Südsudan und die Herausforderungen nach der Unabhängigkeit: Fünfzehn Jahre Konflikte, politische Instabilität und humanitäre Krisen

Freitag, 17 Juli 2026 bewaffnete konflikte   tribalismus  

Juba (Agenzia Fides) – Der Südsudan ist der jüngste Staat der Welt. Und gleichzeitig einer der unruhigsten.
Vor kurzem jährte sich seine Unabhängigkeit zum fünfzehnten Mal. Sie ging 2011 aus einem Referendum hervor. Es war ein Wendepunkt: Die Unabhängigkeitsbewegung vom Sudan begann in den 1950er Jahren, und erst 2005 wurde eine Einigung zwischen dem sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir und John Garang, dem Anführer der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee, erzielt. Religiöse Differenzen bildeten die Wurzel dieses Konflikts: Der Sudan war überwiegend muslimisch, der Südsudan hingegen überwiegend christlich. Im Süden wurden nationale Führer beschuldigt, auch dort die arabische Kultur und Sprache einführen zu wollen. Nach Jahrzehnten des Krieges stimmten 99 % der Teilnehmer im Referendum für die Abspaltung. Es schien, als könne ein neues Kapitel beginnen, doch die Hoffnung auf Frieden im Land war nur von kurzer Dauer.
Die Situation eskalierte 2013: Im Juli desselben Jahres entließ Präsident Salva Kiir den Vizepräsident Riek Machar, um seine Macht zu festigen. Fünf Monate später brach ein militärischer Konflikt zwischen den beiden ethnisch gespaltenen Fraktionen der Politiker aus: auf der einen Seite die Dinka, zu denen Kiir gehört, und auf der anderen die Nuer, zu denen Machar zählt. Die Lage schien sich mit einem 2015 unterzeichneten Friedensabkommen zu beruhigen, das Machar nach zwei Jahren im Exil die Rückkehr ins Land ermöglichte. Dieses Abkommen hielt jedoch nicht lange, und neue Verhandlungen zwischen den beiden Fraktionen waren notwendig. Diese Verhandlungen führten zwischen 2017 und 2018 zu einer Reihe von Waffenstillständen, die allesamt von beiden Seiten gebrochen wurden. Schließlich wurde 2018 unter Vermittlung Ugandas ein Friedensabkommen erzielt.
Das Abkommen sah die Bildung einer nationalen Einheitsregierung und die Abhaltung von Neuwahlen vor. Problematisch war jedoch, dass die Fristen in beiden Fällen um Jahre verschoben wurden. Die nationale Einheitsregierung wurde erst 2020 nach zwei Verschiebungen gebildet, während die Wahlen, die ursprünglich für 2023 geplant waren, nun Ende dieses Jahres stattfinden sollten. Die Lage verschärfte sich 2025 erneut, als der Bürgerkrieg wieder aufflammte und Vizepräsident Machar unter Hausarrest gestellt wurde. Wie der „Council on Foreign Relations“ betont, beendete Machars Verhaftung faktisch die Abkommen von 2018.
Die Gewalt konzentriert sich derzeit auf die Bundesstaaten Jonglei und Warrap sowie auf Obernil. Sie wird von zwei Fraktionen verübt, die selbst in verschiedene bewaffnete Gruppen gespalten sind, welche die ethnische Vielfalt des Landes repräsentieren. Am 1. Juli stimmte das Übergangsparlament über Verfassungsänderungen ab, die die Pflicht zur Ausarbeitung einer endgültigen Verfassung vor Wahlen aufheben. Diese Entscheidung kann als Versuch Kiirs interpretiert werden, seine Macht weiter zu festigen – eine Entscheidung, die den Konflikt zwischen den beiden Militärfraktionen nur anheizen wird. Sollte diese Situation anhalten und die politisch-militärische Konfrontation scheinbar ungelöst bleiben, stellt sich die Frage, wie die Wahlen zum Jahresende organisiert werden und, falls sie stattfinden, wie sie ausgehen werden.
Einigen Analysten zufolge wird der Bürgerkrieg im Südsudan auch durch den Konflikt im Sudan angeheizt. Diese Entwicklung wird insbesondere durch die transnationalen Ölströme beeinflusst, die im Südsudan gefördert und im Sudan raffiniert werden. Südsudans Haupteinnahmequellen sind die Ölförderung, Sudans hingegen der Transit. Solange die jeweiligen Bürgerkriege andauern, werden diese beiden Aspekte im Zentrum der Kämpfe zwischen den beteiligten Milizen stehen und die wirtschaftlichen und humanitären Krisen in beiden Ländern weiter verschärfen.
Die humanitäre Krise im Südsudan, die nach der im Sudan die zweitschlimmste ist, wird durch Krieg und Klimawandel verschärft. Laut Daten des Büros der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) werden bis 2026 zwei Drittel der Bevölkerung, etwa zehn Millionen Menschen, humanitäre Hilfe benötigen. Zu den größten Herausforderungen zählt die Nahrungsmittelkrise, die sich laut OCHA bis Ende des Jahres voraussichtlich noch verschlimmern wird: Es besteht die Gefahr, dass die Zahl der Menschen, die unter akuter Ernährungsunsicherheit leiden, von derzeit acht Millionen steigen könnte.
(CG) (Fides 17/7/2026)


Teilen: