AMERIKA/BOLIVIEN - Wirtschaftskrise führt zu sozialen Spannungen: Bischöf fordern Dialogbereitschaft

Mittwoch, 6 Mai 2026 ortskirchen   politik   wirtschaft   gewerkschaften  

La Paz (Fides) – In Bolivien nehmen die sozialen Unruhen zu, die sich in Protesten, wirtschaftlicher Not und politischen Spannungen äußern.
In den letzten Wochen haben Transportunternehmen, Gewerkschaften, Bauern und indigene Organisationen Straßenblockaden errichtet und zu Streiks aufgerufen, in dem Bestreben Antworten auf ihre Forderungen nach einem wirtschaftlichen und strukturellen Wandel zu erhalten. Die Proteste finden vor dem Hintergrund hoher Inflation, Devisenknappheit und Treibstoffversorgungsproblemen statt – Faktoren, die die sozialen Unruhen verschärft haben.
Diese sozialen Unruhen haben direkte Auswirkungen auf das tägliche Leben, insbesondere auf die Lebensmittelversorgung und den Transport, und treffen die schwächsten Bevölkerungsgruppen besonders hart.
Unterdessen haben führende Vertreter der bolivianischen Kirche ihre Besorgnis über die Eskalation des Konflikts geäußert und die Notwendigkeit friedlicher Lösungen für die Ursachen der sozialen Unruhen betont.
In den letzten Tagen haben sich zahlreiche Bischöfe in Predigten und Pressemitteilungen wiederholt zu diesem Thema geäußert.
Der Bischof von El Alto und Generalsekretär der bolivianischen Bischofskonferenz, Giovani Arana, warnte vor der „konfliktgeladenen Situation“ des Landes, die von sozialen Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheit geprägt sei. In einer seiner Predigten erklärte er: „Keine Strukturreform kann ohne einen Wandel der Einstellung, ethischer Prinzipien und der zentralen Bedeutung des Menschen Früchte tragen.“ Er betonte die Dringlichkeit des Dialogs zwischen den Behörden und der Bevölkerung.
Der Bischof von Sucre und stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz, Ricardo Centellas, stellte in seinen Äußerungen die soziale Dimension der Krise in den Mittelpunkt und rief angesichts der zunehmenden Zerrissenheit des sozialen Gefüges zu Geschwisterlichkeit und Versöhnung auf. In seiner Predigt während der Messe an diesem Sonntag (3. Mai) erklärte er: „Wir sind auf dieser Welt, um einander zu unterstützen, nicht um einander zu zerstören“, und fügte hinzu, dass sich die Geschwisterlichkeit in Christus in „Solidarität, Barmherzigkeit und Mitgefühl“ niederschlagen müsse.
Erzbischof Percy Galván von La Paz rief seinerseits zu einem „aufrichtigen Dialog“ auf, der auf Transparenz und dem Streben nach Gemeinwohl beruhe. In einer Stellungnahme gegenüber der Presse forderte er, politische und ideologische Interessen beiseitezulassen und betonte die Notwendigkeit von Absprachen, die Stabilität und sozialen Frieden wiederherstellen.
Bischof Renán Aguilera von Potosí hob die Auswirkungen der protestbedingten Blockaden auf die ärmsten Familien hervor, die nur eingeschränkten Zugang zu lebensnotwendigen Gütern haben. „Die Schwächsten leiden am meisten“, erklärte er und unterstrich die Dringlichkeit der Wiederaufnahme des Dialogs sowie die Rolle der Kirche als Brücke bei der Suche nach realistischen und gemeinsamen Lösungen.
Der Vorsitzende der Bolivianischen Bischofskonferenz, Bischof Aurelio Pesoa vom Apostolischen Vikariat El Beni, stellte die Lage des Landes in einen Zusammenhang mit einer umfassenderen Reflexion über soziale Verantwortung und verwies auf Probleme wie Treibstoffknappheit, die Gesundheitskrise und Korruption. Er rief zu einer gesellschaftlichen Umkehr auf und erklärte: „Autorität muss stets im Dienste der Gemeinschaft stehen, nicht im Streben nach Profit.“
Erzbischof René Leigue von Santa Cruz stellte die Wirksamkeit von Blockaden und Streiks als Mittel zur Krisenbewältigung infrage und betonte, dass die Wirtschaft zwar wichtig, aber nicht das einzige Problem des Landes sei. In einer Rede am 3. Mai forderte er, den Fokus stärker auf die Probleme im Gesundheitswesen, im Bildungswesen und im Arbeitsmarkt sowie auf andere soziale Notlagen wie Gewalt und Drogenkonsum unter Jugendlichen zu richten. „Wir müssen den Blick weiten, über den Tellerrand hinausschauen und uns auf diese umfassende Realität mit all ihren Problemen konzentrieren“, erklärte er.
(Fides 6/5/2026)


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