nicht vollbringt, und des Bösen, das es tut. Für Paulus ist es diese Ohnmacht, die der Sohn Gottes durch die Kraft seiner grenzenlosen Liebe zu seiner eigenen gemacht hat, wodurch das Tragische in den Abgrund der Göttlichkeit aufgenommen wird. Es ist die erschütternde Offenbarung, dass Gott „seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat“ , nach dem Vorbild Abrahams, der bereit war, seinen geliebten Sohn Isaak als Opfer darzubringen . Tief in Gott verwurzelt, wird das Tragische von seinem Geist erfüllt, dessen Seufzen, im Römerbrief beschrieben, die Kluft zwischen dem gegenwärtigen Bösen und dem verheißenen Gut, zwischen Erfahrung und Erwartung, verdeutlicht. Das Tragische in Gott wird so zur wahren Offenbarung unseres Wesens: Nur durch diese Offenbarung wird es möglich, die Vergänglichkeit der Welt in all ihrer Tragik zu erkennen. <br />Gerade so aber ist Erlösung möglich: Wenn Gott in der Ohnmacht wohnt, wird sie erlöst. Nur unendliches Erbarmen erlöst die Szenerie dieser vergänglichen Welt, ohne ihre Vergänglichkeit zu schwächen, sondern vielmehr ihre Würde zu erhöhen, weil sie vom Erlöser angenommen wurde.<br />Eine sorgfältige Lektüre des Römerbriefs zeigt, dass die christliche Botschaft weit davon entfernt ist, Tragödien durch oberflächlichen Moralismus zu vernichten, sondern vielmehr die Tragik im Zustand derer zu begreifen, die Schwäche und Leid erfahren, obwohl sie durch ihren Glauben an Christus gerechtfertigt sind. Christliche Tragödie betrifft nicht nur den Sohn, sondern auch Gott, der ihn für uns nicht verschont hat, und den Heiligen Geist, der unser Seufzen und das der ganzen Schöpfung teilt. <br />Nur ein Gott, der in der Tragödie wohnt, bringt die frohe Botschaft der Gnade in sie hinein: Nur der menschliche Gott, der die Last des Bösen trägt, das die Erde verwüstet, kann uns und die Welt befreien. Das Böse wurde in Gott aufgenommen, der es allein so besiegen kann. Das ist die Botschaft des Römerbriefs, die angesichts unserer gegenwärtigen, zerrütteten Lage so brennend aktuell ist und keine einfachen Retter sucht, sondern eine andere, tiefe Nähe, die den Sinn unseres gemeinsamen Weges wiederherstellen kann. Paulus sagt uns, dass Gott in Christus zum Begleiter des menschlichen Leidens und zum Fundament möglicher Hoffnung geworden ist: dies ist der „Wahnsinn“, der seiner Botschaft innewohnt.<br />Das Paradoxon dieses „tragischen Evangeliums“ birgt seine ganze brisante Relevanz. Hier offenbart sich die christliche Hoffnung in ihrem wahren Wesen: nicht als tröstliche Ausflucht, sondern als kämpferische Vorwegnahme der Zukunft, die in Christus Jesus in diese Welt kam, der unseren Schmerz, das uns verwundende Böse und den Tod auf sich nahm. Gerade die Erfahrung und Erkenntnis dieses „radikalen Bösen“ ruft uns zu einem höheren Gut, das nicht allein aus Fleisch und Blut stammen kann, sondern von anderswoher kommt. Vom Bösen kann uns nur Gott erlösen: nicht irgendein Gott, sondern derjenige, der unseren tragischen Zustand auf sich nahm und ihn sich zu eigen machte, um ihn an unserer Stelle und für uns zu besiegen. Der Gott unendlicher Liebe: der Gott Jesu Christi. Und Osorios Hingabe wird so zum Samen, der das Böse mit dem Guten besiegt.<br /><br />Osorio: ein Martyrium der Gerechtigkeit<br /><br />Die tragischen Ereignisse, die zum brutalen Mord an unserem Osorio führten, legen ein umfassendes und authentisches Zeugnis nahe, ein Martyrium der Gerechtigkeit. Für einen Christen ist Jesus Christus der treue und authentische Zeuge, und seine Jünger sind seine Zeugen. Und Märtyrer sind, der Etymologie des Begriffs nach, Zeugen, ja, die Zeugen schlechthin, so sehr, dass in ihnen das Zeugnis seine Erfüllung findet.<br />Märtyrer sind unbequeme Mahner; sie zeigen Züge einer beunruhigenden Härte, die in der heutigen Gesellschaft bei vielen ein seltsames Unbehagen auslöst. Osorio sagte, man dürfe angesichts von Ungerechtigkeit, angesichts des Bösen nicht schweigen. Für die frühen Christen hatten Märtyrer eine sehr enge Verbindung zu Christus; sie waren die Erfüllung nicht nur seiner vollkommenen Liebe, sondern auch seines blutigen Todes am Kreuz.<br /><br />Einige Überlegungen:<br />Das Glaubensbekenntnis und das Engagement für die Verwirklichung des Reiches Gottes dürfen nicht als zwei voneinander getrennte Dinge betrachtet werden. Für die frühen christlichen Gemeinden war das Zeugnis keine rein private Angelegenheit, sondern erforderte ein öffentliches Bekenntnis mit offenkundigen politischen Auswirkungen auf das öffentliche Leben der Gläubigen – ein deutlicher Gegensatz zur totalitären Auffassung des römischen Kaiserkults. Ihm gegenüber wurde Gottes Recht auf menschlichen Gehorsam geltend gemacht.<br />All dies war eng verknüpft mit der Verkündigung des Reiches Gottes und seiner Gerechtigkeit sowie der Bergpredigt, die zu einem Engagement für Gerechtigkeit aufrief, das sogar zu Martyrium, Verfolgung und Tod führen konnte, wie Jesus es selbst verkündet und beispielhaft vorgelebt hatte. Das Engagement für die Verwirklichung des Reiches Gottes, nach dem Glaubensbekenntnis an die Schöpfung, muss als zweite grundlegende Motivation für das theologische Konzept des Martyriums verstanden werden. Diejenigen, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, können daher mit Recht als Märtyrer im eigentlichen Sinne und als „qualifizierte Zeugen Christi“ bezeichnet werden.<br />Wir müssen der engen Verflechtung von Gottesliebe und Nächstenliebe höchste Beachtung schenken, wie sie aus allen Texten des Neuen Testaments hervorgeht, die keine Ausnahmen zulassen: Für Christus leiden nicht nur diejenigen, die um Christi willen leiden, sondern auch diejenigen, die um Christi willen für ein Werk der Gerechtigkeit leiden, wie unser lieber Osorio.<br /><br />Der Schmerz der Mutter<br /><br />Wenn wir an Osorios tragisches Ende denken, wie könnten wir da nicht an seine Mutter denken, die, nach der unermesslichen Freude, ihn als Bischof zu sehen, ihn von Übeltätern ermordet vorfindet? Genau wie die Mutter Jesu, deren Sohn ans Kreuz genagelt wurde… Wie könnten wir uns nicht vorstellen – die Volkstradition erzählt es uns –, wie die Jungfrau Maria an der Seite ihres Sohnes nach Golgatha ging? Das Merkwürdige ist, dass in den Evangelien nichts über ihren Weg berichtet wird; nicht einmal ein Seufzer, ein Schrei ist überliefert. Und doch finden wir sie unter dem Kreuz. Maria öffnet ihren Mund nicht, sie spricht kein Wort. Wir können uns ihre Worte vorstellen. Es müssen Worte voller Liebe gewesen sein, wie nur Mütter sie aussprechen können, so wie ihr Sohn sie es gelehrt hatte.<br />In diesem Kontext wird die Bedeutung des Todes im Leben des Missionars deutlich: Tod bedeutet auch Schmerz und Kreuz, Bedrängnis und Prüfung, Hingabe und Opfer. Ja, er gehört zu den grundlegenden und, wie ich sagen würde, konstitutiven Ideen des Apostolats im Allgemeinen und des missionarischen Apostolats im Besonderen. Entweder gibt und verpflichtet sich der Missionar ganz und stellt sein Leben in den Dienst der Bedürftigsten, oder er ist kein Missionar.<br />Der Apostel ist von Natur aus ein Mensch, der sich auf radikalste und umfassendste Weise aufopfert. Der heilige Paulus, der sich selbst als Idealbild des Apostels darstellt, bedient sich einer eindrucksvollen und wirkungsvollen Sprache.Ihm zufolge ist der Apostel ein Mensch, der zum Tode bestimmt ist, wie ein Schaf zur Schlachtbank: Von allen verfolgt und verlassen, muss er Mühen und Leiden jeder Art ertragen. <br />Paulus leidet für seine Kinder wie eine Mutter, und wie eine Mutter gebiert er sie unter Schmerzen, beschützt sie und hält sie warm an seiner Brust; wie eine Mutter ist er stets in Angst und Sehnsucht; wie eine Mutter hat er die höchste Ehre und Freude, durch seinen Tod Leben zu spenden.<br />Dieses großartige Bild verwendet auch Jesus, der mit Freude sagte: „Die Mutter leidet, wenn ihre Stunde gekommen ist; aber wenn sie ihr Kind geboren hat, freut sie sich, dass ein anderer Mensch in die Welt gekommen ist!“<br />Das Bild der leidenden Mutter erinnert uns an ein anderes grundlegendes und wichtiges: das Abrahams, unseres Glaubensvaters, der seinen Sohn Isaak, seinen „einzigen geliebten Sohn“, auf den Berg Morija bringt, um ihn Gott zu opfern. Auch die Mutter des Missionars opfert: Sie opfert ihren Sohn für Christus und seine bedürftigsten Brüder. Sie ahmt die heldenhafte Geste Abrahams nach, der, während er seinen Sohn den Berg hinaufbringt, weint und leidet; dennoch gehorcht er mutig dem Wort Gottes, das seinen Glauben auf die Probe stellt. Auch die Mutter weint wie Abraham und erleidet die heiligen Schmerzen der Geburt, indem sie ihren Sohn für das Missionsapostolat gebiert.<br />Dies ist eine zweite Art der Zeugung und eine andere Art von Fruchtbarkeit, die gemäß dem heiligen Gesetz der Zeugung notwendigerweise Blut und Tränen kosten muss: „Du wirst unter Schmerzen gebären!“ Und wenn der Schmerz der Mutter, die nach dem Fleisch gebiert, groß ist, so muss der Schmerz der Mutter, die ihren Sohn für das Apostolat wiedergebären wird, noch größer sein. Aber ihre Freude wird auch umso größer sein. Schmerz, Freude und Apostolat bilden eine unbestreitbaren sakramentalen Dreiklang.<br />Es ist das von Gott erdachte und durch das Leben und die Lehre Jesu Christi besiegelte Gesetz, der für uns am Kreuz starb und uns sagte: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein.“ Ohne den Tod des Korns sind die Weizenähre und das gute Brot, das uns nährt, unmöglich. Das heilige Gesetz von Tod und Schmerz, von Opfer und Hingabe abzulehnen, bedeutet, die schreckliche Strafe der Unfruchtbarkeit und des Todes zu wählen: So erlischt das Leben unaufhaltsam.<br />Wie die Mutter muss der Missionar zum gebrochenen guten Brot und zum ausgegossenen guten Wein werden, so wie Christus in der Eucharistie, der die höchste Geste seines Todes für unser Leben wiederholt. Wie die Mutter muss der Apostel erfahren, was auf dem Altar geschieht: täglich zum gebrochenen guten Brot und zum ausgegossenen guten Wein zu werden. In dieser täglichen sakramentalen Hingabe findet er seine ganze Freude und den Erfolg seines missionarischen Apostolats. Wir müssen unwillkürlich an die berühmten Worte denken, die die Mutter des heiligen Giovanni Bosco am Tag seiner Priesterweihe zu ihm sagte: „Denk daran, mein Sohn, dass Priestersein Leiden bedeutet.“<br />Abschließend können wir sagen, dass unser Osorio dafür gekämpft und sein Leben gegeben hat. Er bekräftigt, dass der Unterschied von denen ausgeht, die kämpfen, die lehren zu kämpfen, die sich selbst aufopfern und die leiden. Der Unterschied liegt in denen, die ausharren. Der Unterschied liegt in denen, die nicht vor dem Schmerz fliehen und die keine Träume mehr haben, sondern weiter träumen. In denen, die nicht hoffen, ewig zu leben, sondern ewig leben. In denen, die sich selbst retten, weil andere Wichtigeres zu tun haben. In denen, die ihr Glück nicht verschweigen und deshalb so fest wie möglich umarmen und, wenn die Kälte vorüber ist, weiter zittern. Der Unterschied liegt in denen, die der Stille der Einsamkeit lauschen und die Fürsorge in Poesie verwandeln. Der Unterschied liegt in Taten statt Worten; deshalb gelingt es nur wenigen. Denn der Unterschied liegt, wie immer, in denen, die Risiken eingehen, die bleiben, die lieben.<br />Und er, der sein Leben für die Sache der Gerechtigkeit und Christi gab, liebte und blieb dabei ein Same, der reiche Frucht trägt!<br /><br /><br />*Consolata-MissionarThu, 18 Jun 2026 12:05:34 +0200AFRIKA/MALI - Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke ernannthttps://fides.org/de/news/77815-AFRIKA_MALI_Nationaldirektor_der_Paepstlichen_Missionswerke_ernannthttps://fides.org/de/news/77815-AFRIKA_MALI_Nationaldirektor_der_Paepstlichen_Missionswerke_ernanntVatikanstadt - Kardinal Luis Antonio G. Tagle, Pro-Präfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung hat am 30. April 2026, Pfarrer Cyprien Diarra aus der Diözese Ségou für fünf Jahre zum Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Mali ernannt.<br />Er besuchte die Schule in Béléko und Niono und absolvierte anschließend von 1986 bis 1989 eine Ausbildung zum Metallarbeiter im „Centre-Père-Michel“ bei den Salesianern von Don Bosco in Bamako. Von September 1989 bis August 1992 arbeitete er für „Air Liquide“ in Mali und war Mitglied der Christlichen Arbeiterjugend. Von Oktober 1992 bis Juni 1996 besuchte er das Kleine Seminar in Dapaong . Von Oktober 1996 bis Juni 2003 setzte er seine Ausbildung am Priesterseminar „Saint Augustin“ in Samaya fort und war von September 2003 bis August 2005 Sekretär in der Diözese Ségou.