Der offene Himmel, die Mission des Bischofs und die Gnade, eine kleine Herde zu sein

Mittwoch, 30 September 2026 mission   ortskirchen   bischöfe   weihen  

© 2026, Janez A Sever, SJ


Von Kardinal Giorgio Marengo*

Rom (Fides) – Am Dienstag, 29. September, ist der Jesuit Anthony James Corcoran unter den Gewölben der Basilika Sankt Paul vor den Mauern in Rom zum Bischof geweiht worden. Kardinal Giorgio Marengo, der die Predigt hielt, lud ihn ein, den Blick auf die von Christus verheißenen „größeren Dinge“ zu richten. Dies gelte auch angesichts der konkreten Anforderungen des pastoralen Dienstes an der kleinen katholischen Gemeinschaft in Kirgisistan.

Bischof Corcoran ist seit 2017 Apostolischer Administrator von Kirgisistan. Nun beginnt für ihn ein neues Kapitel seines Dienstes in diesem Land. Mit Zustimmung von Kardinal Marengo veröffentlichen wir im Folgenden seine aus dem Englischen übersetzte Predigt.

§§§

„Ihr werdet den geöffneten Himmel sehen …“
In Kirgisistan – wie auch in der Mongolei und den Ländern Zentralasiens – erstreckt sich der Himmel weit über den Horizont. Er scheint beinahe wirklicher zu sein als die Erde unter den eigenen Füßen.

Für diese Völker ist der ewige Himmel – Tengri – das prägende Element ihrer überlieferten Spiritualität und ihrer Beziehung zu Gott. In Christus aber hat sich dieser Himmel geöffnet und bleibt offen. So können wir Gott, der Mensch geworden ist, betrachten und in eine einzigartige und persönliche Beziehung zu ihm treten. In Jesus Christus steht allen ein neuer und endgültiger Zugang zum dreifaltigen Gott bereit.
Dieses Geschenk des Heils in Christus erreicht uns in sakramentaler Gestalt. Es wird also durch jene vermittelt, die Christus als seine Braut mit sich vereint hat: die heilige Kirche. Wie das Zweite Vatikanische Konzil in Erinnerung gerufen hat, ist „Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit.“ (Gaudium et Spes, 1).

Papst Leo XIV. hat diese Wahrheit erst kürzlich bekräftigt. Er stellte fest, die Kirche „identifiziert sich nicht vollkommen mit dem Reich Gottes, sondern ist dessen Saat und Anfang, denn seine Vollendung wird der Menschheit und dem Kosmos erst am Ende geschenkt werden; […] sie verkündet nicht sich selbst. Im Gegenteil: Alles in ihr muss auf das Heil in Christus verweisen“.
Aus genau diesem Grund wollte der Heilige Vater – als Nachfolger des heiligen Petrus und im Blick auf das Wohl des Gottesvolkes in Kirgisistan –, dass dessen Ordinarius ein Bischof sei. Auf diese Weise nimmt er am Charisma der Apostel teil. Mit ihnen ist die Weitergabe des Glaubens über die Generationen hinweg und in der ganzen Welt untrennbar verbunden.
Deshalb ist dies ein großer Festtag für die Kirche in Kirgisistan und für die gesamte Bischofskonferenz Zentralasiens. Sie ist hier durch mehrere ihrer Mitglieder erfreulich zahlreich vertreten.

Wir sind heute alle eng um dich versammelt, lieber erwählter Bischof Anthony. Wir betrachten, wie der Herr dich bis zu diesem Tag geführt hat. Das soeben verkündete Evangelium erinnert uns daran, wie sehr wir Christus bekannt sind und wie intensiv er uns liebt: „Schon bevor Philippus dich rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.“
Natanaël war ein gebildeter Mann. Darauf könnte das Bild des Feigenbaums hindeuten, der mit dem Baum des Gesetzes verbunden war. Zugleich war er in der religiösen Praxis bewandert.

