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Von Marie-Lucile Kubacki
Kuching (Fides) – Anlässlich des „Ad-limina“-Besuchs der malaysischen Bischöfe im Juni 2026 überreichte der Erzbischof von Kuching, Simon Poh, Papst Leo XIV. ein Exemplar des Projekts „Identity:Identified“, einer neuen interaktiven Ausgabe des Neuen Testaments für junge Menschen.
Die interaktive Bibel ist bereits auf Englisch und Bahasa Indonesia zugänglich und wird derzeit in mehrere weitere Sprachen übersetzt, darunter Spanisch – ein Zeichen für das wachsende Interesse in verschiedenen Teilen der Welt.
Als pastorale und missionarische Initiative konzipiert, ist „Identity:Identified“ eine besondere Ausgabe des Neuen Testaments „die sich an junge Menschen richtet, die normalerweise nicht zur Bibel greifen und die gerade als Teenager Schwierigkeiten haben, ihre Berufung im Leben zu ‚identifizieren‘ – insbesondere das, was Gott für sie vorgesehen hat“, erklärt John Bergin gegenüber Fides, der eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung des Projekts spielte.
Die Inspiration entstand unter anderem aus der Reflexion über die Themen der Jugendsynode 2018 sowie aus einer zutiefst persönlichen Erfahrung von Trauer in seiner Familie, die in ihm die Hoffnung weckte, ein solches Instrument könne zumindest einen Jugendlichen davor bewahren, aus Verzweiflung seinem Leben ein Ende zu setzen. „Es wurde gezielt entwickelt, um jungen Menschen vielleicht das Wichtigste überhaupt zu geben: Hoffnung“, fügt er hinzu.
Seit vielen Jahren arbeitet Bergin mit Bibelgesellschaften weltweit zusammen, „um sie bei der Entwicklung von Strategien zur Förderung und Finanzierung der Verbreitung der Heiligen Schrift zu unterstützen und ihnen zugleich zu helfen, die Funktionsweise der katholischen Kirche zu verstehen – insbesondere, wie sie die Erneuerung der Bibellektüre und des Bibelstudiums versteht (vor allem durch den dreijährigen Lesezyklus)“. Diese Vermittlungserfahrung zwischen Bibelgesellschaften und katholischer Pastoral hat dazu beigetragen, „Identity:Identified“ als Brücke zwischen dem biblischen Text und den konkreten Lebensfragen junger Menschen zu konzipieren.
Zentrales Element ist das gedruckte Neue Testament. In den Text integrierte QR-Codes führen zu Videobeiträgen, in denen junge Menschen ihre persönlichen Geschichten erzählen. „Am Ende sagen sie: ‚Du kannst meine Geschichte im Evangelium lesen‘“, erklärt Erzbischof Poh. „Auf diese Weise führt das Zeugnis direkt zum Wort Gottes zurück.“
Diese oft bewegenden Lebensgeschichten greifen universelle Erfahrungen wie Zurückweisung und Einsamkeit auf, für die sich im biblischen Text Deutungsperspektiven finden lassen. Der Leser entdeckt, wie manche Prüfungen bewältigt haben, indem sie sich von biblischen Gestalten leiten ließen, die selbst durch die Pädagogik Gottes geformt wurden. So entsteht eine lebendige, interaktive Leseerfahrung der Heiligen Schrift.
„Identity:Identified“ ist somit ein pastorales Instrument, das junge Menschen von ihren konkreten existenziellen Fragen her erreichen will. Der Text des Neuen Testaments bleibt unverändert, wird jedoch durch 24 vierseitige Einlagen ergänzt, die sich mit den zentralen Herausforderungen von Jugendlichen befassen, wie sie auf der Jugendsynode zur Sprache kamen. Das Material, verfasst von verschiedenen Autoren, behandelt diese Themen aus katholischer Perspektive. Zu den behandelten Themen zählen Einsamkeit, Gruppendruck, das Leben in einer sexualisierten Welt, Online-Mobbing, der Umgang mit Zurückweisung, die Sinnsuche („Warum bin ich hier?“), die Frage „Wo ist Gott, wenn es weht tut?“, Angst, verantwortungsvolle Entscheidungen, die Frage „Ist das Leben wirklich lebenswert?“ sowie der Klimawandel. Die Texte stammen von Bischöfen und Theologen aus sieben Ländern des asiatisch-pazifischen Raums, darunter Kardinal John Dew (Neuseeland), Erzbischof Mark Coleridge (Australien), der verstorbene Kardinal Cornelius Sim (Brunei), Erzbischof Simon Poh (Malaysia), Bischof Broderick Pabillo (Philippinen), Bischof Michael Dooley (Neuseeland) sowie weitere katholische Autoren aus verschiedenen Ländern.
„Wir identifizieren die Fragen, die junge Menschen stellen, und begleiten sie bei ihrer Suche nach Identität im Licht des Wortes Gottes“, erklärt Bischof Simon Poh gegenüber Fides. Jedes Thema folgt dabei einer einfachen Struktur: „Was die Bibel sagt, was die Kirche sagt und wie darauf konkret geantwortet werden kann“.
Unter der Leitung der „Bible Society of New Zealand“ und in Zusammenarbeit mit den „United Bible Societies“ sowie katholischen Partnern steht das Projekt in einem ökumenischen Kontext. „Bibelgesellschaften leisten einen ökumenischen Dienst für die Kirchen“, betont Pfarrer Ian Stefanow, Generalsekretär der „Catholic Bible Federation“. „Es geht dabei zunächst einmal nicht um Konfessionen.“ Diese Zusammenarbeit zeigt sich auch in der internationalen Entwicklung des Projekts. Eine spanische Ausgabe wird derzeit für Lateinamerika vorbereitet. „Der biblische Text wird aus einer protestantischen Ausgabe stammen, die Anmerkungen jedoch aus einer katholischen Bibel“, erklärt Pfarrer Stefanow und spricht von „einer gut abgestimmten Zusammenarbeit“.
Jede neue Version erfordert jedoch eine umfangreiche kulturelle Anpassung, insbesondere im audiovisuellen Bereich. „Die Beiträge müssen neu gestaltet werden, da sich der Kontext verändert“, erläutert er und betont, dass diese Elemente „den anspruchsvollsten Teil des Projekts“ darstellen. Diese besondere Ausgabe des Neuen Testaments wurde bereits in Neuseeland, Australien, Vietnam, Malaysia, Indonesien und Kanada eingeführt und in mehrere Sprachen übersetzt. Vor allem in Neuseeland wurden Hunderte Exemplare von verschiedenen Schulen bestellt, die sie im Religionsunterricht als Pflichtlektüre verwenden.
In einer Zeit, in der Initiativen zur Heranführung junger Menschen an die Bibel zunehmen, zeichnet sich „Identity:Identified“ durch die enge Verbindung von Text, pastoraler Begleitung und digitalen Instrumenten aus. Das Projekt ist auch über eine „App“ zugänglich und versucht, auf neue Zugangsweisen zum Glauben zu reagieren. „Die Herausforderung besteht heute darin, Wege zu finden, junge Menschen wieder mit dem Wort Gottes in Verbindung zu bringen“, fügt Pfarrer Stefanow hinzu. „Dazu gehört auch, neue Ausdrucksformen zu finden.“ Nach dem „Malaysian Youth Day“ im vergangenen Jahr wandte sich eine junge Frau an Erzbischof Poh und fragte, wo sie die „GenZ-Bibel“ erhalten könne. „Erst da wurde mir bewusst, dass die junge Generation Z ‚Identity:Identified‘ angenommen hat und dass dieses Projekt ihr Herz erreicht hat“, berichtete er Fides.
Über sein Format hinaus ist das Projekt Teil eines wachsenden Augenmerks für die Bibel im Leben der Kirche, insbesondere in Asien und Lateinamerika, wo sich vielfältige Formen der Bibelpastoral entwickeln.
(Fides, 29/06/2026)