Rom (Fides) – Am Dienstag, dem 12. Mai 2026, findet in der Aula Magna „Benedikt XVI.“ der Päpstlichen Universität Urbaniana ein Studientag zum Thema „Meilensteine der Kontextuellen Theologie heute“ statt. Die Veranstaltung ist der Tag Teil der fortlaufenden Reflexion über aktuelle Entwicklungen in der theologischen Auseinandersetzung mit kulturellen Kontexten und deren Überschneidungen mit Inkulturationsprozessen.
Im Rahmen des Studientages werden renommierte Gäste und Vertreter des weltweiten Netzwerks theologischer Institute der Universität Urbaniana das Wort ergreifen.
Die Konferenz bietet somit eine wertvolle Gelegenheit, die Vielfalt der theologischen Institute – verbunden mit Seminaren, Instituten und lokalen Studienzentren auf allen Kontinenten – kennenzulernen, die mit der Päpstlichen Universität Urbaniana assoziiert sind.
Der Angliederungsprozess von über 90 Instituten begann in der Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auf Initiative von Papst Paul VI. in einem Kontext, der durch die Anwesenheit zahlreicher Studenten aus afrikanischen Ländern an der Urbaniana geprägt war, die damals mit den oft schwierigen Prozessen der Ablösung kolonialer Herrschaft zu kämpfen hatten.
Unter dem Pontifikat von Papst Franziskus wurde mit der Veröffentlichung der Apostolischen Konstitution „Veritatis Gaudium“ über kirchliche Universitäten und Fakultäten ein wichtiger Meilenstein erreicht. Sie wurde am 8. Dezember 2017 unterzeichnet und trat 2018 in Kraft. Es sei an der Zeit, so der Papst, dass das reiche Erbe an Erkenntnissen – sozusagen ‚in der Praxis‘ erprobt und bereichert durch das beharrliche Engagement für die kulturelle und soziale Vermittlung des Evangeliums, das vom Volk Gottes auf verschiedenen Kontinenten und im Dialog mit verschiedenen Kulturen umgesetzt wird – zusammenfließe, um den kirchlichen Studien jene mutige Erneuerung zu verleihen, die die missionarische Transformation einer Kirche im Aufbruch erfordere
Das Netzwerk der assoziierten Institute verkörpert die Dynamik, die aus dem fruchtbaren Spannungsverhältnis zwischen der Universalität der christlichen Botschaft und der Vielfalt ihrer Ausdrucksformen erwächst. „Dieser Studientag ist Teil eines gemeinsamen Weges mit den angeschlossenen Instituten“, erklärt Pater Étienne-Noël Bassoumboul, ein kamerunischer Priester und Bibelwissenschaftler sowie Professor an der Theologischen Fakultät der Universität Urbaniana, gegenüber Fides. „Wir haben erkannt – und dieser Wunsch ging auch aus dem Netzwerk der Institute hervor –, dass die Zusammenarbeit mit der Universität intensiviert werden muss, um ein echtes Netzwerk zu knüpfen, das über eine rein formale oder bürokratische Bindung hinausgeht. In den zahlreichen vorbereitenden Treffen, die wir abhalten konnten, wuchs der Wunsch, die theologische und akademische Reflexion an diesen Orten weiter zu fördern.“
„Heute unterstützen wir diese Institute bei der Erstellung ihrer Statuten, aber auch in akademischen und wissenschaftlichen Belangen“, so Bassoumboul weiter, „Die Programme müssen von der Universität und anschließend vom Dikasterium für die Evangelisierung und vom Dikasterium für die Kultur und die Bildung genehmigt werden. Danach genießen die Institute jedoch größtmögliche Autonomie.“
So bieten die einzelnen Institute neben Kursen zur alten, mittelalterlichen, neuzeitlichen und zeitgenössischen Kirchengeschichte in der Regel auch Kurse zur Kirchengeschichte in verschiedenen Ländern an. Besonderer Wert wird auf die Kenntnis anderer Religionen, Inkulturation und traditionelle Religionen im interreligiösen Kontext gelegt.
