Fides News - German (Standard)https://fides.org/Aus dem Archivder FidesagenturdeDie auf unseren Internetseiten veröffentlichten Inhalte unterliegen einer Licenza Creative Commons. Ägypten, Sudan, Eritrea und Somalia treffen sich, um über Spannungen und offene Fragen am Horn von Afrika zu beratenhttps://fides.org/de/news/78271-Aegypten_Sudan_Eritrea_und_Somalia_treffen_sich_um_ueber_Spannungen_und_offene_Fragen_am_Horn_von_Afrika_zu_beratenhttps://fides.org/de/news/78271-Aegypten_Sudan_Eritrea_und_Somalia_treffen_sich_um_ueber_Spannungen_und_offene_Fragen_am_Horn_von_Afrika_zu_beratenEl Alamein – Während geopolitische Spannungen und interne Konflikte in den einzelnen Ländern das Horn von Afrika erschüttern, trafen sich die Präsidenten Ägyptens, Somalias und Eritreas sowie der Vorsitzende des Übergangsrats des Sudans am Sonntag, dem 4. Oktober, in El Alamein, um die wichtigsten Probleme der Region zu erörtern. Bei dem Treffen wurden einige der von den vier Ländern vertretenen Standpunkte bekräftigt, sowohl hinsichtlich der innenpolitischen Lage einiger dieser Länder als auch in Bezug auf die Situation auf regionaler Ebene.<br /><br />Am Ende des Treffens wurde ein kurzer Bericht veröffentlicht, in dem die folgenden Grundsätze bekräftigt wurden, an die man sich halten muss, um Spannungen abzubauen und neue Konflikte zu verhindern: die Achtung der Souveränität, der Unabhängigkeit und der territorialen Integrität, wie sie im Völkerrecht festgelegt sind; die Achtung der Territorialintegrität des Sudan und die Unterstützung der Institutionen des Landes; die Achtung der Territorialintegrität Somalias und die Unterstützung seines Kampfes gegen den Terrorismus; die Achtung der freien Schifffahrt im Roten Meer; die Zusammenarbeit bei der Nutzung der Flussgewässer, insbesondere des Nils.<br /><br />Die Abschlusserklärung legt die Standpunkte der vier teilnehmenden Länder zu Themen dar, die nicht ausdrücklich auf der Tagesordnung standen. Dazu gehören beispielsweise Fragen im Zusammenhang mit Äthiopiens politischem Engagement auf regionaler Ebene oder der Rolle, die Somaliland – ein selbsternannter Staat im nördlichen Teil Somalias – für sich beansprucht.<br /><br />Die Äthiopien-Frage steht zweifellos ganz oben auf der Liste der Anliegen der vier am Gipfel teilnehmenden Präsidenten. Zwischen Äthiopien, Ägypten und dem Sudan steht die Frage nach dem Betrieb des GERD, des Staudamms am Nil, dessen Bau 2015 abgeschlossen wurde und dem Kairo vorwirft, die ägyptische Nutzung des Nils zu beeinträchtigen. In einem Land, in dem sich der Großteil der Bevölkerung entlang der Flussufer konzentriert, ist die Frage des Zugangs zum Wasser für Ägypten eines der wichtigsten regionalen Themen.<br /><br />Für den Sudan stellt die Abschlusserklärung des Gipfeltreffens eine politische Unterstützung auf regionaler Ebene dar, insbesondere für den Übergangsrat, der im Bürgerkrieg den sudanesischen Streitkräften untersteht. In diesem Zusammenhang hat der sudanesische Übergangsrat die äthiopische Regierung beschuldigt, die paramilitärische Organisation der Rapid Support Forces zu unterstützen – ein Vorwurf, den Addis Abeba zurückweist. Für Eritrea schließlich betrifft die Frage den jüngsten Ausbruch des Konflikts in Tigray. Die beiden Länder befinden sich derzeit im Krieg, wobei Eritrea mit den tigrayischen Milizen und anderen lokalen Gruppierungen verbündet ist.<br /><br />Was Somalia betrifft, so dient die auf dem Gipfel erhaltene Unterstützung dazu, zu bekräftigen, dass jegliche Bemühungen der Region Somaliland um eine Abspaltung von den Ländern der Region nicht unterstützt werden. Doch auch in diesem Fall gibt die Haltung Äthiopiens Anlass zur Sorge. Addis Abeba bemüht sich seit Jahren um Zugang zum Roten Meer und zum Golf von Aden, der bislang von Dschibuti gewährleistet wurde. Für Äthiopien stellt die Möglichkeit des Zugangs zum Hafen von Berbera – der als Infrastruktur für den Zugang zum Golf von Aden vorgesehen ist – eine Chance dar, seine Zugangswege zu diversifizieren und auf eine Alternative zum Anschluss über Dschibuti zurückgreifen zu können.<br /><br />Dieses Interesse an der Infrastruktur in Somaliland führt zu erheblichen Spannungen in den Beziehungen zwischen Äthiopien und Somalia, da es als direkte Unterstützung der Sezessionsbestrebungen Somalilands gewertet wird.<br />Der Gipfel hat einige Berührungspunkte in den Interessen der vier Staaten bekräftigt, kann jedoch derzeit nicht als Keimzelle eines Bündnisses angesehen werden.<br /><br /> Eine solche Möglichkeit könnte sich nur als Folge einer potenziellen und bedrohlichen generellen Verschlechterung der Sicherheitslage in der Region abzeichnen, mit einer möglichen Verschärfung der Konflikte, die bereits die gesamte Region heimsuchen und destabilisieren. <br /> <br /> Sun, 11 Oct 2026 19:24:15 +0200ASIEN/KASACHSTAN - Der neue Bischof von Karaganda: „Die Mission besteht darin, auf diejenigen zuzugehen, die Christus noch nicht kennengelernt haben oder deren Glaube verblasst ist“https://fides.org/de/news/78265-ASIEN_KASACHSTAN_Der_neue_Bischof_von_Karaganda_Die_Mission_besteht_darin_auf_diejenigen_zuzugehen_die_Christus_noch_nicht_kennengelernt_haben_oder_deren_Glaube_verblasst_isthttps://fides.org/de/news/78265-ASIEN_KASACHSTAN_Der_neue_Bischof_von_Karaganda_Die_Mission_besteht_darin_auf_diejenigen_zuzugehen_die_Christus_noch_nicht_kennengelernt_haben_oder_deren_Glaube_verblasst_istvon Paolo Affatato<br /><br />Karaganda – „Die Mission besteht nicht darin, immer mehr Veranstaltungen zu organisieren. Manchmal zeigt sich die Mission so: Ein Priester legt viele Kilometer zurück, um die Heilige Messe zu feiern, mit den Menschen zu sprechen, ihnen zuzuhören und einfach bei ihnen zu sein. Und die ‚missio ad gentes‘ bedeutet vor allem, auf diejenigen zuzugehen, die Christus noch nicht begegnet sind, die nichts von ihm wissen oder bei denen der Glaube im Laufe der Zeit vielleicht abgekühlt oder verblasst ist.“ Das sagt Piotr Pytlovany in einem Interview mit dem Fidesdienst. Er wird am 10. Oktober in der Kathedrale Unserer Lieben Frau von Fatima, Mutter aller Völker, in der kasachischen Stadt Karaganda zum Bischof der Diözese Karaganda geweiht.<br />Die Diözese Karaganda, die 1991 als Apostolische Administration gegründet und 1999 von Papst Johannes Paul II. zur Diözese erhoben wurde, umfasst die Regionen Ostkasachstans und erstreckt sich über eine Fläche von etwa 711.000 Quadratkilometern .<br /> Die katholische Gemeinde zählt etwa 8.500 Gläubige, die von rund 20 Priestern und etwa dreißig Ordensschwestern betreut werden, die rund zwanzig Pfarreien leiten.<br />Der aus Polen stammende Piotr Pytlovany, der 1994 zum Priester geweiht wurde, zog bereits 1995 als „Fidei-Donum“-Priester nach Kasachstan.<br /> Dort leitete er verschiedene Pfarreien und war von 2011 bis 2018 Rektor des interdiözesanen Priesterseminars in Karaganda. Vor seiner Ernennung zum Bischof war er Pfarrer der Kathedrale von Astana und offizieller Sprecher der Bischofskonferenz von Zentralasien. Am Vorabend seiner Weihe stellte ihm die Agentur Fides einige Fragen:<br /><br />Wie haben Sie den Ruf zur Leitung der Diözese Karaganda aufgenommen und was möchten Sie vom Dienst Ihres Vorgängers fortsetzen? Inwiefern werden Ihre Jahre im missionarischen Dienst in Kasachstan Ihren Führungsstil beeinflussen?<br /><br />Ich verstehe den Ruf zum bischöflichen Amt vor allem als einen Ruf Gottes und als eine neue Verantwortung gegenüber der Kirche. Es geht nicht um eine Ehre oder ein Amt: Es geht um die Menschen, die Gemeinden und die Zukunft der Kirche, die mir anvertraut wurde.<br />Ich lebe und wirke seit über dreißig Jahren in Kasachstan, daher ist dieses Land zu meiner Heimat geworden. Ich hatte die Gelegenheit, die Kirche nicht nur in den großen Städten, sondern auch in den kleinen ländlichen Gemeinden kennenzulernen, die oft weit voneinander entfernt sind.<br /> Dank dieser Erfahrung habe ich eine einfache Erkenntnis gewonnen: Die Kirche auf Erden wird nicht von ihren Strukturen getragen, sondern vom Glauben konkreter Menschen.<br />Ich möchte all das Gute und Fruchtbare weiterführen, was meine Vorgänger geleistet haben: die Sorge um die kleinen Gemeinden, die Ausbildung von Priestern und Laien, die Aufmerksamkeit für Berufungen, für Familien, für junge Menschen, für Kranke und Leidende.<br />Für mich ist es auch wichtig, dass die Kirche den Menschen im öffentlichen Leben zur Seite steht. Daher gehören die Zusammenarbeit mit den zivilen Behörden in Fragen, die zum Gemeinwohl beitragen, sowie die Entwicklung gemeinsamer sozialer Initiativen mit Vertretern anderer christlicher Gemeinschaften und Religionen zu meinen Prioritäten.<br />Gleichzeitig möchte ich, dass wir immer mehr zu einer Kirche werden, die auf die Menschen zugeht, anstatt nur darauf zu warten, dass sie in die Kirche kommen. Für mich ist dies die natürliche Fortsetzung des Weges, den ich selbst in all den Jahren zu beschreiten versucht habe.<br /><br />Wie lässt sich die Einheit innerhalb einer katholischen Gemeinschaft bewahren, die sich aus Gläubigen unterschiedlicher kultureller und sprachlicher Herkunft zusammensetzt?<br /><br />Ich glaube, dass Vielfalt für die Kirche in Kasachstan kein Problem, sondern ein Geschenk ist. Die Geschichte dieses Landes hat Menschen verschiedener Nationalitäten, Sprachen und Kulturen zusammengeführt. Diese reiche Vielfalt ist Teil unserer Realität und zeigt zugleich, dass die katholische Kirche wahrhaft universell ist.<br />Die Sprache, die Traditionen und die Geschichte jeder Gemeinschaft müssen natürlich respektiert werden. Dennoch ist es wichtig, dass die Menschen spüren, dass wir keine getrennten Gruppen von Polen, Deutschen, Ukrainern, Russen oder Kasachen sind; wir sind eine einzige Kirche, vereint um Jesus Christus. Die nationale Herkunft darf kein Hindernis zwischen uns sein.<br />Mir scheint, dass man hier in Kasachstan die Bedeutung des Wortes „katholisch“ – universell – besonders deutlich verstehen kann. Die katholische Kirche gehört keiner einzelnen Nation an. In ihr ist Platz für jeden Menschen. Gleichzeitig ist es nicht notwendig, die eigenen kulturellen Wurzeln aufzugeben; im Gegenteil, sie können die gesamte Gemeinschaft bereichern.<br />Ich wünsche mir, dass mein Dienst zur Einheit beiträgt: zwischen Priestern, Ordensleuten und Laien sowie zwischen Generationen und Völkern.<br /><br />Was bedeutet „missio ad gentes“ heute in einer so weitläufigen Diözese wie der von Karaganda, in der Katholiken eine kleine Minderheit bilden?<br /><br /><br />Für mich bedeutet die „missio ad gentes“ vor allem, auf den Menschen zuzugehen: auf diejenigen, die Christus noch nicht begegnet sind, auf diejenigen, die nichts von ihm wissen, oder vielleicht auf diejenigen, deren Glaube im Laufe der Zeit erloschen oder verblasst ist.<br />In unserer weitläufigen Diözese Karaganda bedeutet dies auch, bereit zu sein, dort präsent zu sein, wo es nur sehr wenige Katholiken gibt, manchmal nur eine Handvoll Gläubige.<br /> Aus rein menschlicher Sicht könnte man sich fragen: Lohnt es sich, für sie eine Präsenz aufrechtzuerhalten? Aus der Perspektive des Evangeliums ist die Antwort offensichtlich: Ja, denn jeder Mensch ist in den Augen Gottes unendlich wertvoll. Wenn es an einem bestimmten Ort auch nur einen einzigen Gläubigen gibt, der die Präsenz der Kirche braucht, reicht das bereits aus.<br />Die Mission besteht nicht darin, immer mehr Veranstaltungen zu organisieren. Manchmal zeigt sich die Mission so: Ein Priester legt viele Kilometer zurück, um die Heilige Messe zu feiern, mit den Menschen zu sprechen, ihnen zuzuhören und einfach bei ihnen zu sein.<br />Heute bedeutet die „missio ad gentes“ auch die Präsenz der Kirche in der Kultur, im Bildungswesen, im sozialen Engagement und unter den Jugendlichen. Wir müssen dort präsent sein, wo die Menschen leben.<br /><br />Was sind in einer postsowjetischen und stark säkularisierten Gesellschaft die wirksamsten Wege, das Evangelium denen zu verkünden, die es noch nie gehört oder es vergessen haben?<br /><br />Ich glaube, dass vor allem das Zeugnis des eigenen Lebens zählt. Die Menschen mögen sich nicht für unsere religiösen Argumente interessieren, aber sie reagieren sehr empfänglich auf Aufrichtigkeit. Deshalb können wir das Evangelium nicht nur mit Worten verkünden.<br />Die Menschen müssen sehen, dass der Glaube an Christus einen Menschen wirklich verwandelt: in der Art, wie er andere ansieht, Beziehungen aufbaut, in der Familie lebt und mit Leid umgeht.Auch Geduld ist gefragt. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts hat bei vielen Menschen eine gewisse Distanz zu religiösen Institutionen hinterlassen. Eine einzelne Predigt wird daran nichts ändern: Es braucht Zeit, authentische Beziehungen und Vertrauen.Deshalb sind kleine Gemeinschaften, der persönliche Dialog, die Erwachsenenkatechese und die Seelsorge für Familien und Jugendliche so wichtig. Und vor allem die persönliche Begegnung.<br />Manchmal beginnt die Evangelisierung mit einer ganz einfachen Frage: „Wie kann ich dir helfen?“ Erst danach könnte die Person fragen: „Warum tust du das?“ Und dann bietet sich die Gelegenheit, ihr von Christus zu erzählen.Viele historische Pfarreien in Kasachstan sind aus dem Glauben deportierter Polen, Deutscher und Ukrainer entstanden. Wie entwickelt sich die Seelsorge von einer Kirche, die „die Erinnerung bewahrt“, zu einer Kirche, die sich der Welt öffnet?Die Erinnerung ist für uns sehr wichtig. Wir dürfen diejenigen nicht vergessen, die ihren Glauben unter extrem schwierigen Umständen bewahrt und an nachfolgende Generationen weitergegeben haben. Dank ihnen ist es der Kirche gelungen, sehr schwere Zeiten zu überstehen. Ihr Zeugnis ist Teil unseres Erbes.Die Kirche von Karaganda ist in vielerlei Hinsicht aus dem Leid, der Treue und dem Mut dieser Menschen entstanden. <br /><br />Aber die Erinnerung darf uns nicht in der Vergangenheit gefangen halten. Wir müssen nach vorne blicken und uns fragen: Wem sollen wir heute den Glauben weitergeben? Den jungen Menschen in Kasachstan, den Familien, den Menschen in den Städten und denen, die keinerlei christliche Wurzeln haben.<br />Deshalb wünsche ich mir eine Kirche, die die Erinnerung bewahrt und zugleich in die Zukunft blickt. Das Vermächtnis der Deportierten darf nicht nur eine Erinnerung an die Vergangenheit bleiben. Es kann und muss zu einer Quelle der Inspiration für eine neue Evangelisierung werden.<br />Ihr Beispiel zeigt, dass der Glaube auch unter schwierigsten Umständen bewahrt werden kann. Nun ist es unsere Aufgabe, dieses Geschenk weiterzugeben.In Kasachstan ist die Präsenz der katholischen Kirche eng mit sozialem Engagement verbunden. Wie kann karitative Arbeit zu einer Form der Evangelisierung und des Dialogs mit denen werden, die den katholischen Glauben nicht teilen?Nächstenliebe und Werke der Barmherzigkeit im Allgemeinen sind eine Sprache, die jeder versteht. Wenn wir einem Kranken, einem Menschen, der gegen eine Sucht kämpft, einem Kind oder jemandem in Not helfen, fragen wir nicht zuerst nach seiner Nationalität oder seinem Glauben. Wir sehen einfach den Menschen. Das ist ein sehr wichtiges Zeugnis des Evangeliums. Die christliche Liebe darf nicht an den Grenzen der Kirche Halt machen. Die Fürsorge für den Menschen muss bedingungslos sein. <br />Auch soziales Engagement schafft einen Raum der Begegnung. Wir können gemeinsam daran arbeiten, einem Menschen zu helfen, auch wenn wir unterschiedliche religiöse Überzeugungen haben. Durch diesen gemeinsamen Dienst entstehen zwischenmenschliche Beziehungen und Vertrauen, und auf diesem Vertrauen baut sich ein authentischer Dialog auf. Daher kann manchmal eine konkrete gute Tat, die gemeinsam vollbracht wird, mehr über das Christentum aussagen – und dies deutlicher –, als philosophische Diskussionen oder abstrakte Worte über Religion.<br /><br />Was sind die dringlichsten sozialen Probleme, mit denen die Diözese Karaganda heute konfrontiert ist, und wie versucht die Kirche, konkret darauf zu reagieren?<br /><br />Eine der größten Herausforderungen ist die Situation der Familien, insbesondere jener, die in einer Krise leben, in Armut oder die ihre familiären Bindungen verlieren. Unter den weiteren schwerwiegenden Problemen möchte ich Suchterkrankungen, Einsamkeit und die schwierigen Lebensumstände älterer Menschen erwähnen.<br /><br />Auch die Situation der Jugendlichen liegt mir am Herzen, vor allem in den kleinen Ortschaften und ländlichen Gebieten, wo sie nicht immer eine Zukunft für sich sehen.<br />Die Kirche kann natürlich nicht alle sozialen Probleme lösen, noch ist dies ihre Aufgabe. Aber sie kann präsent sein: indem sie hilft, Begegnungsräume schafft, Werke der Barmherzigkeit vollbringt und dabei mit allen Menschen guten Willens zusammenarbeitet.<br />Für uns ist ein Aspekt von grundlegender Bedeutung: die Würde jedes Menschen. Wir helfen einem Menschen nicht, weil er katholisch ist. Wir helfen, weil er ein Mensch ist. Ich glaube, dass dies die Grundlage aller sozialen Tätigkeit der Kirche sein muss.<br />Viele junge Menschen verlassen die ländlichen Gebiete oder sogar das Land auf der Suche nach einer besseren Zukunft. Wie kann die Kirche die Entwicklung der jungen Generationen fördern und ihnen Gründe zur Hoffnung und zum Bleiben geben?<br />Ein junger Mensch braucht nicht nur Arbeit und wirtschaftliche Perspektiven. Er muss auch spüren, dass sein Leben einen Sinn hat, dass er sich nützlich fühlt und anderen helfen kann.<br />Die Kirche kann ein Ort sein, an dem junge Menschen ihre Fähigkeiten entdecken, lernen, Verantwortung zu übernehmen, und ihre Berufung erkennen. Sie brauchen Bildung, aber auch Räume, in denen sie Verantwortung übernehmen, eigene Initiativen entwickeln und lernen können, anderen zu dienen.<br />Wir können einem Jugendlichen nicht einfach sagen: „Bleib hier.“ Besser ist es zu fragen: „Was können wir tun, damit du hier in Würde leben, wachsen, dein Potenzial entfalten und deine Berufung entdecken kannst?“<br />Natürlich kann die Kirche weder die Wirtschaftspolitik noch die Regierungspolitik ersetzen. Aber sie kann einem jungen Menschen helfen, den Wert seines Lebens zu erkennen und Hoffnung zu finden, damit die Zukunft als mehr als nur eine Karriere oder materieller Erfolg gesehen wird. Die christliche Hoffnung hängt nicht von den Umständen ab, denn ihre Quelle ist Christus.<br /><br />Wie entwickelt sich eine „Kultur der Begegnung“ in einer Gesellschaft, in der Katholiken, Muslime und orthodoxe Christen leben? Sind soziale Initiativen in Kasachstan eine „Werkstatt“ für den interreligiösen Dialog?<br /><br />Ich glaube, dass soziales Engagement tatsächlich einen sehr wichtigen Ort der Begegnung darstellen kann. Wenn wir zusammenarbeiten, um Menschen in Not zu helfen, verschwinden unsere Unterschiede zwar nicht, aber sie sind kein Hindernis mehr für das Gute.<br />Der interreligiöse Dialog sollte sich nicht auf offizielle Konferenzen beschränken; er muss auch Teil des Alltags sein: gemeinsam für die Armen, die Familien, die Kinder, die älteren Menschen und diejenigen sorgen, die an den Rand der Gesellschaft geraten sind.<br />Kasachstan ist in dieser Hinsicht ein besonderer Ort. Hier leben Menschen verschiedener Religionen und Kulturen zusammen, und wir haben die Möglichkeit, uns im Alltag zu begegnen und zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen.<br />Soziale Initiativen können also eine Art „Labor“ für den Dialog darstellen. Durch sie lernen wir, einander zu respektieren und für das Gemeinwohl zusammenzuarbeiten, ohne dabei unseren Glauben und unsere Identität aufzugeben.<br /><br />Wie beurteilen Sie die Offenheit der kasachischen Behörden in Bezug auf Religionsfreiheit, missionarische Tätigkeit und Evangelisierung?<br /><br />Kasachstan weist einen besonderen historischen, sozialen und rechtlichen Kontext auf. Daher erfordern die Beziehungen zwischen Staat und Religionsgemeinschaften Dialog, gegenseitigen Respekt und eine gute Kenntnis der geltenden Rechtsvorschriften.<br />Meiner Erfahrung nach ist es von grundlegender Bedeutung, einen friedlichen und konstruktiven Dialog mit den Behörden aufrechtzuerhalten. Die Kirche versucht weder, an die Stelle des Staates zu treten, noch sich politisch zu engagieren; ihre Aufgabe ist es, ihren religiösen und sozialen Auftrag zu erfüllen und dem Menschen zu dienen.<br />Für uns ist es wichtig, die Freiheit zu haben, das Evangelium zu verkünden, seelsorgerische und erzieherische Tätigkeiten auszuüben, uns in karitativen Werken zu engagieren und für die Gläubigen zu sorgen.<br />Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass der Dialog der richtige Weg bleibt. Wenn gegenseitiges Vertrauen und Respekt herrschen, ist es möglich, kritische Fragen in Ruhe zu erörtern und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die das Gemeinwohl und die Würde des Menschen fördern.<br />Kasachstan blickt auf eine einzigartige Erfahrung des Zusammenlebens verschiedener Völker und Religionen zurück. Ich glaube, dass die katholische Kirche weiterhin dazu beitragen kann, eine Gesellschaft aufzubauen, die auf Respekt, Frieden, Solidarität und gegenseitigem Verständnis gründet.<br /><br />Sat, 10 Oct 2026 08:44:16 +0200In Brasilien könnten die Wahlen am 4. Oktober die Zukunft des Landes bestimmenhttps://fides.org/de/news/78266-In_Brasilien_koennten_die_Wahlen_am_4_Oktober_die_Zukunft_des_Landes_bestimmenhttps://fides.org/de/news/78266-In_Brasilien_koennten_die_Wahlen_am_4_Oktober_die_Zukunft_des_Landes_bestimmenvon Cosimo Graziani<br /><br />Brasília – Der erste Wahlgang der Präsidentschaftswahlen in Brasilien am 4. Oktober hat die Prognosen der Analysten bestätigt. Die beiden Hauptkandidaten – Flavio Bolsonaro von der Liberalen Partei und der amtierende Präsident Lula von der Arbeiterpartei – der erste aus dem rechten, der zweite aus dem linken Lager – werden am 25. Oktober in die Stichwahl gehen.<br /><br />Im ersten Wahlgang erzielte Bolsonaro 47 % der Stimmen, Lula 45 %, doch der Abstand in Stimmen betrug nur etwas mehr als zwei Millionen. Ein Vorsprung, der im Vorfeld erwartet worden war, allerdings mit vertauschten Rollen, wobei Lula als Favorit galt. Nun hat der entscheidende Wahlkampf für die Stichwahl begonnen – Wochen, in denen die beiden Kandidaten unterschiedliche Ziele verfolgen, um die für den Sieg notwendigen Stimmen zu gewinnen.<br />Bolsonaro muss die Stimmen der anderen rechten Kandidaten für sich gewinnen, die insgesamt 7 % der Stimmen auf sich vereinigten, während Lula den enormen Anteil der Nichtwähler ansprechen muss, der bei dieser Wahl 21 % der Wahlberechtigten ausmachte – der höchste Wert seit 28 Jahren.<br /><br />Es wurde nicht nur über den Präsidenten der Republik abgestimmt. Es wurden auch 54 der 81 Sitze im Senat und alle Mitglieder der Abgeordnetenkammer neu besetzt. Gerade diese Wahlen stellen den eigentlichen politischen Wendepunkt des Landes dar. Tatsächlich ging die Liberale Partei in beiden Fällen als stärkste Kraft hervor und errang 29 Sitze im Senat sowie 121 in der Abgeordnetenkammer, während die Arbeiterpartei in der Abgeordnetenkammer mit 88 Sitzen den zweiten Platz belegte und im Senat mit nur neun Sitzen sogar nur den dritten Platz erreichte.<br /><br />Im zersplitterten politischen Umfeld Brasiliens hat die Stellung als stärkste Partei – insbesondere wenn es sich um die Partei des Präsidenten oder eines Kandidaten handelt, der in die Stichwahl gekommen ist – einen starken Einfluss auf die politische Ausrichtung der Legislaturperiode. In diesem Sinne hat sich das politische Umfeld Brasiliens, unabhängig vom Ergebnis am 25. Oktober, erneut nach rechts verschoben. Natürlich muss berücksichtigt werden, wer Präsident wird, doch angesichts der Ergebnisse haben Analysten zwei Prognosen aufgestellt: Im Falle eines Sieges von Lula eine problematische Legislaturperiode mit einer starken Opposition, die dem Präsidenten ernsthafte Probleme bereiten wird; im Falle eines Sieges von Bolsonaro eine Rückkehr zu einer wirtschaftspolitischen Ausrichtung, wie beispielsweise der Ausbeutung der Ressourcen des Amazonas-Regenwaldes, sowie einen entsprechenden Einfluss auf die zukünftige politische Landschaft Brasiliens.<br /><br />Ein Aspekt, der sicherlich von den Ergebnissen beeinflusst werden wird, ist die Zusammensetzung des Obersten Bundesgerichts. Der künftige Präsident muss drei neue Richter ernennen, um diejenigen zu ersetzen, deren Amtszeit aufgrund des Erreichens der Altersgrenze abläuft, sowie einen weiteren, um eine freie Stelle zu besetzen. Dies entspricht einem Viertel der elf Mitglieder, aus denen sich das Gericht zusammensetzt. Der Senat hat das Vorrecht, Mitglieder des Gerichts zu entlassen, was den Ausgang der Stichwahl noch entscheidender macht. Im Falle eines Sieges von Lula würde ein System der gegenseitigen Kontrolle entstehen, durch das eine mögliche Entscheidung des Senats durch eine Entscheidung des Präsidenten hinsichtlich der Ernennungen ausgeglichen werden könnte; während bei einem Sieg von Bolsonaro die Möglichkeit besteht, dass der Senat beschließen könnte, einige Mitglieder des Gerichts ihres Amtes zu entheben – der erste Kandidat ist Alexandre de Moraes, der einer der Hauptankläger von Bolsonaros Vater war –, was der Liberalen Partei die Möglichkeit geben würde, das Gericht noch stärker nach ihren politischen Positionen zu gestalten.<br /><br />Ein weiterer wichtiger Faktor dieser Wahlen ist die internationale Resonanz. Zunächst einmal auf regionaler Ebene, wo ein Sieg von Flavio Bolsonaro ganz Lateinamerika einen endgültigen pro-amerikanischen und pro-Trump-Kurs geben würde, sodass nur noch Mexiko als großes Land übrig bliebe, das noch von einer linken Partei geführt wird. Hinzu kommen die Auswirkungen auf die Weltpolitik: Sollte Brasilien einen neuen Präsidenten bekommen, würden alle Parteien weltweit, die der Liberalen Partei ideologisch nahestehen, einen politischen Schub erhalten, den sie nutzen könnten. Davon würden vor allem die europäischen Parteien profitieren, kurz vor einem für den Kontinent entscheidenden Wahljahr, das mit den vorgezogenen Wahlen in Spanien Ende November beginnt und mit Wahlen in Frankreich, Italien und Polen fortgesetzt wird. <br /><br /><br /><br />von Cosimo Graziani<br />Fri, 09 Oct 2026 08:07:14 +0200AFRIKA/SÜDSUDAN - „Nehmt an den Wahlen teil, aber schützt die Familie. Dient dem Volk, aber zerstört euch nicht gegenseitig“: Bischof Hiiboro Kussala im Vorfeld der Parlamentswahlenhttps://fides.org/de/news/78267-AFRIKA_SUeDSUDAN_Nehmt_an_den_Wahlen_teil_aber_schuetzt_die_Familie_Dient_dem_Volk_aber_zerstoert_euch_nicht_gegenseitig_Bischof_Hiiboro_Kussala_im_Vorfeld_der_Parlamentswahlenhttps://fides.org/de/news/78267-AFRIKA_SUeDSUDAN_Nehmt_an_den_Wahlen_teil_aber_schuetzt_die_Familie_Dient_dem_Volk_aber_zerstoert_euch_nicht_gegenseitig_Bischof_Hiiboro_Kussala_im_Vorfeld_der_ParlamentswahlenTombura Yambio – „Nehmt an den Wahlen teil, aber schützt die Familie. Dient dem Volk, aber zerstört euch nicht gegenseitig.“ So lautet der Appell des Bischofs von Tombura Yambio, Eduardo Hiiboro Kussala, im Vorfeld der für den 22. Dezember 2026 angesetzten Parlamentswahlen im Südsudan, den ersten seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 2011.<br /><br />In einer an den Fidesdienst gesendeten Botschaft wendet sich der Bischof insbesondere an diejenigen, die kandidieren wollen, und regt zum Nachdenken über politische Verantwortung, den Schutz der Familie und die Notwendigkeit an, den Wahlkampf zu führen, ohne neue Spaltungen zu schüren.<br /><br />„Ich spreche nicht als Politiker oder Analyst, sondern als Bischof, südsudanesischer Bürger und Vater, der an der Seite unseres Volkes geht“, betont Hiiboro, der berichtet, täglich „Mütter und Väter, junge Menschen, Bauern, Studenten, vertriebene Familien und Gemeindevorsteher“ zu treffen und ihnen bei „ihren Hoffnungen, Ängsten und Schwierigkeiten“ zuzuhören.<br /><br /><br />Der Bischof ruft dazu auf, die Wahlen als wichtige Chance für das Wachstum der jungen südsudanesischen Demokratie zu betrachten. „Wir müssen noch viel lernen über demokratische Teilhabe, politischen Wettbewerb, Führungsqualitäten, die Akzeptanz von Ergebnissen und friedlichen Dissens“, betont er. „Da wir bereits enorme Herausforderungen gemeistert haben, können wir uns keinen Wahlkampf leisten, der neue Wunden schlägt, wo Weisheit diese verhindern könnte.“<br /><br />„Warum kandidiere ich?“ Das ist die erste Frage, die Hiiboro dazu auffordert, sich zu stellen. Jeder Bürger, der über „Integrität, Kompetenz, Weitblick und den aufrichtigen Wunsch zu dienen“ verfügt, sollte die Freiheit haben, zu kandidieren, doch bevor er in den Wahlkampf eintritt, sollte er seine Beweggründe und seine Vorbereitung überprüfen. „Tue ich dies, um dem Volk wirklich zu dienen, oder einfach nur, um ein Amt zu erlangen?“, fragt der Bischof. Und weiter: „Habe ich gebetet, mich beraten lassen und mich finanziell, emotional und spirituell vorbereitet? Bin ich mir der Verantwortung bewusst, die ich auf mich nehme? Und kann ich das Ergebnis gelassen akzeptieren, wie auch immer es ausfallen mag?“Besondere Aufmerksamkeit gilt der Familie, die Gefahr läuft, in politische Spaltungen hineingezogen zu werden. „Ehemann und Ehefrau können kandidieren, auch für verschiedene Parteien. Brüder und Schwestern können gegeneinander antreten. Eltern und Kinder können unterschiedliche politische Ambitionen haben“, bemerkt der Bischof und erinnert daran, dass „die Demokratie unterschiedliche Überzeugungen zulässt“. Die Gefahr besteht jedoch darin, dass der politische Wettbewerb letztendlich in das Familienleben eindringt. „Unterschiedliche politische Meinungen können zu Streitigkeiten führen. Die Finanzierung des Wahlkampfs kann zu Spannungen führen. Anhänger können Gerüchte verbreiten und Druck innerhalb der Familie ausüben.“ Auch Kinder, fügt er hinzu, können politischer Feindseligkeit ausgesetzt sein oder sich gezwungen fühlen, Partei zu ergreifen, während sich Geschwister aufgrund ihrer jeweiligen Parteizugehörigkeit voneinander entfernen können.„Wenn das geschieht“, warnt er, „kann das eigene Zuhause langsam zu einer weiteren Wahlkampfarena werden.“Deshalb fordert Bischof Hiiboro die Familien auf, sich vor Beginn der intensivsten Phase des Wahlkampfs miteinander auseinanderzusetzen: „Betet gemeinsam. Sprecht ehrlich miteinander. Besprecht Finanzen, Kinder und Erwartungen.“ Und vor allem: „Was auch immer politisch geschieht, die Würde jedes Einzelnen und der Zusammenhalt der Familie müssen gewahrt bleiben.“„Lasst nicht zu, dass eure Anhänger euch spalten. Setzt die Zukunft eurer Familie nicht bei einer Wahl aufs Spiel“, mahnt der Bischof. „Möge die Familie der Ort sein, an den man ohne Scham zurückkehren kann, ganz gleich, ob ein Kandidat gewinnt oder verliert.“In seiner Botschaft weist der Prälat auch auf den persönlichen Preis des politischen Wettstreits hin, der aus Druck, Kritik, Gerüchten, Angst und Erschöpfung besteht. „Es gibt Menschen, die dich heute lobpreisen und morgen verschwinden.<br /> Deine Familie hingegen wird dir zur Seite stehen.“ Eine Wahl, betont er, „kann nur wenige Monate dauern, aber deine Familie wird viele Jahre lang mit ihren Folgen leben müssen.“ Daraus ergeben sich einige einfache Ratschläge: „Bete. Ruh dich aus. Bitte diejenigen um Rat, die dir die Wahrheit sagen, nicht nur diejenigen, die dir Beifall spenden. Manchmal ist Schweigen die weiseste Antwort.“<br /><br />Der Bischof hofft daher, dass die bevorstehenden Wahlen zu einer „Schule der Demokratie“ für das Land werden mögen. „Unsere Kinder beobachten uns“, sagt er. Sie werden Demokratie „nicht nur aus den Gesetzen und Institutionen lernen, sondern auch aus der Art und Weise, wie wir uns verhalten, wenn wir gewinnen und wenn wir verlieren“. Die Aufforderung lautet daher: „Friedlich anderer Meinung zu sein, ohne Hass zu konkurrieren, die Ergebnisse mit Würde zu akzeptieren und den Sieg zu feiern, ohne andere zu demütigen.“<br /><br />Bischof Hiiboro verweist zudem auf die Bedeutung einer „breiten und inklusiven“ politischen Teilhabe, in der Frauen, Jugendliche, Fachleute, verschiedene Gemeinschaften und verantwortungsbewusste Bürger Platz finden können. Gleichzeitig warnt er: „Politische Ämter dürfen niemals als Familienbesitz betrachtet werden.“ Was zählen muss, sind „Kompetenz“, „Charakter“, „Integrität“ und „Dienstbereitschaft“, während „die Freiheit und Würde der Menschen im Mittelpunkt stehen müssen“.<br /><br />Abschließend fordert der Bischof von Tombura Yambio all jene, die sich zum politischen Dienst berufen fühlen, auf, sich ernsthaft vorzubereiten und „mutig“ zu kandidieren, sich aber auch zu fragen, ob sie in der Lage sind, öffentliche Verantwortung zu übernehmen, ohne ihre familiären Bindungen zu gefährden.<br /><br />„Der Südsudan hat aufgrund der Spaltungen bereits einen zu hohen Preis gezahlt“, erinnert er. Deshalb müsse man „unserer jungen Demokratie Geduld, unseren Ambitionen Weisheit, unseren Familien Schutz und einander Würde“ entgegenbringen.<br />„Gebt aus, was ihr euch leisten könnt, aber setzt nicht die Zukunft eurer Familie aufs Spiel“, schließt Hiiboro. „Bereitet euch darauf vor, zu gewinnen, aber bereitet euch noch besser darauf vor, in Würde zu verlieren. Ein Amt kann ein paar Jahre dauern. Die Familie bleibt.“<br /><br /> <br />Fri, 09 Oct 2026 17:30:50 +0200VATIKAN - Rücktritt des Dekans und Bestätigung der Wahl des neuen Dekans des Kardinalskollegiumshttps://fides.org/de/news/78270-VATIKAN_Ruecktritt_des_Dekans_und_Bestaetigung_der_Wahl_des_neuen_Dekans_des_Kardinalskollegiumshttps://fides.org/de/news/78270-VATIKAN_Ruecktritt_des_Dekans_und_Bestaetigung_der_Wahl_des_neuen_Dekans_des_KardinalskollegiumsVatikanstadt – Papst Leo XIV. hat den Rücktritt des hochwürdigen Kardinals Giovanni Battista Re vom Amt des Dekans des Kardinalskollegiums angenommen. Dieser erhält den Titel eines emeritierten Dekans desselben Kollegiums und behält den Titel der suburbikarischen Kirche von Sabina-Poggio Mirteto.<br /><br />Darüber hinaus hat der Papst am 8. Oktober 2026 die Wahl des Dekans des Kardinalskollegiums durch die Kardinäle des Bischofsordens bestätigt; diese Wahl fiel auf Seine Eminenz Kardinal Luis Antonio G. Tagle,<br />Pro-Präfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung in der Abteilung für die Erstevangelisierung und die Neuen Teilkirchen, der den Titel der suburbikarischen Kirche von Ostia annehmen und den Titel der suburbikarischen Kirche von Albano behalten wird. <br /><br />Fri, 09 Oct 2026 17:19:23 +0200VATIKAN - Kardinal Luis Antonio Tagle neuer Dekan des Kardinalskollegiumshttps://fides.org/de/news/78269-VATIKAN_Kardinal_Luis_Antonio_Tagle_neuer_Dekan_des_Kardinalskollegiumshttps://fides.org/de/news/78269-VATIKAN_Kardinal_Luis_Antonio_Tagle_neuer_Dekan_des_KardinalskollegiumsVatikanstadt – Kardinal Luis Antonio Gokim Tagle, Pro-Präfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung in der Abteilung für die Erstevangelisierung und die neuen Teilkirchen, ist der neue Dekan des Kardinalskollegiums. Papst Leo XIV. hat am 8. Oktober 2026 seine Wahl durch die Kardinäle des Bischofsordens bestätigt.<br /><br />Der Papst hat den von Kardinal Giovanni Battista Re eingereichten Verzicht auf das Amt des Dekans angenommen; dieser erhält den Titel eines emeritierten Dekans des Kardinalskollegiums und behält den Titel der suburbikarischen Kirche von Sabina-Poggio Mirteto. Kardinal Tagle wird den Titel der suburbikarischen Kirche von Ostia übernehmen und den Titel der suburbikarischen Kirche von Albano behalten.<br /><br />Im Palazzo di Propaganda Fide wurde die Nachricht den Mitarbeitern des Missionsdikasteriums von Erzbischof Fortunatus Nwachukwu, dem Sekretär des Dikasteriums, in Anwesenheit von Kardinal Tagle verlesen, der anschließend seine Dankbarkeit und seine Rührung zum Ausdruck brachte.<br /> <br />Der Dekan steht dem Kardinalskollegium als „primus inter pares“ vor, ohne gemäß Kanon 352 des Kodex des kanonischen Rechts eine Leitungsgewalt über die anderen Kardinäle auszuüben. Ihm obliegt unter anderem die Bischofsweihe des gewählten Papstes, falls dieser noch nicht die Bischofsweihe empfangen hat, wie es Kanon 355 vorsieht. Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre und ist gemäß dem „Motu Proprio“ von Papst Franziskus vom 21. Dezember 2019 gegebenenfalls verlängerbar. <br /><br /> <br />Fri, 09 Oct 2026 17:15:25 +0200EUROPA/ITALIEN - „Die Mission heute: die eigene Komfortzone verlassen“. Interview mit dem Generaloberen der Gesellschaft der Afrikamissionenhttps://fides.org/de/news/78261-EUROPA_ITALIEN_Die_Mission_heute_die_eigene_Komfortzone_verlassen_Interview_mit_dem_Generaloberen_der_Gesellschaft_der_Afrikamissionenhttps://fides.org/de/news/78261-EUROPA_ITALIEN_Die_Mission_heute_die_eigene_Komfortzone_verlassen_Interview_mit_dem_Generaloberen_der_Gesellschaft_der_Afrikamissionenvon Antonella Prenna<br /><br />Rom – Pater François Marie Hervé du Penhoat steht seit fast anderthalb Jahren an der Spitze der Gesellschaft der Afrikamissionen in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen. Nach vielen Jahren als Provinzial in Lyon wurde er im Mai 2025 während der XXII. Generalversammlung des Instituts in Rocca di Papa zum Generaloberen gewählt. Das neue Amt konfrontiert ihn mit einer noch internationaleren Realität, geprägt von Sprachen, Kulturen, ständigen Reisen und neuen Verantwortlichkeiten.<br /><br /><br />In einem Gespräch mit dem Fidesdienst berichtet er von den Herausforderungen einer Missionskongregation, die dazu aufgerufen ist, ihre Art zu sein und zu wirken neu zu überdenken. Die Welt, in der Missionare einst in Gebiete ohne christliche Gemeinschaften aufbrachen, hat sich tiefgreifend verändert: In vielen Regionen Afrikas gibt es mittlerweile gefestigte Ortskirchen, und die Mission nimmt neue Formen an. Es geht nicht mehr nur darum, das Evangelium in ferne Länder zu tragen, sondern die missionarische Dimension jedes Christen und jeder Gemeinschaft wiederzuentdecken.<br /><br />Von der Ausbildung junger Missionare bis zur Inkulturation, von der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Provinzen bis zur Wahl der Einsatzorte – so stellen sich heute die Fragen, die die SMA beschäftigen: Wie bildet man authentische Missionare aus? Wie lebt man mit den Menschen zusammen, ohne sich darauf zu beschränken, nur mit ihnen zu sprechen? Und wie lässt sich eine missionarische Berufung in einer zunehmend globalisierten, individualistischen und virtuellen Welt bewahren?Diese Überlegungen von Pater François gehen von seiner persönlichen Erfahrung aus, richten den Blick jedoch auf die Mission als Ganzes und auf die Zukunft einer Kongregation, die zwar eine Phase des Wandels durchläuft, aber weiterhin die Präsenz an der Seite der Menschen als Kern ihrer Berufung betrachtet.