Das gilt auch für dich, lieber Anthony. Du hast Abschlüsse in Politikwissenschaft und Theologie erworben und in mehr als vierzig Jahren Ordens- und Missionstätigkeit umfangreiche apostolische Erfahrungen gesammelt. Und doch entdecken du und wir alle, dass Christus uns weit tiefer kennt. Seine Kenntnis von uns geht unseren eigenen Anstrengungen voraus.
Du bist ihm gefolgt, als du in die Gesellschaft Jesu eingetreten bist. Du hast in der Russischen Föderation gedient, insbesondere in Sibirien: als Provinzial, als Rektor des Priesterseminars von Nowosibirsk, als Pfarrer und als Generalvikar derselben Diözese. Später hast du mehrere Jahre in Kirgisistan gewirkt.

Heute beginnt ein neuer Abschnitt deiner Nachfolge Christi. Du trittst in das Kollegium der Apostel ein.
So tief vom Herrn erkannt und geliebt zu sein, öffnet uns für die Erkenntnis und Betrachtung „größerer Dinge“. Ein Bischof ist ein Jünger des Herrn mit einem weiten und tiefen Blick. Er entscheidet sich jeden Tag neu, den Blick auf „größere Dinge“ zu richten. So führt er das ihm anvertraute Volk zum Herrn.
Der bischöfliche Dienst bedeutet heute – besonders angesichts der Komplexität einer sich schnell wandelnden Welt und im Umfeld einer noch jungen Kirche wie jener in Kirgisistan –, sich täglich mit sehr konkreten pastoralen Fragen auseinanderzusetzen: mit Strukturen, Projekten und Initiativen.

Wir wissen zum Beispiel, dass ihr den Bau der Kathedrale von Bischkek begleitet. Zugleich pflegt ihr gute Beziehungen zur örtlichen Regierung und widmet euch vielen weiteren Vorhaben.
Doch der Bischof kümmert sich um all diese Fragen nicht wie der Geschäftsführer eines Unternehmens. Er tut es als Mann Gottes, der Christus, dem Guten Hirten, immer ähnlicher wird. Er weiß, wie er seinen Blick und sein Herz beständig auf Gott richten muss.
Der Ort, den wir für diese feierliche Liturgie gewählt haben, erinnert uns eindringlich an diese grundlegende Wahrheit: Christus ähnlich zu werden. So wie der heilige Paulus, der schließlich sein Leben für ihn hingab – als höchstes Zeugnis der Treue und Selbsthingabe. „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20).

Hier, unmittelbar unter dem Konfessionsaltar, werden die Ketten zur Verehrung der Gläubigen aufbewahrt. Der Überlieferung zufolge sollen sie den Leib des heiligen Paulus während seiner Gefangenschaft in Rom gefesselt haben.
Paulus war ein großer Apostel, weil er ein großer Kontemplativer war. Er wusste, dass er ein übernatürliches Geschenk empfangen hatte. Und er wusste, dass die Verkündigung des Evangeliums zunächst eine geistliche Angelegenheit ist – im tiefsten Sinn des Wortes. Der Heilige Geist ist dabei der eigentliche Handelnde. Der Diener des Evangeliums wird durch die Vertrautheit mit Christus, dem Herrn, verwandelt.
Das gilt auch für dich, lieber erwählter Bischof Anthony, wenn du heute deinen bischöflichen Dienst beginnst. Dieser Dienst wird umso mehr Frucht bringen, je mehr du selbst als Erster die Gnade in dir aufnimmst, die du anschließend an die Menschen weitergeben sollst, die dir anvertraut sind.

Heute nehmen wir an einer Liturgie teil, die reich an ausdrucksstarken Zeichen ist. Neben den Texten des Gebets – die wir in einer ununterbrochenen Reihe empfangen und weitergegeben haben, die bis in die Anfänge der apostolischen Gemeinschaft zurückreicht – begegnen uns alte und feierliche Gesten.
Dazu gehören die heilige Salbung, die Prostration des Erwählten und das über seinem Haupt aufgeschlagene Evangeliar. Hinzu kommen die bischöflichen Insignien: Ring, Mitra und Hirtenstab.