<br />Nach seiner Priesterweihe im Jahr 2004 war Pater Diarra von September 2005 bis August 2009 Vikar an der Kathedralpfarrei von Ségou. Dort war er diözesaner Koordinator für das Kindermissionswerk und die Berufungspastoral sowie Pfarrkoordinator für das Kindermissionswerk, die Katechese und Radiosendungen. Von September 2009 bis Juli 2010 war er zusätzlich Administrator der Kathedralpfarrei von Ségou. Im September 2010 ging er nach Rom, um an der Universität „Teresianum“ zu studieren und 2012 ein Lizenziat in spiritueller Theologie zu erwerben. Von Januar bis Juni 2013 absolvierte er die Ausbildung zum geistlichen Begleiter im Jesuiten-Zentrum „Le Châtelard“ in Lyon .<br />Von September 2013 bis Juli 2019 war er Vikar in der Pfarrei „Notre Dame du Sahel“ in Niono und bekleidete dort folgende Ämter: Leiter der diözesanen Partnerschaftskommission, Mitglied der diözesanen Ausbildungskommission, Leiter der Pfarrjugend, Koordinator des Radioprogramms, Koordinator der Katechese sowie Leiter der Finanzen und des Pfarrsekretariats. Von August 2019 bis August 2020 nahm er ein Sabbatjahr und zog sich in ein Kloster in Guinea zurück, um sich am IFIC in Bamako in Islamwissenschaften weiterzubilden. Im Juli und August 2021 besuchte er einen Auffrischungskurs des ICOF in Abidjan. Seit September 2020 ist er Pfarrer der Gemeinde „Saint Pierre Claver“ in Fana, und von Juni 2021 bis Juni 2024 war er Generalsekretär der Diözesanen Priestervereinigung von Ségou.<br />Derzeit ist er Diözesandirektor der Päpstlichen Missionswerke und Diözesankoordinator für Städtepartnerschaften und missionarische Zusammenarbeit.<br /> Wed, 17 Jun 2026 09:50:59 +0200ASIEN/LAOS - Bischof Enrique Figaredo: “Die Kirche in Laos ist kreativ”https://fides.org/de/news/77811-ASIEN_LAOS_Bischof_Enrique_Figaredo_Die_Kirche_in_Laos_ist_kreativhttps://fides.org/de/news/77811-ASIEN_LAOS_Bischof_Enrique_Figaredo_Die_Kirche_in_Laos_ist_kreativVon Paolo Affatato<br /><br />Vientiane – Die katholische Kirche in Laos befindet sich in einer vielversprechenden Übergangsphase. Diese ist geprägt vom Generationswechsel zwischen den Hirten, die die kirchliche Gemeinschaft durch die schwierigsten Jahrzehnte geführt haben, und einer neuen Generation von Bischöfen, Priestern und Laien, die berufen sind, ihr Erbe fortzuführen. Dies erklärte der spanische Bischof Enrique Figaredo Alvargonzález , Apostolischer Präfekt von Battambang und Vorsitzender der Bischofskonferenz von Laos und Kambodscha , gegenüber Fides. Die katholische Glaubensgemeinschaft in Laos zählt etwa 50.000 Mitglieder – weniger als ein Prozent der Gesamtbevölkerung –, die sich auf vier Apostolische Vikariate im Land verteilen. Die Ortskirche wird von etwa fünfzig Priestern, drei Bischöfen und zahlreichen Katecheten und Ordensschwestern betreut, die die Seelsorge in den oft in abgelegenen Gebieten des Landes verstreuten Gemeinden gewährleisten.<br /> „In Laos erleben wir den Übergang zu einer neuen Generation“, bekräftigt Bischof Figaredo gegenüber Fides. „Auch in der Kirche gibt es eine neue Generation von Bischöfen und Priestern. Die älteren, wie Kardinal Louis-Marie Ling Mangkhanekhoun, sind nicht mehr in der Lage, ihren Dienst vollumfänglich auszuüben. Damit beginnt ein neues Kapitel – ein Zeichen der Hoffnung“, fügte er hinzu.<br />Laut dem Jesuitenmissionar hatte die vorherige Generation, die vor dem kommunistischen Regime aufgewachsen war, die Möglichkeit, sich im Ausland weiterzubilden, Kontakte zu knüpfen und ihr spirituelles Erbe durch den Austausch mit Kirchen auf anderen Kontinenten und dank des Engagements von Missionaren zu bereichern. Zwischen Ende 1975 und 1976, nachdem die kommunistische Widerstandsbewegung „Pathet-Lao“ die Macht ergriffen und die Demokratische Volksrepublik Laos ausgerufen hatte, riegelte das kommunistische Regime das Land ab und wies ausländische Missionare aus. Heute stammen die Kirchenmitarbeiter zumeist aus dem lokalen Umfeld und haben weniger Bildungs- und Sprachmöglichkeiten als früher, obwohl einige neue Bischöfe, wie beispielsweise Andrew Souksavath Nouane Asa, der in Kanada ausgebildet wurde, und Anthony Adoun Hongsaphong, der in der Schweiz lebte, im Ausland studieren und Erfahrungen sammeln konnten. „Die neue Generation“, erklärt der CELAC-Vorsitzende, „verfügt nicht über denselben Reichtum an menschlichen, spirituellen, seelsorgerischen und kulturellen Erfahrungen wie jene, die zur Zeit der Missionare existierten. Doch gerade in der Armut an Ressourcen entsteht große Kreativität.“<br />Zu den besonderen Merkmalen der laotischen Kirche gehört die herausragende Stellung der Laien. „Die Bischöfe haben großes Vertrauen in die Laien und übertragen ihnen zahlreiche Aufgaben. Es sind oft die Laien, die Pfarreien und Gemeinden begleiten und in Kleinen Seminaren unterrichten. Ihr Engagement ist von grundlegender Bedeutung.“<br />Zu den bedeutendsten Initiativen zählt die von Bischof Andrew Souksavath, der zahlreiche junge Menschen zur Teilnahme an Führungskräftetrainingsprogrammen auf die Philippinen entsandt hat. „Dies ist ein konkretes Beispiel pastoraler Kreativität. Es wird in Ausbildung und Teilhabe investiert“, bemerkt der Vorsitzende der Bischofskonferenz von Laos und Kambodscha. „Das Problem der Armut bleibt jedoch bestehen“, fährt er fort, „Viele junge Menschen, die über die Kirche eine Ausbildung erhalten, wandern schließlich nach Thailand aus, um Arbeit zu suchen“. Migration ist weiterhin eine der größten Herausforderungen des Landes. Die laotische Wirtschaft basiert hauptsächlich auf der Landwirtschaft und einem langsam wachsenden Tourismussektor. In den letzten Jahren sind erhebliche ausländische Investitionen, insbesondere aus China, eingeflossen, doch die Vorteile kommen nicht immer bei den lokalen Gemeinschaften an. „Es wird von Modernisierung und Entwicklung gesprochen, aber alles bleibt streng staatlich kontrolliert, und es gibt keine vollständige Freiheit“, stellt Pater Figaredo fest. „Trotzdem gelingt es der Kirche, sich in diesem Rahmen mit Umsicht und Weisheit zu bewegen.“<br />Das kirchliche Leben geht weiterhin beharrlich seinen Gang: „Bischöfe und Priester spenden die Sakramente, begleiten die Gläubigen und halten den Glauben in kleinen Gemeinden lebendig. Sie müssen ständig Berichte an die Behörden einreichen und zahlreiche bürokratische Formalitäten erledigen. Das ist anstrengend, aber sie tun es geduldig.“ Laut dem spanischen Missionar ist das Beeindruckendste die Gelassenheit der Gläubigen. „Die laotischen Katholiken haben Frieden im Herzen. Sie leben ihren Glauben trotz aller Schwierigkeiten mit Freude. Sie haben einen tiefen Glauben und bleiben Christus und seiner Sendung treu.“<br />Diese Lebendigkeit zeigt sich auch in der Evangelisierungsarbeit. Die Seelsorge wird durch Besuche in den entlegensten Dörfern fortgesetzt, wo die Katholiken oft in kleinen Gemeinschaften verstreut leben. Doch Priester und Bischöfe können sie nicht immer zu den Menschen gelangen, daher werden viele Aufgaben Laien anvertraut. „In die Dörfer zu gelangen ist nicht einfach“, sagt Bischof Figaredo. „Man muss die Behörden im Voraus informieren, und die Beamten verlangen oft Erklärungen zu den durchgeführten Aktivitäten.“ Trotzdem finden weiterhin Taufen von Kindern und Erwachsenen statt, und es kommt zu Konversionen ganzer Familien oder sogar ganzer Dörfer aus animistischen Traditionen. Bischof Figaredo erinnert insbesondere an Jean Khamsé Vithavong , einem katholischen Bischof der Kongregation der Missionare Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria, der sich bis zu seinen letzten Lebenstagen der Aufnahme neuer Täuflinge und neuer Gemeinden in die Kirche widmete. „Die nächste Schwierigkeit ist die offizielle Registrierung der neuen Katholiken. Die Regierung erlaubt ihnen zwar den Beitritt zur Kirche, aber die Anerkennungsverfahren sind langwierig und kompliziert.“<br />Ein großes Zeichen der Hoffnung für die Kirche in Laos war die Priesterweihe der ersten beiden laotischen Redemptoristen, Pater Peter Gnantina Phiakeo und Pater Philip Nouy Kamhou, im April 2026: „Dies stärkt die Zuversicht für die Zukunft, da einheimische Berufungen zum Priesteramt entstehen und sich erfüllen“, bemerkt er. Die beiden neuen Priester absolvierten ihre Ausbildung in Laos, Thailand, den Philippinen und Australien dank der Unterstützung der Ordensprovinz Thailand der Redemptoristen. Daher bringen sie „internationale Erfahrung und eine Ausbildung mit, die der Ortskirche helfen kann, künftige Herausforderungen zu meistern“, so der Jesuit. <br />Eine wichtige Ermutigung sei auch das kürzliche Treffen mit Papst Leo XIV. während des Ad-limina-Besuchs der Bischöfe von Laos und Kambodscha gewesen: „Die laotischen Bischöfe kehrten sehr zufrieden zurück. Sie konnten dem Papst die Realität in Laos schildern, über die aufgrund ihrer Komplexität oft nur schwer offen gesprochen werden kann.“<br />Mit Blick auf die Zukunft sieht der CELAC-Vorsitzende positive Anzeichen sowohl in der Kirche als auch in der Gesellschaft. „Die Kirche in Laos schreitet geduldig und in kleinen Schritten voran. Es geht voran, und die Zeit spielt für uns. Eine neue Generation wächst heran, die sich zunehmend am kirchlichen und öffentlichen Leben beteiligt.“ Auch politisch beobachtet er, dass einige junge Abgeordnete des neuen Parlaments offener für die Außenwelt zu sein scheinen und eine andere Vision als in der Vergangenheit verfolgen. „Wir hoffen auf eine allgemeine Erneuerung durch die neuen Generationen“, bekräftigt er in diesem Zusammenhang. <br />Besonderes Augenmerk gelte deshalb den jungen Menschen. Eine Delegation junger Menschen aus Laos und Kambodscha wird 2027 am Weltjugendtag in Südkorea teilnehmen. Während die administrativen Verfahren für junge Kambodschaner einfacher sind, stehen laotische Jugendliche vor größeren Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Visa und Reisekosten. „Dank der Unterstützung der koreanischen und anderer asiatischer Gemeinschaften kann auch eine kleine Gruppe junger Laoten teilnehmen“, berichtet Bischof Figaredo. „Für diejenigen, die im Land bleiben, werden wir den Weltjugendtag auf lokaler Ebene feiern.“<br />Im Alltag der laotischen Kirche, so der Missionar, trete der Wert des gewöhnlichen christlichen Lebens immer deutlicher hervor: „Die Gläubigen suchen und vollbringen keine außergewöhnlichen Dinge. Sie möchten die Messe besuchen, dem Katechismus folgen und Gemeinschaft erleben. Das Einfache und Wesentliche ist es, was wirklich zählt. Die Kirche in Laos lehrt uns und führt uns zurück zum Kern des christlichen Lebens.“<br />Auf diesem Weg vertiefen Laos und Kambodscha ihre kirchlichen Beziehungen weiter. „Zwischen unseren Kirchen herrscht ein Klima der Brüderlichkeit und Zusammenarbeit. Wir fühlen uns einander nahe. Wir treffen uns so oft wie möglich, verbringen Zeit miteinander, führen Gespräche und tauschen unsere Erfahrungen aus.“ Aus dieser Gemeinschaft schöpfe die Kirche in Laos auch die Kraft, ihren Weg voller Vertrauen und Hoffnung fortzusetzen.<br />Wed, 17 Jun 2026 13:18:12 +0200ASIEN/PHILIPPINEN - Erdbeben auf Mindanao: Nachbeben erschweren Hilfsmaßnahmenhttps://fides.org/de/news/77813-ASIEN_PHILIPPINEN_Erdbeben_auf_Mindanao_Nachbeben_erschweren_Hilfsmassnahmenhttps://fides.org/de/news/77813-ASIEN_PHILIPPINEN_Erdbeben_auf_Mindanao_Nachbeben_erschweren_HilfsmassnahmenMindanao – Nach dem Erdbeben der Stärke 7,8 vom 8. Juni auf der südlichen Insel Mindanao ereigneten sich weiterhin Hunderte von Nachbeben. Konkret handelte es sich um kleinere seismische Ereignisse am 15. Juni, die die nach wie vor sehr prekäre Lage der betroffenen Bevölkerung glücklicherweise nicht verschlimmerten. Die Zahl der Todesopfer ist noch vorläufig; zahlreiche Menschen werden vermisst, und die Infrastruktur wurde schwer beschädigt, was die Erreichbarkeit der betroffenen Gebiete stark einschränkt.<br />Um der Bevölkerung zu helfen, mobilisiert der „Camillian Disaster Service International“ , das Katastrophenhilfswerk der Kamillianer, Hilfsprogramme für die Überlebenden. Laut den Kamillianern sind besonders gefährdete indigene Bevölkerungsgruppen, Moro-Gemeinden, Fischer und ländliche Bauernfamilien betroffen.<br />Die von CADIS bis zum 11. Juni 2026 veröffentlichten Zahlen dokumentieren verheerende humanitäre Folgen, die sich weiter verschärfen. Es wurden 61 Todesfälle, 688 Verletzte, 40 Vermisste, 75.324 betroffene Familien und 12.641 beschädigte Häuser gemeldet. Tausende Familien sind weiterhin obdachlos und schlafen im Freien in provisorischen Unterkünften oder in überfüllten Evakuierungszentren. Die Vertreibung wird durch die Angst vor Gebäudeeinstürzen ausgelöst, die durch die Nachbeben, darunter ein Beben der Stärke 5,9 am 10. Juni, verstärkt wird. Vorläufige Schätzungen gehen davon aus, dass wichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen, Straßen, Brücken, Kommunikationsnetze und Stromleitungen beschädigt wurden. Darüber hinaus haben anhaltende Kommunikationsstörungen und unpassierbare Straßen mehrere Küsten- und Binnendörfer von der Außenwelt abgeschnitten, was die Lieferung lebenswichtiger Hilfsgüter und eine umfassende Schadensbewertung verzögert. Tausende Familien warten weiterhin auf Hilfe.<br />Das Hilfswerk der Kamillianer-Missionare arbeitet vor Ort mit der Mindanao-Abteilung der „Camillian Task Force“ der Philippinen und mit anderen lokalen Hilfsorganisationen wie dem „Consortium for People's Development Disaster Response“ und der „Sisters Association of Mindanao“ zusammen. CADIS betont nach einer ersten Analyse den dringenden Bedarf an lebensnotwendigen Gütern wie Reis, Lebensmittelpaketen und sauberem Trinkwasser. Notunterkünfte, Planen, Plastikplanen, Baumaterialien, Decken und Isomatten werden ebenfalls benötigt. Auch Erste-Hilfe-Materialien, lebenswichtige Medikamente und Hygieneartikel sind dringend erforderlich. Psychosoziale Unterstützung, insbesondere für vertriebene Kinder und Familien, sei ebenfalls notwendig. Lokale Hilfsorganisationen haben trotz extrem begrenzter Ressourcen bereits Hilfsmaßnahmen eingeleitet.<br />Die Philippinen blicken auf eine lange und dramatische seismische Geschichte zurück. Das Land liegt am Pazifischen Feuerring, einer der aktivsten Regionen der Erde. In den letzten Jahren wurde es von mehreren schweren Erdbeben heimgesucht: Am 30. September 2025 zerstörte ein starkes Erdbeben der Stärke 6,9 zahlreiche Gebäude an der Nordspitze der Insel Cebu ; 2019 verursachte eine Serie verheerender Erschütterungen auf der Insel Mindanao umfangreiche Schäden ; 2013 zerstörte das Erdbeben von Bohol mit einer Stärke von 7,2 historische Kirchen und forderte über 200 Todesopfer . 1976 löste ein starkes Erdbeben einen verheerenden Tsunami aus, der Tausende von Menschenleben forderte.<br /> Wed, 17 Jun 2026 12:22:01 +0200AFRIKA/SIMBABWE - Diamanten und Armut: Produktion in Chiadzwa soll erweitert werdenhttps://fides.org/de/news/77814-AFRIKA_SIMBABWE_Diamanten_und_Armut_Produktion_in_Chiadzwa_soll_erweitert_werdenhttps://fides.org/de/news/77814-AFRIKA_SIMBABWE_Diamanten_und_Armut_Produktion_in_Chiadzwa_soll_erweitert_werdenHarare – Die „Zimbabwe Consolidated Diamond Company“ hat angekündigt, die Produktion in ihrer Mine Chiadzwa im Distrikt Mutare im Osten von Simbabwe, von 3,8 Millionen Karat im Jahr 2025 auf 5 Millionen Karat im Jahr 2026 zu steigern.<br />Trotz der Abschwächung des globalen Diamantenmarktes und der zunehmenden Konkurrenz durch synthetische Edelsteine treibt das Management der ZCDC den Ausbau der Verarbeitungsanlage in Chiadzwa weiter voran. Die Erweiterung mit dem Ziel der Diamantengewinnung soll bis zum 30. August 2026 abgeschlossen sein. Ziel ist es, die Effizienz und Produktionskapazität der Mine zu erhöhen. Der Abbau in Chiadzwa ist seit Jahren Gegenstand von Kontroversen und bringt die ZCDC und einige Kleinschürfer in Konflikt mit Bauern und der lokalen Bevölkerung.<br />Die Einwohner von Chiadzwa leben trotz der riesigen Diamantvorkommen, die seit fast zwanzig Jahren von der Bergbauindustrie ausgebeutet werden, weiterhin in Armut. Die Straßen sind nach wie vor in einem desolaten Zustand, und die Infrastruktur, einschließlich Gesundheitsversorgung und Bildung, ist weiterhin mangelhaft. Die Bevölkerung wurde zudem zwangsgeräumt, während industrielle und handwerkliche Minenarbeiter mit Unterstützung staatlicher Sicherheitskräfte Gemeindeland in Besitz genommen haben. Auch das Vieh ist erheblichen Gefahren ausgesetzt: Es kann in offene Gruben stürzen oder durch Abwässer und Abfälle aus dem Bergbau gefährdet werden. Der intensive Bergbau hat außerdem die Bodenfruchtbarkeit beeinträchtigt und den Konkurrenzkampf zwischen Bauern und Minenbetreibern um den Zugang zu Wasserressourcen verschärft.<br />Der Fall Chiadzwa wurde auf der Nationalen Konferenz für Dialog und Mediation in Bergbaugebieten erörtert, die vom 3. bis 4. Juni in Harare stattfand. Die Initiative wurde vom Symposium der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar in Zusammenarbeit mit dem „Inter-Regional Meeting of the Bishops of Southern Africa“ und der Simbabwischen Katholischen Bischofskonferenz auf den Weg gebracht.<br />In der Abschlusserklärung der Konferenz wurde beklagt: „Trotz des enormen Mineralienreichtums leben die Gemeinschaften in den vom Bergbau betroffenen Gebieten weiterhin in Armut, und viele der von Investoren gemachten Versprechen wurden nicht eingehalten.“<br />Die Teilnehmer forderten konkrete Maßnahmen, um mehr Transparenz bei den Bergbauaktivitäten und der Verwaltung der damit verbundenen Gewinne zu gewährleisten, die Beteiligung der lokalen Gemeinschaften an den Entscheidungs- und Überwachungsprozessen der Rohstoffunternehmen zu fördern, Mechanismen zur Konfliktprävention und -lösung zu stärken und die Einhaltung der Umwelt- und Arbeitsvorschriften sicherzustellen, wobei dem Kampf gegen Kinderarbeit besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird.<br /> Wed, 17 Jun 2026 12:00:34 +0200Chöre der katholischen Universitäten aus der Asien-Pazifik-Region treffen sich zu einem Symposium in Hongkonghttps://fides.org/de/news/77812-Choere_der_katholischen_Universitaeten_aus_der_Asien_Pazifik_Region_treffen_sich_zu_einem_Symposium_in_Hongkonghttps://fides.org/de/news/77812-Choere_der_katholischen_Universitaeten_aus_der_Asien_Pazifik_Region_treffen_sich_zu_einem_Symposium_in_HongkongHongkong – Über 150 Studierende kommen in Hongkong zum ersten Chorsymposium der Katholischen Universitäten der Asien-Pazifik-Region 2026 zusammen. Die fünftägige Veranstaltung mit dem Titel „Harmonie in Vielfalt“ findet vom 17. bis 21. Juni an der „St. Francis University“ in Hongkong statt. Ziel ist es, musikalische Exzellenz zu fördern, den interkulturellen Dialog zu stärken und die Glaubensbildung junger Menschen an katholischen Universitäten zu unterstützen.<br />Das Chorsymposium, das mit einem Konzert in der St.-Andreas-Kirche eröffnet wird, umfasst Workshops, Masterclasses, Konferenzen, Proben und Aufführungen auf dem Universitätsgelände.<br />Laut „Radio Veritas Asia“ liegt die künstlerische Leitung des Symposiums bei Ko Matsushita, einem renommierten japanischen Komponisten. Er wird Chorsängerinnen und Chorsänger aus verschiedenen Ländern zusammenbringen, um eine gemeinsame Aufführung mit geistlichen und zeitgenössischen Liedern vorzubereiten, die in Universitätschören der Asien-Pazifik-Region gesungen werden. Das Symposium schließt mit einem öffentlichen Konzert im Auditorium des Rathauses von Tsuen Wan.<br />Zu den Chormitgliedern, die am Symposium teilnehmen, gehören auch Sänger und Sängerinnen der „Fu Jen Catholic University“, der „De La Salle University“ und der „Universidade Católica Timorose“.<br /> Wed, 17 Jun 2026 11:47:05 +0200Vierhundert Jahre im Dienste des Evangeliums: “Palazzo di Propaganda Fide” e il “Collegio Urbano”https://fides.org/de/news/77810-Vierhundert_Jahre_im_Dienste_des_Evangeliums_Palazzo_di_Propaganda_Fide_e_il_Collegio_Urbanohttps://fides.org/de/news/77810-Vierhundert_Jahre_im_Dienste_des_Evangeliums_Palazzo_di_Propaganda_Fide_e_il_Collegio_UrbanoVon Marie-Lucile Kubacki<br /><br />Rom – „Der ‚Palazzo di Propaganda Fide‘ ist nicht nur ein Denkmal Roms, sondern verkörpert seit vier Jahrhunderten das konkrete Engagement der römisch-katholischen Kirche für die weltweite Verbreitung des Evangeliums“, bekräftigte Kardinal Luis Antonio Gokim Tagle, Pro-Präfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung, beim Studientages zum Thema „Die Schenkung des „Palazzo di Propaganda Fide“: 1626–2026“, der am 11. Juni im Päpstlichen Coleggio Urbano „de Propaganda Fide“ auf Initiative des Historischen Archivs des Dikasteriums für die Evangelisierung stattfand.<br /><br />Von der Schenkung im Jahr 1926 bis zum heutigen Dikasterium<br /><br />In seinen einleitenden Worten verknüpfte Kardinal Tagle, Pro-Präfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung .<br /><br />Zur Figur von Juan Bautista Vives<br /><br />Die beiden Teile des Studientages wurden jeweils von Professor Pierantonio Piatti, Sekretär des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften, und dem portugiesischen Jesuiten Nuno da Silva Gonçalves, Direktor von „La Civiltà Cattolica“ und Professor an der Fakultät für Geschichte und Kulturerbe der Kirche der Päpstlichen Universität Gregoriana, moderiert.<br />Die Figur von Monsignore Vives stand im Mittelpunkt mehrerer Beiträge, die Einblicke in die Persönlichkeit gewährten, deren Spende einem ganzen institutionellen Gebilde Substanz verlieh.<br />Pfarrer Flavio Belluomini Archivar des Historischen Archivs der „Propaganda Fide“ zeigte anhand von Archivdokumenten, wie der Plan für ein Missionskolleg bereits während der ersten Treffen der „Propaganda Fide“ im Januar 1622 Gestalt annahm und wie Vives’ Gebäude, trotz eines langwierigen Streits um den Besitz des Palazzo Ferratini, allmählich als Sitz der Kongregation für die Glaubensverbreitung konzipiert wurde.<br />Monsignore José Jaime Brosel Gavila, Rektor der spanischen Nationalkirche Santa Maria in Monserrato in Rom und des Spanischen Instituts für Kirchengeschichte, vervollständigte dieses Bild, indem er Monsignore Vives in die politischen und kirchlichen Netzwerke des frühen 17. Jahrhunderts einordnete.<br />„Wir stehen vor einer außergewöhnlichen Persönlichkeit von außerordentlicher Bedeutung und überraschender Komplexität, deren menschliche und kirchliche Geschichte noch immer einer kritischen Biografie bedarf, die seiner Rolle in der Geschichte der Missionsinstitution der Kirche gerecht wird“, bemerkte er. „Vives war ein Agent König Philipps III. und der spanischen Inquisition; er war Botschafter des Königreichs Kongo beim Heiligen Stuhl, Regent in Rom für die Erzherzöge der Niederlande und Prälat der jungen Kongregation für die Glaubensverbreitung von ihrer Gründung an.“<br />Als Rektor der spanischen Nationalkirche bemerkte Bischof Brosel, er sei „Hüter seines Grabes“: Bischof Vives sei gemäß seinem letzten Willen „ohne Grabinschrift in unserem Haus“ beigesetzt worden. Der genaue Ort seines Grabes sei unbekannt, „selbst die jüngsten Untersuchungen mit Radartechnik haben es uns bisher nicht ermöglicht, ihn zu identifizieren“.<br /> Als Rektor des Spanischen Instituts für Kirchengeschichte fügte er hinzu, er sehe sich „in gewisser Weise als Hüter seines Andenkens“. Am 18. Juni letzten Jahres wurde unter dem Vorsitz von Kardinal Tagle im Hauptsitz des Instituts ein Forschungsprojekt zu Monsignore Juan Bautista Vives vorgestellt, das von Professor Francisco Juan Martín Rojas geleitet wird; erste Ergebnisse werden auf einer für Dezember geplanten Konferenz präsentiert.<br />Monsignore Brosel erinnerte daran, dass Vives „versucht hatte, ein erstes Kolleg in der Nähe der Piazza del Popolo zur Bekehrung von Protestanten zu gründen, ein zweites für Diözesanpriester, die Missionare werden wollten, und das Kolleg im Palazzo Ferratini war das dritte.“ Er zitierte einen Brief von Ende 1625 an Papst Urban VIII., in dem Vives den Kauf des Gebäudes als Dienst an der Verbreitung des Glaubens neu interpretierte. Darin schrieb er wörtlich, er habe den Palazzo Ferratini „zum Dienst an der Verbreitung des Glaubens“ erworben und hoffe, das neue Projekt werde „die Zahl der Gläubigen erheblich erhöhen“, was die Entstehung des späteren „Collegio Urbano“ vorwegnahm.<br />Für Monsignore Brosel besteht die beste Art, Vives’ Andenken zu ehren, darin, „ihn weiterhin mit wissenschaftlicher Strenge zu erforschen und ihn so vor Vergessen und Legendenbildung zu bewahren, damit seine Gestalt wieder den ihr gebührenden Platz in der Geschichte der kirchlichen Missionsinstitutionen einnehmen kann.“<br /><br />“Collegio Urbano”: Reform ohne Identitätsverlust <br /><br />Mit Blick auf das „Collegio Urbano“ bezeichnete dessen Rektor Pfarrer Armando Nugnes die Schenkung von 1626 als sowohl juristische als auch spirituelle Geste, motiviert durch die missionarische Leidenschaft von Vives und seinen Mitstreitern, mit dem Ziel, ein „päpstliches Kolleg“ zu gründen, das ausschließlich dem Missionsklerus gewidmet sein sollte.<br />„Diese Schenkung war in erster Linie ein konkreter Ausdruck des missionarischen Eifers von Monsignore Vives und all jener, die sein ehrgeiziges Projekt teilten“, erklärte er und betonte, dass das Kolleg „als eine Art päpstliches Missionskolleg“ gegründet worden sei und erst 1641 unter die Jurisdiktion des 1622 gegründeten Dikasteriums fiel. <br />Pfarrer Nugnes hob hervor, dass ein Priesterseminar per Definition immer sowohl Gemeinschaft als auch Heimat sei, und erinnerte daran, wie „das Seminar Heimat, Familie und Gemeinschaft zugleich ist“ und wie der ursprüngliche Kern des Palazzo Ferratini im Laufe der Jahrhunderte grundlegend umgestaltet wurde, um den Bedürfnissen einer wachsenden Gemeinschaft gerecht zu werden. Dies gipfelte vor einem Jahrhundert in der Entscheidung, den Umzug des Kollegs auf den Gianicolo-Hügel einzuleiten, wo der neue Sitz 1931 offiziell eingeweiht wurde.