<br />„Es war eine große Umstellung für mich: Ich war an Frankreich gewöhnt, wo alles ziemlich unkompliziert ablief. Jetzt, da ich Generaloberer bin, gibt es viele Herausforderungen zu bewältigen – Sprachen, Reisen … und es ist ziemlich frustrierend, an einen Ort zu reisen, von dem man weiß, dass man wahrscheinlich nie wieder dorthin zurückkehren wird. Es ist ganz anders als früher“, erzählt der Missionar.<br /><br />„Letzte Woche war ich in England und habe verschiedene Menschen getroffen, aber ich glaube nicht, dass ich dorthin zurückkehren werde, denn es gibt so viele Orte zu besuchen und nur wenig Zeit. Tatsächlich sind sechs Jahre eine sehr kurze Zeitspanne“, betont er in Bezug auf die Dauer seiner Amtszeit. Eine der Herausforderungen, denen wir uns bei unserer Ankunft mit dem neuen Team stellen mussten, war gerade die Zusammensetzung der Gruppe. Der Großteil der Mitarbeiter stammte aus Provinzen oder Bezirken; abgesehen von zwei Mitbrüdern aus dem vorherigen Rat waren es also alles neue Leute aus verschiedenen Ländern. Wir mussten gemeinsam mit Menschen, die wir nicht kannten, eine neue Aufgabe erlernen. Es ist alles neu, und ich schätze mich glücklich, dass wir ein gutes Team haben und gut miteinander auskommen.“<br /><br />Was halten Sie von der Mission im Allgemeinen? Stellen Sie Unterschiede fest zwischen der Zeit, als Sie vor vielen Jahren angefangen haben, und den neuen Gemeinschaften, denen Sie begegnet sind?<br /><br />Ja. Ich glaube, heute ist es viel schwieriger. Ich denke, früher war es einfacher. Ich fühlte mich ein bisschen wie einer der letzten Missionare „alter Schule“: Ich ging an Orte, an denen es weder Christen noch Kirchen gab. Heute hingegen gibt es eine Diözese, und wir sind Teil davon. Früher habe ich ein neues Missionsgebiet erschlossen, und für mich war es ein Privileg, den Prozess der Bekehrung der Menschen zum Christentum und anschließend den Bau einer Kirche miterleben zu dürfen. Eine Kirche, die aus einer kleinen Dorfgemeinschaft hervorging. Das war wirklich eine wunderschöne Erfahrung. Ich erinnere mich, dass ich oft in den Dörfern war: Um 5.30 Uhr oder um 6 Uhr morgens fand das Gebet statt. Ich sah die Menschen um 5.30 Uhr morgens in der Kapelle knien, obwohl sie noch vor sechs Monaten keine Christen waren. Das hatte etwas Außergewöhnliches. Ich spürte, dass wir Zeugen eines Geheimnisses waren, etwas, das die Beziehung zwischen Gott und dem einzelnen Menschen betraf. Für mich war das ein ganz besonderer Moment.Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Diese Zeit ist fast vorbei. In diesem ganzen Teil Afrikas gibt es mittlerweile Gemeinden: Es gibt keine großen Gebiete mehr ohne Kirchen oder Christen. <br /><br />Wir wurden gebeten, in neue Länder zu gehen, an bestimmte Orte; vielleicht werden wir dort eine ähnliche Situation vorfinden, wenn wir dorthin gehen.Ich glaube, wir müssen die gesamte Mission neu überdenken. Am Anfang, als Papst Franziskus kam, war ich ziemlich überrumpelt. Ich unterrichtete Missionswissenschaft, und zu Zeiten von Papst Johannes Paul II. war die Unterscheidung ganz klar: Es gab Diözesanpriester und es gab Missionare; wir waren die Missionare. Mit Papst Franziskus hingegen hat sich die Perspektive geändert: Alle sind Missionare, die ganze Kirche ist missionarisch. Letzte Woche in England habe ich, wo immer ich hinkam, den Menschen gesagt: „Ihr müsst eurem Priester helfen, damit er euch helfen kann, gemeinsam zu arbeiten.“ Aber auch eure Priester sind Missionare: Sie müssen die Pfarrei verlassen, um den Menschen entgegenzugehen. Die Mission betrifft nicht nur den Priester, sondern bezieht auch euch mit ein. Deshalb sollten sie euch dazu anregen, die Kirche zu verlassen und auf andere zuzugehen. <br />Ich persönlich habe einige Zeit gebraucht, um diese neue Dimension zu verinnerlichen. Ich sehe, dass auch unsere Gläubigen dies noch nicht ganz verstanden haben. Wahrscheinlich wird es noch viel Zeit brauchen. Tatsächlich müssen wir einen großen Umdenkprozess vollziehen, eine echte Bekehrung in unserer Haltung, um Missionare für andere zu sein, um aus unserer Reserve herauszukommen. Alle dazu anzuregen, ihre Komfortzone zu verlassen: Das ist in der Tat die große Herausforderung unserer Zeit als Missionare.<br /><br />Für mich ist es auch eine Herausforderung, denen beizustehen, die leiden. Ich glaube jedoch, dass unsere Leute mehr Vorbereitung und Unterstützung brauchen, um all dies zu bewältigen. Im Moment tun wir nicht alles für sie, was wir tun sollten. Und doch denke ich, dass die bloße Anwesenheit – die Tatsache, da zu sein, dort zu bleiben – für die Menschen von grundlegender Bedeutung ist.<br /><br />Wie wird entschieden , einen Missionar an einen bestimmten Ort zu entsenden? Neigt man dazu, einen Einheimischen in sein Herkunftsland zu schicken?<br /><br />Nein, wir lehnen diese Praxis ab. Es gibt zwar eine Tendenz dazu, aber wir widersetzen uns ihr, weil ich glaube, dass dies einer der Kernpunkte unserer missionarischen Berufung ist. Dieser Aspekt würde verloren gehen, wenn jeder in seiner Heimat missionieren würde. Ich glaube, der Bischof erwartet von uns gerade, dass wir etwas anderes verkörpern. Wir bringen etwas Neues in die Diözese ein. Ich erinnere mich, dass man mir in Nigeria sagte: „Ihr seid fremd in all den Diskussionen und Machtkämpfen.“ Ich war Generalvikar in Benin, und das Umfeld um den Bischof herum erinnerte fast an den Hof einer mittelalterlichen Stadt. Wenn man ein Fremder ist, bringt man etwas anderes mit, und ich glaube, in gewisser Weise bringt man Frieden, wenn man seine Rolle richtig ausfüllt.<br /><br />Wie fügt sich das alles in die derzeitige Organisation der SMA ein?<br /><br />In der SMA befinden wir uns in einer Übergangsphase. Traditionell war jedes europäische Land für ein bestimmtes afrikanisches Land zuständig. Die Italiener arbeiteten hauptsächlich an der Elfenbeinküste; die Iren in Nigeria, Ghana und Liberia; die Franzosen an der Elfenbeinküste, in Benin und Togo.<br /><br />Anfangs arbeitete die SMA jedoch international und sehr zentralisiert. Dann gingen wir zu einem stark dezentralisierten System über, in dem jede europäische Provinz ein Land betreute. Jede war fast wie ein kleines Königreich für sich. Damals hatte der Generalrat vor allem eine autoritative Rolle; alles wurde von Cork in Irland oder von Lyon in Frankreich aus organisiert. So funktionierte es.<br />Seit etwa vierzig Jahren schlagen wir nun dank der Gründung neuer Provinzen und Einheiten in Afrika einen neuen Kurs ein. Heute haben wir ein gemischtes System. Die Provinzen fordern Autonomie, aber die Ausbildung betrifft die gesamte Gesellschaft; in der Vergangenheit hingegen hatte jede Provinz ihr eigenes Ausbildungssystem.<br /><br />Es gibt viele Themen, mit denen wir uns als Generalrat befassen. Im letzten Jahr haben wir meiner Meinung nach ein gutes Gleichgewicht gewahrt. Bei einer Ernennung beraten sich zwei Einheiten und einigen sich darauf, eine Person zu entsenden, um beispielsweise das Wachstum im Zielland zu fördern.<br />Der zentrale Aspekt ist vielleicht genau dieser: sich zu verändern, mit der Zeit zu gehen und auf die Herausforderungen jedes einzelnen Landes einzugehen. Wenn man die Orte besucht, kann man die Situation einschätzen und vielleicht für Nigeria, Togo oder andere Länder anders entscheiden.<br /><br />Ich glaube, wir haben auch bei der Zusammenarbeit zwischen den Einheiten Fortschritte gemacht. In unserer Geschichte hat eine Provinz eigenständig eine neue Mission ins Leben gerufen: Die Provinz Straßburg ging in die Vereinigten Staaten, die französische nach Spanien … Es funktionierte ein bisschen so wie bei den Mönchen und Klöstern, die neue Klöster gründeten. Heute hingegen werden Entscheidungen gemeinsam getroffen. Zum Beispiel haben wir dieses Jahr beschlossen, in den Tschad zu gehen: Das war eine neue Entscheidung, die im Plenarrat getroffen wurde. Wir starten das Projekt, auch aus wirtschaftlichen Gründen. Wir bauen zwei neue Ausbildungshäuser in Tansania: eines für das zweite Noviziat, also das spirituelle Jahr, und das andere für das Philosophiestudium. In Sambia hingegen verfügen wir über eine Einrichtung für die religiöse Ausbildung.<br /><br />Gestern haben wir uns mit allen Verantwortlichen der SMA weltweit getroffen, um zusammenzuarbeiten und gemeinsame Lösungen zu finden. In gewisser Weise ist das ein prophetischer Auftrag. Und auch eine Missionskongregation muss prophetisch sein. Wir sollten es also doppelt sein.<br />Wir haben Missionare auf den Philippinen und in Indien. Wir haben viele junge Menschen in der Ausbildung: Ich glaube, es sind mehr als 400. Das ist eine große Herausforderung. Aber wie können wir diese Menschen zu echten Missionaren machen? Für mich ist das der entscheidende Punkt. Es ist einfach, Menschen in alle Welt zu entsenden; viel schwieriger ist es, echte Missionare auszubilden, Menschen, die wirklich das Evangelium verkünden wollen. Bei der letzten Generalversammlung haben wir genau über den missionarischen Eifer gesprochen.<br /><br />Was halten Sie im Hinblick auf Ausbildung und Inkulturation für besonders wichtig?<br /><br />Ein Aspekt, den ich in Frankreich gut verstanden habe, ist der der Inkulturation. Ich habe in Afrika gearbeitet und musste die lokale Kultur kennenlernen, die der Region, in der ich tätig war. Aber mir wurde klar, dass meine afrikanischen Mitbrüder, die nach Frankreich kommen, genau das Gleiche tun müssen, so wie ich es in Afrika getan habe.<br /><br />Das ist eine grundlegende Aufgabe für uns. Gleichzeitig stellt sich jedoch eine neue Herausforderung im Verhältnis zwischen Kultur und Verkündigung des Evangeliums, auch im Lichte der universellen Kultur und insbesondere der individualistischen Kultur unserer Gesellschaft. Wir können uns nicht einfach dieser Art von Kultur anpassen. Wir müssen unsere eigene christliche Kultur schaffen und als Missionare auch unsere eigene missionarische Kultur. Das ist etwas, was uns heute fehlt. Früher, wenn man einer Missionsgesellschaft beitrat, gab es eine ganz bestimmte Art, Missionar zu sein: Man trat bei und wurde von der Atmosphäre, dem Umfeld und der gemeinsamen Erfahrung geprägt. Heute fehlt uns etwas, weil uns ein Bezugspunkt fehlt.<br /><br />Wie viele Mitglieder hat die Kongregation?<br /><br />Wir sind 902. Es ist keine riesige Kongregation.<br />Als ich in Frankreich war, habe ich versucht, Kontakt zu einer neuen Missionsbewegung aufzunehmen. Einige von ihnen leben eine sehr intensive, alltägliche missionarische Erfahrung, die sich vor allem an junge Menschen an den Stränden richtet, indem sie ihnen sagen: „Jesus liebt euch.“ Es sind wunderbare Menschen. Ich persönlich fühle mich mit diesem Ansatz jedoch nicht wohl. Ich glaube, unsere Art zu handeln besteht darin, mitten unter den Menschen zu sein und mit ihnen zu leben. In diesem Sinne schwimmt unser Ansatz gegen den Strom der neuen, virtuellen Kultur. Ein Teil unseres Lebens – ja, der wichtigste Teil – sollte darin bestehen, mit den Menschen zu leben. Inkulturation bedeutet, das Leben der Menschen zu teilen und die Gegenwart Christi durch unser eigenes Leben und durch das, was wir sind, weiterzugeben.<br /><br />Was halten Sie übrigens von der letzten Reise von Papst Leo XIV. nach Frankreich?<br /><br />Ich war in England, sehr beschäftigt, habe das Ereignis aber verfolgt. Ich glaube, dass alle diesen Besuch und das Auftreten des Papstes geschätzt haben: seine Fähigkeit, den Menschen zuzuhören, seine große Aufmerksamkeit gegenüber allen, einschließlich der Kranken in Lourdes. Ich würde sagen, die Reaktionen waren sehr, sehr positiv. Selbst die antiklerikalen Intellektuellen hatten nichts zu beanstanden. Niemand hat Einwände erhoben, außer was die hohen Kosten betrifft. Aber er hat richtig gehandelt und auf die Bedürfnisse des Zeitgeistes reagiert. Es ist unglaublich, wie aufmerksam er ist. Als Provinzial kümmere ich mich – bzw. kümmerte ich mich – um Fragen im Zusammenhang mit Missbrauch. Ich habe daher beobachtet, was er in Lourdes getan hat, wo er sieben Missbrauchsopfer empfangen und jedem etwa fünfzehn Minuten gewidmet hat. Das ist ein beträchtlicher Zeitanteil im Terminkalender eines Wochenendes. Alle hatten das Gefühl, dass ihnen zugehört wurde, wirklich zugehört wurde.<br /><br />Wie lebt ihr hier im Haus?<br /><br />Hier im Haus sind wir derzeit etwa zwanzig Personen. Wir beherbergen Studierende. Es gab auch eine Gemeinschaft indischer Franziskanerinnen, aber sie sind dieses Jahr weggezogen: Sie haben in Rom eine Art provinziales Haus für Europa eröffnet. Deshalb haben wir beschlossen, für dieses Jahr keine neuen Studierenden aufzunehmen. Wir müssen lernen, das Haus selbst zu führen und herauszufinden, wie das geht. Die Anwesenheit der Ordensschwestern machte das Leben nämlich viel bequemer. Sicher, auch wir haben unseren Beitrag geleistet, aber es gab viele Dinge, um die sie sich kümmerten, ohne dass wir es merkten. Sie kümmerten sich um sehr viele Aspekte des Alltags. Auch für mich ist das eine Herausforderung. Welche Rolle spielt dieses Haus? Wir brauchen keine so große Einrichtung. Wir brauchen ein Haus in Rom für zwei oder drei Personen: eine, die die Beziehungen zum Vatikan pflegt, und zwei oder drei Studenten. Das könnte ausreichen. Wenn wir beschließen, dieses Haus zu behalten, was auch mit hohen Kosten verbunden ist, müssen wir seiner Existenz jedoch einen Sinn geben.<br /><br />Fri, 09 Oct 2026 08:04:25 +0200CHINA/VATIKAN - Vom „außergewöhnlichen Ereignis“ zur Gewohnheit: Die Teilnahme chinesischer Bischöfe an Initiativen des Heiligen Stuhlshttps://fides.org/de/news/78264-CHINA_VATIKAN_Vom_aussergewoehnlichen_Ereignis_zur_Gewohnheit_Die_Teilnahme_chinesischer_Bischoefe_an_Initiativen_des_Heiligen_Stuhlshttps://fides.org/de/news/78264-CHINA_VATIKAN_Vom_aussergewoehnlichen_Ereignis_zur_Gewohnheit_Die_Teilnahme_chinesischer_Bischoefe_an_Initiativen_des_Heiligen_Stuhlsvon Marta Zhao<br /><br />Rom – Als Papst Johannes Paul II. 1998 zwei Bischöfe aus der Volksrepublik China nach Rom einlud, um an der Asiensynode teilzunehmen, blieben ihre Stühle leer.<br /> Für die beiden Eingeladenen – Mattia Duan Yinming und Giuseppe Xu Zhixuan – war es nicht möglich gewesen, in die Ewige Stadt zu reisen, um auch durch ihre physische Anwesenheit ihre Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom zu bezeugen.<br /><br />In diesen Tagen können zwei Bischöfe aus der Volksrepublik China<br /> – Matteo Zhen Xuebin, Weihbischof von Peking, und Giuseppe Huang Bingzhang, Bischof von Shantou – in den Räumlichkeiten der Päpstlichen Audienzhalle zusammenkommen, wo derzeit die von Leo XIV. anlässlich des zehnten Jahrestags des Apostolischen Schreibens „Amoris laetitia“ einberufene Tagung stattfindet. Dieser Umstand sollte berücksichtigt werden, wenn man den in den letzten Jahrzehnten zurückgelegten Weg hinsichtlich der Möglichkeit, die Gemeinschaft der chinesischen katholischen Bischöfe mit dem Bischof von Rom – heute Leo XIV. – zu bekräftigen, sachlich betrachten will.<br /><br />Papst Prevost bekräftigt das Wohlwollen des Bischofs von Rom, das vor zwei Jahren auch von Papst Franziskus gegenüber den chinesischen Bischöfen zum Ausdruck gebracht worden war.<br /> Damals hatten sich Giuseppe Yang Yongqiang, Bischof von Hangzhou, und Vincenzo Zhang Silu, Bischof von Funing/Mindong, anlässlich der zweiten Sitzung der Synodenversammlung zum Thema „Synodalität“ neben Papst Franziskus gesetzt und sich mit ihm unterhalten. Einige Monate zuvor, im Mai 2024, hatte Giuseppe Shen Bin, Bischof von Shanghai, an der Tagung zum 100-jährigen Jubiläum des „Concilium Sinense“ teilgenommen, die von der Päpstlichen Universität Urbaniana unter der Schirmherrschaft des Dikasteriums für Evangelisierung organisiert worden war, und brüderliche Gespräche mit Kardinal Pietro Parolin, dem Staatssekretär Seiner Heiligkeit, sowie mit Kardinal Luis Antonio Tagle, dem Pro-Präfekten des Missionsdikasteriums.<br /><br />Bischof Giovanni Battista Yang Xiaoting hatte, als er 2018 gemeinsam mit Bischof Giuseppe Guo Jincai an der Synode über die Jugend teilnahm, ihre Anwesenheit in der Aula Paolo VI als „Wunder“ bezeichnet. Nun beginnen solche Ereignisse, die damals als außergewöhnlich galten, zur Gewohnheit zu werden.<br /><br />Das von Leo XIV. einberufene Treffen trägt den Titel „Zehn Jahre nach ‚Amoris laetitia‘: Das Evangelium heute mit den Familien verkünden“ und versammelt die Oberhäupter der katholischen Ostkirchen sowie die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen. Es nehmen 187 Personen an dem Treffen teil.<br /><br />„Alles, was ich tue, tue ich für das Evangelium“: Diesen Ausspruch des Apostels Paulus griff der Koadjutor-Bischof der Diözese Peking, Matteo Zhen Xuebin, auf, nachdem er am 25. Oktober 2024 in Beitang , der dem Erlöser geweihten Kathedrale, geweiht worden war. „Dieser Kandidat wurde vom Papst bestätigt“, hieß es im Bestätigungsschreiben des Gremiums mit dem Namen „Kollegium der chinesischen katholischen Bischöfe“.<br /><br />Matteo Zhen Xuebin wurde am 10. Mai 1970 in Changzhi, einem Dorf in der chinesischen Provinz Shanxi, geboren. Von 1988 bis 1993 studierte er am Philosophisch-Theologischen Seminar in Peking; von 1993 bis 1997 setzte er sein Studium an der St. John’s University fort, einer von den Vinzentinern gegründeten Universität mit Sitz in New York , und erwarb dort die Lizenz in Liturgie. Am 25. Juni 1998 empfing er die Priesterweihe und wurde der Diözese Peking zugeordnet. Von 1998 bis 2007 bekleidete er das Amt des Vizerektors des Priesterseminars in Peking. Anschließend übte er seinen Dienst in einigen Pfarreien der Stadt aus.<br /><br />Giuseppe Huang Bingzhang war im Juli 2011 ohne päpstliches Mandat zum Bischof geweiht worden. Am 8. September 2018, kurz vor der Unterzeichnung des vorläufigen Abkommens zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China über die Ernennung chinesischer Bischöfe, hatte Papst Franziskus Bischof Huang zusammen mit sechs weiteren chinesischen Bischöfen, die zuvor ohne päpstliches Mandat geweiht worden waren, in die volle kirchliche Gemeinschaft aufgenommen. Seine offizielle Amtseinführung als Bischof von Shantou fand am 22. Januar 2019 statt. Die Diözese zählt etwa 140.000 Gläubige mit rund dreißig Priestern, einer Frauenkongregation vom Unbefleckten Herzen Mariens, 150 Kirchen und dem Kindergarten „Santa Teresa“.<br /><br />Die Anwesenheit der beiden chinesischen Bischöfe in Rom zeugt von der konkreten Teilnahme der Kirche in China an einem universalen kirchlichen Prozess. Das derzeit im Vatikan stattfindende Treffen befasst sich auch mit Fragen der Familienpastoral und bewegt sich damit auf einem für die chinesische Kultur und Tradition besonders interessanten Gebiet<br />.<br />Chinesische Bischöfe konnten zum ersten Mal an den Arbeiten einer Synodenversammlung teilnehmen. Die Synode geht auf das Jahr 2018 zurück, als das vorläufige Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China über Bischofsernennungen unterzeichnet wurde .<br /> Zwei Wochen nach der Unterzeichnung nahmen Giovanni Battista Yang Xiaoting, Bischof von Yan’an, und Giuseppe Guo Jincai, Bischof von Chengde, auf persönliche Einladung von Papst Franziskus gemeinsam mit den Bischöfen der Weltkirche an einer Diskussion über die junge Generation teil.<br /><br />Sechs Jahre später nahmen Giuseppe Yang Yongqiang und Vincenzo Zhan Silu, Bischof von Funing/Mindong, auf päpstliche Ernennung hin an der XVI. Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode teil, die dem Thema „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung“ gewidmet war.