Rom (Agenzia Fides) – Die im vergangenen Jahr geweihten Bischöfe, die nach Rom gekommen waren, um an den Fortbildungskursen teilzunehmen, die ihnen vom Dikasterium für die Evangelisierung und vom Dikasterium für die Bischöfe angeboten werden, trafen sich am Dienstagvormittag, dem 8. September, in der Aula Magna der Päpstlichen Universität Urbaniana. Dort hörten sie Vorträge zu Fragen der Priesterausbildung.
Kardinal Lazzaro You Heung Sik, Präfekt des Dikasteriums für den Klerus, widmete seinen Beitrag dem Thema „Priesterausbildung im heutigen Kontext“. Erzbischof Fortunatus Nwachukwu, Sekretär der Sektion für die Erstevangelisierung und die neuen Teilkirchen des Dikasteriums für die Evangelisierung, hielt einen Vortrag mit dem Titel „Im Dienst der Priesterausbildung in einer synodalen Kirche. Die Kirche der Garben“.
Erzbischof Nwachukwu überbrachte den Bischöfen die Grüße von Kardinal Luis Antonio Tagle, dem Pro-Präfekten des Missionsdikasteriums, der nach dem jüngsten Tod seines Vaters auf die Philippinen zurückgekehrt war. In seiner Eigenschaft als Sekretär des Dikasteriums stellte Nwachukwu kurz das Dikasterium und seine Rolle bei der Ausbildung der Priester in den ihm anvertrauten Gebieten vor.
Im Mittelpunkt seines Beitrags stand ein missionarisches Paradigma, das das Dikasterium für die apostolische Arbeit in diesen Gebieten entwickelt. Der einheimische Klerus und die Ordensleute, so sagte er, hätten nach und nach „von den westlichen Missionaren die Verantwortung für der Evangelisierung übernommen“ und „beginnen in jüngerer Zeit, ihren eigenen Beitrag zur Weltkirche im Geist der Synodalität zu leisten. Aus diesem Grund entwickeln wir derzeit einen Rahmen für die Evangelisierung in der synodalen Kirche, den wir ‚Die Kirche der Garben‘ nennen.“
„Die Kirche der Garben“, erklärte er, „ist ein ekklesiologisches Paradigma, das sich aus den Worten des Psalms 126 ableitet“, einem der Aufstiegslieder, die von Pilgern auf dem Weg nach Jerusalem gesungen wurden. Unter Berufung auf den letzten Vers in der Übersetzung des Stundengebets, bemerkt er, dass es sich um „eine moderne Übersetzung der Psalmen, die für den liturgischen Gebrauch genehmigt wurde, dem hebräischen Text treu bleibt und für das Gemeinschaftsgebet im Stundengebet verwendet wird“. Weiter hebt er hervor: „Sie gehen, ja gehen und weinen und tragen zur Aussaat den Samen. Sie kommen, ja kommen mit Jubel und bringen ihre Garben“ (Ps 126,6).
Die Saat der Missionare
Bei der Erläuterung dieses Bildes sagte der Erzbischof: „Im Bild dessen, der weinend fortgeht, sehen wir die Missionare, die das Evangelium in unsere Gebiete gebracht haben. Sie haben ihre Komfortzonen und ihre vertraute Umgebung verlassen, die Geborgenheit ihrer Familien, ihrer Altersgenossen, Freunde und Angehörigen, um in unbekannte Missionsgebiete zu gehen.“
Da die meisten von ihnen „nicht damit rechneten, jemals nach Hause zurückzukehren“, bemerkte er, „war ihr Aufbruch gewissermaßen wie ein Sterben. Tatsächlich starben viele von ihnen nur wenige Monate nach ihrer Ankunft in den Missionsgebieten. Sie opferten alles, auch ihr Leben.“ Und doch „gingen sie nicht mit leeren Händen fort, sondern brachten die Saat des Evangeliums mit, um sie in den neuen Missionsgebieten auszusäen“.