<br />Für Pfarrer Nugnes ist das Zusammentreffen der Jahrestage der Schenkung und der Umzugs ein beredtes Zeichen für die „juristische, spirituelle und materielle“ Kontinuität des „Collegio Urbano“. Dieses sei fähig, seine Strukturen und Bildungsprogramme zu reformieren, ohne jemals seine Identität zu verlieren, anders als andere römische Einrichtungen wie das „Collegio Romano“.<br />Er erinnerte daran, dass das „Collegio Urbano“ zu den wenigen Bildungseinrichtungen gehörte, aus denen andere Einrichtungen – die Universität Urbaniana und die anderen Kollegs der Propaganda Fide – hervorgingen, ohne dabei „seinen eigenen Charakter und seine Autonomie einzubüßen“. Dies sei ein einzigartiger Fall, gerade im Vergleich zum „Collegio Romano“. In seinem bescheidenen Rahmen, fügte er hinzu, sei das Kolleg „ein lebendiges Abbild jener Kirche gewesen und bleibe es, die sich beständig erneuert, nicht um den Moden der Zeit zu folgen, sondern um dem missionarischen Auftrag ihres Herrn immer treuer zu werden.“<br />Der Rektor beschreibt die heutige multikulturelle und multirituelle Gemeinschaft als einen Ort, „an dem man unmittelbar erfahren kann, dass das Wesen der Mission in einem reichen Austausch von Gaben liegt: Mission ist niemals einseitig“. Im Alltag des Priesterseminars könne „der missionarische Ansatz nur im Dialog bestehen, wie es das Zweite Vatikanische Konzil nahelegte und der heilige Johannes Paul II. in der Enzyklika ‚Redemptoris missio‘ ausdrücklich bekräftigte“.<br />Angesichts dieser Tradition seien auch die Reformen, die das Urban College in Zukunft erwarten, „nicht ohne den synodalen Ansatz möglich“, denn – wie Papst Franziskus immer wieder betonte – „Synodalität ist der Weg, den Gott von der Kirche der heutigen Zeit erwartet“. Jede Überarbeitung von Strukturen, Rechtsformen und wirtschaftlichen Angelegenheiten, so bekräftigte er, müsse „die reale Gemeinschaft mit ihren Reichtümern und Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellen“.<br /><br />Der Umzug auf den “Hügel der Stille”<br /> <br />Eines der zentralen Themen des Studientages war die langsame, aber unaufhaltsame Erkenntnis, dass Borrominis Palast an der Piazza di Spagna im 20. Jahrhundert die zunehmende Belastung durch ein Missionsdikasterium und ein stetig wachsendes Kolleg nicht mehr alleine tragen konnte.<br />Pfarrer Belluomini hat bereits aufgezeigt, wie die enge Verbindung von Kongregation und Kolleg für das ursprüngliche Projekt unerlässlich war: Die beiden Institutionen waren als „die zwei Arme des Papstes“ konzipiert, einer für die zentrale Leitung der Missionen, der andere für die Ausbildung der zu den Völkern entsandten Geistlichen.<br />Luca Balducci von der Bibliothek der Universität Urbaniana hat auf der Grundlage des Dossier aus dem späten 19. Jahrhundert die wiederholten, gescheiterten Erweiterungsversuche rekonstruiert – von der Verbindung mit einem Gebäude an der Via dei Due Macelli über den Plan für einen unterirdischen Tunnel zwischen Palazzo Mignanelli und Propaganda bis hin zur Suche nach alternativen Gebäuden – und das klare Urteil eines Berichts aus dem Jahr 1924, der provisorische Schlafsäle, beengte Räume für 126 Seminaristen und eine unaufhörliche Lärmbelästigung durch Straßenbahnen und Verkehr beschrieb.<br />In diesem Kontext erscheint die Wahl des Gianicolo-Hügels – der von Martial und Giosuè Carducci bereits als „Hügel der Stille“ über der Stadt gepriesen wurde – nicht als ästhetische Eigenart, sondern vielmehr als Antwort auf das Bedürfnis nach einem Ort, der besser zum Studium, zum Gebet und zum Gemeinschaftsleben geeignet war und gleichzeitig einen privilegierten visuellen Dialog mit der Kuppel des Petersdoms ermöglichte. Balducci schilderte detailliert die Verhandlungen über den Kauf eines Teils des ehemaligen Krankenhauses „Santa Maria della Pietà“, die komplexen Schlichtungsverhandlungen mit dem Nordamerikanischen Kolleg über die Aufteilung des Geländes der Villa Gabrielli, die archäologischen und geotechnischen Auflagen für den nördlichen, der Propaganda Fide zugewiesenen Sektor sowie das finanzielle Engagement der amerikanischen Bischöfe. Insbesondere erinnerte er an Kardinal George B. Mundelein, Erzbischof von Chicago, der einen beträchtlichen Bankkredit zur Finanzierung des neuen Hauptsitzes und der „Mundelein Memorial Library“ aufnahm und damit ein Vermächtnis hinterließ, das im Komplex der Universität Urbaniana noch heute sichtbar ist.<br /><br />Architektur als theologische Ausdrucksform<br /><br />Die der Kunstgeschichte und Architektur gewidmeten Beiträge zeigten, dass die Geschichte der Propaganda Fide nicht nur in Archivdokumenten, sondern auch in Stein und Licht nachvollziehbar ist.<br />Marisa Tabarrini veranschaulichte die Schichtung des Gebäudes an der Piazza di Spagna: den Ferratini-Kern aus dem 16. Jahrhundert, die Eingriffe von Gaspare De Vecchi und Gian Lorenzo Bernini – mit dem Kollegflügel, dem Versammlungssaal und der ersten Kapelle der Heiligen Drei Könige – und schließlich den großen Umbau Borrominis, der das Gebäude schließt, zweigeschossige Korridore schafft und bemerkenswert raffinierte Wege- und Beleuchtungssysteme realisiert.<br />Joseph Connors schlug in seinem von Silvia Calogero verlesenen Beitrag eine exemplarische Mikrogeschichte vor: den Übergang von Berninis „kleiner Kapelle“ der Heiligen Drei Könige zu Borrominis „großer Kapelle“ vor dem Hintergrund liturgischer, finanzieller und interner Bedürfnisse.<br />Inspiriert von den Vorbildern Giacomo della Portas, der Transformation der ovalen Typologie und des Rippengewölbes, in dem der Heilige Geist durch das Gewebe des Lichts herabzusteigen scheint, veranschaulichte Connors das, was er das „Borromini-Paradoxon“ nennt: eine Architektur, die auf großen Abhandlungen und antiken wie modernen Beispielen basiert und dennoch radikal einzigartig ist.<br />Connors vergleicht die Fassade des „Palazzo di Propaganda Fide“ mit der von Bernini– Borrominis Zeitgenossen und Rivalen – für Sant’Andrea entworfenen und bemerkt: „Bernini präsentiert seine Renaissance; er spricht den kultivierten Betrachter an, der an Bramantes Palazzo dei Tribunali und den Palazzo Senatorio auf dem Kapitol denkt. Er hält energisch an der Idee der Hierarchie fest, indem er die wichtigsten Elemente auf einem höheren Sockel platziert und den Raum mit niedrigen Seitenflügeln kontrolliert und mit Statuen wie Schauspielern auf einer Bühne bevölkert. Borrominis Fassade des ‚Palazzo di Propaganda Fide‘ hingegen ist völlig anders. Er platziert sie nicht hoch oben, sondern auf Augenhöhe des Passanten. Er gestaltet den Horizont nicht mit der Statue, sondern mit einem geschwungenen Rahmen. Man muss nicht zurücktreten, um ihn zu betrachten, sondern es ist der Rahmen, der sich nach innen biegt und den Betrachter auf seinem Weg die Straße entlang anzieht. Bernini bevölkerte seine Architektur mit Figuren wie mit Schauspielern auf einer Bühne. Borromini hingegen entschied sich für eine puristische Architektur, gestaltete sie aber dennoch dramatisch“.<br /><br />Laboratorium für die Mission im 21. Jahrhundert <br /><br />Die Konferenz zeichnete in ihren aufeinanderfolgenden Vorträgen ein stimmiges Bild: das einer Einheit – Gebäude, Dikasterium, Kolleg –, die von Anfang an als „päpstliche Domus zur Verbreitung des Glaubens“ konzipiert war und seit jeher die zentrale Leitung der Missionen mit der dezentralen Ausbildung des einheimischen Klerus vereint.<br />Die Ankündigung eines mehrjährigen Forschungsprogramms, ergänzt durch einen neuen Studientag im Dezember zu den Anfängen der Propaganda Fide und eine internationale Konferenz im Jahr 2027 zum 400-jährigen Jubiläum des „Collegio Urbano“ , verdeutlicht, wie das Dikasterium für die Evangelisierung weiterhin aus dieser reichen Geschichte schöpft, die nicht als unveränderliches Erbe, sondern als ständige Baustelle im Dienste der Mission der Kirche betrachtet wird.<br /><br />Wed, 17 Jun 2026 11:18:16 +0200“Operation Mato Grosso” in Peru: Antworten auf drängende Fragenhttps://fides.org/de/news/77807-Operation_Mato_Grosso_in_Peru_Antworten_auf_draengende_Fragenhttps://fides.org/de/news/77807-Operation_Mato_Grosso_in_Peru_Antworten_auf_draengende_Fragen<p ><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/McG17yVFBQY?si=hXq0n5hsRiCzRUcA" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p><br /><br />Von Domitia Caramazza<br /><br />Lima – „Chacas scheint dem Himmel näher als dem Rest der Welt …“ Dieses Zitat des Schriftstellers Mario Vargas Llosa kommt einem unweigerlich in den Sinn, wenn man durch die Stadt in der Cordillera Blanca reist, wo vor fast sechzig Jahren eine prägendes Abenteuer der Mission in Lateinamerika begann. Hier verwirklichte der Pater Ugo De Censi von den Salesianern Don Boscos die Vision der „Operation Mato Grosso“, in deren Rahmen junge Menschen durch Arbeit, Zusammenleben und einen gelebten Glauben in den Dienst an den Armen eingebunden werden.<br />„Alles begann vor dem alten Altarbild des heutigen Heiligtums Unserer Lieben Frau von der Himmelfahrt“, erzählt der Italiener Mattia aus der Lombardei, der sich dauerhaft in Peru niedergelassen hat und in dem historischen Haus des „Don Bosco delle Ande“ lebt. Gastfreundschaft im Geiste der Großzügigkeit: „Hier geht es zu, wie einem Seehafen. Jeder, der ankommt, kann nach einer Schüssel Suppe, einem Kaffee oder einem offenen Ohr fragen … Pater Ugo wollte immer, dass dieses Haus 24 Stunden am Tag für alle offen ist“, sagt Mattia. <br />Pater Ugo kam in den 1970er Jahren in diese Berge, nachdem er 1967 mit Gruppen junger Italiener, die den Menschen in den Anden helfen wollten, die „Operation Mato Grosso“ gegründet hatte. Er wollte den Armen nicht nur helfen, sondern mit ihnen leben und ihre Sorgen und Hoffnungen teilen. So entstanden Werkstätten und Kooperativen, in denen Dutzende junger Peruaner Mosaiken, Glasfenster, Skulpturen und religiöse Werke schufen, die in Auftrag gegeben wurden. Einige dieser Werke gelangten sogar in den Vatikan. Darunter das Marienmosaik von Lenin Alvarez und die Statue der Heiligen Rosa von Lima des Bildhauers Edwin Morales, die von Papst Leo XIV. in den Vatikanischen Gärten eingeweiht und gesegnet wurden – ein Geschenk Perus an den Heiligen Stuhl.<br />Den Jugendlichen sagte Pater Ugo immer wieder: „Wenn ihr Gott verloren habt, habt ihr alles verloren.“ Und weiter: „Ihr erreicht ihn durch Arbeit, durch Mühe, mit euren Händen und Füßen“. Von Chacas nach Lima – dies ist die beschwerliche, alles andere als selbstverständliche Reise, die junge Menschen aus den ärmsten ländlichen Gebieten oft mit dem Wunsch nach einem besseren Leben antreten.<br /><br />“Casa Argentina”: Eine Antwort auf die drängenden Fragen der peruanischen Jugendlichen <br /> <br />Claudia und Lorenzo wurden mit ihren acht Kindern zur Familie für junge Menschen aus den ärmsten ländlichen Gebieten. Die Missionarsfamilie lebt seit elf Jahren im Internat der „Operation Mato Grosso“ in Lima und ist für dreißig Jugendliche aus der Sierra wie eine Familie geworden. „Wir sind eine ganz normale Familie mit dem einfachen Wunsch, offen für andere und für das Leben zu sein.“ Mitten in der peruanischen Hauptstadt ist dieses Zuhause weder Internat noch Betreuungseinrichtung; es ist eine Familie, in der alles geteilt wird – vom Gebet bis zu den Mahlzeiten, vom Lernen bis zur täglichen Arbeit. <br />Claudia und Lorenzo, die ursprünglich aus Tivoli bei Rom stammen, entdeckten die „Operation Mato Grosso“ als Teenager. „Wir haben am Gymnasium erstmals von dieser Realität erfahren“, sagt Claudia. „Wir haben sie kennengelernt und uns in sie verliebt.“ Eine Entscheidung, die aus einer Sinnfrage entstand, die sie bis heute beschäftigt. Lorenzo beschreibt es mit entwaffnender Aufrichtigkeit: „Man muss denken wie ein Achtzehnjähriger, der noch keinen Sinn im Leben gefunden hat. Es gibt die, die Schaufenster einschlagen, die, die eine Auszeit nehmen, und die, die ihren Sinn darin finden, all ihre Energie in die Hilfe für andere zu investieren.“ Für ihn war die Vorstellung eines „bereits vorgezeichneten“ Lebens erdrückend: „Mir wurde richtig übel bei dem Gedanken, dass das Leben schon so vorgegeben ist: Abschluss, einen Beruf ergreifen, Heiraten … alles, was noch fehlte, war der Tod.“<br />Heute ist aus dieser Suche ein Zuhause voller Leben geworden. Die aufgenommenen Kinder stammen aus den ärmsten Provinzen Perus, oft aus Analphabetenfamilien, die mit einem X unterschreiben. Viele kommen nach Lima, ohne je eine Rolltreppe gesehen oder einen Kühlschrank benutzt zu haben. Vor allem aber müssen sie bei der Entdeckung einer neuen Welt begleitet werden, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. Hier finden sie bis zu sechs Jahre lang freie Kost, Logis und Bildung, doch am wichtigsten ist das gemeinschaftliche Zusammenleben.<br />Die Tage beginnen sehr früh. „Um sechs Uhr gehe ich in die Zimmer und wecke sie einzeln“, sagt Lorenzo. „Dann gehen wir in die Kapelle, widmen uns der Besinnung, frühstücken mit Liedern und Gebeten, und dann beginnt der Trubel.