ASIEN/IRAK - Nach Anschlag auf USA-Militärbasis in Erbil: Chaldäischer Patriarch äußert sich besorgt über politischen Stillstand

Montag, 14 März 2022 mittlerer osten   ostkirchen   krisengebiete     geopolitik   soldaten  

ankawa.com

Erbil (Fides) - Das chaldäische Patriarchat bedauert den Abschuss von Raketen, die am Sonntag, den 13. März, Angst und Schrecken unter der Bevölkerung von Erbil verbreiteten, und ruft angesichts dieses schwerwiegenden Vorfalls die politischen Kräfte des Landes dazu auf, die Pattsituation und die gegenseitigen Vetos zu überwinden, die im Irak seit Monaten die Bildung einer neuen Regierung verhindern. Diese schwächen Land und setzt es destabilisierenden Operationen externen Kräften. Dies betont der chaldäische Patriarch in einer offiziellen Erklärung zur politischen Lage im Irak, die über die offiziellen Kanäle des chaldäischen Patriarchats nach dem Abschuss von Raketen auf die Hauptstadt der Autonomen Region Irakisch-Kurdistan veröffentlicht wurde.
Zu dem Rakentenbeschuss, zu dem es am Sonntag, den 13. März, um 1 Uhr nachts kam bei dem 12 Raketen iranischer Bauart auf den US-Stützpunkt in der Nähe des Flughafens von Erbil abgefeuert wurden, bekannten sich die „iranischen Revolutionsgarden“. In ihrer Erklärung verwiesen diese auf die Anwesenheit einer "geheimen israelischen Militärdelegation" auf dem betroffenen US-Stützpunkt. Dazu wurde in Bagdad der iranischen Botschafter einbestellt, um den förmlichen Protest der Behörden gegen den Angriff zum Ausdruck zu bringen, während zwei der wichtigsten irakischen Parteien, das Wahlbündnis "Saeroun" (des Schiitenführers Muqtada al Sadr) und die Demokratische Partei Kurdistans, die Einsetzung einer Untersuchungskommission im Hinblick auf die angebliche Anwesenheit israelischer Teams in Erbil prüfen.
Das Attentat in Erbil bestätigt die chronische politisch-institutionelle Schwäche des Landes, das dadurch durchlässig für terroristische Anschläge oder Überfälle ist. Angesichts dieser Situation bekräftigt das chaldäische Patriarchat, dass die Probleme des Landes nur durch einen Dialog zwischen den politischen und sozialen Kräften gelöst werden können, "um eine bessere Zukunft für alle zu gewährleisten, und nicht durch zerstörerische Waffen". Unter den gegenwärtigen kritischen Umständen ruft das chaldäische Patriarchat alle Iraker dazu auf, "ihre Reihen zu schließen und ihre Kräfte zu bündeln, um die Bildung einer nationalen Regierung zu erreichen, die in der Lage ist, all ihre Verantwortlichkeiten zu übernehmen, um die Sicherheit des Landes vor jeglichen negativen Auswirkungen zu bewahren, insbesondere jetzt, da sich die Beziehungen des Irak zu vielen Ländern, insbesondere zu den Nachbarländern, zu verbessern beginnen und die Hoffnung besteht, dass neue Schritte in diese Richtung unternommen werden können".
Im Irak sieht die ethnisch-konfessionelle Aufteilung der institutionellen Ämter vor, dass das Staatsoberhaupt aus den Reihen der kurdischen Politiker gewählt wird, während der Parlamentspräsident ein Sunnit und der Premierminister ein Schiit ist. Bei den Parlamentswahlen am 10. Oktober 2021 wurde das Wahlbündnis des Schiitenführers Muqtada al Sadr klar bestätigt, das nun 73 der 329 Sitze im Parlament innehat. Andererseits hat sich das parlamentarische Gewicht der pro-iranischen schiitischen Parteien verringert, die die Wahl angefochten haben. Vor diesem Hintergrund ist es bislang nicht gelungen, eine neue Regierung zu bilden oder einen neuen Präsidenten zu wählen.
(GV) (Fides 14/3/2022)


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