ASIEN/TÜRKEI - Ukrainischer Präsident dankt Patriach Bartholomäus für geistlichen Beistand

Montag, 28 Februar 2022 ostkirchen     krisengebiete   kriege   geopolitik  

ukrinform.net

Istanbul (Fides) - "Danke für das herzliche Gespräch, Eure Heiligkeit Bartholomäus. Ihre Worte sind wie Hände, die uns in diesem schwierigen Moment tragen", mit diesen Worten dankt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dem griechsich-orthodoxen Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I., am dritten Tag nach dem Einmarsch der russischen Streitkräfte in das ukrainische Hoheitsgebiet für die geistliche Unterstützung danken, die ihm und dem gesamten ukrainischen Volk durch Primas der orthodoxen Kirchen zuteilwurde. Selenskyj hatte am Abend des gestrigen Sonntags, 27. Februar, den telefonischen Kontakt zu Patriarch Bartholomäus gesucht. "Die Ukrainer spüren die geistige Unterstützung und die Kraft Ihrer Gebete. Wir hoffen auf den schnellstmöglichen Frieden", fügte der ukrainische Präsident in einer Nachricht hinzu, die er auf seinem Twitter-Account zu dem Telefonat mit dem Patriarchen veröffentlichte.
In einer Botschaft, die am Donnerstag, den 24. Februar, veröffentlicht wurde, als die ersten Nachrichten über die russische Militärinvasion in der Ukraine bekannt wurden, hatte Patriarch Bartholomäus sein "tiefes Bedauern" über den „Akt eklatanter Verletzung jeglicher internationaler Legitimität“ zum Ausdruck gebracht. Bartholomäus betonte auch seine Verbundenheit mit dem ukrainischen Volk und würdigte dessen Absicht, die Integrität seiner Heimat zu verteidigen. "Wir müssen beten", fügte der Patriarch von Konstantinopel hinzu, "dass unser Gott, der Gott der Liebe und des Friedens, die Führung der Russischen Föderation erleuchtet, damit sie die tragischen Folgen ihrer Entscheidungen und Handlungen versteht, die auch einen Weltkrieg auslösen können".
Im August 2021 nahm Patriarch Bartholomäus auf Einladung von Präsident Selenskyj als Ehrengast an den Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Unabhängigkeit teil. Bereits bei dieser Gelegenheit hatte Selenskyj Patriarch Bartholomäus für seine "bedingungslose persönliche Unterstützung für die Souveränität, die territoriale Integrität und die Unabhängigkeit der Ukraine" sowie für seine "Gebete für den Frieden" gedankt.
In den letzten Jahren hatten die schwersten Verwerfungen innerhalb der orthodoxen Kirchen ihr Epizentrum in der Ukraine. Die Auseinandersetzungen, die zum Bruch zwischen dem Patriarchat von Konstantinopel und dem Patriarchat von Moskau führten, waren von Anfang an mit Konflikten verbunden, die auch durch geopolitische Dominanzbestrebungen geschürt wurden. Der Konflikt zwischen der Kirche von Konstantinopel und der Kirche von Moskau hatte immer schwerwiegendere Formen angenommen, nachdem das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel der ukrainisch-orthodoxen Kirche am 6. Januar 2019 die "Autokephalie“ zuerkannt und damit die Entstehung einer ukrainischen Kirchlichen aus kanonischer Sicht legitimiert hatte, und sie von allen hierarchischen Bindungen an das Moskauer Patriarchat löste.
Der derzeitige ukrainische Präsident, der in der russischsprachigen Stadt Krywyj Rih in der Ostukraine aufgewachsen ist, stammt aus einer, wie er es nannte, "ganz normalen sowjetischen jüdischen Familie" und fügte hinzu, dass die meisten jüdischen Familien in der Sowjetunion nicht praktizierend Juden waren. Während des Zweiten Weltkriegs kam ein Großteil der Familie des 44-jährigen Selenskyj durch die das nationalsozialistische Regime ums Leben. Sein Großvater Semjon Iwanowitsch Selenskyj kämpfte während des Zweiten Weltkriegs unter der Flagge der Roten Armee. Im Januar 2020 nahm Präsident Selenskyj in Israel an den Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen teil.
(GV) (Fides 28/2/2022)


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