<br /><br />Im Jahr 2005 hatte Benedikt XVI. anlässlich der Synode über die Eucharistie vier chinesische Bischöfe eingeladen, zwei sogenannte „offizielle“ und zwei, die von den politischen Instanzen nicht anerkannt wurden . Doch keiner der vier hatte die Erlaubnis erhalten, nach Rom zu kommen.<br /> <br /><br />Thu, 08 Oct 2026 07:43:52 +0200VATIKAN - Ernennung der stellvertretenden Sekretärin des Dikasteriums für Evangelisierung in der Sektion für die Erstevangelisierung und die neuen Teilkirchen, mit dem Amt der Präsidentin der Päpstlichen Missionswerkehttps://fides.org/de/news/78263-VATIKAN_Ernennung_der_stellvertretenden_Sekretaerin_des_Dikasteriums_fuer_Evangelisierung_in_der_Sektion_fuer_die_Erstevangelisierung_und_die_neuen_Teilkirchen_mit_dem_Amt_der_Praesidentin_der_Paepstlichen_Missionswerkehttps://fides.org/de/news/78263-VATIKAN_Ernennung_der_stellvertretenden_Sekretaerin_des_Dikasteriums_fuer_Evangelisierung_in_der_Sektion_fuer_die_Erstevangelisierung_und_die_neuen_Teilkirchen_mit_dem_Amt_der_Praesidentin_der_Paepstlichen_MissionswerkeVatikanstadt – Der Heilige Vater Leo XIV. hat die Ehrwürdige Schwester Mary Teresa Barron, N.S.A., Generaloberin der Missionsschwestern Unserer Lieben Frau von den Aposteln, zur stellvertretenden Sekretärin des Dikasteriums für die Evangelisierung in der Sektion für die Erstevangelisierung und die neuen Teilkirchen mit dem Amt der Präsidentin der Päpstlichen Missionswerke ernannt, die ihr neues Amt am 4. Januar 2027 antreten wird.<br /><br /><br />Mary Teresa Barron wurde am 7. November 1968 in Donegal geboren. Sie erwarb einen Master-Abschluss in „Public Healthcare Administration“ am Institute for Public Administration in Dublin und in „International Development“ am Kimmage Institute in Dublin . Von 2022 bis 2025 war sie Vorsitzende des Service of Documentation and Study on Global Mission und von 2023 bis 2025 Vorsitzende der Internationalen Union der Generaloberinnen in Rom . Seit 2018 ist sie Generaloberin der Missionsschwestern Unserer Lieben Frau von den Aposteln. <br /><br />Thu, 08 Oct 2026 16:29:12 +0200VATIKAN — Schwester Mary Teresa Barron zur stellvertretenden Sekretärin des Dikasteriums für die Evangelisierung und zur Präsidentin der Päpstlichen Missionswerke ernannthttps://fides.org/de/news/78262-VATIKAN_Schwester_Mary_Teresa_Barron_zur_stellvertretenden_Sekretaerin_des_Dikasteriums_fuer_die_Evangelisierung_und_zur_Praesidentin_der_Paepstlichen_Missionswerke_ernannthttps://fides.org/de/news/78262-VATIKAN_Schwester_Mary_Teresa_Barron_zur_stellvertretenden_Sekretaerin_des_Dikasteriums_fuer_die_Evangelisierung_und_zur_Praesidentin_der_Paepstlichen_Missionswerke_ernanntVatikanstadt — Papst Leo XIV. hat Schwester Mary Teresa Barron, Generaloberin der Missionsschwestern Unserer Lieben Frau von den Aposteln, zur stellvertretenden Sekretärin des Dikasteriums für die Evangelisierung in der Sektion für die Erstevangelisierung und die neuen Teilkirchen ernannt und ihr gleichzeitig das Amt der Präsidentin der Päpstlichen Missionswerke übertragen. Sie wird ihr neues Amt am 4. Januar 2027 antreten.<br /><br />Heute gegen 12 Uhr, vor dem Angelusgebet, wurde Schwester Mary Teresa Barron der Arbeitsgemeinschaft des Missionsdikasteriums im Palazzo di Propaganda Fide vorgestellt.Schwester Mary Teresa Barron wurde am 7. November 1968 in Donegal, Irland, geboren und erwarb einen Master-Abschluss in „Public Healthcare Administration“ am Institute for Public Administration in Dublin sowie einen Master-Abschluss in „International Development“ am Kimmage Institute in Dublin. Seit 2018 ist sie Generaloberin der Missionsschwestern Unserer Lieben Frau von den Aposteln; von 2022 bis 2025 war sie Präsidentin des Service of Documentation and Study on Global Mission und der Internationalen Union der Generaloberinnen , in Rom von 2023 bis 2025, wie aus dem offiziellen Lebenslauf hervorgeht, der der Ernennung beigefügt ist.Missionarische Erfahrung, der Dialog zwischen den Kulturen und die Verbindung zwischen Synodalität und Verkündigung des Evangeliums ziehen sich wie ein roter Faden durch ihre öffentlichen Äußerungen.<br /><br />In einem Interview mit der spanischen Wochenzeitschrift „Vida Nueva“, das am 10. Januar 2025 veröffentlicht wurde, betonte sie, wie wichtig es sei, in verschiedenen kirchlichen Kontexten gelebt und gearbeitet zu haben und mit „der Kirche und den Völkern verschiedener Kontinente“ in Kontakt zu stehen. Eine Erfahrung, die sie als „äußerst wichtig für jede Rolle in der Kirche mit weltweiter Tragweite“ betrachtete. Als sie bei dieser Gelegenheit gefragt wurde, was die Zugehörigkeit zu einer Missionskongregation in ihrem Werdegang und dem von Schwester Simona Brambilla, die gerade zur Präfektin des Dikasteriums für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften apostolischen Lebens ernannt worden war, gemeinsam haben könnte, erklärte sie: „Ich glaube, dass eine missionarische Perspektive und ein missionarisches Verständnis in einer synodalen Kirche sehr wichtig sind, denn die Erfahrung lehrt uns, Vielfalt als Reichtum zu schätzen und zu bewahren.“ <br /><br />Sie fügte hinzu, dass „der missionarische Geist oft inklusiv ist und gerne zum Dialog einlädt“ – wichtige Eigenschaften in den Beziehungen zu Menschen aus aller Welt.Die Verbindung zwischen Mission und Synodalität stand bereits im Mittelpunkt ihrer Ausführungen zum Abschluss der Synodenversammlung über die Synodalität im Oktober 2024.<br /><br />In einem Interview mit iCatholic erinnerte Schwester Barron bewegt an einen Prozess, an dem sie seit dessen Beginn drei Jahre zuvor teilgenommen hatte. Sie zeigte sich zufrieden mit dem Abschlussdokument, das sie als Unterstützung dafür betrachtete, „als Kirche diesen synodalen Weg fortzusetzen“. Auf die Frage nach den Perspektiven für den irischen synodalen Weg hin wies sie auf die „missionarische Ausrichtung“ als eine der Stärken des Dokuments hin. Die Herausforderung, so erklärte sie, bestehe darin, missionarische Jünger auszubilden und den Menschen zu helfen, den Glauben im Alltag zu leben: „Der Glaube ist kein Sonntagsereignis; er ist etwas, das wir jeden Tag leben.“ Es gehe darum, die Liebe Christi in den Alltag zu tragen und sie zu teilen. Sie verwies auch auf den Raum, der der Familie als Hauskirche eingeräumt wurde, und sah darin eine Einladung zu einer stärker missionarischen Präsenz in der Gesellschaft.Am 19. März 2026 kam Schwester Barron in einem gemeinsamen Interview mit Pater François Marie Hervé du Penhoat, dem Generaloberen der Gesellschaft der Afrikamissionen, für Vatican News erneut auf die neuen Formen der missionarischen Präsenz zu sprechen. Die beiden Kongregationen feierten unter anderem das 150-jährige Gründungsjubiläum der Schwestern Unserer Lieben Frau von den Aposteln und das 170-jährige Jubiläum der Gesellschaft der Afrikamissionen. „Die Kirche wird synodaler. <br /><br />Dieser missionarische Geist ist von grundlegender Bedeutung“, erklärte sie. „Heute könnte unsere Antwort die Begleitung von Migranten, von Frauen, die Opfer von Menschenhandel zum Zwecke der Ausbeutung sind, sowie ein verstärktes Engagement in der Sozialpastoral umfassen, auch wenn unsere traditionellen Apostolate im Gesundheits- und Bildungswesen nach wie vor von wesentlicher Bedeutung sind.“ Sie erinnerte zudem an die internationale Dimension der Kongregation, die Schwestern aus 21 Ländern vereint, und an die Bedeutung, untereinander einen familiären Geist zu pflegen.Die Aufmerksamkeit für Menschen, die unter Ausbeutung leiden, ist eines der Anliegen, die ihr am Herzen liegen, wie ihre Botschaft an die Teilnehmer eines Gebetsmarathons gegen den Menschenhandel bezeugt, der 2025 von der UISG und der Union der Generaloberen organisiert wurde. <br /><br />„Unsere Gebete sind heute nicht nur Worte. Sie sind auch eine Aufforderung zum Handeln“, betonte sie und lud dazu ein, in Solidarität mit den Opfern zu gehen und sich vom Mut der Überlebenden inspirieren zu lassen. Während der Neuntagefeier nach dem Tod von Papst Franziskus am 3. Mai 2025 in der Petersbasilika hatte sie schließlich im Namen der geweihten Frauen die Verpflichtung zum Ausdruck gebracht, eine Mission der Nähe fortzusetzen: „Die Liebe unseres gütigen Schöpfergottes zu den Leidenden zu sein, das Feuer zu sein, das andere Feuer entzündet.“ Eine Mission, die auf den Aufruf des Evangeliums zurückging, den Menschen entgegenzugehen, um jenen zu dienen, jene zu heilen und jene zu begleiten, die am meisten in Not sind. <br /><br />Thu, 08 Oct 2026 16:24:07 +0200ASIEN/KASACHSTAN - Religiöse Führer verabschieden drei Dokumente: Vom Dialog zum gemeinsamen Handeln für Frieden und Menschenwürdehttps://fides.org/de/news/78260-ASIEN_KASACHSTAN_Religioese_Fuehrer_verabschieden_drei_Dokumente_Vom_Dialog_zum_gemeinsamen_Handeln_fuer_Frieden_und_Menschenwuerdehttps://fides.org/de/news/78260-ASIEN_KASACHSTAN_Religioese_Fuehrer_verabschieden_drei_Dokumente_Vom_Dialog_zum_gemeinsamen_Handeln_fuer_Frieden_und_Menschenwuerdevon Paolo Affatato<br /><br />Astana – Die 24. Sitzung des Sekretariats des Kongresses der Führer der Weltreligionen und traditionellen Religionen, die am 7. Oktober in Astana stattfand, vermittelt ein klares Bild von der Entwicklung, die der interreligiöse Dialog derzeit durchläuft: vom Austausch zur Zusammenarbeit, vom gegenseitigen Kennenlernen zur Suche nach gemeinsamen Antworten auf die großen Fragen, die die Menschheit beschäftigen.<br /><br /> Es ist dieser Weg, den Pater Laurent Basanese SJ, Büroleiter des vatikanischen Dikasteriums für den interreligiösen Dialog, der in Astana das Wort ergriff, gegenüber dem Fidesdienst unter dem Begriff „spirituelle Diplomatie“ erläutert.<br /> Es handelt sich dabei weder um eine Alternative zur staatlichen Diplomatie noch um den Versuch der Religionen, eine politische Rolle zu übernehmen, sondern um einen zusätzlichen Raum, in dem sich religiöse Führer treffen, einander zuhören und ihre moralische Autorität in den Dienst der Gesellschaft stellen können.<br /><br />Die Tagung in Astana verabschiedete drei Dokumente zu scheinbar unterschiedlichen Themen – künstliche Intelligenz, Klimawandel, Schutz von Kindern mit unheilbaren Krankheiten –, die in Wirklichkeit auf dieselbe Frage hinauslaufen: Wie lässt sich die Würde des Menschen in einer Phase bewahren, in der technologische, ökologische und geopolitische Veränderungen schneller voranschreiten als die Fähigkeit der Institutionen, gemeinsame Antworten zu erarbeiten?<br /><br />Vom Dialog zum gemeinsamen Handeln<br /><br />„Die 24. Sitzung des Sekretariats des Kongresses der Führer der Weltreligionen und traditionellen Religionen bestätigt die Richtigkeit und den Nutzen dieser spirituellen Diplomatie“, bemerkt Pater Basanese gegenüber Fides und erinnert daran, dass dieser Ausdruck von den Vertretern der Organisation selbst verwendet wurde, in diesem Fall vom Vizepräsidenten Kasachstans, Erlan Karin.<br /><br />Der Jesuit unterstreicht den besonderen Charakter dieses Treffens: „Es ist unvermeidlich, dass es auch eine politische Ebene gibt“ – bemerkt er –, „denn einige der Teilnehmer – insbesondere verschiedene muslimische Führer oder Vertreter staatlicher Institutionen – unterhalten Beziehungen zu den Regierungen.“ Das Interesse der katholischen Kirche, so präzisiert er, bestehe vor allem darin, „ein brüderliches, spirituelles Treffen zu ermöglichen, um zu erkunden, was wir leisten und wie wir zusammenarbeiten können“.<br />Hierin liegt der bedeutendste Schritt der Erfahrung von Astana: Jahrelang war der interreligiöse Dialog vor allem ein Dialog des Kennenlernens. „Das ist eine notwendige Phase: Bevor man gemeinsam handeln kann, muss man den anderen kennenlernen, seinen Glauben, seine Lebensphilosophie, seine Geschichte und seine sensiblen Themen verstehen. Aber diese Phase“, bemerkt Basanese, „kann nun den Weg für einen zweiten Schritt ebnen: den der konkreten Zusammenarbeit.“ Ausgehend von diesem Treffen wollen wir heute nach praxisorientierteren Wegen suchen.“<br /><br />Nicht nur Dialog, sondern auch Handeln. Die Auswahl der drei in Astana diskutierten Themen spiegelt genau diese Entwicklung wider. Künstliche Intelligenz, Klimakrise und der Schutz schutzbedürftiger Kinder sind Themen, bei denen die spirituelle Dimension nicht außen vor bleiben darf. Gleichzeitig sind es Bereiche, in denen die Gesetzgebung der Staaten Schwierigkeiten bereitet oder deren Ausarbeitung langsamer voranschreitet als das Tempo der Veränderungen.<br />Für Pater Basanese geht die katholische Kirche mit einem bereits bedeutenden Erbe in diese Auseinandersetzung, wie die Enzyklika „Magnifica Humanitas“ von Papst Leo und die Enzyklika „Laudato si’“ von Papst Franziskus, „Texte, denen das Bewusstsein gemeinsam ist, dass diese Fragen nicht nur Regierungen, große Technologieunternehmen oder Fachleute betreffen, sondern alle“, betont er.<br /> „Sie betreffen auch den spirituellen Menschen“, erklärt er, „denn Gläubige und Glaubensgemeinschaften sind zugleich Teil der Gesellschaft und Bürger.“<br /><br />Die in Astana verabschiedeten Dokumente „sind keine juristischen Dokumente“, räumt der Jesuit ein, „aber sie können einen Rahmen bilden und zur Reflexion derjenigen beitragen, die Entscheidungen treffen müssen“. Das ist die Funktion einer Stimme, die Basanese als „außerhalb des Spielfelds“ bezeichnet: eine Stimme, die nicht zur politischen oder wirtschaftlichen Macht gehört, diese aber in ihrer Reflexion begleiten und leiten kann. Die Perspektive ist daher die einer geteilten Verantwortung: „Wir alle gehören derselben Menschheit, derselben Erde an“, bekräftigt Basanese. „Die Kompetenzen sind unterschiedlich – politische, wirtschaftliche, finanzielle, spirituelle –, aber jeder ist aufgerufen, zum Gemeinwohl beizutragen.“ Die Grammatik der spirituellen Diplomatie ersetzt nicht die Akteure der Politik, sondern fügt der Diskussion eine moralische Dimension hinzu, die in der Lage ist, Entscheidungen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf den Menschen und die Gesellschaft zu hinterfragen.<br /><br />Drei Dokumente, eine einzige Frage: die Menschenwürde<br /><br />Die drei in Astana verabschiedeten Texte betreffen unterschiedliche Bereiche, können jedoch als Teile einer gemeinsamen Reflexion über den Schutz der Menschenwürde und die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft der Menschheit gelesen werden.<br />Der erste ist der „Ethikkodex für den Einsatz künstlicher Intelligenz im religiösen Bereich“, der auf Initiative des kasachischen Präsidenten Kassym-Jomart Tokayev entwickelt wurde. Ausgangspunkt ist die Anerkennung einer mittlerweile offensichtlichen Tatsache: KI hält auch Einzug in das Leben religiöser Gemeinschaften. Die neuen Technologien können genutzt werden, um zu kommunizieren, zu bilden, Inhalte zu produzieren und Menschen – insbesondere die jüngeren Generationen – zu erreichen. Doch gerade deshalb können sie auch zu Instrumenten der Manipulation religiöser Gefühle, der Verbreitung von Hass oder der Verfälschung von Glaubensinhalten werden. Der Kodex soll daher moralische und ethische Leitlinien bieten, damit der Einsatz von KI in religiösen Gemeinschaften stets der Würde des Menschen und der Achtung spiritueller Werte untergeordnet bleibt. <br /><br />Das Thema wird nicht nur als technologische Frage behandelt: Die Religionen sind aufgerufen, eine Frage zu stellen, die der Technologie selbst vorausgeht: nicht einfach, wozu künstliche Intelligenz fähig ist, sondern was mit ihr rechtmäßig getan werden darf.<br /><br />Das zweite Thema ist die Klimakrise. Das verabschiedete Dokument über die Rolle der Religionen im Kampf gegen den Klimawandel greift die Idee auf, dass der Umweltschutz nicht ausschließlich der öffentlichen Politik überlassen werden darf: Religiöse Gemeinschaften können dazu beitragen, die Gläubigen zur Verantwortung gegenüber der Schöpfung zu erziehen, konkrete Verhaltensweisen der Nachhaltigkeit zu fördern und die Aufmerksamkeit auf die Folgen der unkontrollierten Ausbeutung von Ressourcen und auf Klimakatastrophen zu lenken, von denen insbesondere die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen betroffen sind. Auch hier schlägt sich die spirituelle Dimension in sozialer Verantwortung nieder. Die Klimakrise ist nicht nur ein wissenschaftliches oder wirtschaftliches Problem: Sie betrifft die Art und Weise, wie die Menschheit ihr Verhältnis zur Erde, zu den Ressourcen und zu künftigen Generationen versteht.<br /><br />Das dritte Dokument, die „Charta der Rechte des unheilbar kranken Kindes“, befasst sich mit den unmittelbarsten menschlichen Aspekten. Die Charta, die als gemeinsame Initiative Kasachstans und des Vatikanstaates vorgestellt wurde , stellt die Würde des von unheilbaren Krankheiten betroffenen Kindes in den Mittelpunkt. Der Text verweist auf das Recht auf menschenwürdige Pflege, auf medizinische und palliative Versorgung sowie auf psychologische Unterstützung. Sie führt aber auch eine für den interreligiösen Dialog besonders bedeutsame Dimension ein: die spirituelle Begleitung unter Achtung der religiösen Bedürfnisse und der Weltanschauung des Kindes und seiner Familie. In diesem dritten Dokument lassen Technologie und Politik die grundlegende Frage hervortreten, die auch die beiden anderen Texte durchzieht: Der Mensch darf weder auf eine Zahl noch auf einen Verbraucher noch auf den Nutzer einer Dienstleistung reduziert werden.<br /><br />KI, Umwelt und Kinderkrankheiten werden so zu drei verschiedenen Bereichen, in denen ein und dasselbe Prinzip bekräftigt wird: Die Menschenwürde hat Vorrang vor Effizienz, Technologie und wirtschaftlichen Interessen.<br /><br />Vom Dialog zur Globalen Friedensbewegung<br /><br />Die Diskussion über die Globale Friedensbewegung, die auf der 24. Sitzung behandelt wurde, stellt den möglichen nächsten Schritt der von Astana geförderten „spirituellen Diplomatie“ dar.<br />Der von Präsident Tokayev vorgebrachte Vorschlag zielt darauf ab, spirituelle Botschaften in eine stabilere Form der Zusammenarbeit umzusetzen. Das Motto des VIII. Kongresses – „Synergie für die Zukunft“ – erhält so eine operative Bedeutung: die verschiedenen Fähigkeiten der Religionsgemeinschaften zu vernetzen, um die Spaltungen einer Welt zu überwinden, die von Kriegen, Polarisierung und Vertrauenskrisen geprägt ist.<br /><br />Eine der genannten Aufgaben ist besonders heikel: zu verhindern, dass religiöse Überzeugungen manipuliert oder als Vorwand instrumentalisiert werden, um bewaffnete Konflikte, Feindseligkeiten und Hassreden zu schüren. Diese Verantwortung betrifft direkt die religiösen Führer: Religion kann dazu genutzt werden, zu spalten und Gewalt zu legitimieren, sie kann aber auch zu einer Quelle der Versöhnung werden. Die spirituelle Diplomatie entspringt genau der Notwendigkeit, diese zweite Möglichkeit zu stärken.<br /><br />Die Bewegung sieht zudem, gemäß den in Astana vorgestellten Unterlagen, eine Zusammenarbeit mit der Allianz der Zivilisationen der Vereinten Nationen bei Programmen zum Schutz von Kultstätten vor, die in Kriegssituationen besonders gefährdet sind.<br />Das Projekt zielt darauf ab, dauerhafte Wege zu schaffen, indem junge Menschen, Wissenschaftler und Medienfachleute einbezogen werden, mit dem Ziel, bereits bei den neuen Generationen eine Kultur der Toleranz und des gegenseitigen Respekts zu verbreiten.