ASIEN/PAKISTAN - Verfolgung religiöser Minderheiten: Ahmadiyya ermordet und zum Tode verurteilt

Donnerstag, 12 Oktober 2017 religiöse minderheiten   menschenrechte   religionsfreiheit   blasphemie   gewalt   islam  

Sheikhupura (Fides) – Ein Anwalt wurde zusammen mit seiner Frau und dem zweijährigen Sohn von Unbekannten in ihrem Haus in Sheikhupura ermordet. Ein weiterer fünfjähriger Sohn, der sich unter dem Bett versteckt hatte, überlebte den Anschlag. Der Anwalt Rauf Ahmad Thakur und seine Familien waren Angehörige der Ahmadiyya- Gemeinde. Wie aus ersten Ermittlungen hervorgeht, könnte es sich um ein “Ehren-Delikt” handeln, da die Familie der Frau von Rauf Ahmad Thakur der Ehe mit dem Ahmadi nicht zugestimmt hatte.
Drei weitere Mitglieder der Glaubensgemeinschaft, die als religiöse Minderheit in Pakistan lebt, wurden von einem erstinstanzlichen Gericht in Sheikhupura (Punjab) wegen Blasphemie zum Tode verurteilt. Die drei Verurteilten sollen Plakate zerrissen haben, die von Muslimen aufgehängt worden waren und zum Boykott der Ahmadiyya aufriefen. Auf den zerrissenen Plakaten waren nach Angeben des Richters Verse aus dem Koran abgedruckt, weshalb der Straftatbestand der "Blasphemie" gegeben sei und die Todesstrafe verhängt wurde.
Im Zusammenhang mit dem Mord und der Gewalt gegen Ahmadi fordert der Menschenrechtsanwalt Sardar Mushtaq Gill “strenge Maßnahmen gegen Schuldige und religiöse Fanatiker, die die Gesellschaft polarisieren und Gewalt gegen religiöse Minderheiten in Pakistan verüben”.
In den vergangenen Tagen wurde in Pakistan auch erneut den Ausschluss der Mitglieder der Ahmaddiya-Gemeinde aus öffentlichen Ämtern und vom Militärdienst. Die Ahmadiyya wurde mit einer Verfassungsänderung des Jahres 1974 während der Letzten Amtszeit von Zulfikar Ali Bhutto als “nichtmuslimisch” erklärt. Diese Verfassungsänderung bestätigte auch der ehemalige Präsident Zia ul-Haq, der unter Strafe stellte, wenn Ahmadi sich selbst als Muslime bezeichnen oder den eigenen Glauben als Islam. Mitglieder der Gemeinde dürfen weder predigen noch religiöses Material verteilen oder an Pilgerreisen nach Saudi-Arabien teilnehmen.
Die als häretisch betrachtete Glaubensgemeinschaft der Ahmadiyya wird mit ihren rund 5 Millionen Mitgliedern in Pakistan systematisch verfolgt. Die Ablehnung gegenüber Ahmadi von verschiedenen religiösen Gruppen befeuert. Die Glaubensgemeinschaft der Ahmadiyya wurde 1889 in Indien von Mirza Ghulam Ahmad gegründet.
(PA) (Fides 12/10/2017)


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