Mit Blick auf die zweite Hälfte des Verses sagte Erzbischof Nwachukwu: „Die gute Nachricht ist, dass ihre Anstrengungen und Opfer nicht vergeblich waren. Die Samen, die sie verteilten, haben Pflanzen hervorgebracht, die heute blühen und reiche Früchte tragen – die Garben. Wir befinden uns jetzt in der Zeit der Ernte, in der die Garben nach Hause gebracht werden. Unser Dikasterium hat die Aufgabe, weiterhin das zu pflegen, was die Missionare gepflanzt haben, und Unterstützung bei der Ernte und beim Einbringen der Garben in die Weltkirche zu leisten.“
Die Zeit der Ernte
„Jemand“, so Fortunatus Nwachukwu, „hat angemerkt, dass, wenn die Kirche in den Missionsgebieten als ‚Kirche der Garben‘ bezeichnet wird, dann die Kirche im Westen, die die Missionare entsandt hat, auch als ‚Kirche der Saat‘ bezeichnet werden sollte“. Das Projekt, so erklärte er, „wird von unserem Dikasterium in Zusammenarbeit mit dem Centre for World Catholicism der DePaul University in den Vereinigten Staaten, unserer Urbaniana-Universität und einem breiten Netzwerk von Hochschullehrern, vorwiegend Theologen, entwickelt“, mit dem Ziel, „die Garben auf ihre Aufnahme in die Familie der Weltkirche und in die Ortskirchen im Westen vorzubereiten“. Eine „erste Weltkonferenz“, kündigte er an, „ist hier an unserer Universität für den nächsten Monat geplant“.
Eine Vergangenheit, die es zu ehren, nicht zu tilgen gilt
Der Erzbischof sprach sowohl als Mitarbeiter des Dikasteriums als auch – wie er selbst sagte – als jemand, der „selbst zu den Garben gehört“. Dabei brachte er seine Dankbarkeit gegenüber den Kirchen zum Ausdruck, die Missionare ausgesandt hatten. Diese seien „Helden unseres Glaubens“, die „die schönsten Jahre ihrer Jugend, ja sogar ihr eigenes Leben geopfert haben“ für Werte, „auf denen Europa aufgebaut wurde, wie wir es heute kennen“. Zum Abschluss äußerte er sich pointiert zu den gegenwärtigen Spannungen innerhalb der Kirche: „Leider werden manche Menschen in unseren Ortskirchen heute, wenn sie darauf bestehen, den Lehren der Missionare treu zu bleiben, als konservativ eingestuft. Viele im Westen wollen, dass sie die Lehren, die sie von den westlichen Missionaren erhalten haben, aufgeben, um neue und unerprobte Wertvorstellungen anzunehmen, die von Menschen gelehrt werden, die in Bezug auf Überzeugung und brüderliche Solidarität dem Vergleich mit den Missionaren nicht standhalten und ihn auch nicht bestehen können. Wir dürfen unser Erbe nicht aufgeben und die Vergangenheit nicht vernachlässigen, denn darin liegen die Wurzeln der Zukunft. Ich bitte Sie, helfen Sie uns, das Andenken an Ihre heldenhaften Brüder und Schwestern, die Missionare, zu ehren, auch indem Sie die Früchte ihrer Opfer in der Kirche der Garben herzlich aufnehmen.“
Die Gefahr, dass Programme zu „Blabla“ werden
Zuvor hatte Kardinal You Heung Sik seine Ansprache mit einer Erinnerung an seine Jahre als junger Bischof in Daejeon, Südkorea, begonnen, wo Papst Johannes Paul II. ihn 2003 zum Koadjutor ernannt hatte. Angesichts von „mir unbekannten, manchmal schmerzhaften und heiklen Situationen“, so sagte er, habe er sich drei Prioritäten gesetzt, die ihn noch heute leiten: „Sein, nicht Tun“, das heißt, jeden Tag „meine Berufung als Christ, als Jünger Jesu“ zu leben; „den Fokus auf Beziehungen“ zu Mitarbeitern, Priestern und anderen Bischöfen zu legen statt auf Aktivitäten, denn dies „öffnet die Türen für das, was am wichtigsten ist: die Erfahrung des Reiches Gottes zu machen“; und „den Blick auf den einzigen Herrn zu richten: den gekreuzigten und auferstandenen Christus“ . Ohne diese Verwurzelung im Evangelium, so warnte er, „läuft alles andere, auch das wunderbare Programm einer synodalen und missionarischen Kirche, Gefahr, bloßes ‚Blabla‘ zu bleiben: Worte, Programme und Aktivitäten, die weder das Herz der Menschen noch das Leben der Gemeinschaften verändern“.
