© UNHCR Colin Delfosse
N’Djamena (Fides) – Nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Sudan im Jahr 2023 zählt der Tschad zu den Ländern mit den weltweit höchsten Flüchtlingszahlen. Die meisten sudanesischen Flüchtlinge im Tschad stammen aus Darfur, einer Region, die bereits im Zentrum eines Bürgerkriegs stand, der von 2003 bis 2020 andauerte.
Laut Daten der Organisation „Development Action Platform“ vom Januar letzten Jahres sind 904.000 sudanesische Flüchtlinge im Tschad registriert – eine enorme Zahl, die zu den bereits im Land befindlichen 400.000 Flüchtlingen hinzukommt.
Die Lebensbedingungen der nach 2023 eingereisten Flüchtlinge analysiert eine vom UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) durchgeführte Studie. Die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass die Bemühungen des Tschad zur Bewältigung der Krise nicht ausreichen.
In 76 % der Fälle gaben die befragten Familien an, dass ihre minderjährigen Kinder die Schule abgebrochen haben.
Dies ist ein sehr hoher Prozentsatz, insbesondere angesichts der zahlreichen Berichte über die Initiativen der Regierung in N’Djamena, die sich seit Jahren für den Zugang sudanesischer Schüler zu Bildung einsetzt. Ein Beispiel dafür ist die Organisation der Schulprüfungen im vergangenen September. Über 5.000 Schüler konnten ihr Schuljahr abschließen und sich für das kommende einschreiben. Das Programm wurde von UNHCR und UNICEF auf vielfältige Weise unterstützt, unter anderem durch den Transport von Schülern aus Flüchtlingslagern zu den Prüfungsorten, die Verteilung von Lernmaterialien und die psychologische Betreuung der Schüler.
Die Umfrage ergab weitere Ergebnisse: Nur 48 % der Befragten gaben an, Zugang zu medizinischer Versorgung im Tschad zu haben, während lediglich 10 % über sanitäre Einrichtungen verfügten. Darüber hinaus berichteten 32 %, bei ihrer Flucht körperliche Gewalt erlebt zu haben, und 20 % gaben an, noch Verwandte im Sudan zu haben. Von diesen können 84 % das vom Krieg zerrüttete Land aufgrund fehlender Transportmöglichkeiten nicht verlassen, während 7 % aus Angst vor willkürlicher Verhaftung nicht ausreisen.
Eines der größten Probleme ist der Mangel an Ausweispapieren für Geflüchtete: Ganze 87 % der Befragten gaben an, keine zu besitzen, entweder weil sie diese verloren hatten oder sie ihnen während ihrer Flucht von bewaffneten Milizen abgenommen wurden. Der Mangel an Ausweispapieren verhindert den Zugang zu den Dienstleistungen der lokalen Behörden. Die Bereitstellung von Ausweispapieren für sudanesische Geflüchtete ist die Herausforderung, der sich die tschadische Regierung in den kommenden Monaten stellen muss, um zu verhindern, dass die Flüchtlingsversorgung in eine Krise mündet.
In den letzten Jahren wurden bereits Maßnahmen für Geflüchtete eingeführt, die sich vor Ausbruch des Konflikts im Sudan im Land befanden. Dazu gehören das Asylgesetz von 2020 sowie die 2019 verabschiedeten Dekrete zum Rechtsschutz und zur biometrischen Identitätserfassung.
(CG) (Fides 26/3/2026)
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