<br /><br />So lässt sich der Unterschied zwischen einer interreligiösen Konferenz und einer echten Friedensinfrastruktur ermessen: Ein Treffen kann eine Erklärung hervorbringen; eine Bewegung schafft Beziehungen, Bildung, Netzwerke und Maßnahmen, die langfristig Bestand haben.<br />Wenn die „spirituelle Diplomatie“ lehrt, dass religiöse Führer mit ihrer moralischen, erzieherischen und gemeinschaftsbildenden Kraft die Überlegungen der politischen Entscheidungsträger bereichern können, stellt sich die Frage, was die verschiedenen religiösen Traditionen gemeinsam tun können, um den Menschen, den Frieden und die Zukunft des Planeten zu schützen. Die „Globale Friedensbewegung“ wird in dieser Hinsicht ein konkreter Prüfstein sein.<br /><br /><br />Thu, 08 Oct 2026 16:09:11 +0200Missionen im Sturm: Der Weltmissionssonntag in den Kriegsjahrenhttps://fides.org/de/news/78259-Missionen_im_Sturm_Der_Weltmissionssonntag_in_den_Kriegsjahrenhttps://fides.org/de/news/78259-Missionen_im_Sturm_Der_Weltmissionssonntag_in_den_Kriegsjahrenvon Marie-Lucile Kubacki<br /><br />Rom – „Unsere Missionare sind dort, standhaft in den Schützengräben des Glaubens, wie wachsame Wächter an den vordersten Posten.“<br /><br />Am 19. Oktober 1940, als der Krieg auch die katholischen Gemeinden in den Missionsgebieten erschütterte, antwortete Erzbischof Celso Costantini, damals Sekretär der Heiligen Kongregation für die Glaubensverbreitung , so auf die Frage, die an die Zuhörer seiner Radioansprache gerichtet war: „Was unternehmen unsere Missionare, wie leben sie, wie wirken sie in diesen Zeiten?“<br /><br /><br />Als Sekretär der Kongregation für die Glaubensverbreitung richtete Costantini am Vorabend des Weltmissionssonntags eine Botschaft an die Gläubigen, die über das Radio ausgestrahlt wurde. In den Meldungen des Fidesdienstes erscheint dieses jährliche Ereignis als Mahnung, diejenigen nicht zu vergessen, die fern waren: internierte Missionare, isolierte Gemeinschaften, mittellose Priester und Ordensleute, von Gewalt heimgesuchte Bevölkerungsgruppen.<br /><br />Zwischen 1939 und 1944 erzählen diese Botschaften von einer Mission, die versucht, ihre Stätten des Gebets, der Bildung und der Fürsorge offen zu halten, während Hilfe, Verbindungen und Bewegungsmöglichkeiten schwinden. Sie bitten um Spenden, aber auch um Gebete und um eine Solidarität, die die Spaltungen des Konflikts überwinden kann. Im Mittelpunkt steht nicht das Ansehen der Nationen, sondern die den Missionaren anvertrauten Menschen und die Zukunft der Ortskirchen.<br />Von der Unterscheidung zwischen Evangelium und politischen Interessen bis hin zur Hoffnung, auf den Trümmern wieder aufzubauen – Costantinis Worte begleiten eine Treue, die durch den Krieg auf die Probe gestellt wurde.<br /><br />Das Evangelium jenseits der Nationen<br /><br />Ein am 21. Oktober 1939 von Fides veröffentlichtes Dokument berichtet über einen Vortrag, den Costantini an der Päpstlichen Universität Gregoriana zur Vorbereitung auf den Missionstag am 22. Oktober hielt. Der Titel „Christus und Caesar in den Missionen“ führt in das Verhältnis zwischen christlicher Verkündigung und politischer Macht ein. Unter Bezugnahme auf das Wort aus dem Evangelium „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ bekräftigt der Sekretär der Propaganda Fide die Freiheit der Mission gegenüber staatlichen Einmischungen und nationalistischen Versuchungen, denen „mancher Missionar“ erliegen könnte.<br /><br />„Das Christentum trat der Welt nicht als Religion eines Volkes, sondern als Religion der Menschheit entgegen“, heißt es im Bericht. Costantini weist „ein schwerwiegendes und weit verbreitetes Missverständnis“ zurück: dass Missionare „wertvolle Verbreiter der Idee und des nationalen Einflusses ihres eigenen Landes“ seien, die in der Lage seien, den Weg für dessen politische und wirtschaftliche Expansion zu ebnen. Der Missionar darf kein „Pseudo-Konsularbeamter“ werden. Zu Beginn des Konflikts entziehen diese Worte die Mission ausdrücklich dem Wettstreit zwischen den Mächten. Die Konferenz weist auch auf eine Notwendigkeit hin, die der Krieg immer deutlicher machen wird: die Ausbildung eines einheimischen Klerus, der „auch im Kriegsfall an seinem Platz bleibt“ und so die durch die Außenpolitik verursachten Schäden an den Missionen überwindet.<br /><br /> Die Rede schließt mit dem Gegenentwurf zur Zerstörung: „Während sich die Menschen gegenseitig töten“, kann die missionarische Nächstenliebe noch immer „ein Licht der Güte und der Hoffnung an diesem trüben Horizont der Welt“ entzünden.<br /><br /><br />Die Rundfunkbotschaft von Pius XII.<br /><br />In der Rundfunkbotschaft von 1940 erzählt Costantini von seinen Erfahrungen in China.<br /> In einer Zeit der Umwälzungen hatte ein Missionar an seinen Bischof geschrieben: „Ich danke Ihnen, dass Sie mir die Möglichkeit bieten, mich in Sicherheit zu bringen; aber unsere Vorgänger haben in Zeiten der Gefahr ihren Posten nicht verlassen.“ Der Brief endete mit einer Entscheidung: „Wenn wir der Geschichte unserer Mission eine weitere Seite hinzufügen müssen, müssen wir sie im gleichen Stil schreiben können.<br /><br /> Wir werden bleiben.“ Costantini stellt dies als Ausdruck eines „heroischen Stils“ dar, in dem die Treue zur Mission Vorrang vor dem Streben nach persönlicher Sicherheit hat. Die Botschaft räumt jedoch ein, dass die Tätigkeit durch die Internierung oder Verbannung der Missionare „zwangsläufig beeinträchtigt“ und manchmal „völlig lahmgelegt“ wird. Ihrer Beharrlichkeit muss daher konkrete Unterstützung entsprechen.<br /> Im zweiten Teil greift Costantini auf die biblische Klage „Parvuli petierunt panem et non erat qui frangeret eis“ zurück und erklärt: „Einige Missionare hungerten wirklich. Wir strecken die Hand für sie aus.“ Die Hilfe von Landsleuten und religiösen Instituten kommt nicht mehr an; die Zuhörer werden konkret um zumindest „ein wenig Brot für ihr hartes Leben“ gebeten.<br /><br />Am selben Vorabend, Samstag, dem 19. Oktober 1940, spricht auch Pius XII. persönlich eine Rundfunkbotschaft, die sich an die Bischöfe und Katholiken der Vereinigten Staaten richtet. Seine Worte überqueren den Atlantik, um deren missionarischen Eifer zu bestärken. Der Papst erinnert an die Missionare und Ordensschwestern, die in Krankenhäusern und Schulen tätig sind, aber auch an „die großen Regionen, die durch die Konflikte der Völker blutgetränkt und verwüstet sind“. Das Bild der christlichen Ernte überlagert sich mit dem des „Sturms aus Konflikten, Ruinen, Elend und unzähligen Nöten“. Pius XII. verbindet Gebet und materielle Hilfe: „Die Gabe des Gebets darf nicht von der Gabe der Hand getrennt sein.“ Die Spenden sollen es ermöglichen, „das Begonnene zu fördern, das Beschädigte oder Zerstörte wiederherzustellen“, das Zerbrechliche zu stützen und das bereits Vorhandene zu vermehren. <br />Der Aufruf zur Mission wird so auch zu einem Aufruf zur Versöhnung: „Denn auch der Weltfrieden ist eine Mission der Kirche.“ In ihrem Bericht über den Tag wird Fides an diese päpstlichen Worte erinnern, die sich zwar besonders an die Amerikaner richteten, von den Gläubigen jedoch als an jeden Einzelnen gerichtet empfunden wurden.Der Aufruf von Costantini für den 19. Oktober 1941 beginnt hingegen mit einem Dank: Die Spenden aus den verschiedenen Ländern haben die bisherigen Budgets um einige Millionen übertroffen. „Wenn man an den Krieg denkt, an die unvermeidlichen Entbehrungen, die die Völker fast überall auf der Welt erdulden mussten und müssen, hat dieser Anstieg der Nächstenliebe eine tiefe Bedeutung“, schreibt er. <br /><br />Die Gabe gewinnt gerade deshalb an Wert, weil sie aus einer gemeinsamen Not heraus entsteht. Die Begleitdokumente belegen diese Mobilisierung. In Italien waren die Einnahmen des Päpstlichen Werks zur Verbreitung des Glaubens von 6.635.216 Lire im Jahr 1939 auf 7.564.559 Lire im Jahr 1940 gestiegen. Zur Vorbereitung des Tages im Jahr 1941 wurden Rundschreiben an die Pfarrer, Predigtmaterial, Heiligenbilder und Flugblätter verteilt; die Radiobotschaft wurde vom EIAR , dem Vorgänger der RAI, ausgestrahlt und von Radio Vatikan in mehreren Sprachen wiederholt. Die Solidarität nahm durch Pfarreien, Presse und Radio Gestalt an.<br /><br /><br />Aufbau inmitten der Zerstörung<br /><br />„Die Erbauer der Stadt Gottes“ lautet der Titel der Botschaft zum Tag am 18. Oktober 1942. Costantini geht von der Erwartung einer anderen Welt aus, mit einem offensichtlichen Bezug zu Augustinus: „Die ganze Welt wartet darauf, dass auf den rauchenden Trümmern dieses Krieges eine neue Ordnung errichtet wird.“<br /><br /> Doch der Wiederaufbau, so betont er, „muss, bevor er eine materielle Realität wird, eine geistige Wirklichkeit sein“ . Neben den kämpfenden Soldaten verweist er auf „andere Soldaten, stille, wehrlose“, die in den entlegensten Regionen verstreut sind und für diese neue Ordnung leiden und arbeiten. Die bei der Propaganda Fide eingegangenen Briefe machen diese Schilderung greifbar. Ein Bischof aus Zentralafrika berichtet, dass er seine Werke dank der erhaltenen Beiträge aufrechterhalten und die internierten Missionare eines benachbarten Vikariats zumindest teilweise ersetzt habe. Ein Bischof aus Westafrika blickt auf das Wachstum des afrikanischen Klerus: „Die Mission wird erwachsen sein, wenn sie den afrikanischen Klerus gut ausgebildet hat.“ Dann wird es an den afrikanischen Priestern liegen, ihrerseits „die Fackel des Glaubens“ weiterzugeben . Costantini merkt an, dass die Mission „in die einheimische Kirche münden muss“. Der Konflikt zeigt, wie notwendig dies ist: Wo ausländische Missionare interniert sind, können einheimische Priester sie ersetzen und „die Situation retten“. <br /><br />Die Ausbildung des Klerus wird jedoch nicht als Reaktion auf die Notlage betrachtet, sondern als Weg zur Reife der christlichen Gemeinschaften, „nach Gottes Plan“ und „vom Papst gewollt“.Im September 1943 trägt der Aufruf einen Titel, der Verwüstung und Zuversicht miteinander verbindet: „Die Missionen werden wiederauferstehen“. Der Krieg ist ein Sturm, der in einen Garten hereinbricht und Blumen und Zweige ausreißt. Die robusten Pflanzen beugen sich, können sich aber wieder aufrichten und neu erblühen. Bei der Propaganda gehen „Stimmen des Schmerzes, Stimmen der Flehen“ von Missionaren ein, die untätig sind, interniert wurden und hungern. Und doch, so schreibt Costantini, „ist nie ein Wort der Entmutigung eingegangen“. Der Text beschönigt die Verluste nicht. Eine Bombe, die in einem Ordenshaus explodierte, tötete fünfzehn Ordensschwestern auf einen Schlag; die verwundeten Überlebenden haben ihren „Ort der Nächstenliebe“ nicht verlassen. Neben den Opfern erinnert Costantini an diejenigen, die von ihren Gemeinschaften getrennt und in Konzentrationslager interniert wurden. Ein Bischof bezeichnet diesen Zustand als „weißes Martyrium“: „Es ist ein blutloses Martyrium, aber langwierig, zermürbend, schrecklich qualvoll“, verschlimmert durch die Sorge um die zurückgelassenen Christen. Ein anderer schreibt aus einem Konzentrationslager: „Wir bemühen uns hier, unsere Zeit sinnvoll mit Gebet und Studium zu verbringen. Nur Gott weiß, was die Zukunft uns bringen wird. <br />Wir werden jedoch mit seiner Gnade versuchen, auf alles vorbereitet zu sein. Alles, was wir in der Vergangenheit haben durften, haben wir angenommen und Ihm gerne dargebracht. Wir erinnern uns an die erhabenen Worte unseres heiligen Kolumban: ‚Christi sumus, non nostri: Wir gehören Christus, wir gehören nicht uns selbst.‘“Auch hier lassen sich in den Ortskirchen Keime der Hoffnung erkennen. „Glücklicherweise hatten die Missionare überall Priesterseminare gegründet“, bemerkt Costantini. An sehr vielen Orten ersetzen die einheimischen Priester die internierten. Die Priesterseminare bleiben fast überall geöffnet, „aber um den Preis unsäglicher Opfer“ . Die Hoffnung auf einen Neuanfang lebt bereits in denen, die ihre Ausbildung fortsetzen und die Gemeinden unterstützen.<br /><br /><br />Von den Trümmern zum Wiederaufbau<br /><br />„Sursum corda!“ lautet der Titel der Rundfunkbotschaft zum Tag des 22. Oktober 1944. „Es sind nun schon fünf Jahre vergangen, seit der Missionstag inmitten der Verwüstungen des Krieges begangen wird“, leitet Costantini ein. Die Erwartung einer Aufhellung kommt zum Vorschein, doch die Hoffnung lässt die Opfer nicht vergessen: Die Botschaft gedenkt sechzig gefallener Missionare, unter ihnen ein Bischof. Das dramatischste Zeugnis stammt von einer Ordensschwester. Zwischen Bombardements, Hunger und langen Märschen von einer Insel zur anderen transportiert, waren sie und ihre Mitschwestern an Bord gebracht worden, ohne das Ziel zu kennen. Ein Luftangriff hatte das Schiff getroffen. „Von unseren 47 Ordensschwestern blieben nur vier unverletzt“; vierundzwanzig waren sofort gestorben. Die Priester hatten den Sterbenden beistanden, und der Bischof, der an der Schulter verwundet worden war, sollte später sterben. „Mit den Ordensschwestern, die noch nicht ins Jenseits hinübergegangen waren, erneuerten wir die heiligen Gelübde und beteten.“ Costantini kommt auf seinen Appell zurück: Die Missionare sind bereit, ihre Arbeit wieder aufzunehmen, brauchen aber Hilfe. <br />An die Gläubigen, die ebenfalls von den Verlusten gezeichnet sind, richtet er die Bitte, auch im Gedenken an ihre eigenen Toten zu spenden und dabei auf eine Zukunft des Friedens zu blicken: „Lasst uns alle mit festem und großem Herzen daran arbeiten, dass auf den Trümmern des Krieges, aus der Nähe und aus der Ferne, eine neue, menschlichere und christlichere Welt entsteht.“Im Laufe der Kriegsmonate wird das Papier der im Archiv der Agentur Fides aufbewahrten Sammlungen dünner, rauer und die Tinte verblasst. Im Jahr 1944 findet sich diese Botschaft unweit derjenigen zum Weltmissionssonntag: „115 Seiten mit Artikeln und Nachrichten – das ist alles, was wir in diesem Jahr 1944 liefern konnten, und leider nur für einen winzigen Teil der italienischen Presse. Es ist nicht nötig, an Abonnenten und Leser zu appellieren, damit sie verstehen, dass es moralisch und materiell nicht möglich war, mehr zu tun. Wir hoffen, dass die Ereignisse den fernsten Missionen und dem Fidesdienst bald die Möglichkeit geben werden, die durch den Krieg unterbrochenen Verbindungen wiederherzustellen: So können wir unsere Tätigkeit in vollem Umfang wieder aufnehmen.“<br /><br />Im Jahr 1946 wird das Thema des Wiederaufbaus ausdrücklich angesprochen. „Wiederaufbau: Auf welcher Grundlage?“, fragt ein Artikel vom 12. Oktober, unterzeichnet von Monsignore Lazzaro Acquistapace von Fides, wo er von 1931 bis 1955 als Redakteur tätig war. In seinem Kommentar zu Costantinis Aufruf und einer Botschaft von Pius XII. an die Bischöfe Japans erinnert der Autor an die Bemühungen, die verstreuten Christen wieder zusammenzuführen, die Mauern wieder aufzurichten und die katholischen Einrichtungen wieder zu eröffnen. Doch zuallererst sei ein „moralischer und geistlicher“ Wiederaufbau erforderlich: „Auf der Grundlage des Evangeliums, auf Christus, dem Eckstein, hat jeder Missionar schon immer gebaut und wird nun wieder aufbauen.“<br /><br /><br /><br />Von der Nachkriegszeit bis zum „dritten Weltkrieg in Etappen“<br /><br />Das Kriegsende bedeutet jedoch nicht das Ende der Prüfungen. In seiner Botschaft zum Tag am 23. Oktober 1949 beschreibt Costantini das Wachstum der Werke in Afrika und den Übergang von den Auslandsmissionen zu den Ortskirchen in Indien, während die Kirche in einigen Regionen des Fernen Ostens „leidet und blutet wie die Kirche der Katakomben“. Der Titel greift den heiligen Paulus auf: „Maledicimur et benedicimus“, „Man verflucht uns und wir segnen“.<br /><br /> Costantini regt daraufhin zu einer sehr tiefgründigen Reflexion über die christliche Haltung angesichts des Martyriums an: „Ich würde den Rahmen sprengen, wenn ich euch die schrecklichen Berichte schildern wollte, die bei der Propaganda eintreffen: Verwüstungen, Flucht, Deportationen, Zerstreuung der Seminaristen, Zersplitterung der Christen, Raubüberfälle, Morde und Todesfälle durch Entbehrungen. Doch wenn auch das Fleisch schwach ist, ist der Geist bereit“, bekräftigt er.<br /> Er fügt hinzu: „Kein Wort des Hasses oder der Entmutigung ist bei der Propaganda eingegangen, sondern nur Worte tiefer Barmherzigkeit. Maledicimur et benedicimus. Bei der Propaganda stehen wir in ständigem Kontakt, nicht nur mit dem Natürlichen, sondern auch mit dem Übernatürlichen; die Kirche leidet, betet und widersteht.“<br /><br />Vom Krieg bis zur Nachkriegszeit war der Missionstag nie ein weltliches Ereignis, sondern hat seine Wurzeln in sehr konkreten Realitäten. Und genau das gibt dem Umstand Sinn, dass die Gläubigen auch heute noch aufgerufen sind, die Mission zu unterstützen: nicht als abstraktes Konzept, sondern als eine Realität, die in den Menschen Gestalt annimmt, die bleiben und daran arbeiten, die Stadt Gottes aufzubauen.<br /> Während die Welt, nach den Worten von Papst Franziskus, in einen „dritten Weltkrieg in Etappen“ eingetreten ist, verdient diese Erinnerung heute mehr denn je, verbreitet zu werden.<br /><br />Thu, 08 Oct 2026 08:54:50 +0200ASIEN/KASACHSTAN - „Spirituelle Diplomatie“ angesichts globaler Herausforderungen: Ethik, künstliche Intelligenz, Klimakrisehttps://fides.org/de/news/78256-ASIEN_KASACHSTAN_Spirituelle_Diplomatie_angesichts_globaler_Herausforderungen_Ethik_kuenstliche_Intelligenz_Klimakrisehttps://fides.org/de/news/78256-ASIEN_KASACHSTAN_Spirituelle_Diplomatie_angesichts_globaler_Herausforderungen_Ethik_kuenstliche_Intelligenz_Klimakrisevon Paolo Affatato<br /><br />Astana – Es handelt sich nicht nur um ein Treffen zum interreligiösen Dialog, sondern um einen Workshop, in dem die Glaubensgemeinschaften aufgefordert sind, sich mit ihrer Rolle angesichts der großen Krisen unserer Zeit auseinanderzusetzen. Das ist die Bedeutung der 24. Sitzung des Sekretariats des Kongresses der Führer der Weltreligionen und traditionellen Religionen, die heute, am 7. Oktober, im Palast des Friedens und der Versöhnung in Astana, Kasachstan, stattfindet.<br />Islam, Christentum, Judentum, Hinduismus, Buddhismus, Taoismus, Shintoismus und der Bahá’í-Glaube kommen gemeinsam mit Vertretern internationaler Organisationen, öffentlicher Institutionen und Experten aus rund zwanzig Ländern zusammen, um einen vor über zwanzig Jahren begonnenen Prozess fortzusetzen. Im Mittelpunkt des Treffens stehen zwei Dokumente, denen besondere Bedeutung zukommen wird: ein Ethikkodex für den Einsatz künstlicher Intelligenz im religiösen Bereich sowie ein Dokument über die Rolle der Religionen im Kampf gegen den Klimawandel.<br /><br />Hier scheint der Weg von Astana eine neue Dimension anzunehmen. Während in der Vergangenheit das Hauptziel des interreligiösen Dialogs das gegenseitige Kennenlernen, die Prävention von Konflikten und die Friedensförderung war, sind die Religionen heute aufgefordert, sich mit Fragen auseinanderzusetzen, die die gesamte Menschheit betreffen. Insbesondere die künstliche Intelligenz zeigt neue Herausforderungen auf, die nicht nur technischer Natur sind: Sie betreffen die Wahrheit, die Würde des Menschen, die Verantwortung, die Freiheit und das Verhältnis des Menschen zur Technologie, wie Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika „Magnifica Humanitas“ betont hat.Das Projekt eines Ethikkodexes für KI entspringt der Erkenntnis, dass auch die Religionsgemeinschaften mittlerweile tief in den digitalen Wandel eingebunden sind. Künstliche Intelligenz wird genutzt, um Inhalte zu produzieren, Lehren zu verbreiten, die jungen Generationen zu erreichen und die Präsenz der Gemeinschaften im digitalen Raum auszubauen. Doch genau dies wirft bisher unbekannte Probleme auf: religiöse Desinformation, Fälschung von Aussagen, die geistlichen Autoritäten zugeschrieben werden, Manipulation heiliger Texte, künstlich erzeugte Hassreden, Online-Radikalisierung.