“ Manche Jugendliche gehen zur Universität, andere bleiben für die Nachmittagsvorlesungen. In der Zwischenzeit kümmern sich einige um den Garten, andere um die Tiere, wieder andere gehen in die Kindertagesstätte, um mit den Waisenkindern zu spielen. Am Abend kommen wir wieder zusammen: Abendessen, Gebet und „Gute Nacht“, der Moment, in dem die Jugendlichen über den Tag oder die Geschehnisse in der Welt nachdenken sollen. „Etwas, das ihnen hilft, mit einem Gedanken einzuschlafen.“<br />Bildung entsteht vor allem durch konkrete Nächstenliebe. An den Wochenenden führen die Kinder an Limas Ampeln mit kleinen Showeinlagen auf: Jonglieren, machen Musik und spontane Flashmobs vor den stehenden Autos. „Jugendliche, die für eine 120-sekündige Showeinlage an der Ampel auftreten“, sagt Lorenzo lächelnd. Der Erlös kommt den ärmsten Missionen zugute. Mit diesen Geldern werden Schulen gebaut, Kindergärten unterstützt und Pfarreien gefördert. Am vergangenen 24. April wurde in Chimbote eine neue Schule eingeweiht, die dank des Engagements junger Menschen wie ihnen errichtet wurde: fünf Kindergärten, eine Grundschule und eine weiterführende Schule für über 1.500 Schüler.<br />In den letzten zwei Jahren haben Claudia und Lorenzo außerdem ein kleines Nachhilfeprogramm in einem Armenviertel unweit ihres Zuhauses eröffnet. „Im Moment können wir nur einmal pro Woche hingehen“, sagt Claudia, „aber angesichts der Situation könnten wir Tag und Nacht dort bleiben.“ Ein Engagement, das aus der Reaktion auf die Bedürfnisse der Menschen entstanden ist, denen sie begegnen.<br />Auch ihre Kinder wachsen mit dieser gemeinsamen Erfahrung auf. Und die Kleinen mischen sich ganz natürlich und ungezwungen unter die bereits aufgenommenen Kinder und erleben diese Gemeinschaft als festen Bestandteil ihres Lebens.<br />Für Claudia und Lorenzo ist dies kein abgeschlossenes Projekt, sondern eine fortwährende Reise. Sie sind offen für die Suche nach einem intensiven, gemeinsamen Leben, das ihnen neue Kraft schenkt.<br /><br />“Casa Santa Bernardita”: Eine Antwort auf die Frage der peruanischen Mädchen<br /><br />In Lima, nimmt „Mato Grosso“ im Haus „Santa Bernardita“ – dem Mädcheninternat, das dem Jungeninternat gleicht – Gestalt an. Der Alltag dort ist geprägt von Gesichtern, Geschichten und Beziehungen. „Hier habe ich eine Familie gefunden.“ Die Worte von Sofía, die aus einem Dorf in der Sierra zum Studieren nach Lima kam, beschreiben dieses Haus im Lichte der hier geteilten Lebenserfahrung.<br /> Einunddreißig Mädchen und junge Frauen aus den ärmsten ländlichen Gebieten Perus leben hier zusammen: Sie lernen, arbeiten, pflegen Freundschaften und leben ihren Glauben, um ihrem Leben Sinn zu geben. <br />Seit sechzehn Jahren begleitet sie Suelì, eine Laienmissionarin, die ihre Rolle so beschreibt: „Ich bin wie eine Mutter für sie alle …“ Ihre Geschichte begann mit einem scheinbar erfüllten Leben in Italien – Universitätsstudium, Arbeit, kirchliche Erfahrungen –, das jedoch von einer tiefen Unruhe durchdrungen war: „Ich hatte alles, aber ich war unglücklich.“ Die Begegnung mit den jungen Menschen in Mato Grosso veränderte ihre Sichtweise: „Ich war fasziniert von den jungen Leuten, die arbeiteten, schufteten und alles für die Armen gaben.“ Sie kündigte ihren Job und ging in die Mission. Nachdem sie in Lima angekommen war, blieb sie für immer.<br />Die Mädchen beginnen ihr Universitätsstudium, oft mit einer mangelhaften Schulbildung und aus ärmlichen Familienverhältnissen. „Sie lernen bis Mitternacht … mit großer Anstrengung“, sagt Suelì, die sich für ihre ganzheitliche Entwicklung einsetzt. Ihr gemeinsames Leben basiert auf Regeln und gegenseitiger Verantwortung. Viele stammen aus Andendörfern, wo alles in Oratorien oder Gruppen in Mato Grosso begann. „Meine Eltern haben mir diesen Weg mitgegeben … es ist eine wunderschöne Lebensweise“, sagt Catalina. Fabiola studiert Krankenpflege, „um Bedürftigen helfen zu können“, während Carla davon träumt, „Kindern in Afrika zu helfen“. Die Ankunft in Lima ist jedoch oft ein schwieriger Übergang. „Anfangs war es schwierig“, gibt Eidy zu. Die Großstadt kann verwirrend sein, aber im Internat entsteht etwas, das sie zusammenhält. „Es entsteht eine Art Schwesternschaft“, fügt Nicole hinzu. Und Isabel bringt es auf den Punkt: „Mato Grosso ist Liebe.“<br />Die Geschichten, die die Mädchen in das Internat führen, reißen oft tiefe Wunden: zerbrochene Familien, abwesende Väter, unzählige Fälle von Gewalt. „Mindestens dreißig von hundert haben Missbrauch erlebt“, vertraut Suelì an. Doch gerade in dieser Zerbrechlichkeit offenbart sich ein menschlicher Reichtum, der sie tief berührt: „Sie haben eine unglaubliche Sensibilität.“ So wird der Alltag zu einem Ort der Heilung und des Wachstums.<br />Diese Erfahrung verändert auch ihren Blick auf die Zukunft. Yorli, zwanzig, die aus Chacas kam, um Erziehungswissenschaften zu studieren, sagt, dass sie anfangs „aus Trägheit“ mitgemacht habe, an Aktivitäten teilgenommen habe, um mit Freundinnen zusammen zu sein. Dann ändert sich etwas. Es ist der Wandel von der bloßen Teilnahme zur Verantwortung. Für Yorli liegt der Sinn des Lebens zunehmend im Geben. Und wenn sie ihre Erfahrungen bei der „Operation Mato Grosso“ in drei Worten zusammenfassen müsste, wären es: „Gott, Gabe und Großzügigkeit.“<br />Für manche Mädchen wird dieser Weg zu einer noch radikaleren Entscheidung. Úrsula, Absolventin der Tourismus- und Kulturwissenschaften, beschloss nach ihrem Studium, ein Jahr Auszeit zu nehmen, um sich ganz dieser Mission zu widmen. „Ein Jahr im Dienst anderer.“ Ihre Familie kann diese Entscheidung nur schwer nachvollziehen: „Sie halten es für ein verlorenes Jahr.“ Doch nach dem Tod ihres Vaters spürt Úrsula, dass sie nicht länger in Selbstvergessenheit leben kann: „Ich habe mich gefragt, was ich mit meinem Leben anfangen soll.“ So findet sie sich auf Baustellen in Mato Grosso wieder, streicht Wände, baut Schulen und organisiert Aktivitäten für Kinder und Jugendliche in den Vororten. „Wir versuchen, die Kinder zu ermutigen, damit sie ihre Zeit nicht mit Belanglosigkeiten verschwenden.“ <br />Der rote Faden, der ihre Leben zu einem einzigen, geheimnisvollen und farbenfrohen Ganzen verbindet, scheint Großzügigkeit zu sein. Suelì zitiert einen Satz von Pater Ugo, der für sie zu einer Lebensregel geworden ist: „Unentgeltlich zu arbeiten ist Gottes Aufgabe …“<br />Am Ende unseres Treffens, bevor sie zur Arbeit ins „Puericultorio Pérez Aranibar“ aufbrechen, drängen sich die Mädchen zusammen, lächeln in die Kamera und äußern einen Wunsch: Papst Leo, den „peruanischen Papst“, zu begrüßen, den sie auf seiner nächsten apostolischen Reise nach Peru zu treffen hoffen.<br /><br />“Operation Mato Grosso” im “Puericultorio Pérez Aranibar” in Lima<br /><br />Im Stadtteil San Miguel, in einer der größten Einrichtungen Perus für gefährdete Kinder, die von der „Beneficencia de Lima“ betrieben wird, hat die „Operation Mato Grosso“ in den letzten Jahren einen tiefgreifenden Wandel auf den Weg gebracht. Das Kinderheim der Hauptstadt erstreckt sich über ein 14 Hektar großes Gelände und beherbergt verlassene oder extrem schutzbedürftige Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Vor der Ankunft der Freiwilligen der „Operation Mato Grosso“ im Jahr 2016 war die Einrichtung von jahrelangen Bildungsschwierigkeiten, Leid und fortschreitendem Verfall geprägt. <br />Pfarrer Lorenzo, ein Priester aus Verona, der mit den Erfahrungen der „Operation Mato Grosso“ aufgewachsen ist, erinnert sich an seinen Aufenthalt dort als Begegnung mit einer zutiefst verletzten und komplexen Realität, in der ganze Pavillons leer standen und Hunderte von Kindern in unpersönlichen Schlafsälen lebten. Als Pater Ugo ihn bat, nach Lima zu kommen, um „sich umzusehen und zu verstehen“, war Pfarrer Lorenzo noch Seminarist. In dieser schwierigen Situation sah er die Chance, mit den Kindern neu anzufangen.<br />Die Umgestaltung begann mit den Räumlichkeiten, vor allem aber mit dem pädagogischen Ansatz. Die großen Gemeinschaftsschlafsäle wurden nach und nach durch kleine Familienhäuser ersetzt. „Jedes Kind ist eine Seele“, wiederholt Pfarrer Lorenzo. „Wir müssen alles tun, damit sie sich geliebt fühlen.“ Heute umfasst der Komplex Schulen, Werkstätten, Gemüsegärten, Spielplätze und Familienhäuser mit farbenfrohen und einladenden Zimmern, einen wöchentlich geöffneten Pizzaofen und ein Schwimmbad.<br />Die Missionare sind junge Laien aus Italien, die Tag und Nacht mit den Kindern zusammenleben und ihren Alltag teilen. Miriam aus Trient lebt im Haus „El amor todo lo puede“, in dem vierzehn Mädchen zwischen acht und zwölf Jahren wohnen. „Es ist nicht richtig, dass diese Mädchen keine Eltern haben“, sagt sie nachdenklich. „Ich möchte mit meinem Leben dazu beitragen, denen Gerechtigkeit zu verschaffen, denen niemand Gerechtigkeit widerfahren lässt.“<br />Die 28jährige Elisa ist die Leiterin des Kinderheims und beschreibt ihre Entscheidung, dort zu leben, so: „Ich wollte ein anderes Leben führen, ein Leben im Zeichen des Gebens, unter Kindern.“ Ihr Engagement ist umfasssend. „Wir sind rund um die Uhr hier. Die Kinder gehen nie weg. Wir sind eine große Familie“, sagen sie. Die Tage vergehen zwischen Schule, Workshops, Hausaufgaben, Geburtstagen, kleinen Snacks und den kleinen Ritualen des Alltags: gemeinsam Pizza backen, einen Film auf dem Sofa mit Popcorn schauen, eine Party im Hof. Einfache Gesten, aber so wichtig für Kinder, die nie ein richtiges Zuhause erlebt haben.<br />Das Kinderheim in Lima ist heute ein Zeichen des Neubeginns einer Realität, die jahrelang eine der schmerzlichsten Wunden der peruanischen Kindheit verkörperte. Und vielleicht ist es genau hier, wo ein Besuch des Papstes eine besondere Bedeutung erlangen könnte: nicht als Anklage, sondern als Zeichen der Nähe zu den Jungen und Mädchen, jungen Männern und Frauen und Jugendlichen, die auf „ihren“ Papst warten.<br /><br />“Casa Virge de Guadalupe”: Eine Antwort auf den Gesundheitsnotstand in Peru<br /> <br />Für die Ärmsten in ländlichen Gebieten bedeutet Krankheit und aufwendige Behandlungen die Wahl zwischen Gesundheit und Überleben. Es fehlt das Geld für Medikamente, Krankenhausaufenthalte oder gar die Fahrt zum Krankenhaus. Lima bleibt die einzige Option. Und für viele bedeutet Krankheit auch Entwurzelung, Einsamkeit und Angst.<br />Um genau dieser Notlage zu begegnen, gründete Pater Ugo De Censi die „Casa Virgen de Guadalupe“: ein Haus, das seit über dreißig Jahren für Kranke aus den Missionen geöffnet ist. Sie finden dort kostenlose Unterkunft, Verpflegung, menschliche Unterstützung und Hilfe bei Arztbesuchen, Untersuchungen, Operationen und Krankenhausaufenthalten. Das Haus ist nicht nur ein Schlafsaal für arme Patienten. Es ist wie eine Familie. Freiwillige begleiten die Patienten ins Krankenhaus, helfen ihnen im Umgang mit den Behörden, vereinbaren Termine und übersetzen Diagnosen für diejenigen, die nur Quechua sprechen. „Viele verstehen weder die medizinischen Aspekte noch Spanisch“, erklären Maria und Elena. „Deshalb müssen wir sie in allen Belangen begleiten.“<br />Es werden vor allem Krebspatienten aufgebinneb, aber auch Kinder mit seltenen Syndromen, Dialysepatienten oder Patienten mit Diagnosen, die in kleinen Bergkrankenhäusern nicht gestellt werden können. „Wir übernehmen die Reise-, Verpflegungs- und Unterkunftskosten“, erklärt Maria, eine Krankenschwester aus Vicenza, die im Haus lebt. „Es ist uns ein Anliegen, sie so zu begleiten, als wären wir ihre Angehörigen.“ Manche bleiben nur wenige Tage, andere Monate, manche bis zu ihrem Lebensende. Sie essen gemeinsam, helfen sich bei den kleinen Aufgaben des Alltags und versammeln sich jeden Abend zum Rosenkranzgebet. „Trotz des vielen Leids, das durch dieses Haus fließt, herrscht eine sehr friedliche Atmosphäre“, sagt Elena, eine Missionarin aus Brescia, die seit über dreißig Jahren in Peru lebt. „Manchmal hat man das Gefühl, Engel schreiten hier vorüber.“<br />Dieses Gefühl hatte ich auch, als ich Marcellina kennenlernte, eine fünfzigjährige Frau, die nach einer dramatischen Hirnoperation wegen eines gutartigen Hirntumors aus Apurímac kam. Zwölf Stunden im Operationssaal, dann Komplikationen, ein Hirnödem und ein Luftröhrenschnitt. Als sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde, konnte sie nicht einmal in einem Rollstuhl sitzen und nicht sprechen. Ihre Tochter erinnert sich an die Verwirrung jener Tage: Sie wussten nicht, wohin sie gehen sollten, und sie wussten nicht, wie sie ihre Pflege oder Verabreichung von Medikamenten bewältigen sollten. Im „Casa Virgen de Guadalupe“ fanden sie stattdessen ständige Betreuung, medizinische Geräte und Menschen, die ihnen alle notwendigen medizinischen Verfahren beibrachten. „Was wäre aus uns geworden, wenn wir nicht hierher gekommen wären?