„Es ist wichtig und sinnvoll, weiterhin von ‚kontextueller Theologie‘ zu sprechen“, erklärt Étienne-Noël Bassoumboul, „denn keine Theologie ist losgelöst von der Realität oder dem Kontext, in dem wir leben: unserer Geschichte, unseren individuellen Lebensumständen, unserer gesellschaftliche Situation. Die kontextuelle Theologie betont, im Einklang mit dem Konzil und dem jüngeren Lehramt, dass der kulturelle Kontext zu einem wahren theologischen Bezugspunkt wird, im Dialog mit der Heiligen Schrift und der kirchlichen Tradition. Im Gespräch mit verschiedenen Instituten und bei der Prüfung der uns vorliegenden Curricula und Statuten haben wir beispielsweise Philosophiekurse entdeckt, die sich wichtigen Denkern im Kontext der jeweiligen Länder widmen. Dies ist ein beträchtlicher Gewinn.“
Im Rahmen des Studientags wird Kardinal Víctor Manuel Fernández, Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, im Anschluss an Grußworte von Professor Vincenzo Buonomo, Päpstlicher Delegat und Rektor der Universität Urbaniana, und Professor Pietro Angelo Muroni, Dekan der Theologischen Fakultät, die Eröffnungsansprache halten.
Nach der Ansprache des Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre folgt ein Vortrag von Professor Steve Bevans, emeritierter Professor der „Catholic Theological Union“ von Chicago, mit dem Titel „Meilensteine der Kontextuellen Theologie heute: Woher wir kommen und wohin wir gehen“ („Milestones of Contextual Theology Today: Where We Have Come From, Where We Are Going“. Bevans, eine führender Vertreter der Kontextuellen Theologie, wird die wichtigsten Entwicklungsstufen dieses Ansatzes von seinen Anfängen bis zu seinen Zukunftsperspektiven aufzeigen. Im Anschluss an eine Diskussionsrunde wird die von Professor Aldo Skoda moderierte Veranstaltung mit einem Vortrag von Professor Kokou Mawuena Ambroise Atakpa (Theologische Fakultät der Universität Urbaniana) zum Thema „Kontextuelle Theologie und kultureller Pluralismus in der Wissenschaft“ fortgesetzt. Darin werden die Herausforderungen beleuchtet, die der kulturelle Pluralismus für die theologische Produktion mit sich bringt.
Im zweiten Teil des Studientages werden Vertretern der assoziierten Institute die Möglichkeit haben, unter dem gemeinsamen Thema „Theologie im Dialog mit dem sozialen, kulturellen und kirchlichen Kontext“ einen umfassenden Überblick über die Praktiken der kontextuellen Theologie weltweit zu geben. Zu den Referenten gehören der indische Bischof Peter Paul Saldanha, vom „St. Joseph Institute of Theology“ in Mangalore; Professor Tutoe Tupouniua Toutaiolepo vom „Pacific Regional Seminary“ in Suva (Fidschi); Professor Giuseppe Busani, Direktor des „Missionary Theological Institute“ des Päpstlichen Instituts für die Auslandsmissionen (PIME) in Monza; Professor Michael Wenceslas Tiendrebeogo vom „Institut Théologique Saint Pierre Claver“ in Burkina Faso; und Professor Juan Antonio Nureña Prado vom „Instituto Superior de Estudios Teológicos Juan XXIII“ in Lima. Der Tag schließt mit einem Vortrag von Professor Maurizio Gronchi (Theologische Fakultät der Urbaniana) mit dem Titel „Wie man in verschiedenen Kulturen von Christus spricht“, einer Reflexion über die Möglichkeiten, Christus in pluralen kulturellen Kontexten zu verkünden.
Unterdessen bereiten sich Kardinäle aus aller Welt auf das bevorstehende Konsistorium im Juni vor, zu dem sie auf Einladung von Papst Leo XIV. zusammenkommen. In einem auf den 12. April datierten Brief ekräftigte er die Notwendigkeit, „Evangelii gaudium“ neu zu beleben, „indem zunächst „ehrlich“ geprüft wird, was in den Jahren seit seiner Veröffentlichung umgesetzt und oder nicht umgesetzt wurde“, während insbesondere „der notwendigen Reform der Wege der christlichen Initiation Aufmerksamkeit geschenkt werden“ müsse.
Papst Leo XIV. betonte insbesondere die Bedeutung der Inkulturation in seiner Botschaft an die Teilnehmer des Theologisch-Pastoralen Kongress zu den Marienerscheinungen von Guadalupe am 5. Februar 2026. Der an der Päpstlichen Universität Urbaniana geplante Studientag ist ein Zeichen dafür, dass diese Fragen ernsthaft diskutiert werden. Dabei birgt das Netzwerk der mit der Universität assoziierten theologischen Institute einen lebendigen Schatz, der darauf wartet, entdeckt und bekannt gemacht zu werden.
(ML) (Fides 8/5/2026)