AMERIKA/GUATEMALA - Bischöfe beklagen Ungleichheit, Misswirtschaft und Korruption

Montag, 14 Februar 2022 soziale lage   gesundheitswesen     politik   bischofskonferenzen  

Guatemala-Stadt (Fides) - "Wir wollen im Namen Jesu an den Aufruf zur Arbeit für das Gemeinwohl erinnern und verkünden, dass Gott unter uns gegenwärtig und am Werk ist, um den Mangel an Engagement und Gleichgültigkeit anzuprangern ... Doch das Gemeinwohl scheint angesichts der spontanen Forderungen so vieler Menschen in unserer Gesellschaft, die verarmt und ausgegrenzt leben, immer unerreichbarer zu sein“, so die Botschaft der Bischofskonferenz von Guatemala zum Abschluss der Jollversammlung (7. bis 11. Februar), in der die Bischöfe die Realität des Landes und die Sendung der Kirche analysieren.
Die Bischöfe erklären sich solidarisch mit denjenigen, die am meisten unter den Folgen der Pandemie und den anderen Missständen zu leiden haben. "Wir leiden unter der sozialen Ungleichheit, der Misswirtschaft der Ressourcen und der grassierenden Korruption", betonen sie und stellten fest, dass "der Wunsch, Hindernisse zu überwinden, in der Mehrheit unseres Volkes offensichtlich ist". Obwohl viele angesichts von Armut und Mangel an Möglichkeiten zu resignieren drohten, fänden doch Inspiration im Glauben, so die Bischöfe. "Unser Volk verfügt über eine sehr wichtige hoffnungsvolle menschliche Reserve", schreiben sie, "die ihre Würde bejaht und nach vorne schaut. Wir ermutigen die Hauptverantwortlichen für das Gemeinwohl und alle, sich weiterhin für ein besseres Guatemala einzusetzen."
Unter Verweis auf die Worte von Papst Franziskus zu den Leitprinzipien der Politik betonen die Bischöfe die Notwendigkeit, "unermüdlich für eine Rechtsarchitektur und eine Rechtspflege zu arbeiten, die den Bedürfnissen der Bevölkerung und der Achtung der Menschenrechte für alle gerecht wird". Sie drängen auf die Wahl der Richter des Obersten Gerichtshofs, die schon vor zwei Jahren hätten ersetzt werden müssen (vgl. Fides vom 27/7/2021), und fahren fort: "Es ist notwendig, den Frieden durch einen aufrichtigen und fruchtbaren Dialog in unserem Land zu schaffen, der an die Friedensabkommen anknüpft, eine der besten Früchte der jüngsten Vergangenheit, die jedoch noch nicht vollständig umgesetzt wurden".
"Als Pfarrerinnen und Pfarrer, die auf dem Weg der Synode mit so vielen Laien unterwegs sind, wollen wir einander zuhören und voneinander lernen. Deshalb drängen wir darauf, die Ressourcen, Mittel und Anstrengungen zu bündeln, um unseren Evangelisierungsauftrag zu erfüllen", forderten die Bischöfe und erinnern in diesem Zusammenhang an die Verbindung zwischen Evangelisierung und menschlicher Förderung, die bereits der heilige Paul VI. betont hatte.
Die Bischöfe befassten sich auch mit innerkirchliche Themen: Sie trafen mit Vertretern der Ordenslezute zusammen und erörterten den laikalen Dienst der Katechisten und Katechistinnen und „den heldenhaften, unersetzlichen und bedingungslosen Dienst, den sie für die Evangelisierung leisten"; sie analysierten die Situation der Priestereminare und betonten die Notwendigkeit gut vorbereiteter Ausbilder; sie befassten sich mit der Arbeit der Päpstlichen Missionswerke und mit der Familienpastoral, die für die Weitergabe des Glaubens an die jüngeren Generationen besonders wichtig ist, mit der Realität der am meisten gefährdeten Gruppen, wie Kinder, Jugendliche, Frauen, Migranten...
"In diesen entscheidenden Momenten der guatemaltekischen Geschichte", so mahnen sie, "sind wir als Gläubige aufgerufen, die Lehren Jesu zu erfüllen, der uns gezeigt hat, dass die Option für die Armen das Herzstück der Christusnachfolge ist und dass unsere Werke der Nächstenliebe auch in der politischen Dimension zum Ausdruck kommen müssen, die das Gemeinwohl über jedes Partikularinteresse stellt“.
Die Botschaft schließt mit der Bitte um den Schutz und die Fürsprache unserer Mutter Maria, die als Jungfrau von Lourdes angerufen wird, und mit dem Gedenken an die Kranken und das Gesundheitspersonal sowie mit der erneuten Aufforderung an die gesamte Bevölkerung, sich impfen zu lassen.
(SL) (Fides, 14/02/2022)


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