“, fragt sich die Familie. Und genau dort, , begann Marcellina langsam wieder zu sprechen … Ihr Gesicht war nicht mehr vom Schmerz entstellt; im Gegenteil, es schien von außergewöhnlicher Zärtlichkeit gezeichnet. Für sie wurde dieses Zuhause „wie eine Familie“, dank derer die Heilung und die Hoffnung von Neuem begannen. <br />Ein weiterer Lichtblick im Haus ist die sechzehnjährige Carol, die mit Eierstockkrebs aus der Sierra kam. Während ihrer Chemotherapie konnte sie dank der Hilfe von Freiwilligen, die ihr eine Schule in Lima vermittelt haben, weiterlernen. „Ich bekomme hier so viel Liebe“, sagt sie. Sie erinnert sich, wie ihre gesamte Gemeinde jeden Sonntag für sie betete: „Es gab keine Messe, in der nicht an mich gedacht wurde.“ Heute träumt sie davon, Lehrerin oder Kinderärztin zu werden.<br />Das Herzstück der „Casa Virgen de Guadalupe“ ist die Kapelle. Auf dem Altar befinden sich drei Steine, die mit dem Blut von Pater Daniele Badiali befleckt sind, einem Missionar, der mit 35 Jahren getötet wurde, nachdem er sich bei einer Entführung gegen Lösegeld anstelle der Katechetin Rosa Maria angeboten hatte. In den Häusern der „Operation Mato Grosso“ wird Pater Daniele als „Märtyrer der Nächstenliebe“ verehrt und gilt heute als Diener Gottes für die Kirche. Dank ihm verstand Rosa Maria die wahre Bedeutung des Hingebens des Lebens: „Dieses ‚Ich gehe an deiner Stelle‘ war keine plötzliche, heroische Geste. Es war die Erfüllung vieler kleiner Jas, die er jeden Tag gesagt hatte.“ Sie erzählt mir von der Entführung am 16. März 1997 in den peruanischen Anden, als sie von einem Gottesdienst zurückfuhren: Der Überfall ereignete sich in der Dunkelheit. „Sie zwangen mich, aus dem Van auszusteigen“, sagt sie sichtlich bewegt. „Daniele kam direkt hinter mir her und sagte: ‚Bleib du hier, ich gehe.‘“ Drei Tage später fand man seinen Leichnam zwischen den Felsen des Berges, den Rosenkranz in der Tasche und das Kruzifix um den Hals. Auf dem Altar sind neben den Steinen die Symbole des Pelikans und des Weizenkorns aus Holz geschnitzt – eine Erinnerung an das Evangelium, über das Pater Daniele kurz vor seinem Tod meditierte. Ein Leben, das er hingab, wie das seines „geistlichen Vaters“, Pater Ugo De Censi, und wie das der vielen Missionare, die er als „Töchter“ und „Söhne“ annahm – Erben einer Liebe, die zu neuem Leben erwecken kann.<br />Tue, 16 Jun 2026 15:03:37 +0200ASIEN/ISRAEL - Historischer Besuch des Präsidenten von Somaliland in Israelhttps://fides.org/de/news/77809-ASIEN_ISRAEL_Historischer_Besuch_des_Praesidenten_von_Somaliland_in_Israelhttps://fides.org/de/news/77809-ASIEN_ISRAEL_Historischer_Besuch_des_Praesidenten_von_Somaliland_in_IsraelTel Aviv – Als „historischen Moment“ und Beginn eines neuen Kapitels bezeichnete Abdirahman Mohamed Abdullahi, Präsident von Somaliland, seinen Besuch in Israel, dem ersten Staat, der Somaliland am 26. Dezember 2025 offiziell anerkannte.<br />Abdullahi traf an diesem Sonntag in Israel ein wurde dort vom israelischen Präsidenten Isaac Herzog, Premierminister Benjamin Netanjahu, Außenminister Gideon Sa'ar und weiteren Regierungsvertreter empfangen. Höhepunkt des Besuchs war die Eröffnung der somalischen Botschaft in Jerusalem. Bei dieser Gelegenheit wurde auch eine gemeinsame Erklärung zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung; Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Infrastruktur; Technologie, Gesundheitswesen und wirtschaftliche Entwicklung; sowie Handel und Investitionen in Produktion und Infrastruktur unterzeichnet.<br />Israels Partnerschaft mit Somaliland, einer Region, die sich 1991 vom Rest Somalias abspaltete, baut auf früheren informellen Beziehungen auf und steht im Einklang mit den strategischen Interessen des jüdischen Staates am Horn von Afrika und im Roten Meer. Zu den Hauptzielen gehört die Bekämpfung der vom Iran unterstützten Huthis im Jemen. Laut einigen Quellen unterhält Israel bereits einen Militärstützpunkt in Somaliland, der möglicherweise mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, einem weiteren wichtigen Unterstützer der abtrünnigen Region, geteilt wird. <br />Die Zusammenarbeit zwischen Israel und Somaliland ist bei Somalia, das Somaliland weiterhin als integralen Bestandteil seines Territoriums beansprucht, sowie bei mehreren arabischen, islamischen und afrikanischen Ländern, die darin eine Verletzung der somalischen Souveränität und territorialen Integrität sehen, auf Ablehnung gestoßen. Insbesondere die Türkei und Ägypten haben ihre militärische Zusammenarbeit mit Mogadischu verstärkt.<br /> Tue, 16 Jun 2026 12:39:26 +0200AFRIKA/SÜDAFRIKA - Rückführung von 10.000 malawischen Staatsbürgern: Behörden appellieren an die internationale Gemeinschafthttps://fides.org/de/news/77808-AFRIKA_SUeDAFRIKA_Rueckfuehrung_von_10_000_malawischen_Staatsbuergern_Behoerden_appellieren_an_die_internationale_Gemeinschafthttps://fides.org/de/news/77808-AFRIKA_SUeDAFRIKA_Rueckfuehrung_von_10_000_malawischen_Staatsbuergern_Behoerden_appellieren_an_die_internationale_GemeinschaftJohannesburg – Rund 10.000 malawische Staatsbürger sitzen in Südafrika fest und versuchen, in ihr Heimatland zurückzukehren, wie die Regierung von Lilongwe mitteilte. In zwei separaten Erklärungen, analysieren das malawische Präsidialamt und das Außenministerium des Landes die Lage ihrer Landsleute, die sich aufgrund der Gewalt und fremdenfeindlichen Drohungen der letzten Wochen in Südafrika zur Rückkehr gezwungen sehen .<br />„Schätzungsweise 10.000 malawische Staatsbürger befinden sich mit Stand vom 13. Juni 2026 in Südafrika in Not“, heißt es in der Erklärung des Präsidialamtes. Als Reaktion auf die Notlage entsandten die malawischen Behörden eine Regierungs-Taskforce nach Südafrika, um die Rückführung zu unterstützen. Gleichzeitig wurde in Malawi im Kamuzu-Stadion in Blantyre eine Erstaufnahme- und Verwaltungseinrichtung bereitgestellt.<br />Das Außenministerium bestätigte, dass acht Busse mit 645 malawischen Staatsbürgern im Rahmen der Operation „Freiwillige Rückführung“ an diesem Montag Südafrika verlassen haben. Die Rückkehrer hatten in einer Aufnahmeeinrichtung in Sherwood in der Provinz KwaZulu-Natal Zuflucht gefunden.<br />„Die Rückkehrer werden voraussichtlich am 17. Juni über den Grenzübergang Mwanza nach Malawi einreisen und anschließend zum Kamuzu-Stadion in Blantyre weiterfahren, wo sie die notwendigen Kontrollen und Formalitäten durchlaufen, bevor sie ihre jeweiligen Zielorte erreichen“, hieß es in der Erklärung. <br />Die malawischen Behörden räumen jedoch ein, dass sie die humanitäre Notlage nicht allein bewältigen können. „Mit rund 10.000 Bürgern in Not, die auf ihre Rückführung warten, haben Umfang und Dringlichkeit der Operation einen beispiellosen finanziellen, logistischen und humanitären Bedarf geschaffen“, erklärte das Präsidialamt der Republik und appellierte an die internationale Gemeinschaft, „damit die Malawier sicher und wohlbehalten, in Würde und mit der Hoffnung auf einen Neuanfang nach Hause zurückkehren können.“<br /> Tue, 16 Jun 2026 11:36:32 +0200ASIEN/BAHRAIN - Vikariat Nördliches Arabien dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht: Quelle des Heils und Fundament des kirchlichen Lebenshttps://fides.org/de/news/77805-ASIEN_BAHRAIN_Vikariat_Noerdliches_Arabien_dem_Heiligsten_Herzen_Jesu_geweiht_Quelle_des_Heils_und_Fundament_des_kirchlichen_Lebenshttps://fides.org/de/news/77805-ASIEN_BAHRAIN_Vikariat_Noerdliches_Arabien_dem_Heiligsten_Herzen_Jesu_geweiht_Quelle_des_Heils_und_Fundament_des_kirchlichen_LebensManama – Am vergangenen Freitag fanden die Feierlichkeiten zur Weihe des Vikariats Nordarabien , zu dem Bahrain, Kuwait, Katar und Saudi-Arabien gehören, an das Heiligste Herz Jesu statt. Der Festgottesdienst wurde in der Herz-Jesu-Kirche von Manama abgehalten, die den Status eines Heiligtums besitzt auch als „Mutterkirche“ bekannt ist, da sie mit 85 Jahren die älteste Kirche des Vikariats ist. Zur Vorbereitung auf das Ereignis wurde in allen Pfarreien und Gemeinden des Vikariats eine Novene gebetet.<br />Die Weihefeier zelebrierten der Apostolische Vikar, Bischof Aldo Berardi und Erzbischof Eugene Nugent, Apostolischer Nuntius in Bahrain, Kuwait und Katar. Ihnen schlossen sich Priester der Region, Mitglieder von Ordensgemeinschaften und Tausende Gläubige aus dem ganzen Königreich an. „Das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu ist eines der bedeutendsten Feste im katholischen liturgischen Kalender. Es betont Christi Liebe, Barmherzigkeit und Mitgefühl für die Menschheit und erinnert uns an den Auftrag der Kirche, diese Liebe widerzuspiegeln und weiterzugeben“, heißt es in der Erklärung des Apostolischen Vikariats, die Fides vorliegt.<br />Die in der Kirche versammelten Gläubigen sowie diejenigen, die über den Live-Stream im Internet dabei waren, begrüßte der der Gemeindepfarrer, Pater Francis, der einen besonderen Grußa an Bischof Berardi und Erzbischof Nugent richtete. Er erinnerte an den historischen Moment, als die Mutterkirche des Vikariats durch ein Dekret des Apostolischen Vikars Berardi offiziell in den Rang eines Heiligtums erhoben wurde . Er bezeichnete dieses Ereignis als wichtigen Meilenstein, der die Kirche als Wallfahrtsort und Ort der spirituellen Erneuerung für die Gläubigen des gesamten Vikariats festigte. Abschließend rief er alle zum Gebet für Frieden, Einheit und Wohlergehen im gesamten Vikariat auf.<br />In seiner Predigt ging Bischof Berardi auf die theologische Bedeutung des Heiligsten Herzens Jesu als Quelle des Heils und Fundament des kirchlichen Lebens ein. Im Rahmen der feierlichen Weihe an das Heiligste Herz Jesu fand auch eine Prozession mit Kerzen statt, die die vier Nationen des Vikariats symbolisierten. Zum Abschluss der Feier wandte sich der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nugent, eine Botschaft der Ermutigung im Hinblick auf das bevorstehende Ende seiner Mission in der Region an die Gemeinde . Er lud die Gläubigen des Vikariats ein, sich dem Heiligsten Herzen Jesu anzuvertrauen und erinnerte sie daran, dass ihre Heimat, ihre Kraft und ihre Mission im Herzen Jesu zu finden sind. Einer der bewegendsten Momente der Feier war der feierliche Weiheakt an das Heiligste Herz Jesu. Er diente der Erneuerung des Glaubens und der Bekräftigung des Engagements der Gemeinde, nach den Werten des Evangeliums zu leben. Das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu bekräftigte einmal mehr die ungebrochene Stärke des Glaubens innerhalb der katholischen Gemeinde Bahrains und ihr Engagement für den Aufbau von Brücken des Verständnisses, der Einheit und der Hoffnung durch die verwandelnde Liebe Christi.<br />Bahrain ist derzeit von regionalen Spannungen infolge des andauernden Konflikts zwischen den USA und dem Iran betroffen. Iranische Angriffe zielen auf US-Militäreinrichtungen im Königreich und anderen Golfstaaten. Die Lage bleibt aufgrund der allgemeinen Spannungen am Golf angespannt. Lokale Behörden berichten, dass in der vergangenen Woche mehrere Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Iran abgefangen wurden. Sie riefen die Bevölkerung außerdem dazu auf, auf unbekannte oder verdächtige Gegenstände zu achten, die nach den Angriffen zurückgeblieben waren, diese nicht zu berühren oder sich ihnen zu nähern und sie umgehend zu melden.<br /> <br />Tue, 16 Jun 2026 11:11:45 +0200ASIEN/SÜDKOREA - Präsident Lee Jae Myung gegenüber Fides: "Frieden beginnt, wenn Menschen sich treffen und einander zuhören"https://fides.org/de/news/77806-ASIEN_SUeDKOREA_Praesident_Lee_Jae_Myung_gegenueber_Fides_Frieden_beginnt_wenn_Menschen_sich_treffen_und_einander_zuhoerenhttps://fides.org/de/news/77806-ASIEN_SUeDKOREA_Praesident_Lee_Jae_Myung_gegenueber_Fides_Frieden_beginnt_wenn_Menschen_sich_treffen_und_einander_zuhoerenSeoul – Das Motto des Weltjugendtags 2027 in Seoul, „Habt Mut! Ich habe die Welt besiegt“ , vermittle eine Botschaft der Hoffnung in einer Welt voller Spannungen und Unsicherheiten. Dies betont Lee Jae Myung, Präsident von Südkorea, gegenüber Fides mit Blick auf das internationalen Jugendtreffen, das junge Menschen aus aller Welt in die koreanische Hauptstadt bringen wird.<br />„Das Motto des Weltjugendtags 2027 in Seoul ist von großer Bedeutung für unsere Zeit. In einer Zeit, in der Konflikte und Spaltungen die Grundlagen von Frieden und Zusammenleben auf die Probe stellen, erinnert es uns daran, dass Hoffnung stärker ist als Angst, Dialog wirksamer als Konflikt und Solidarität der sicherste Weg ist, Unsicherheit zu überwinden. Die Jugend von heute steht vor außergewöhnlichen Herausforderungen, aber auch vor außergewöhnlichen Chancen. Ihre Generation wird mitgestalten, wie die Menschheit auf Spaltung, Ungleichheit, den technologischen Wandel und die dringende Aufgabe einer friedlicheren Zukunft reagiert“, so der Präsident.<br />Lee betonte zudem die Bedeutung des Weltjugendtags als Gelegenheit zur Begegnung zwischen Völkern und Kulturen und bekräftigte das Engagement seines Landes, Pilger aus allen Kontinenten willkommen zu heißen: „Die Republik Korea fühlt sich geehrt, den Weltjugendtag 2027 in Seoul auszurichten. Wir wünschen uns, dass Seoul zu einem Ort wird, an dem junge Menschen ihren Glauben vertiefen, dauerhafte Freundschaften schließen und den Wert der Solidarität über Grenzen und Kulturen hinweg neu entdecken. In den kommenden Monaten werden wir uns darauf vorbereiten, junge Pilger aus aller Welt mit Offenheit und Gastfreundschaft zu empfangen, in der Hoffnung, dass der Weltjugendtag Seoul 2027 ein bleibendes Zeichen der Freundschaft, der Begegnung und des Friedens sein wird.“<br /> „Wir erwarten mit großer Vorfreude den Besuch von Papst Leo XIV. in Seoul“, so der südkoreanische Präsident unmittelbar nach seinem Treffen mit Papst Leo im Vatikan. „Seine Anwesenheit wird uns daran erinnern, dass moralische Führung, Mitgefühl und Dialog in einer zersplitterten Welt unerlässlich bleiben. Ich hoffe, dass sein Treffen mit jungen Menschen eine neue Generation dazu ermutigen wird, der Zukunft mit Mut, Großzügigkeit und einem erneuerten Engagement für den Dienst an anderen und das Gemeinwohl zu begegnen.“<br />Abschließend stellt der südkoreanische Präsident einen Bezug zwischen der Bedeutung des Ereignisses und der spezifischen Realität der koreanischen Halbinsel her, die nach wie vor von Teilung geprägt ist. Er betrachtet Dialog und Begegnung als unerlässliche Wege zum Frieden: „Für das koreanische Volk haben diese Bestrebungen eine besondere Bedeutung. Unsere Halbinsel ist weiterhin von Teilung gezeichnet, und wir verstehen den Wunsch nach Versöhnung und dauerhaftem Frieden zutiefst. Obwohl der Weltjugendtag keine politische Veranstaltung ist, zeugt er von Begegnung und Dialogs und damit von einer universellen Wahrheit: Frieden beginnt, wenn Menschen sich begegnen, einander zuhören und ihre gemeinsame Menschlichkeit erkennen. Frieden auf der koreanischen Halbinsel und Frieden in der Welt sind eng miteinander verbunden. Jede Anstrengung, Verständnis, Vertrauen und gegenseitigen Respekt zu fördern, trägt zu dem Frieden bei, den die gesamte Menschheit anstrebt.“<br /> „Koreas moderne Geschichte“, so Präsident Lee gegenüber Fides, „hat uns gelehrt, dass selbst in schwierigen Zeiten Hoffnung die Angst besiegen und Solidarität die Spaltung überwinden kann. Wir haben gesehen, wie Dialoge Wege öffnen können, die einst verschlossen schienen, und wie Menschen durch Zusammenarbeit Herausforderungen meistern können, die einst unüberwindbar schienen. Ich hoffe, dass die jungen Menschen, die sich 2027 in Seoul versammeln werden, diesen Geist in ihre Gemeinschaften und Länder tragen. Wenn ihnen dies gelingt, wird der Weltjugendtag ein Vermächtnis hinterlassen, das weit über Korea hinausreicht: ein Vermächtnis des Mutes, der Freundschaft und des Friedens für kommende Generationen.“<br /> <br />Tue, 16 Jun 2026 10:33:26 +0200Altes und Neues: Erzbischof Simon Poh über die Geschichte der „Audio-Bibeln“ in Malaysiahttps://fides.org/de/news/77787-Altes_und_Neues_Erzbischof_Simon_Poh_ueber_die_Geschichte_der_Audio_Bibeln_in_Malaysiahttps://fides.org/de/news/77787-Altes_und_Neues_Erzbischof_Simon_Poh_ueber_die_Geschichte_der_Audio_Bibeln_in_Malaysia<p ><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/Vzxr1euSU_0?si=hwnOEj0ebWjd9OAy" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p><br /><br />Von Marie-Lucile Kubacki<br /><br />Kuching – Simon Peter Poh Hoon Seng, Erzbischof von Kuching in Ostmalaysia, zählt zu den einflussreichsten und meistgehörten Stimmen in den Kirchen Asiens, wenn es um Mission, Inkulturation und interreligiösen Dialog geht. <br />Er ist aufgewachsen in einer buddhistisch-taoistischen Familie und als Teenager durch seine Erfahrungen an einer Missionsschule zum Katholizismus konvertiert und lebte über zwanzig Jahren lang in engen Kontakt mit den indigenen Gemeinschaften Borneos, deren Sprachen er spricht. Als Präsident des Büros für Evangelisierung der Föderation Asiatischer Bischofskonferenzen setzt er sich heute für eine kontinentale Vision der Mission ein, die lokale Kulturen bewahrt, „benachbarte Religionen“ wertschätzt und die Botschaft des Evangeliums in den alltäglichen Beziehungen „zuflüstert“.<br /><br />Erzbischof Simon Poh, Ihre Erzdiözese Kuching liegt im Herzen des „indigenen Malaysia“. Was sind die spezifischen Merkmale dieser kirchlichen Realität?<br /><br />Malaysia weist zwei deutlich unterschiedliche regionale Realitäten auf. Der eine Teil liegt auf der hochentwickelten und überwiegend muslimischen Festlandhalbinsel mit Großstädten wie Kuala Lumpur, Penang und Johor Bahru. Jenseits des Südchinesischen Meeres, auf der Insel Borneo, erstrecken sich die dünn besiedelten Regionen Sabah und Sarawak. Im Bundesstaat Sarawak, wo ich lebe, ist die Hälfte der Bevölkerung indigener Abstammung, und die Mehrheit ist christlich. In der Erzdiözese Kuching, in der ich tätig war, gibt es zwölf Pfarreien, sieben davon in ländlichen Gebieten, und fast 300 Dorfgemeinden mit katholischen Kapellen. Priester können die Dörfer nur einmal im Monat besuchen und die Messe feiern, während die geistlichen und seelsorgerischen Aufgaben in ihren jeweiligen Dörfern von lokalen Gebetsleitern übernommen werden. Es handelt sich um lebendige christliche Dorfgemeinschaften, die jedoch aufgrund der Globalisierung mit der Landflucht in die Großstädte konfrontiert sind, wobie die älteren Menschen in den Dörfern zurückbleiben.<br /><br />Sie betonen die Bedeutung von Inkulturation. Wie genau schützten die Missionare die lokalen Kulturen?<br /><br />Anders als oft angenommen, zerstörten die Mill-Hill-Missionare aus Großbritannien, die nach Sarawak kamen, nicht die lokale Kultur. In meiner Zeit als junger Priester in den 1980er-Jahren hatte ich das Privileg, mit den letzten älteren Missionaren zusammenzuarbeiten. Ich lernte ihren missionarischen Ansatz sehr zu schätzen: Sie lernten Sprachen, studierten die Landwirtschaft und die Rituale. Gebetbücher für die Sonntagsliturgie und Segenssprüche wurden nach und nach in den lokalen Sprachen verfasst. Indem sie die Bibel, Gebete und liturgische Texte in die einheimischen Sprachen übersetzten, insbesondere in die drei Bidayuh-Dialekte, die Iban-Sprache und viele andere lokale Sprachen, gaben sie diesen Menschen die Möglichkeit, ihren Glauben in ihrer eigenen Sprache zu feiern. Sprache ist die Seele eines Volkes: Indem sie sie in den Mittelpunkt der Liturgie stellten, trugen sie dazu bei, die Identität der Gemeinschaften zu bewahren. Sie integrierten auch Elemente des traditionellen Lebens: Gebete vor der Feldarbeit, vor der Aussaat, für Regen, für die Ernte, die Segnung von Werkzeugen und neuem Saatgut, Gebete beim Hausbau. Ohne den Begriff „Inkulturation“ zu verwenden, praktizierten sie diese bereits. So hat der Glaube die Kultur nicht ausgelöscht, sondern sie vielmehr bereichert, indem er Gastfreundschaft, ein Bewusstsein für das Heilige und die zentrale Bedeutung der Familie hervorhob. Und die Kultur verlieh dem katholischen Glauben als Teil des täglichen Lebens einen lokalen Ausdruck.<br /><br />Sie haben sich aktiv an Audio-Bibelprojekten beteiligt. Erzählen Sie uns davon…<br /><br />Diese indigenen Gemeinschaften pflegen eine starke mündliche Tradition mit zahlreichen Geschichten und Bräuchen, die überliefert werden. Viele Ältere, heute in ihren Sechzigern oder Siebzigern, haben nie richtig lesen gelernt. Und genau diese Großeltern sind es, die zum Katholizismus konvertiert sind und den Glauben an ihre Enkelkinder weitergegeben haben und sie nehmen seit Jahrzehnten an den sonntäglichen Gottesdiensten teil und hören Woche für Woche das Evangelium. Uns wurde bewusst, dass das Wort Gottes, solange es nur in schriftlicher Form in der Bibel vorliegt, sie nicht wirklich erreicht. Deshalb haben wir das Projekt „Audiobibel“ ins Leben gerufen und arbeiten mit verschiedenen christlichen Gruppen zusammen, um die Heilige Schrift, insbesondere die Evangelien, aufzunehmen und als Hörbuch zugänglich zu machen.<br />Audiobibeln in den Bidayuh- und Iban-Dialekten ermöglichen es diesen älteren Gläubigen nun, die Heilige Schrift in ihrer „Herzenssprache“, d.h. in der im Dorf gesprochenen Muttersprache, mit vertrauten Bildern, Rhythmen und Betonungen zu hören. Diese neue Perspektive verändert alles: Die Bibel ist nicht länger ein ferner Text, der nur sonntags in der Kirche gehört wird. Das Evangelium wird zu einer Stimme, die aus ihrer eigenen Kultur spricht, sodass sie bekräftigen können: „Jetzt kenne ich meinen Gott. Jesus spricht zu mir in der Sprache meines Herzens.“<br />Es ist ein Projekt, an dem meine Priester und ich persönlich beteiligt waren, sowohl bei der Übersetzung als auch bei den Aufnahmen. Wir arbeiteten mit bestehenden biblischen Texten und mussten dabei dem Wort treu bleiben und gleichzeitig den Erzählstil der indigenen Völker respektieren. Daher war es notwendig, glaubwürdige Stimmen aus den Gemeinden selbst zu finden, die diese Texte vorlesen konnten: bekannte und vertrauenswürdige Stimmen. Wenn die Ältesten das Wort Gottes von jemandem aus ihrem Dorf in ihrem eigenen Dialekt verkündet hören, sind sie tief bewegt und erkennen, dass Jesus unter ihnen lebt.<br /><br />Wie kommt es dazu?<br /> <br />Hier sehen wir ein sehr fruchtbares Zusammenwirken von Exegese, Katechese und seelsorgerlicher Zugänglichkeit. Dies ist keine Notlösung für Analphabeten; im Gegenteil, es ist ein äußerst wirksamer Weg, den Reichtum der Heiligen Schrift in Kontexten zu vermitteln, die von mündlicher Weitergabe, Entchristlichung oder Analphabetismus geprägt sind. Bibelgruppen können sich um ein Audiogerät oder ein Telefon versammeln, eine Passage anhören, eine Pause der Stille einlegen und sich dann spontan über das Gehörte austauschen. Für viele eröffnet das Hören des Wortes in ihrer Muttersprache ein tieferes Verständnis und Gebet als ein Text in einer anderen Sprache wie Englisch oder Malaiisch. Gleichzeitig schützen diese Audiobibeln die Sprache und tragen zur Weitergabe und Bewahrung der Kultur bei. Jedes Mal, wenn die Gemeinde zum Gebet mit der Audiobibel zusammenkommt, erweckt sie ihre Sprache zum Leben; es zeigt jungen Menschen, dass sie es verdient, gesprochen zu werden und dass sie das Wort Gottes vermitteln kann. In einer Zeit, in der Kinder und Enkelkinder leicht auf als „nützlicher“ geltende Sprachen wie Englisch, Malaiisch oder Mandarin umsteigen, ist dies eine sehr starke Botschaft: Die indigene Sprache eignet sich nicht nur für informelle Gespräche, sondern vermag auch Glauben, Theologie und liturgische Gebete auszudrücken. Dies stärkt die Identität und Würde indigener Völker. Wir sind heute dankbar für die Weitsicht der ersten Missionare, die bereits erkannten, dass das Evangelium nur dann wirklich Wurzeln schlagen kann, wenn es die Sprache und Kultur der Völker einbezieht.<br /><br />Diese Hinwendung zu Land und Kultur findet auch in einem von „Laudato si'“ inspirierten Projekt Ausdruck. Worum geht es dabei?<br /><br />In indigenen Kulturen sind Land und Identität eng miteinander verbunden. Die Globalisierung treibt jedoch junge Menschen, die zunächst in Missionsschulen und später in staatlichen Schulen ausgebildet wurden, dazu, ihre Dörfer zu verlassen und in den Städten Arbeit zu suchen. Nur ihre Großeltern, die Bauern mit umfassendem Wissen über das Land, bleiben in den Dörfern zurück: Sie wissen, wo es Nahrung gibt, welche Pflanzen Heilwirkung haben, wie man die Jahreszeiten deutet und leben von ihren Ernten. Doch ihre Enkelkinder, die in der Stadt geboren wurden, kennen das Land ihrer Vorfahren nicht mehr. <br />Deshalb haben wir, inspiriert von der Enzyklika „Enzyklika Laudato si'“ von Papst Franziskus, ein Resilienzprojekt ins Leben gerufen. Ziel ist es, diese jungen Menschen zurück ins Dorf zu bringen, damit sie das Land ihrer Großeltern wieder berühren und sich mit ihm verbinden können: Sie verbringen einige Tage im Dorf, pflanzen Obstbäume, teilen den Alltag und lauschen den Geschichten der Älteren. Das Ziel ist zweifach: das Wissen über das Land weiterzugeben, bevor es verloren geht, und zu verhindern, dass das Land von Generationen verkauft wird, die in die Stadt gezogen sind und keine Verbindung mehr zu ihrem angestammten Land haben. Wenn das Land eines Dorfes verschwindet, zerfällt die Gemeinschaft, die Kultur bricht zusammen und mit ihr die örtliche Kirche. Wir hoffen, dass junge Menschen dank dieser Wiederanbindung dazu zurückkehren, das Land mit modernen Werkzeugen und neuen Anbaumethoden zu bewirtschaften und zu nutzen.<br /><br />Ihre persönliche Geschichte ist von dieser Begegnung zwischen Kulturen und Glauben geprägt. Wie sind Sie zur Taufe gekommen?<br /><br />Ich stamme aus einer buddhistisch-taoistischen Familie. Meine Eltern besuchten Missionsschulen, und ich auch, bei den irischen Brüdern. Dort hörte ich als Kind zum ersten Mal von einem „Himmlischen Vater“, den wir nicht sehen, der uns aber liebt. Ich erinnere mich an das Bild eines kleinen Jungen, der einen Hang hinunterging und nach einem Schaf suchte: Dieses Bild begleitete mich jahrelang, bis ich verstand, dass es Jesus, der Gute Hirte, war, der nach dem verlorenen Schaf suchte.<br />Man könnte sagen, dass mir das Evangelium auch eher „zugeflüstert“ als laut verkündet wurde. Es geschah durch die Teilnahme am Katechismusunterricht , das Zeugnis und die Fürsorge der Lehrer und das Leben der Schulgemeinschaft unter der Leitung der Brüder der christlichen Schulen . Nach und nach wuchs der Same, der mit sieben Jahren in mein Herz gepflanzt worden war. Mit sechzehn bat ich mit dem Segen meiner Eltern um die Taufe. Auch meine Mutter war durch eine Kollegin zum Glauben gekommen, die ihren Glauben in alltäglichen Freundschaften gelebt hatte: Sie hatte ihr die Gute Nachricht ebenfalls „zugeflüstert“. So wurde unsere ganze Familie im selben Jahr, 1979, getauft. Diese Erfahrung hat mich sehr sensibel für eine Form der Mission gemacht, die durch Nähe, Bildung, die Qualität von Beziehungen, Freundschaft und diskretes Zeugnis wirkt, nicht durch große Reden.<br /><br />In der Arbeit und den Botschaften der FABC haben Sie eindrückliche Ausdrücke wie „benachbarten Religionen“ und „das Evangelium zuflüstern“ verwendet. Was meinen Sie mit diesen Ausdrücken?<br /><br />In Asien, wo es viele Glaubensrichtungen und Religionen gibt, sprach man üblicherweise von „anderen Religionen“ oder „nichtchristlichen Religionen“. Doch in Malaysia, wo ich unter hinduistischen, buddhistischen, muslimischen, sikhischen und taoistischen Nachbarn lebte, machte ich andere Erfahrungen. Ich erinnere mich, dass meine Mutter als Kind unserem indischen Nachbarn die Hausschlüssel übergab, wenn wir ins Dorf zurückkehrten. Nach der Schule besuchten wir uns gegenseitig und halfen einander.<br />Aus dieser Erfahrung entstand anlässlich des 50jährigen Jubiläums der FABC-Generalkonferenz der Ausdruck „benachbarte Religionen“. Dies verändert unsere Sicht auf Religionen und eröffnet die Möglichkeit des Dialogs durch Freundschaft. Daraus ergibt sich auch eine neue Art, Jesus zu verkünden: nicht durch Aufzwingen oder Argumentieren, sondern indem wir das Evangelium im persönlichen Gespräch, in authentischen Beziehungen, weitergeben.<br />Wenn ein Kollege oder Freund leidet, ist es bereits ein Akt der Nächstenliebe, einfach da zu sein und zu sagen: „Ich werde für dich zu Jesus beten.“ So wurde meinen Eltern und mir das Evangelium „zugeflüstert“. Da ich in Asien lebe, wo Christen eine Minderheit sind, glaube ich, dass Christen auf diese Weise „die Geschichte Jesu in Asien erzählen“ können. Wir bemühen uns aufrichtig, gute Nachbarn zu sein, in Freundschaft, im Respekt vor Kulturen und Glaubensrichtungen, im Dialog und in enger Verbundenheit, aufmerksam für Bedürfnisse und im Dienst an der Gesellschaft. Ich glaube, dass diese asiatische Erfahrung mit ihren „benachbarten Religionen“ und dem „Zuflüstern des Evangeliums“ einen wichtigen Beitrag zur Mission der weltweiten Kirche leisten kann.<br /><br />Mon, 15 Jun 2026 09:49:21 +0200ASIEN/MYANMAR - Bischof Loikaw nach der Rückgabe der Kathedrale: “Wir bleiben bei den Vertriebenen“https://fides.org/de/news/77802-ASIEN_MYANMAR_Bischof_Loikaw_nach_der_Rueckgabe_der_Kathedrale_Wir_bleiben_bei_den_Vertriebenenhttps://fides.org/de/news/77802-ASIEN_MYANMAR_Bischof_Loikaw_nach_der_Rueckgabe_der_Kathedrale_Wir_bleiben_bei_den_VertriebenenVon Paolo Affatato <br /><br />Loikaw – „Es ist eine große Freude, dass die Armee uns die Christkönigs-Kathedrale und das Pastoralzentrum der Diözese Loikaw zurückgegeben hat“, sagte Bischof Celso Ba Shwe von Loikaw, der Hauptstadt des Kayah-Staates , einer der am stärksten vom Konflikt nach dem Militärputsch im Februar 2021 betroffenen Regionen Myanmars, gegenüber Fides. <br />Die Kämpfe zwischen der Regierungsarmee und lokalen Widerstandskräften haben in den letzten Jahren eine schwere humanitäre Krise ausgelöst und Hunderttausende Menschen zur Flucht gezwungen. Dörfer, Schulen, Gotteshäuser und die zivile Infrastruktur wurden beschädigt oder zerstört, und weite Teile des Gebiets sind weiterhin von Instabilität und bewaffneten Auseinandersetzungen geprägt. In diesem Kontext hat die katholische Kirche der Bevölkerung weiterhin spirituelle und humanitäre Hilfe geleistet und insbesondere Binnenvertriebene in den Aufnahmeeinrichtungen und den entlegensten Gebieten der Region begleitet. Die Rückgabe der Kathedrale – die im November 2023 vom Militär besetzt und in einen Militärstützpunkt umgewandelt worden war – stellt ein Zeichen der Hoffnung für die örtliche katholische Gemeinde dar, trotz einer Situation, die nach wie vor äußerst fragil und prekär ist.<br />„Ich bin derzeit noch nicht persönlich zurückgekehrt“, so der Bischof gegenüber Fides, „Zwei Priester betreuen die Kathedralpfarrei. Das Dach des Gebäudes war beschädigt, und wir haben eine Teilsanierung auf den Weg gebracht, um die Wiederaufnahme von Gottesdiensten und pastoralen Aktivitäten zu ermöglichen.“ Wie Celso Ba Shwe berichtet benötigt der an die Kathedrale angrenzende Komplex noch umfangreiche Renovierungsarbeiten: „Das Pastoralzentrum muss umfassend saniert und restauriert werden. Wir haben noch immer keinen Strom und kein Wasser und die Gebäude sind daher nicht vollständig zugänglich. Wir arbeiten daran, alles wieder nutzbar zu machen. Wir gehen dabei Schritt für Schritt vor.“ Ein ermutigendes Zeichen sei die Rückkehr einiger Gläubiger: „Einige katholische Gemeindemitglieder kehren in die Kathedralpfarrei zurück. Aus diesem Grund organisieren wir auch wieder unsere pastorale Präsenz und die Begleitung der Gemeinde“, bemerkt er.<br />Der Bischof lebt derzeit in den Gebieten, in denen sich der Großteil der Vertriebenen konzentriert: „Die Mehrheit der Gläubigen der Diözese“, berichtet er, „lebt noch immer verstreut in abgelegenen Gebieten, in Lagern für Binnenvertriebene oder in den Wäldern. Viele Pfarrkirchen stehen leer und sind geschlossen. Als Hirte sehe ich es als meine Pflicht an, meinen Gemeindemitgliedern nahe zu sein, und ich lebe in einem Gebiet, in dem Tausende von Binnenvertriebenen leben.“ Bischof Ba Shwe ist derzeit im Dorf Shansu, in der Nähe der Kirche der Mutter Gottes untergebracht, und bemerkt: „Von dort aus kann ich die Pfarrkirchen und die verschiedenen Flüchtlingslager besuchen. Wir haben Hunderte von Unterkünften für Binnenvertriebene in der gesamten Diözese. Die Zahl der Vertriebenen übersteigt weit 300.000. In einigen Gebieten dauern die Kämpfe an, während die Lage in anderen relativ ruhig ist.“<br />Die Präsenz der Kirche an der Seite der Vertriebenen stelle heute auch eine neue Form der Mission dar. „Ich besuche regelmäßig die Flüchtlingslager, und alle Priester der Diözese tun dasselbe. Die meisten von ihnen leben dauerhaft in diesen Lagern zusammen mit den Vertriebenen. Es ist eine andere Aufgabe, eine andere Art, Priester zu sein. Auch die Seelsorge verändert sich: Sie findet nicht mehr nur in einer Kirche oder einem bestimmten Gebiet statt, sondern in der Gemeinde, unter den Menschen, wo immer sie sich befinden.“<br />In dieser unsicheren Lage gebe der Glaube der Bevölkerung weiterhin Halt: „Wir wissen nicht, wann Gott uns die Rückkehr in unsere Häuser und Kirchen erlauben wird“, erklärt er, „aber wo immer wir und unsere Gläubigen sind, bewahren wir einen tiefen Glauben an Gott. Wir halten an der Hoffnung fest, eines Tages zurückkehren zu können. Wir sagen immer, dass Frieden möglich ist, auch wenn es seine Zeit braucht.“<br />Der Alltag in den Flüchtlingscamps sei von Unsicherheit, aber auch von Solidarität geprägt: „Wir erleben die Schwierigkeiten der Flüchtlingslager gemeinsam und helfen einander. Dank der Unterstützung von Spendern, die für uns die göttliche Vorsehung verkörpern, können wir überleben. Dieser Geist des Teilens ist ein Zeichen von Gottes Gegenwart. Hier können wir Jesu Aufforderung in die Tat umsetzen: ‚Liebt einander.‘ Genau dort sehen und erfahren wir Gottes Gegenwart“, bemerkt er.<br />Der Bischof betont auch das große spirituelle Bedürfnis der Bevölkerung: „Die Menschen brauchen den Bischof, die Priester und die Ordensleute. Sie möchten ihnen begegnen, sie sehen und ihre Kinder zu den Sakramenten begleiten. In den Flüchtlingslagern spenden wir weiterhin Taufen, Erstkommunionen und Firmungen. Das ist ein großer Segen für Menschen, die jeden Tag ums Überleben kämpfen und durch den Glauben Hoffnung schöpfen.“<br />Mit Blick auf die allgemeine Lage in Myanmar bekräftigte Bischof Ba Shwe die Dringlichkeit der nationalen Versöhnung: „Wir wünschen uns Frieden und Versöhnung. Wir wollen, dass die Menschen zusammenkommen und sich vereinen. Ohne Versöhnung wird es keinen Frieden geben. Deshalb schlagen wir einen Weg der nationalen Versöhnung vor und begleiten ihn im Gebet. Dieser Weg muss politische Führungskräfte, bewaffnete Gruppen und die staatlichen Behörden einbeziehen. Es hängt von ihnen ab, aber heute müssen wir in erster Linie an die Menschen, die Nation und insbesondere an die Ärmsten denken.“<br />Die Notlage der jüngeren Generationen bereite besondere Sorgen. „Wir machen uns große Sorgen um die jungen Menschen. Sie brauchen eine gute Bildung, und wir versuchen, alles in unserer Macht Stehende zu tun. Oft organisieren wir dank des Engagements der Ordensschwestern informelle Schulen und Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche mit den begrenzten Ressourcen und Lehrmaterialien, die uns zur Verfügung stehen.“<br />„Wir können nicht viel tun“, schließt der Bischof, „aber unsere Anwesenheit, unsere Ermutigung, unsere Nähe und unser Interesse sind sehr wichtig. Trotz dieser schwierigen Lage halten die Menschen an ihrem Glauben fest. Unsere Hoffnung ruht allein auf Gott. Wir müssen uns stets daran erinnern, dass alles von ihm kommt, dass er uns liebt und sein Volk nicht verlässt.“<br /><br />Mon, 15 Jun 2026 13:09:07 +0200AFRIKA/SÜDAFRIKA - Über 7.000 Malawier warten in Durban auf die Ausreisehttps://fides.org/de/news/77803-AFRIKA_SUeDAFRIKA_Ueber_7_000_Malawier_warten_in_Durban_auf_die_Ausreisehttps://fides.org/de/news/77803-AFRIKA_SUeDAFRIKA_Ueber_7_000_Malawier_warten_in_Durban_auf_die_AusreiseJohannesburg – Über 7.000 malawische Staatsbürger sitzen im Aufnahmezentrum „Sherwood Hall“ in Durban im Osten von Südafrika fest und warten auf eine Rückkehr in ihr Heimatland.<br />Die meisten von ihnen fühlen sich von der fremdenfeindlichen Gewalt bedroht, die Tausende von Migranten seit Wochen zur Flucht aus Südafrika gezwungen hat. Sie mussten ihre Häuser, Arbeitsplätze und ihren Besitz zurücklassen. Andere haben sich aufgrund der Ungewissheit um ihre persönliche Sicherheit, die durch die Ankündigung restriktiver Migrationspolitik von Präsident Cyril Ramaphosa noch verschärft wurde , zur Ausreise entschlossen. Im Verborgenen operierende fremdenfeindliche Gruppen, die in den Vororten, Gewerbegebieten und informellen Siedlungen, die von Migranten bewohnt werden, aktiv sind, haben Ausländer ohne Aufenthaltsgenehmigung aufgefordert, Südafrika bis zum 30. Juni zu verlassen.<br />Die Lage in „Sherwood Hall“ ist dramatisch. Innerhalb von nur sechs Tagen ist die Zahl der Malawier, die ihre Rückführung beantragen, von unter 100 auf 6.000 und mittlerweile auf über 7.000 gestiegen. Viele Familien leben unter extrem beengten Verhältnissen und sind auf Hilfe angewiesen, in der Hoffnung, bald nach Malawi zurückkehren zu können.<br />Die malawischen Konsularbehörden haben Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die freiwillige Rückführung zu unterstützen. Unter anderem sollen Sammelpässe mit den Namen aller Fahrgäste jedes Busses ausgestellt ausgestellt werden. Ein solches Dokument soll die Durchreise durch Länder wie Simbabwe und Mosambik auf der Rückreise erleichtern.<br />Es kommt jedoch zu Verzögerungen, vor allem aufgrund von verspäteten Bussen, logistischen Problemen und Berichten über Finanzierungslücken.<br />Bislang wurden lediglich acht Busse bereitgestellt, wodurch Tausende Menschen weiterhin festsitzen. Migranten wurde zudem mitgeteilt, dass keine zusätzlichen Mittel für Rückführungen zur Verfügung stehen und dass diejenigen, die nicht freiwillig zurückkehren können, in das Rückführungszentrum „Lindela“ in Krugersdorp bei Johannesburg verlegt werden könnten. <br />Das Camp „Lindela“ ist Südafrikas wichtigste Abschiebezentrum für irreguläre Migranten, die auf ihre Ausreise warten. Das Zentrum steht seit Langem wegen seiner Aufnahmebedingungen, der hohen Betriebskosten – da es von privaten Betreibern geführt wird –, Korruptionsvorwürfen und des chronischen Mangels an freien Plätzen in der Kritik.<br /> Mon, 15 Jun 2026 12:36:15 +0200