Lazzaro You ging anschließend auf die Synodalität ein und erinnerte daran, dass die „Ratio fundamentalis institutionis sacerdotalis“ von 2016 bereits die „gemeinschaftliche Dimension“ der Ausbildung betont. Weiter hob er hervor, dass das Gemeinschaftsleben im Seminar und „die priesterliche Gemeinschaft“ zusammen mit der Spiritualität „das Übungsfeld" seien, „um jeden Tag mehr zu missionarischen Jüngern und Dienern unserer Brüder und Schwestern zu werden und dabei die Gefahren des Individualismus und des Klerikalismus zu überwinden“. Diese Ausrichtung, so erklärte er, sei von der Synode über die Synodalität weitergeführt worden, deren Schlussdokument forderte, dass die Ausbildung der Kandidaten „im synodalen Stil“ gestaltet werde, was unter anderem „eine bedeutende Präsenz weiblicher Persönlichkeiten“, „eine Einbindung in den Alltag der Gemeinschaften“, „die Erziehung zur Zusammenarbeit mit allen in der Kirche“, „die Ausbildung zur kirchlichen Entscheidungsfindung“ und „die Leidenschaft für die missio ad gentes“ erfordere. Auf dieser Grundlage hat die Arbeitsgruppe 4 der Synode, die von Papst Franziskus beauftragt wurde, die Ratio „aus einer synodalen missionarischen Perspektive“ zu überarbeiten, sich dafür entschieden, das Dokument nicht neu zu verfassen, sondern ein vorläufiges Dokument zu erstellen, das „die beziehungsbezogene Identität der ordinierten Amtsträger in einer synodalen, missionarischen Kirche“ skizziert; dieses wurde im vergangenen März zusammen mit 26 Beispielen für bewährte Praktiken veröffentlicht, die weltweit bereits umgesetzt werden, darunter, wie er anmerkte, „die Einbeziehung von Frauen in das Ausbildungsteam selbst“. Er erinnerte auch an den Ursprung der Internationalen Tagung zur ständigen Weiterbildung der Priester im Jahr 2024: Ein Mitbruder im Bischofsamt habe ihm einmal gesagt: „Jetzt bist du dafür verantwortlich, dass alle Priester der Welt glücklich sind.“
Kardinal You Heung Sik stellte einen Zusammenhang zwischen diesem Weg und dem jüngsten Apostolischen Schreiben von Papst Leo XIV. „Eine Treue, die Zukunft schafft“ her, das anlässlich des 60. Jahrestags der Konzilsdekrete Optatam totius und Presbyterorum Ordinis veröffentlicht wurde. Er wies darauf hin, dass zwei seiner fünf Kapitel den Themen „Treue und Brüderlichkeit“ sowie „Treue und Synodalität“ gewidmet sind. Er zitierte die Frage des Papstes: „Wie könnten wir als Amtsträger denn lebendige Gemeinschaften aufbauen, wenn nicht zuallererst unter uns eine echte und aufrichtige Brüderlichkeit herrschen würde?“, sowie seine Aufforderung an die Priester, „das Modell einer alleinigen Führung, das zur Zentralisierung des pastoralen Lebens und zur Last aller ihm allein anvertrauten Verantwortlichkeiten führt“, zu überwinden und hin zu „einer immer kollegialeren Führung in der Zusammenarbeit zwischen Priestern, Diakonen und dem gesamten Volk Gottes …“ zu gelangen.
(MLK) (Fides-Agentur 8/9/2026)