<br />Angesichts einer Technologie, die sich schneller entwickelt, als die Staaten sie regulieren können, ist die Frage, die sich in Astana stellt, daher auch eine Frage nach der öffentlichen Rolle der Religionen: Was können Geistliche beitragen, wenn es dem Gesetz noch nicht gelingt, wirksame globale Regeln festzulegen?<br /><br />Die Antwort liegt in der sogenannten „spirituellen Diplomatie“, die weder die politische Diplomatie ersetzen noch den Religionen Zuständigkeiten zuweisen will, die den Staaten vorbehalten sind. Vielmehr versteht sie sich als ergänzender Ansatz: als Raum, in dem die moralische Autorität religiöser Führer dazu beitragen kann, den Dialog aufrechtzuerhalten, wenn politische Beziehungen festgefahren sind, der Entmenschlichung des Gegners entgegenzuwirken und gemeinsame Grundsätze jenseits konfessioneller Unterschiede zu identifizieren.<br />In diesem Sinne liegt die Stärke von Astana nicht nur in den Abschlusserklärungen, sondern in der Kontinuität eines Prozesses, der 2003 ins Leben gerufen und schrittweise institutionalisiert wurde. Von den 17 Delegationen aus 13 Ländern beim ersten Kongress ist man bei über 100 Delegationen aus rund 60 Ländern beim VIII. Kongress angelangt, der im September 2025 stattfand, während heute bereits der Kongress von 2028 vorbereitet wird.<br /><br />Auf diesem Weg spielt die katholische Kirche keine untergeordnete Rolle. Der Besuch von Papst Franziskus beim VII. Kongress im Jahr 2022 stellte einen besonders bedeutenden Meilenstein dar und bestätigte den Wert des Kongresses als internationaler Raum des Dialogs zwischen den Religionen. Darüber hinaus unterstrich Papst Leo XIV. in seiner Botschaft an den VIII. Kongress im Jahr 2025 die Bedeutung des „Zusammenarbeitens“ und erinnerte daran, dass der Dialog nicht die Auslöschung von Unterschieden erfordert, sondern diese in Gelegenheiten zur Zusammenarbeit verwandeln kann. Die Zusammenarbeit zwischen Astana und dem Heiligen Stuhl setzt sich fort: An der Sitzung des Sekretariats nimmt Pater Laurent Basanese SJ, Leiter des Büros des Dikasteriums für den interreligiösen Dialog, teil;<br /><br />Die Entscheidung, künstliche Intelligenz, Klimawandel und den Schutz der Menschenwürde an einen Tisch zu bringen, betrifft Bereiche, in denen der normative Rahmen auf globaler Ebene noch fragil oder fragmentiert erscheint. Hier – so heißt es in der heutigen Konferenz – können religiöse Persönlichkeiten eine entscheidende Rolle spielen, nicht weil sie Parlamente oder internationale Institutionen ersetzen könnten, sondern weil sie über eine andere Form von Autorität verfügen: die moralische, pädagogische und gemeinschaftliche. Sie können den Vorrang des Menschen gegenüber dem Algorithmus bekräftigen, sie können zu einem verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Instrumenten erziehen; sie verfügen über weit verzweigte soziale Netzwerke, eine starke pädagogische Kompetenz und eine alltägliche Nähe zu den Gemeinschaften, wodurch sie Einfluss auf das Thema der ökologischen Verantwortung nehmen – ein politisches Thema, aber auch eine moralische und spirituelle Frage: Verantwortung gegenüber der Schöpfung, gegenüber den Armen und gegenüber künftigen Generationen.<br /><br />Die Herausforderung besteht heute darin, den Dialog in konkrete Initiativen umzusetzen. Auf dem Kongress in Astana wird versucht, jenen moralischen Konsens zu schaffen, ohne den auch Vorschriften Gefahr laufen, wirkungslos zu bleiben. Das Ziel ist es, eine gemeinsame Grundlage rund um einige grundlegende Prinzipien zu schaffen: die Würde des Menschen, die Achtung vor dem Leben, die Wahrheit, die Verantwortung, die Gerechtigkeit, das Mitgefühl, den Frieden. Die Erfahrung von Astana scheint genau dies aussagen zu wollen: Die Religionen müssen keine politischen Akteure werden, um Akteure des Friedens zu sein. Sie können öffentliche Verantwortung durch Bildung, Zeugnis, Dialog und die Schaffung eines gemeinsamen Gewissens übernehmen. Die „spirituelle Diplomatie“ von Astana trägt dazu bei, daran zu erinnern, dass es nicht nur darum geht, wie man die Technologie oder die Beziehungen zwischen den Staaten regelt, sondern welche Idee von Mensch und Menschlichkeit man schützen und fördern will.<br /><br />Wed, 07 Oct 2026 13:08:52 +0200Von den Küstenebenen Südindiens bis zu den Hängen des Himalaya: Der missionarische Weg von Bischof Edward Barettohttps://fides.org/de/news/78258-Von_den_Kuestenebenen_Suedindiens_bis_zu_den_Haengen_des_Himalaya_Der_missionarische_Weg_von_Bischof_Edward_Barettohttps://fides.org/de/news/78258-Von_den_Kuestenebenen_Suedindiens_bis_zu_den_Haengen_des_Himalaya_Der_missionarische_Weg_von_Bischof_Edward_Barettovon Marie-Lucile Kubacki<br /><br />Darjeeling – Als Papst Leo XIV. am 29. November 2025 Pater Edward Baretto zum Weihbischof von Darjeeling ernannte, besiegelte er damit einen vier Jahrzehnte langen Weg, der den gesamten indischen Subkontinent durchzog: von einer katholischen Familie bescheidener Verhältnisse in der Diözese Mangalore in Karnataka bis hin zu den mit Teeplantagen bedeckten Hügeln an der Grenze Indiens zu Bhutan und Sikkim. Am 21. Januar 2026 wurde er in Kalimpong in Anwesenheit des Apostolischen Nuntius in Indien und Nepal, Leopoldo Girelli, zum Bischof geweiht. Nun arbeitet er an der Seite von Bischof Stephen Lepcha im Dienst einer Diözese, zu der er bereits seit seiner Jugend beigetragen hat, indem er fast jede Aufgabe übernommen hat.<br /><br />„Wir waren acht Geschwister in der Familie und sehr arm“, erzählt er Fides und erinnert sich an seine Kindheit in Alampuri in der Nähe von Mangalore. „Trotzdem gelang es mir, meine Schulausbildung abzuschließen, wenn auch unter großen Schwierigkeiten.“ Sein Vater erkrankte an Krebs, als Edward noch die Grundschule besuchte, was ihn dazu zwang, im Haushalt mitzuhelfen, während seine Mutter zur Arbeit ging. „Selbst wenn ich diese Zeit nicht verloren hätte, hätte sich meine Familie es nicht leisten können, mich zur Schule zu schicken“, fügt er hinzu und blickt auf einen Weg zurück, der von Gnade und Hingabe geprägt war und auf dem nichts als selbstverständlich galt oder auf Privilegien beruhte.<br /><br />Diese Berufung führte ihn weit von zu Hause weg. 1982, im Alter von siebzehn Jahren, trat er in das Kleine Seminar Johannes XXIII. in Darjeeling ein, fast 2.500 Kilometer von seiner südlichen Heimat entfernt. Anschließend studierte er am regionalen Seminar Morning Star in Kalkutta, erwarb einen Master in Philosophie in Pune und eine Lizenz in Kirchenrecht in Bangalore, nachdem er 1993 in Darjeeling zum Priester geweiht worden war.<br />Der Umzug vom tropischen Süden in den Himalaya-Norden war nicht einfach. „Wenn man erst einmal die Sprache gelernt hat, ist das der Schlüssel, um in eine Gemeinschaft aufgenommen zu werden“, sagt er über seine ersten Jahre in den Bergen. „Von da an wurde es für mich viel einfacher.“<br /><br /> Er wandte sich den Dörfern zu, um dort seinen pastoralen Dienst auszuüben, und nutzte die Musik als Verbindung zum lokalen Leben: „Auch das wurde geschätzt, und so habe ich mich schnell eingelebt.“ Dieses Integrationsmodell wiederholte sich im Laufe seines Dienstes: als stellvertretender Direktor des Kleinen Seminars, Dozent am Morning Star, Pfarrer in Kalimpong, Gerichtsvikar und zuletzt als Direktor des Pastoralzentrums Divya Vani.<br /><br />Heute zählt diese Diözese etwa 35.000 Katholiken, „alles hier“, bemerkt er ohne große Betonung, verteilt auf ein Gebiet von über 9.500 Quadratkilometern, das die Hügel von Darjeeling, Sikkim und das Königreich Bhutan umfasst. Eine kleine Herde, die jedoch, wie er berichtet, ein ungewöhnlich friedliches Zusammenleben mit ihren Nachbarn aufgebaut hat. „Was die religiöse Harmonie angeht, haben wir keine großen Probleme, im Gegensatz zu anderen Teilen Indiens, wo Sie sicherlich von Konflikten gehört haben“, erklärt er. „Wir leben in Harmonie, und unter den Christen ist die Harmonie bislang hervorragend. Wir nehmen an den jeweiligen Initiativen teil, und wenn wir uns treffen, läuft alles sehr gut.“ Er nennt konkrete Beispiele: „Ich habe einen interreligiösen Dialog organisiert und viele Menschen eingeladen. Es lief sehr gut, alle sind gekommen, wir haben ein Abendessen für sie ausgerichtet, und es gab einen Meinungsaustausch“, was beweist, dass der Dialog für ihn eine konkrete Realität ist, die aus Begegnungen und gemeinsam verbrachter Zeit besteht.Ein Großteil seines pastoralen Lebens spielte sich in den Gemeinden der Teeplantagen der Region ab, deren katholische Präsenz auf die Arbeitsmigration aus Chotanagpur im 19. Jahrhundert zurückgeht. <br /><br />„Hier arbeiten die Menschen größtenteils auf den Teeplantagen“, bemerkt er.„Die Arbeiter auf den Teeplantagen besitzen kein Land, sie sind lediglich bei den Plantagen angestellt. Für Familien, die auf den Teeplantagen leben, ist es sehr schwierig, eine Unterkunft zu finden.“ Als er gebeten wird, von einem Ereignis zu berichten, das seine Herangehensweise an die Mission geprägt hat, erinnert er sich daran, eine interreligiöse Hochzeit zwischen einem katholischen Mann und einer hinduistischen Frau gefeiert zu haben. Als er spürte, dass sich die Braut und ihre Familie unwohl fühlten, erklärte er, dass er nicht da sei, um irgendjemanden zu zwingen, und dass er ihre Tradition zutiefst respektiere. Erleichtert begann die Braut, regelmäßig die Kirche zu besuchen, bevor sie schließlich darum bat, getauft zu werden. „Sie dankte mir dafür, dass ich ihm die Freiheit gelassen und keinen Druck auf sie ausgeübt hatte“, sagt der Bischof. „Das ist es, was ihr wirklich ermöglicht hat, ihren eigenen Weg zu finden.“ Was Mischehen betrifft, die in einer Region, in der es nur wenige Katholiken gibt – selbst unter den Christen –, üblich sind, bevorzugt er einen behutsamen und respektvollen Ansatz. Jemanden ohne echte Zustimmung zu taufen, bemerkt er, „wäre im Widerspruch zur Zivilverfassung und auch zur Lehre der Kirche selbst, denn es würde bedeuten, jemandem unsere Religion aufzuzwingen. Es geht nicht darum, sie abzuweisen: Wenn sie sich uns annähern wollen, steht es ihnen frei, dies zu tun.“<br /><br />Aufgrund der geografischen Lage seiner Diözese ist Bischof Baretto auch für die kleine katholische Gemeinde in Bhutan verantwortlich, die nur einen einzigen einheimischen Priester hat: eine einzigartige Geschichte, deren Wurzeln bis in die Königsfamilie dieses offiziell buddhistischen Königreichs reichen. „Es gab Jesuitenmissionare in Bhutan, die vom König eingeladen worden waren“, erzählt er, „viele Mitglieder der Königsfamilie haben in Darjeeling studiert, größtenteils unter der Leitung der Jesuiten.“ Die Geschichte ist interessant. Mitte des 20. Jahrhunderts etablierte sich die St. Joseph’s School in Darjeeling, besser bekannt als North Point, unter der Leitung der Jesuiten als erstklassiges Bildungszentrum für die Elite des Himalaya. Mehrere Generationen der bhutanischen Königsfamilie der Wangchucks sowie Mitglieder des bhutanischen Adels erhielten dort ihre Ausbildung, angefangen beim dritten Monarchen des Landes, Jigme Dorji Wangchuck, der selbst ein ehemaliger Schüler der Schule war und ab 1961 einen Modernisierungsprozess des Bildungssystems seines Landes einleitete. <br /><br />Vor diesem Hintergrund lud der bhutanische Premierminister Jigme Palden Dorji, Schwager des Königs, im Jahr 1963 die Jesuitenmissionare aus Darjeeling ein, das Bildungswesen in Bhutan weiterzuentwickeln.„Von da an bis zum Abzug der Jesuiten aus Bhutan im Jahr 1989 waren viele Jesuiten aus Darjeeling an drei Orten tätig, um das Bildungswesen in Bhutan auszubauen, insbesondere Pater William Mackey, der dort bis zu seinem Tod im Oktober 1995 lebte, Pater Gerard Leclaire, der das erste College des Landes gründete, und Pater John Coffey, ein Pionier in Punakha, der Sommerhauptstadt Bhutans“, berichtet die offizielle Website „Darjeeling Jesuits of North Bengal“. „Nach dem Tod von Pater Mackey litt die Seelsorge im Königreich unter dem Mangel an einem katholischen Missionar vor Ort“, heißt es dort. Da Bhutan jedoch zur Diözese Darjeeling gehört, kam regelmäßig jemand von dort, um für diese katholische Gemeinde die Messe zu feiern – eine alte Gruppe christlicher Gläubiger im Königreich, von denen viele den katholischen Glauben angenommen hatten, als sie selbst oder ihre Eltern sich in Darjeeling aufhielten. „Pater Kinley Tshering, der erste und einzige aus Bhutan stammende katholische Priester mit buddhistischem Hintergrund, verkörpert diese Geschichte und bildet eine Brücke aus Fleisch und Blut. Als Kind wurde er an die St. Joseph’s School in Darjeeling geschickt und später von Mutter Teresa während eines Fluges, bei dem er zufällig direkt neben ihr saß, ermutigt, seiner Berufung zu folgen. Er trat in den Jesuitenorden ein und wurde 1995 zum Priester geweiht. „Jetzt übt er einen wundervollen Dienst der Nähe aus““, erklärt Bischof Edward Baretto.<br /><br />Im Rückblick auf seine wiederholten Entwurzelungen – vom Süden in den Norden, von der Pfarrei zum Gericht zum Priesterseminar – fasst Bischof Baretto eine Überzeugung zusammen, die sein Amt offenbar geleitet hat: „Man darf nichts erzwingen, wisst ihr, man muss die Berufung annehmen. Wir sollten niemanden in Glaubensfragen zwingen. Wir sind dazu berufen, ihn zu leben und zu beten.“ Es ist dieselbe ruhige und geduldige Logik, die einen Jungen aus einem Dorf in Karnataka an die Spitze einer im Himalaya gelegenen Kirche geführt hat, die zwischen Indien, Sikkim und Bhutan eingebettet ist. <br /><br />Wed, 07 Oct 2026 12:49:12 +0200Leo XIV.: Lasst uns den 100. Jahrestag des „Weltmissionssonntags“ mit Dankbarkeit und Güte feiernhttps://fides.org/de/news/78257-Leo_XIV_Lasst_uns_den_100_Jahrestag_des_Weltmissionssonntags_mit_Dankbarkeit_und_Guete_feiernhttps://fides.org/de/news/78257-Leo_XIV_Lasst_uns_den_100_Jahrestag_des_Weltmissionssonntags_mit_Dankbarkeit_und_Guete_feiern<p ><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/eeti9IQtF0s?si=_20n9ABctsTemqEK" title="YouTube-Videoplayer" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p><br /><br /><br />Vatikanstadt – Wir geben den Text der Videobotschaft von Papst Leo XIV. wieder, die anlässlich des Weltmissionssonntags veröffentlicht wurde, der vor 100 Jahren von Papst Pius XI. ins Leben gerufen wurde und dieses Jahr am Sonntag, dem 18. Oktober, begangen wird.<br /><br />§§§<br /><br />Liebe Brüder und Schwestern in Christus,<br /><br />an diesem Weltmissionssonntag danken wir Gott für die reichen Früchte, die er der Kirche geschenkt hat, seitdem mein Vorgänger, Papst Pius XI., diese alljährliche Feier vor 100 Jahren ins Leben gerufen hat. Er wünschte sich, dass dieser Tag in jedem Bistum und in jeder Pfarrei das Verständnis für die Bedeutung missionarischen Wirkens vertiefen, das Gebet für die Evangelisierung bestärken, die missionarische Berufung fördern und die Arbeit der Päpstlichen Missionswerke unterstützen möge.<br /><br />In der Tat hat die Umsetzung dieses Ziels Pius’ XI. in meinem eigenen Leben Früchte getragen. Wenn ich auf meine Jugend zurückblicke, kann ich erkennen, wie die Gebete, die dem Herrn der Ernte dargebracht wurden, auf geheimnisvolle Weise dazu beigetragen haben, mein Herz darauf vorzubereiten, den Ruf Jesu zu hören, ihm als Augustinermissionar zu folgen. Darüber hinaus haben die Gebete und Spenden der Gläubigen meine missionarische Tätigkeit in Peru – und auch die unzähliger anderer auf der ganzen Welt – bestärkt und gestützt. Deshalb möchte ich allen, die den Weltmissionssonntag im Laufe der Jahre unterstützt haben, von ganzem Herzen meinen Dank aussprechen.<br /><br />Während des hundertsten Jubiläums lädt uns das gegenwärtige Thema »Eins in Christus, vereint in der Mission« dazu ein, über die grundlegende Aufgabe nachzudenken, die Einheit der Kirche in der Nachfolge Christi zu fördern, insbesondere hinsichtlich unserer Verpflichtung und unserer Verantwortung, allen Menschen die frohe Botschaft der Erlösung zu verkünden.<br />Tatsächlich wird jeder von uns durch die Taufe zu einem Glied am Leib Christi und hat eine einzigartige Aufgabe, zum Heilswerk Jesu beizutragen. Unser Herr ruft uns auf, mit Hilfe des Heiligen Geistes als eine Familie zusammenzuarbeiten, um alle Menschen an allen Orten zur Gemeinschaft im Glauben an Christus zu führen.<br /><br />Ich bekräftige daher den besonderen Aufruf, den ich in der Botschaft zum Weltmissionssonntag ausgesprochen habe: Setzen wir »uns alle, jeder entsprechend seiner Berufung und den empfangenen Gaben, für den großen Auftrag der Evangelisierung ein, die immer ein Werk der Liebe ist. Eure Gebete und eure konkrete Unterstützung, […], werden eine große Hilfe sein, um das Evangelium der Liebe Gottes allen Menschen zu bringen, gerade den Ärmsten und Bedürftigsten« .<br /><br />Schließlich möchte ich euch anlässlich dieses hundertsten Jahrestages für alles danken, was ihr tun werdet, um das Erbe des Weltmissionssonntags fortzuführen und die kirchliche Aufgabe der Evangelisierung in der ganzen Welt großzügig zu unterstützen.<br /><br />Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes komme auf euch herab und bleibe bei euch allezeit. <br /><br />Amen.<br /><br />Wed, 07 Oct 2026 12:37:59 +0200In Malawi feierte ein ganzes Stadion das 100-jährige Jubiläum des Weltmissionssonntags: „Vereint in Christus, vereint in der Mission“https://fides.org/de/news/78255-In_Malawi_feierte_ein_ganzes_Stadion_das_100_jaehrige_Jubilaeum_des_Weltmissionssonntags_Vereint_in_Christus_vereint_in_der_Missionhttps://fides.org/de/news/78255-In_Malawi_feierte_ein_ganzes_Stadion_das_100_jaehrige_Jubilaeum_des_Weltmissionssonntags_Vereint_in_Christus_vereint_in_der_MissionMZUZU – Die katholische Kirche in Malawi feierte am Sonntag, dem 4. Oktober, im Mzuzu-Stadion das hundertjährige Jubiläum des Weltmissionssonntags, der 1926 von Papst Pius XI. als Anlass zum Gebet und zur Sammlung von Mitteln zur Unterstützung der Arbeit der Missionare weltweit ins Leben gerufen wurde.<br /><br />An der Feier, die sich auf das Thema der Botschaft zum Weltmissionssonntag 2026 „Eins in Christus, vereint in der Mission“ konzentrierte, nahmen Bischöfe, Priester, Ordensleute, Laien, Regierungsvertreter und Gäste verschiedener christlicher Konfessionen teil.<br /><br />Das hundertjährige Jubiläum bot Gelegenheit, an den Weg der Kirche in diesem Land zu erinnern und an den Beitrag der Missionare und Gläubigen, die durch Gebet, Opferbereitschaft und Großzügigkeit die Verbreitung des Evangeliums gefördert haben.<br /><br />Die missionarische Zusammenarbeit und die Arbeit der Päpstlichen Missionswerke haben zum Wachstum der Ortskirche beigetragen, indem sie sich an der Verkündigung des Evangeliums, der Katechese, der Ausbildung von Priestern und Ordensleuten, der Bildung sowie an Projekten im Bereich der Gesundheitsversorgung und der humanitären Entwicklung beteiligt haben.<br /><br />Die Zeichen dieses großzügigen Beitrags zeigen sich in dem lebendigen Netzwerk des guten Lebens, das sich rund um Kirchen, Schulen, Krankenhäuser, Gemeinschaften und Priesterseminare im ganzen Land entfaltet.