Das ist die Schönheit der heiligen Liturgie. Hier wird sie von der benediktinischen Gemeinschaft bewahrt und gepflegt.
Alles verweist auf ein übernatürliches Geschenk. Es verbindet dich, lieber Bischof Anthony, mit dem Kollegium der Apostel. Durch die dir geschenkte Gnade erhältst du die Vollmacht, das heilige Volk Gottes im Glauben zu führen, insbesondere das Volk Gottes in Kirgisistan.
Papst Franziskus hat uns daran erinnert, als er sich während seines Apostolischen Besuchs in Kasachstan 2022 an uns Ordinarien Zentralasiens wandte:

„Das Evangelium sagt, dass es ein Segen, eine Seligpreisung und sogar die erste der Seligpreisungen ist, ‚klein‘ und arm im Geist zu sein (vgl. Mt 5,3). Wenn wir unsere Kleinheit erkennen, können wir uns demütig der Macht Gottes anvertrauen. Er lehrt uns, unser kirchliches Handeln nicht auf unsere Fähigkeiten zu gründen. Das ist eine Gnade!“
Dann beschrieb er die Wirklichkeit unserer Teilkirchen:
„Ich wiederhole: Darin, eine kleine Kirche, eine kleine Herde zu sein, liegt eine verborgene Gnade. Denn statt unsere Kräfte, unsere Zahl, unsere Strukturen und andere Dinge zur Schau zu stellen, die menschlich gesehen wichtig sind, können wir uns vom Herrn führen lassen und uns den anderen demütig nähern.

Reich an nichts und arm an allem, gehen wir an der Seite unserer Schwestern und Brüder. Wir tragen die Freude des Evangeliums in die Situationen des täglichen Lebens. Wie der Sauerteig im Teig und wie das kleinste der Samenkörner, die in die Erde gesät werden (vgl. Mt 13,31-33), können wir uns in die freudigen und schmerzlichen Ereignisse der Gesellschaft, in der wir leben, einbringen, um ihr von innen heraus zu dienen.“

Nur wenige Stunden zuvor hattest du, lieber Bischof Anthony, gemeinsam mit deinen Mitbrüdern aus der Gesellschaft Jesu den Heiligen Vater getroffen. Das Foto von Papst Franziskus mit der traditionellen Kopfbedeckung Kirgisistans hatte sich bereits im Internet verbreitet.
Unser Dienst in Zentralasien fördert tatsächlich den Dialog mit der Gesellschaft. Zugleich bereichert er die Weltkirche durch die einzigartigen Gaben der Völker, mit denen wir gemeinsam auf dem Weg des Glaubens sind.

Liebe Brüder und Schwestern, lassen wir uns deshalb von den Geheimnissen, die wir feiern, ergreifen und anziehen. Wir stehen unter dem Licht und dem Leben des Auferstandenen. Unser Bruder Anthony tritt heute in das Kollegium der Apostel ein.
Beten wir für ihn. Möge der neue Abschnitt seines Lebens, der heute beginnt, stets unter dem Schutz der Erzengel und der Königin der Apostel und der Engel stehen: der seligen Jungfrau Maria, der Mater Domini, die dem heiligen Ignatius von Loyola so lieb und teuer war.
Gerade vor diesem Bild kann man sagen, dass die Gesellschaft Jesu wirklich ins Leben gerufen wurde. Wir vertrauen Sie, Exzellenz, der Jungfrau Maria an – deren frommer Sohn Sie auch weiterhin sein werden, indem Sie ihre Botschaft des Trostes und der evangelischen Freude verbreiten.

(Fides 30.9.2026)

* Apostolischer Präfekt von Ulaanbaatar


Teilen: