AFRIKA/MALAWI - Erzbischof Nwachukwu beim Jubiläum zum 125. Jahrestag der „Ankunft des Evangeliums“. Und zwei neue Priester für eine Kirche, die dazu berufen ist, ihren missionarischen Auftrag neu zu beginnen

Sonntag, 20 September 2026 ortskirchen   mission   evangelisierung   priester   tribalismus  

Nzama (Fides) – Die Erinnerung an die ersten Missionare, die Weihe von zwei neuen Priestern und der Aufruf, in jedem Getauften einen von Christus Gesandten zu erkennen: Diese drei Themen prägten die nationale Feier zum 125. Jahrestag der Präsenz der katholischen Kirche in Malawi.

Die feierliche Eucharistie wurde am Samstag, 19. September, in der Pfarrei Santa Maria in Nzama im Bistum Dedza gefeiert, einem Ort, der eng mit den Anfängen des katholischen Wirkens im Land verbunden ist. Erzbischof Fortunatus Nwachukwu, Sekretär des Dikasteriums für die Evangelisierung und Sonderdelegierter des Heiligen Stuhls, stand der Liturgie vor, in deren Rahmen zwei Kandidaten zu Priestern geweiht wurden. In seiner Begrüßung übermittelte der nigerianische Erzbischof den Gläubigen in Malawi den Segen von Papst Leo XIV. sowie die Grüße des Missionsdikasteriums.
Das Jubiläum erinnert an das Jahr 1901, als die missionarische Tätigkeit begann, aus der schließlich die katholische Ortskirche hervorgehen sollte.

Während der Feier wurde insbesondere der Arbeit der Afrikamissionare, die als Weiße Väter bekannt sind, der Monfortanermissionare und anderer Evangelisatoren gedacht, die einst in ein fernes und ihnen unbekanntes Land kamen, um das Evangelium zu verkünden.
Der Jahrestag wurde jedoch nicht lediglich als historische Erinnerung begangen. In seiner Predigt hob Erzbischof Nwachukwu den Zusammenhang zwischen dem Opfer der ersten Missionare und der missionarischen Verantwortung hervor, die heute den katholischen Gemeinden Malawis anvertraut ist.

Mit Blick auf jene Missionare, die ihre Familien und Heimatländer verließen und Krankheiten, Isolation und die Ungewissheit auf sich nahmen, ob sie jemals in ihre Heimat zurückkehren würden, sagte der Erzbischof: „Die meisten von ihnen brachen auf, ohne zu wissen, ob sie jemals nach Hause zurückkehren würden. Ihr Aufbruch war wie ein Sterben. Und viele von ihnen starben.“ Anschließend zitierte er Psalm 126,6: „Sie gehen, ja gehen und weinen und tragen zur Aussaat den Samen. Sie kommen, ja kommen mit Jubel und bringen ihre Garben.“
Diese Worte, so erklärte Nwachukwu, böten den geistlichen Schlüssel zum Jubiläum. „Heute feiern wir die Früchte ihres Opfers. Wir sind heute die Garben dessen, was sie gesät haben.“ Die Katholiken Malawis seien die Früchte jener Saat des Evangeliums, die unter Schmerzen, in Armut und in selbstloser Hingabe ausgestreut worden sei. Die Dankbarkeit gegenüber den Pionieren der Mission könne sich daher nicht auf eine Gedenkfeier beschränken. Sie müsse sich vielmehr in der Treue zum Evangelium und im Einsatz dafür zeigen, das überlieferte „neue Leben“ zu bewahren und weiterzugeben.

In diesem Zusammenhang erhielt die Weihe der beiden neuen Priester auch eine besonders eindrucksvolle symbolische Bedeutung. Sie erschien als Zeichen für die Fruchtbarkeit der Mission und die Reifung der Ortskirche. „Die Weihe dieser beiden Brüder, die ohne sie nicht möglich gewesen wäre, ist eine angemessene Würdigung des Andenkens an ihre Mühen und ihr Opfer“, sagte Nwachukwu. Damit stellte er einen direkten Zusammenhang zwischen dem Wirken der ersten Missionare und dem Entstehen neuer Berufungen unter der Bevölkerung Malawis her.

An die beiden Weihekandidaten gewandt, erinnerte der Erzbischof daran, dass das Priestertum ein Dienstamt ist. Christus bleibe der einzige Hohepriester, während das gesamte Volk Gottes durch die Taufe an der priesterlichen Würde teilhabe. Den Priestern komme dabei eine besondere Aufgabe zu: das Evangelium zu verkünden, das Volk Gottes zu führen und die Feier der Sakramente, insbesondere der Eucharistie, zu leiten. Dabei gehe es nicht um eine privilegierte Stellung, sondern um einen Dienst an der kirchlichen Gemeinschaft.
Der Sekretär des Missionsdikasteriums betonte in seiner Predigt deshalb den untrennbaren Zusammenhang zwischen Priestertum und Mission: „Denkt daran, dass ihr wie jeder andere Christ zunächst Missionare seid“, sagte der Erzbischof zu den beiden Kandidaten. Er verwies dabei auf die Sendung des Sohnes durch den Vater und auf den Auftrag des auferstandenen Christus an seine Jünger: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ (Joh 20,21).

Im Licht der Heiligen Schrift sei der Priester nicht nur jemand, der eine bereits bestehende Gemeinschaft begleite. Er sei vielmehr ein Gesandter, der Christus gegenwärtig mache, sein Wort verkünde und Menschen zum Glauben und zur Gemeinschaft mit der Kirche führe.
Im Blick auf den Dienst am Wort forderte Erzbischof Nwachukwu die neuen Priester auf, ihre Eltern, Katecheten und Lehrer nicht zu vergessen, die ihnen den Glauben vermittelt hätten. Er ermutigte sie, die Heilige Schrift regelmäßig zu lesen und zu betrachten, um „das zu glauben, was ihr gelesen habt, das zu lehren, was ihr im Glauben gelernt habt, und das zu leben, was ihr gelehrt habt“.
Seine Mahnung war eindringlich: „Das Wort Gottes ist nicht euer Eigentum: Es ist das Wort Gottes und darf nicht durch euer eigenes Wort oder eure eigene Vorstellung ersetzt werden.“ Der Priester, so betonte der Erzbischof, stehe im Dienst eines Wortes, das er von der Kirche empfangen habe und das von ihr bewahrt werde. Er sei nicht dessen Eigentümer und dürfe es auch nicht auf den Ausdruck seiner persönlichen Vorstellungen reduzieren.
Der priesterliche Dienst erfordere darüber hinaus kirchliche Gemeinschaft. Nwachukwu erinnerte daran, dass die Bezeichnung „Hirte“ weder ein Ehrentitel sei noch eigenständig ausgeübt werden könne. Sie setze die Gemeinschaft mit dem Bischof als Nachfolger der Apostel und durch ihn mit dem Nachfolger Petri voraus.

Mit Blick auf die Worte Jesu an Petrus – „Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.“ (Joh 21,18) – sagte Nwachukwu: „Hirte zu sein bedeutet, den eigenen Willen, die eigenen Launen und die eigene Rechthaberei vollständig aufzugeben und sich in der Kirche führen zu lassen.“
Im letzten Teil seiner Predigt stellte der Erzbischof die biblische Gestalt Melchisedeks als Leitbild für das priesterliche Leben vor. Als „König der Gerechtigkeit“ und „König des Friedens“ erinnere Melchisedek nach den Worten Nwachukwus daran, dass Gerechtigkeit und Frieden zu konkreten Maßstäben des priesterlichen Dienstes werden müssten.

Priester sollten Menschen sein, die Brüche heilen, anstatt sie zu vertiefen. „Auch ihr seid als Priester dazu berufen, Brückenbauer zu sein“, sagte der Erzbischof und verwies auf die traditionelle Bedeutung des lateinischen Begriffs pontifex.
Diese Berufung zur Versöhnung verlange auch die Ablehnung ausschließender Zugehörigkeiten und von Gegensätzen, die das gesellschaftliche und kirchliche Zusammenleben verletzten. Melchisedek, so bemerkte der Erzbischof, werde in der Bibel ohne Genealogie und ohne nähere ethnische oder körperliche Beschreibung dargestellt und sei deshalb eine universale Gestalt.
Den neuen Priestern gab er deshalb ausdrücklich mit auf den Weg, sich nicht von „Tribalismus, Rassismus, Nationalismus, Chauvinismus und aggressivem Nationalismus“ gefangen nehmen zu lassen. Er fügte hinzu: „Lasst niemals zu, dass Denkweisen und Verhaltensweisen, die dem Geist Melchisedeks widersprechen, in euch Raum gewinnen.“

125 Jahre nach dem Beginn der katholischen Mission in Malawi hat die Feier in Nzama der Ortskirche damit die Freude an der Verkündigung des Evangeliums in Gegenwart und Zukunft neu vor Augen geführt. Die Erinnerung an die ersten Missionare verweist nicht nur auf ein Gründungsereignis. Sie wird vielmehr zu einer Einladung, das Evangelium mit derselben selbstlosen Hingabe zu verkünden, neue Berufungen wachsen zu lassen und versöhnte Gemeinschaften aufzubauen.
Die beiden Priesterweihen erwiesen sich dabei als Zeichen einer Kirche, die in dem empfangenen Glauben verwurzelt ist und nicht nur ein Erbe bewahren, sondern den apostolischen Auftrag mit neuem Elan fortsetzen soll.

(MLK) (Fides 20/9/2026)


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