<br />Im Verlauf der Veranstaltung hob Bischof Vincent Mwakhwawa, Vorsitzender der Missionskommission der Bischofskonferenz von Malawi, die Rolle der POM für das Wachstum der Ortskirche hervor und lud die Pfarreien ein, sich an der Spendensammlung zum Weltmissionssonntag zu beteiligen. Die Spenden fließen in den Universellen Solidaritätsfonds, über den die Kirche von Malawi zur Unterstützung von Gemeinschaften und Missionswerken weltweit beiträgt.<br /><br />Ein Zeichen für die wachsende Beteiligung der malawischen Kirche an der Weltmission sind die Spenden. Pater Peter Ephraim Madeya, Landesleiter der POM in Malawi, berichtete, dass die Beiträge zum Universellen Solidaritätsfonds im Jahr 2025 um 80 % gestiegen seien, und äußerte die Hoffnung auf eine noch größere Resonanz im Jahr des hundertjährigen Jubiläums. Laut Madeya wandelt sich Malawi zunehmend von einer Kirche, die Missionshilfe empfängt, zu einer Kirche, die sich im Gebet und bei der Sammlung von Mitteln für die Mission der Weltkirche engagiert.<br /><br />Bei der Feier wurde auch der Beitrag der Laien zur Missionsarbeit hervorgehoben. Mit der Kraft der in der Taufe empfangenen Gnade ist jeder Katholik aufgerufen, in seiner Familie, in der Pfarrei, am Arbeitsplatz und in der Gemeinschaft missionarisch tätig zu sein.<br /><br />Die getauften Katholiken wurden eingeladen, für die Missionen zu beten, sich bewusst zu engagieren und einen Beitrag zum Universellen Solidaritätsfonds zu leisten.<br /><br />Zudem wurde der Beitrag der POM in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen, Sozialdienste und menschliche Entwicklung gewürdigt.<br />Zum Thema missionarische Ausbildung betonte Pater Dinh Anh Nhue Nguyen, Generalsekretär der Päpstlichen Missionswerke, die Verantwortung jedes Getauften für die Mission der Kirche. Seine Anwesenheit unterstrich zudem die Verbundenheit zwischen der Kirche in Malawi und der Weltkirche sowie die Vorstellung, dass die Mission dem gesamten Volk Gottes gehört.<br /><br />In seiner Predigt forderte Bischof Peter Adrian Chifukwa, Bischof von Dedzam, die Katholiken auf, ihre missionarische Identität zu stärken, und sprach von der Notwendigkeit, christliche Gemeinschaften, Familien und Eltern zu authentisch missionarischen Einheiten zu machen. Eine missionarische Gemeinschaft ist dazu berufen, ihr Umfeld zu erreichen und Christus zu den anderen zu bringen; eine missionarische Familie, den Glauben zu bezeugen und ihn an die neuen Generationen weiterzugeben; Eltern dazu, die ersten Zeugen und Erzieher des Glaubens im eigenen Zuhause zu sein.<br />Das hundertjährige Jubiläum wird somit nicht nur als Feier der Vergangenheit dargestellt, sondern als Beginn einer neuen missionarischen Phase. Nach einem Jahrhundert, in dem Malawi Unterstützung durch die missionarische Zusammenarbeit erhalten hat, ist die Ortskirche zunehmend dazu aufgerufen, ihre Gaben mit der Weltkirche zu teilen.<br /><br />Für die nächsten hundert Jahre nennt das Dokument als Prioritäten eine vertiefte missionarische Ausbildung, engagiertere Familien und Gemeinschaften, mehr Großzügigkeit und eine erneuerte Einbindung jedes Getauften in die Mission, das Evangelium Jesu zu verkünden und zu bezeugen. <br /><br /> .<br />Wed, 07 Oct 2026 11:05:39 +0200ASIEN/KATAR - Ein freudiger Tag für die Kirche des Landes: Päpstliches Kindermissionswerk wurde eingeweihthttps://fides.org/de/news/78251-ASIEN_KATAR_Ein_freudiger_Tag_fuer_die_Kirche_des_Landes_Paepstliches_Kindermissionswerk_wurde_eingeweihthttps://fides.org/de/news/78251-ASIEN_KATAR_Ein_freudiger_Tag_fuer_die_Kirche_des_Landes_Paepstliches_Kindermissionswerk_wurde_eingeweihtDoha – Am Samstag, dem 26. September 2026, wurde ein wichtiges Kapitel in der Geschichte des Apostolischen Vikariats von Nordarabien geschrieben.<br /><br />Nach zwei Jahren intensiver Vorbereitung und Öffentlichkeitsarbeit durch das Büro Missio-Avona wurde das Päpstliche Kindermissionswerk offiziell eingeweiht. Die Eröffnung fand in der Kirche Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz in Doha, Katar, statt. „Mehr als 80 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren haben sich der großen päpstlichen Familie der jungen Missionare angeschlossen“, schreibt Pater Marcus Fernandes von den Kapuzinerbrüdern und Delegierter von Missio-Avona dem Fidesdienst. „Damit sind sie Teil eines weltweiten Netzwerks geworden. Dieses Netzwerk setzt sich dafür ein, den Glauben durch Gebet, Teilen und Solidarität zu leben und zu bezeugen.“<br /><br />Die feierliche Eröffnungsmesse wurde vom Generalvikar Pater Ruben Berrameda geleitet. Mit ihm feierten der Pfarrer Pater Paul Raj, Pater Rosario Colaco OFM Cap. und Pater Marcus Fernandes. Pater Rosario Colaco wurde kürzlich zum Geistlichen Leiter des Kindermissionswerks ernannt. Bischof Aldo Berardi O.SS.T. ist Apostolischer Vikar von Avona. Zu diesem Gebiet gehören Bahrain, Katar, Kuwait und Saudi-Arabien. Zum Zeitpunkt der Feier befand sich der Bischof in Frankreich, in seiner Heimatstadt. Er war dort anlässlich der apostolischen Reise von Papst Leo XIV.<br /><br />Trotz seiner Abwesenheit wollte er der Gemeinschaft eine Nachricht übermitteln. Er schickte eine Botschaft voller Freude, Ermutigung und Segen. Außerdem versprach er, die Kinder in Katar bald zu besuchen. In seiner Predigt nahm Pater Marcus Bezug auf einen bekannten Satz aus dem Sport: „Auf die Plätze, fertig, los!“ Von dort aus stellte er eine Verbindung zum geistlichen Leben her. Er betonte besonders das Verb „gehen“. Es beschreibt eine Handlung, einen Aufbruch nach vorne und eine klare Richtung.<br />Der Delegierte von Missio Avona rief die Kinder und die gesamte Gemeinschaft dazu auf, ihre missionarische Berufung mit Begeisterung und Tatkraft zu leben. Sie sollen Jesus und sein Evangelium verkünden. Das soll nicht nur durch Worte geschehen. Besonders wichtig ist das Zeugnis ihres täglichen Lebens.<br /><br />Pater Marcus erinnerte daran, dass diese Mission auf den drei Säulen des Päpstlichen Kindermissionswerks beruht: beten, helfen und teilen. Dieser Aufruf richtet sich an die Kinder. Gleichzeitig betrifft er die gesamte christliche Gemeinschaft. Alle sind dazu aufgerufen, gemeinsam in ihrer missionarischen Verantwortung zu wachsen.<br /><br />„Unter der Leitung eines Teams von engagierten und begeisterten Verantwortlichen“, so Pater Marcus abschließend, „hat diese neu entstandene Gemeinschaft vielversprechende Grundlagen geschaffen.“<br />Dadurch kann die Kirche in Katar weiter wachsen und sich entfalten. Dazu trägt auch das Zeugnis ihrer jüngsten Missionare bei.<br /><br /> <br />Tue, 06 Oct 2026 17:11:59 +0200Die Päpste und der Weltmissionssonntaghttps://fides.org/de/news/78254-Die_Paepste_und_der_Weltmissionssonntaghttps://fides.org/de/news/78254-Die_Paepste_und_der_WeltmissionssonntagRom – Vom Appell Pius’ XII. in Kriegszeiten bis zu den jährlichen Botschaften der Päpste Paul VI., Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus – die 1926 eingeführte Weltmissionstagung war stets Anlass, die gesamte Kirche an ihre missionarische Berufung zu erinnern. In den ersten Jahren wurden die Texte häufig vom Staatssekretär oder vom Präfekten der Propaganda Fide verfasst.<br />In der hier zusammengestellten Auswahl von Texten aus Botschaften verschiedener Päpste verbindet sich die Mission immer mit den drängenden Fragen ihrer jeweiligen Zeit: dem Frieden, der Religionsfreiheit und den Herausforderungen der Moderne.<br /><br /><br />Pius XII., 19. Oktober 1940: Der Frieden als Sendung der Kirche<br /><br /><br />„Das Gebet ist die Waffe, die das Herz Gottes zu Erbarmen und Barmherzigkeit bewegt; es ist die Gabe eurer Lippen, eurer Zuneigung zu den Verkündern Christi, zu den verirrten Schafen außerhalb des Stalls, zu den Elenden, die vom Sturm unserer Zeit bedrängt und gequält werden Dies ist das Reich des Friedens in unserer Seele mit Gott, des Friedens unter den Brüdern in gegenseitiger Verbundenheit und Zuneigung, des Friedens zwischen den Völkern und Nationen in Versöhnung und geordnetem Einverständnis. Je weiter die Menschheit in der gegenwärtigen Stunde von diesem Frieden entfernt ist; je mehr das Bewusstsein der gemeinsamen natürlichen und übernatürlichen Werte in vielen Herzen Gefahr läuft, gegensätzlichen Gefühlen Platz zu machen, desto erbauender und anspornender wird eure wirksame Verbundenheit mit dem katholischen Missionsgedanken sein. Denn auch der Weltfrieden ist eine Aufgabe der Kirche; in der Ruhe der menschlichen Ordnung liegt ihr Leben, die Befreiung und das Heil der Seelen, die Verbreitung des Guten im Glauben, der Triumph über das Böse, um zum unerschütterlichen Frieden der Ewigkeit zu gelangen.“<br /><br />https://www.vatican.va/content/pius-xii/it/speeches/1940/documents/hf_p-xii_spe_19401019_we-are.html<br /><br /><br />Paul VI., 25. Mai 1969: Das Konzil stellt das Verhältnis zwischen Religionsfreiheit und apostolischer Pflicht fest<br /><br /><br />„Und schon diese offizielle und zentrale Organisation der Kirche bietet eine Antwort auf eine Schwierigkeit, die in bestimmten Bereichen der modernen Denkweise weit verbreitet ist und die missionarische Tätigkeit zu lähmen droht; und zwar jene, die sich auf die konziliare Verkündigung der Religionsfreiheit bezieht, als ob diese einen agnostischen Irenismus begünstige und Gleichgültigkeit gegenüber der religiösen Wahrheit und dem apostolischen Gebot, mit dem der Heilsplan verbunden ist, rechtfertige: Das heißt, das missionarische Wirken wäre nicht mehr notwendig. Die Existenz päpstlicher Werke, die ausdrücklich dazu bestimmt sind, diese Bemühungen zu fördern und zu unterstützen, spricht auch heute noch dagegen, denn die vom Konzil befürwortete Religionsfreiheit zielt darauf ab, die Unabhängigkeit der Religion von der unzulässigen Einmischung jeder weltlichen und der Religion fremden Gewalt sowie von jedem missbräuchlichen sozialen oder politischen exklusiven Anspruch im religiösen Bereich zu gewährleisten; sie schwächt die apostolische Pflicht nicht, sondern bildet vielmehr die zivile Voraussetzung für die Ausübung der missionarischen Tätigkeit, während diese uns gleichzeitig dazu verpflichtet, bei der Verkündigung der einzigen wahren Heilsbotschaft, die aus der Religion hervorgeht. Dies ist eine im Wesentlichen alte Sichtweise in der wahren Tradition der Kirche, die das Konzil jedoch erneuert und präzisiert hat.“<br /><br />https://www.vatican.va/content/paul-vi/it/messages/missions/documents/hf_p-vi_mes_19690525_world-day-for-missions-1969.html<br /><br /><br />Johannes Paul II., 11. Juni 2000: Die Mission hängt nicht von menschlichen Kräften ab<br /><br /><br />„Die ganze Mission der Kirche, und in besonderer Weise die Mission »ad gentes«, braucht Jünger, die bereit sind, den empfangenen Auftrag treu, bis zum Ende durchzuhalten und Christus auf seinem Weg nachzufolgen, nämlich »dem Weg der Armut, des Gehorsams, des Dienens und des Selbstopfers bis zum Tode hin …« . Mögen die Zeugen des Glaubens, derer wir gedenken, Vorbild und Ansporn für alle Christen sein, damit die Verkündigung Christi von jedem Christen als eigene Pflicht empfunden wird. <br />4. In diesem Bemühen ist der Christ nicht allein. Es ist wahr, daß die menschlichen Kräfte und die Größe der Mission in keinem Verhältnis zueinanderstehen. Die am weitesten verbreitete und echte Erfahrung besteht darin, daß man sich dieser Aufgabe nicht würdig fühlt. Doch es stimmt auch, daß »unsere Befähigung von Gott stammt, der uns fähig gemacht hat, Diener des Neuen Bundes zu sein« . Der Herr überläßt jene, die er in seinen Dienst berufen hat, nicht ihrer selbst. »Mir ist alle Macht gegeben, im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern … Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt« . Die ständige Präsenz des Herrn in seiner Kirche, insbesondere im Wort und in den Sakramenten, ist eine Garantie für das Gelingen der Mission. Sie wird heute von Männern und Frauen verwirklicht, die das Heil in ihrer eigenen Zerbrechlichkeit und Schwäche erfahren haben und dies gegenüber ihren Brüdern und Schwestern bezeugen im Bewußtsein, daß wir alle zur selben Fülle des Lebens berufen sind. <br /> Zweitausend Jahre nach Beginn der Mission gibt es noch weite geographische, kulturelle, menschliche und gesellschaftliche Bereiche, in die Christus und sein Evangelium noch nicht vorgedrungen sind. Wie könnte man dem Aufruf, der sich aus dieser Situation ergibt, nicht folgen? Wer die Freude der Begegnung mit Christus erlebt hat, kann diese nicht für sich selbst behalten, sondern er muß diese Freude ausstrahlen.“<br /><br />https://www.vatican.va/content/john-paul-ii/it/messages/missions/documents/hf_jp-ii_mes_20000627_world-day-for-missions-2000.html<br /><br /><br />Benedikt XVI., 29. April 2006: Die Fruchtbarkeit der Mission darin, nicht den eigenen Vorteil zu suchen<br /><br /><br />„Am Abend vor seinem Leiden hat Jesus den im Abendmahlssaal zur Paschafeier versammelten Jüngern das »neue Gebot der Liebe – ›mandatum novum‹« als Testament hinterlassen: »Dies trage ich euch auf: Liebt einander!« . Die brüderliche Liebe, um die der Herr seine »Freunde« bittet, hat ihren Ursprung in der väterlichen Liebe Gottes. Der Apostel Johannes sagt: »Jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott« . Um also so zu lieben, wie Gott will, muß man in ihm und aus ihm leben: Gott ist die erste »Wohnung« des Menschen, und nur wer in ihm wohnt, brennt von einem Feuer göttlicher Liebe, das imstande ist, die Welt zu »entflammen «. Ist das nicht die Sendung der Kirche zu jeder Zeit? Es ist also nicht schwer zu verstehen, daß echter missionarischer Eifer, die vorrangige Pflicht der kirchlichen Gemeinschaft, gebunden ist an die Treue zur göttlichen Liebe, und dies gilt für jeden einzelnen Christen, für jede Ortsgemeinde, für die Teilkirchen und für das ganze Gottesvolk. Gerade aus dem Bewußtsein dieser gemeinsamen Sendung erhält die hochherzige Verfügbarkeit der Jünger Christi die Kraft, Werke der menschlichen und geistlichen Förderung zu verwirklichen, die, wie der geliebte Johannes Paul II. in der Enzyklika Redemptoris missio schrieb, »Zeugnis ablegen für die Seele jeglicher missionarischen Aktivität: die Liebe, die Beweggrund der Mission ist und bleibt und zugleich das einzige Kriterium, nach dem zu handeln oder zu unterlassen, zu ändern oder zu bewahren ist. Sie ist das Prinzip, das alles Handeln leiten, und das Ziel, auf das es sich ausrichten muß. Was mit Blick auf die Liebe oder inspiriert von ihr geschieht, ist nie zu gering und immer gut« . Missionar zu sein bedeutet also, Gott mit seinem ganzen Selbst zu lieben und, wenn nötig, auch das Leben für ihn hinzugeben. Wie viele Priester, Ordensmänner, Ordensfrauen und Laien haben auch in unserer Zeit durch das Martyrium das höchste Zeugnis der Liebe für ihn erbracht! Missionar zu sein heißt, sich wie der barmherzige Samariter über die Nöte aller Menschen zu beugen, besonders die der Ärmsten und Bedürftigsten, denn wer mit dem Herzen Christi liebt, sucht nicht die Verwirklichung eigennütziger Interessen, sondern allein die Herrlichkeit des Vaters und das Wohl des Nächsten. Hier liegt das Geheimnis der apostolischen Fruchtbarkeit der Missionstätigkeit, die Grenzen und Kulturen überschreitet, die Völker erreicht und sich bis an die äußersten Grenzen der Welt verbreitet.“<br /><br />https://www.vatican.va/content/benedict-xvi/it/messages/missions/documents/hf_ben-xvi_mes_20060429_world-mission-day-2006.html<br /><br /><br />Franziskus, 25. Januar 2024: Die eschatologische und eucharistische Dimension der ersten Christen wiederentdecken<br /><br /><br />„Wir wissen, dass der missionarische Eifer der frühen Christen eine starke eschatologische Dimension hatte. Sie spürten die Dringlichkeit, das Evangelium zu verkünden. Auch heute ist es wichtig, diese Perspektive im Auge zu behalten, denn sie hilft uns, das Evangelium mit der Freude derer zu verkünden, die wissen »der Herr ist nahe« und mit der Hoffnung derer, die auf das Ziel hin ausgerichtet sind, alle mit Christus bei seinem Hochzeitsmahl im Reich Gottes zu sein. Während die Welt also die verschiedenen „Festmähler“ des Konsums, des egoistischen Wohlstands, des Anhäufens und des Individualismus bietet, ruft das Evangelium alle zum göttlichen Festmahl, bei dem Freude, Teilen, Gerechtigkeit und Geschwisterlichkeit herrschen, in der Gemeinschaft mit Gott und mit den anderen.<br />Diese Fülle des Lebens, die ein Geschenk Christi ist, wird schon jetzt im Festmahl der Eucharistie vorweggenommen, das die Kirche auf Geheiß des Herrn zu seinem Gedächtnis feiert. Und so ist die Einladung zum eschatologischen Festmahl, die wir in der Verkündigung des Evangeliums allen überbringen, innerlich mit der Einladung zum eucharistischen Tisch verbunden, an dem der Herr uns mit seinem Wort und mit seinem Leib und Blut nährt. Wie Benedikt XVI. gelehrt hat, »verwirklicht sich auf sakramentale Weise in jeder Eucharistiefeier die eschatologische Zusammenkunft des Gottesvolkes. Das eucharistische Mahl ist für uns eine reale Vorwegnahme des endgültigen Festmahles, das von den Propheten angekündigt und im Neuen Testament als „Hochzeitsmahl des Lammes“ beschrieben wird; es soll in der Freude der Gemeinschaft der Heiligen gefeiert werden« .<br />Deshalb sind wir alle dazu aufgerufen, jede Eucharistiefeier in all ihren Dimensionen, insbesondere in der eschatologischen und missionarischen, intensiver mitzuerleben.“<br /><br />https://www.vatican.va/content/francesco/it/messages/missions/documents/20240125-giornata-missionaria.html<br /><br /><br />Leo XIV., 25. Januar 2026: Die Einheit als Voraussetzung der Mission<br /><br /><br />„Deshalb besteht die erste missionarische Verantwortung der Kirche darin, die geistliche und geschwisterliche Einheit ihrer Glieder zu erneuern und lebendig zu erhalten. In vielen Situationen erleben wir Konflikte, Polarisierungen, Missverständnisse und gegenseitiges Misstrauen. Wenn dies auch in unseren Gemeinschaften geschieht, schwächt es ihr Zeugnis. Der Evangelisierungsauftrag, den Christus den Jüngern anvertraut hat, erfordert vor allem versöhnte Herzen, die nach Gemeinschaft streben. In diesem Sinne wird es von Bedeutung sein, die ökumenischen Beziehungen zu allen christlichen Kirchen zu intensivieren .<br /><br />Die missionarische Einheit ist natürlich nicht als Uniformität zu verstehen, sondern als Zusammenwirken verschiedener Charismen für dasselbe Ziel: die Liebe Christi sichtbar zu machen und alle zur Begegnung mit ihm einzuladen. Die Evangelisierung verwirklicht sich, wenn die lokalen Gemeinschaften miteinander zusammenarbeiten und wenn kulturelle, spirituelle und liturgische Unterschiede sich voll und ganz und harmonisch in demselben Glauben ausdrücken. Ich ermutige daher die kirchlichen Institutionen und Einrichtungen, das Gefühl der missionarischen Gemeinschaft der Kirche zu stärken und mit Kreativität konkrete Wege der Zusammenarbeit untereinander für und in der Mission zu entwickeln. <br /><br />Einheit ist die Voraussetzung für die Mission, die Liebe ist ihr Inhalt. Die Frohe Botschaft, die wir der Welt verkünden sollen, ist kein abstraktes Ideal: Es ist das Evangelium der treuen Liebe Gottes, die im Antlitz und im Leben Jesu Christi Gestalt angenommen hat.“<br /><br />https://www.vatican.va/content/leo-xiv/it/messages/mission/documents/20260125-giornata-missionaria.html<br /><br /> <br />Tue, 06 Oct 2026 16:52:30 +0200100 JAHRE SEIT DER WEIHUNG DER ERSTEN SECHS CHINESISCHEN BISCHÖFE - Bischof Aloysius Chen Guodi und die Diözese Fenyanghttps://fides.org/de/news/78249-100_JAHRE_SEIT_DER_WEIHUNG_DER_ERSTEN_SECHS_CHINESISCHEN_BISCHOeFE_Bischof_Aloysius_Chen_Guodi_und_die_Dioezese_Fenyanghttps://fides.org/de/news/78249-100_JAHRE_SEIT_DER_WEIHUNG_DER_ERSTEN_SECHS_CHINESISCHEN_BISCHOeFE_Bischof_Aloysius_Chen_Guodi_und_die_Dioezese_FenyangHundert Jahre nach der Weihe der ersten sechs chinesischen Bischöfe der Neuzeit am 28. Oktober 1926 widmet der Fidesdienst eine Reihe dokumentarischer Beiträge diesen Nachfolgern der Apostel und ihren Diözesen. Im Mittelpunkt steht jenes für den Weg der katholischen Kirche in China entscheidende Ereignis.<br /><br />§§§<br /><br />Von Prof. Liu Zhiqing<br /><br />Fenyang – Das Bistum Fenyang in der Provinz Shanxi war das dritte kirchliche Gebiet, dessen Leitung einem Mitglied des chinesischen Klerus übertragen wurde. Es wurde am 7. Mai 1926 als Apostolisches Vikariat Fenyang errichtet. Sein erster Bischof war Aloysius Chen Guodi. Er gehörte zu den ersten sechs chinesischen Bischöfen, die Papst Pius XI. am 28. Oktober 1926 in Rom weihte. Chen Guodi war bereits am 10. Mai 1926 zum Bischof ernannt worden.<br /><br />1. Geschichte des Bistums<br /><br />Am 7. Mai 1926 wurde das Apostolische Vikariat Fenyang vom Apostolischen Vikariat Taiyuan abgetrennt. Dieses wurde von italienischen Franziskanern verwaltet. Im Jahr 1925 war das Vikariat in drei Dekanate gegliedert. Es zählte 35.187 katholische Getaufte und 48 Priester, darunter 26 aus dem Ausland und 22 aus China. Der chinesische Klerus stellte damit 45,83 Prozent der Priester.<br />Bei seiner Errichtung zählte das Apostolische Vikariat Fenyang 11.492 katholische Getaufte und 17 chinesische Priester, darunter den Apostolischen Vikar.<br /><br />Im Juli 1926 besuchte Erzbischof Celso Costantini, der erste Apostolische Delegat in China, Taiyuan. In seinen Erinnerungen schrieb er, sein Besuch im Vikariat Taiyuan habe der Abgrenzung der neuen kirchlichen Gebiete gedient, deren Leitung dem einheimischen Klerus übertragen werden sollte. Der Apostolische Vikar von Taiyuan, Agapito Fiorentini , unterstützte von ganzem Herzen die Vorgaben des Heiligen Stuhls, die Leitung der Diözesen chinesischen Bischöfen anzuvertrauen. „Ich nahm daher die abschließenden Beratungen und die Auswahl der neuen Bischöfe vor“, schreibt Costantini in seinen Erinnerungen .<br /><br />Am 11. April 1946 wurde das Apostolische Vikariat Fenyang zum Bistum erhoben.<br />Im Jahr 1949 umfasste das Bistum Fenyang 15 Landkreise. Nach Angaben von Zhao Qingyuan, dem Autor der Chronologie der Aufteilung der katholischen Diözesen in China und der Abfolge ihrer Bischöfe, verfügte das Bistum über 139 Kirchen und Kapellen, 31 Priester, darunter einen Ordenspriester, sowie 15.618 katholische Getaufte.<br /><br />2. Die Bischöfe des Bistums<br /><br />Der erste Bischof des Apostolischen Vikariats Fenyang war Aloysius Chen Guodi , ein Mitglied des Ordens der Minderbrüder .<br />Aloysius Chen wurde am 15. November 1875 im Dorf Anyang bei Lu'an in der Provinz Shanxi geboren. Er stammte aus einer seit Generationen katholischen Familie. Am 4. Oktober 1896 trat er in Dongergou in den Orden der Minderbrüder ein. Am 15. März 1903 wurde er zum Priester geweiht.<br />Neun Jahre lang war er in der Missionsarbeit im Landkreis Xinxian und an anderen Orten tätig. Später diente er als Sekretär zweier italienischer Bischöfe, die chinesische Diözesen leiteten.<br />Neben seiner Lehrtätigkeit in Latein und Apologetik am Seminar von Taiyuan leitete Aloysius Chen auch eine katholische Mittelschule der Stadt, die Mingyuan-Schule.<br /><br />Im Jahr 1911 wurde Chen Guodi zum Pfarrer der Kathedrale von Taiyuan ernannt. 1921 wurde er Erzpriester des Dekanats Linxian und später Leiter der Mittelschule von Taiyuan.<br />Am 10. Mai 1926 wurde Chen Guodi zum Apostolischen Vikar von Fenyang mit dem Titularsitz Attuda ernannt. Am 28. Oktober 1926 empfing er im Petersdom in Rom durch Papst Pius XI. die Bischofsweihe. Damit wurde er zu einem der ersten sechs chinesischen Bischöfe, die in der Neuzeit geweiht wurden.<br /><br />Bischof Aloysius Chen gründete 1927 das diözesane Kleine Seminar. Im Jahr 1928 errichtete er ein Vorbereitungsseminar. Zur selben Zeit nahm er in Fenyang zehn geweihte Laiinnen der karitativen Vereinigung Baochihui auf. Die Vereinigung, deren Name „Kinder schützen“ bedeutet, stammte aus der Pfarrei Qingtang im Landkreis Linxian.<br />In Fenyang gründete Chen außerdem eine soziale Einrichtung zur Aufnahme und Versorgung ausgesetzter Säuglinge.<br />Aloysius Chen Guodi starb am 10. März 1930 im Alter von 55 Jahren.<br />Nach dem Tod von Aloysius Chen Guodi wurde am 12. Oktober 1930 Francesco Liu Jinwen zum Bischof des Apostolischen Vikariats Fenyang geweiht. Er blieb bis zum 15. Januar 1948 im Amt und starb am 3. April 1951.<br />Am 9. Juni 1949 wurde Simone Lei Zhenxia zum Bischof des Bistums Fenyang geweiht. Er wurde 1955 verhaftet, zum Tod verurteilt und am 16. Februar 1971 erschossen.<br /><br />3. Die Entwicklung des Bistums<br /><br />Das Bistum Fenyang entstand aus einigen Pfarreien des Dekanats Fenzhoufu, die zum Apostolischen Vikariat Taiyuan gehörten.<br />Nach 24 Jahren des Wachstums zählte das Bistum rund 15.600 katholische Getaufte und 30 Priester. Von ihnen stammten 29 aus China und einer aus dem Ausland.<br />Die Statistiken zur pastoralen Tätigkeit und zur Entwicklung des Bistums in den einzelnen Jahren sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt.<br /><br />Tabelle der pastoralen Statistiken des Bistums Fenyang, 1926–1950<br /><br /><br /><div > <table > <thead> <tr> <th rowspan="2" > Periodo/Anno </th> <th rowspan="2" > Vescovi </th> <th colspan="2" > Sacerdoti </th> <th colspan="2" > Religiose </th> <th rowspan="2" > Popolazione<br> </th> <th rowspan="2" > cattolici </th> </tr> <tr> <th > stranieri </th> <th > cinesi </th> <th > straniere </th> <th > Cinesi </th> </tr> </thead> <tbody> <tr> <td >1926-1927</td> <td >1</td> <td ></td> <td >16</td> <td ></td> <td ></td> <td >14</td> <td >11492</td> </tr> <tr> <td >1927-1928</td> <td >1</td> <td ></td> <td >18</td> <td ></td> <td ></td> <td >2</td> <td >12051</td> </tr> <tr> <td >1928-1929</td> <td >1</td> <td ></td> <td >19</td> <td ></td> <td ></td> <td >2</td> <td >15605</td> </tr> <tr> <td >1929-1930</td> <td >1</td> <td ></td> <td >19</td> <td ></td> <td ></td> <td >2</td> <td >15605</td> </tr> <tr> <td >1930-1931</td> <td >1</td> <td ></td> <td >24</td> <td ></td> <td ></td> <td >2</td> <td >12301</td> </tr> <tr> <td >1933</td> <td >1</td> <td ></td> <td >26</td> <td ></td> <td ></td> <td >2</td> <td >12629</td> </tr> <tr> <td >1934</td> <td >1</td> <td ></td> <td >25</td> <td ></td> <td ></td> <td >2</td> <td >12874</td> </tr> <tr> <td >1935</td> <td >1</td> <td ></td> <td >24</td> <td ></td> <td ></td> <td >2.06</td> <td >13239</td> </tr> <tr> <td >1936</td> <td >1</td> <td ></td> <td >23</td> <td ></td> <td ></td> <td >2</td> <td >13645</td> </tr> <tr> <td >1937</td> <td >1</td> <td >2</td> <td >23</td> <td ></td> <td ></td> <td >2</td> <td >13975</td> </tr> <tr> <td >1938</td> <td >1</td> <td >1</td> <td >25</td> <td ></td> <td ></td> <td >2</td> <td >14550</td> </tr> <tr> <td >1939</td> <td >1</td> <td >1</td> <td >27</td> <td ></td> <td ></td> <td >2</td> <td >15247</td> </tr> <tr> <td >1940</td> <td >1</td> <td >1</td> <td >28</td> <td ></td> <td ></td> <td >2</td> <td >15197</td> </tr> <tr> <td >1941</td> <td >1</td> <td >1</td> <td >27</td> <td ></td> <td ></td> <td >2</td> <td >15524</td> </tr> <tr> <td >1942</td> <td >1</td> <td >1</td> <td >30</td> <td ></td> <td ></td> <td >2</td> <td >15949</td> </tr> <tr> <td >1943</td> <td >1</td> <td >1</td> <td >29</td> <td ></td> <td ></td> <td >2</td> <td >15656</td> </tr> <tr> <td >1947</td> <td >1</td> <td >1</td> <td >29</td> <td ></td> <td ></td> <td >2.1</td> <td >15050</td> </tr> <tr> <td >1948</td> <td >1</td> <td >1</td> <td >29</td> <td ></td> <td ></td> <td >2.1</td> <td >15600</td> </tr> <tr> <td >1949</td> <td >1</td> <td >1</td> <td >29</td> <td ></td> <td ></td> <td >2.1</td> <td >15600</td> </tr> <tr> <td >1950</td> <td >1</td> <td ></td> <td >44</td> <td ></td> <td ></td> <td ></td> <td >15600</td> </tr> </tbody> </table> </div><br /><br />Quelle: Die Missionen in China und Japan, Die Missionen in China, Jahrbuch der katholischen Missionen in China.<br /><br /><br />Mon, 05 Oct 2026 14:22:15 +0200Die Bibel und die Kulturen - die christliche Identität als Begegnunghttps://fides.org/de/news/78250-Die_Bibel_und_die_Kulturen_die_christliche_Identitaet_als_Begegnunghttps://fides.org/de/news/78250-Die_Bibel_und_die_Kulturen_die_christliche_Identitaet_als_BegegnungVon Marie-Lucile Kubacki<br /><br />Rom – „Oftmals definiert sich unsere Identität wie folgt: ‚Ich bin, weil du nicht bist‘.“ Für Nicoletta Gatti, Professorin für Bibelwissenschaften an der Universität von Ghana, zeigt sich in dieser Gegenüberstellung eine entscheidende Frage. Sie begegnet heute in Nationalismen, religiösen Polarisierungen und der Angst vor dem Fremden: Wie kann der Glaube dazu beitragen, Zugehörigkeit zu schaffen, die nicht ausschließt?<br /><br />Dieser Frage widmet sich das kürzlich von der Katholischen Bibelföderation veröffentlichte Buch „Culture, Bible, Identity: Christian Faith and Interculturality“. Es geht auf die internationale Online-Konferenz „Culture – Bible – Identity: Intercultural-Biblical Reflections on Christian Identity“ zurück, die vom 21. bis 23. Januar 2025 stattfand. Das Buch ist kostenlos online zugänglich und kann über die Website der Föderation heruntergeladen werden. Es ist der erste Band der wissenschaftlichen Reihe „Contextual Readings of the Bible“.<br />Die Konferenz wurde vom Generalsekretariat der CBF und dem bibelpastoralen Verein „Verbum Domini“ in Zusammenarbeit mit der Universität Ghana und der Paris-Lodron-Universität Salzburg veranstaltet. Wissenschaftler aus unterschiedlichen geografischen und kulturellen Kontexten kamen zusammen, um die Entstehung christlicher Identität in den ersten Gemeinden und ihre Entwicklung in der heutigen, postkolonialen und pluralistischen Welt zu untersuchen.<br />In seinem Vorwort bezeichnet Pater Jan Stefanów, Generalsekretär der CBF, das Buch als die erste Veröffentlichung der Föderation seit 2008. Es versammelt die Beiträge der Konferenz. Stefanów hofft, dass der Band „einen fruchtbaren Weg akademisch-pastoraler Reflexion“ eröffnet. Grundlage dafür sei eine kontextbezogene Neulektüre des Wortes Gottes in der Heiligen Schrift. Zugleich unterstreicht er den internationalen Charakter des Projekts: Die biblischen Texte werden aus afrikanischen, asiatischen, europäischen und lateinamerikanischen Perspektiven neu gelesen.<br /><br />Ein kostenloses Buch, entstanden aus gemeinsamer Arbeit<br /><br />Dass der Band kostenlos zur Verfügung steht, ist ein zentraler Bestandteil des Projekts. Die Beiträge sollen nicht nur einem Kreis von Fachleuten oder Abonnenten einer wissenschaftlichen Reihe zugänglich sein. Die CBF stellt ihre Veröffentlichungen online einem möglichst breiten Publikum frei zur Verfügung. Das Buch kann auf der Website gelesen oder heruntergeladen werden.<br />Für Gatti ist der Band aus einer Zusammenarbeit und einer intellektuellen Freundschaft entstanden. „Es ist eine Freundschaft, die weitergeht!“, sagt sie im Gespräch mit Fides. Sie fügt hinzu, dass sie dabei „nur die Sprecherin“ dieses gemeinsamen Projekts sei.<br />Die Konferenz war die erste Veranstaltung des Vereins „Verbum Domini“. Dieser wurde gegründet, um Bibelwissenschaftlern eine Möglichkeit zur Vernetzung zu geben und zugleich die Verbindung zur Katholischen Bibelföderation aufrechtzuerhalten.<br /><br />Herausgegeben wurde der Band von Gatti und dem Theologen Franz Gmainer-Pranzl, Professor für Interkulturelle Theologie an der Universität Salzburg. Er beginnt mit Gattis Einführung „A Hermeneutic Vision for Inclusive Community“ und ist in zwei Teile gegliedert. Der erste widmet sich Methoden und kontextbezogener Mission, der zweite der interkulturellen Exegese.<br />Die Beiträge befassen sich unter anderem mit der Rezeption der Heiligen Schrift in afrikanischen Pfingstkirchen sowie in Indien und Europa. Sie zeigen zudem, wie biblische Texte aus unterschiedlichen kulturellen Erfahrungen heraus neu gelesen werden können.<br />Im zweiten Teil zur interkulturellen Exegese lesen elf Wissenschaftler die Schrift ausgehend von konkreten Lebenskontexten neu. So wird etwa Hagar, die ägyptische Sklavin, die in die Wüste vertrieben wird, zur Stimme der Dalit-Frauen in Indien. Die Magier aus dem Matthäusevangelium, Reisende, die Grenzen überschreiten, stellen ein afrikanisches Christentum infrage, das versucht sein kann, sich in sich selbst zurückzuziehen. Und die gekrümmte Frau aus Lukas 13, die Jesus „Tochter Abrahams“ nennt, stellt Traditionen infrage, durch die Frauen auch heute noch ausgegrenzt werden.<br /><br />Das abschließende Kapitel von Wojciech Szypuła führt die verschiedenen Linien des Austauschs zusammen. Nach den Worten Gattis knüpft das Projekt an ein früheres Vorhaben an: „Salvation in a Crisis-Ridden World: An Intercultural Exegetical Answer“ . Dabei ging es um die Frage, wie das Wort Gottes in einer von der Pandemie und ihren Folgen geprägten Welt sprechen kann.<br />„Wir alle arbeiten in der Wissenschaft, engagieren uns aber zugleich stark in der Pastoral“, sagt Gatti. Daraus ergebe sich die Notwendigkeit, „eine Brücke“ zu schaffen zwischen universitärer Lehre und Forschung auf der einen Seite und Gemeinden sowie pastoralen Einrichtungen auf der anderen.<br /><br />Die Bibel im Dialog der Kulturen<br /><br />Im Mittelpunkt des Projekts steht die Frage nach dem Verhältnis zwischen der christlichen Botschaft und den kulturellen Kontexten, in denen sie aufgenommen wird. Wie gelang es den Autoren des Neuen Testaments, den Glauben in unterschiedlichen kulturellen Welten auszudrücken – vom Judentum über den Hellenismus bis zum Römischen Reich? Wie verkündeten die ersten Missionare das Evangelium über kulturelle Grenzen hinweg? Und was macht christliche Identität aus, wenn es keine einzige kulturelle Form gibt, in der sie sich zwangsläufig ausdrücken muss?<br />„Die Bibel wird zunehmend zu einer Angelegenheit für Spezialisten“, beobachtet Gatti im Gespräch mit Fides. Die Gefahr bestehe darin, dass die exegetische Arbeit in den Hörsälen bleibe und nicht mit den Menschen in Beziehung trete, für die die Heilige Schrift Teil ihres täglichen Lebens sei.<br /><br />Das Projekt schlägt deshalb eine doppelte Bewegung vor: Zum einen soll der Text in seinem ursprünglichen Kontext untersucht werden. Zum anderen soll er mit der Kultur der Menschen in Dialog treten, die ihn heute lesen. Es gehe nicht darum, eine antike Antwort mechanisch auf eine moderne Situation anzuwenden. Vielmehr sollten sich Text und Gemeinschaft gegenseitig befragen.<br />Gatti lehrt in Ghana. Dort nimmt der Glaube einen zentralen Platz im öffentlichen Leben und im Alltag ein. Die starke Präsenz der Religion beseitige jedoch nicht die Spaltungen. Die Wissenschaftlerin beschreibt ein fragmentiertes Christentum. In ihren Lehrveranstaltungen begegnen ihr christliche, muslimische und jüdische Studierende.<br /><br />Auch diese Vielfalt prägt ihre eigene Bibellektüre. „Mir wurde bewusst, dass meine Art, die Heilige Schrift zu lesen, und meine Vorstellung vom Glauben durch kulturelle Perspektiven geprägt waren – etwa durch meine christlichen und katholischen Traditionen.“ Sie habe erkannt: „Das ist eine Sicht. Aber es gibt auch andere.“<br />Die Lektüre der biblischen Texte aus anderen Erfahrungswelten könne Aspekte sichtbar machen, die aus nur einer Perspektive verborgen blieben. „Die biblischen Texte entstehen aus einem Dialog zwischen der Kultur ihres Ursprungs und der Kultur, in der sie aufgenommen werden“, sagt Gatti. Interkulturelle Lektüre sei daher kein äußerer Zusatz. Sie sei vielmehr eine Möglichkeit, den Text und sein Potenzial tiefer zu verstehen.<br /><br />Von der Identität gegenüber dem anderen zur Gemeinschaft<br /><br />Die Frage nach Identität, die im Zentrum des Buches steht, ist zugleich eine gesellschaftliche Frage. Wenn Zugehörigkeit zur Waffe wird, erscheint Anderssein als Bedrohung statt als Bereicherung.<br />Gatti verweist auf das afrikanische Prinzip Ubuntu: „Ich bin, weil du bist.“ In ihrer Perspektive steht dieser Gedanke im Gegensatz zu der Vorstellung, ein Mensch oder eine Gemeinschaft könne sich nur dadurch definieren, dass sie sich einem anderen entgegenstellt.<br />„Wenn wir den anderen durch mit Angst betrachten, wird der andere sofort zum Feind“, sagt sie. Daraus könne eine Entmenschlichung entstehen. Am Ende würden Würde und volle Menschlichkeit nur noch denjenigen zugesprochen, die der eigenen Nation, Religion oder Gemeinschaft angehören.<br />Diese Dynamik betrifft die Gesellschaft insgesamt. Sie könne jedoch, so warnt die Bibelwissenschaftlerin, auch innerhalb der Kirchen auftreten.<br />Auch die Heilige Schrift selbst verschweigt die Spannungen zwischen Offenheit und Abgrenzung nicht. In einigen Texten zeigt sich die Sorge, die Grenzen der Gemeinschaft zu schützen. Andere Gestalten wie Rut und Jona rücken dagegen die Aufnahme des Fremden und die Barmherzigkeit gegenüber dem Feind in den Mittelpunkt.<br />Diese Spannungen seien kein Grund, die biblischen Texte zu vereinfachen. Vielmehr forderten sie dazu auf, erneut zu fragen, was es bedeutet, im anderen einen Menschen zu erkennen.<br /><br />Im Gespräch mit Fides nennt Gatti vier Ansätze, die sie auch für das kirchliche Leben für wichtig hält: die Kultur, in der man lebt, wirklich kennenzulernen; Gemeinschaften aufzubauen, die zur Aufnahme fähig sind; die Heilige Schrift neu zu lesen und dabei die alten Texte mit den Fragen der Gegenwart zu verbinden; und den Glauben nicht auf eine intellektuelle Übung zu reduzieren.<br />„Das Neue Testament ist aus einer Freundschaft entstanden“, sagt sie. Dabei verweist sie auf das Bild von Gemeinschaften, die durch Beziehungen miteinander verbunden sind, die Menschen anziehen und einschließen.<br />Auch die ersten christlichen Gemeinden, so Gatti, waren keineswegs frei von Konflikten. Ihre Lehre bestehe nicht in einer idealisierten Harmonie. Entscheidend sei vielmehr die Möglichkeit, Spaltungen offen anzusehen und sie im Austausch zu überwinden.<br />„Dialog ist immer möglich“, sagt Gatti. In der Fähigkeit, einander gegenseitig anzuerkennen, sieht sie einen konkreten Weg, Beziehungen wieder aufzubauen.<br /><br />In diesem Horizont versteht sich auch das Buch. Es entstand aus einem Online-Treffen von Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern und will über den akademischen Bereich hinaus einen Beitrag leisten. Die Sammlung der Bibellektüren untersucht, wie der Glaube in unterschiedlichen Kulturen Gestalt annehmen kann, ohne diese Kulturen zu unterdrücken.<br />In ihrer Einführung wünscht Gatti dem Band, zugleich „Spiegel und Landkarte“ zu sein: Spiegel für die Komplexität unserer Welt und Landkarte für eine Zukunft, in der sich die Verheißung von Zugehörigkeit „in jeder Gemeinschaft, in jedem Herzen, in jeder Generation“ verwirklicht.<br />Der Appell richtet sich nicht nur an Fachleute. Er gilt allen Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche, die sich fragen, wie sie ihre eigene Identität leben können, ohne sie gegen eine andere absetzen zu müssen.<br /><br /><br />Mon, 05 Oct 2026 13:14:25 +0200