Diocese of Vellore /Catholic Connect
Vellore (Fides) – „Eine bedeutende Entwicklung in Tamil Nadu ist die Wahl eines katholischen Ministerpräsidenten. Der bekannte indische Schauspieler C. Joseph Vijay, Vorsitzender der Partei Tamilaga Vettri Kazhagam (TVK), wurde am 10. Mai vereidigt. Seine Wahl markiert einen wichtigen Wendepunkt in der regionalen politischen Landschaft und beendet die fast 60-jährige Dominanz der beiden dravidischen Parteien“, erklärt Bischof Ambrose Pitchaimuthu von Vellore (Tamil Nadu) und Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Indien, gegenüber Fides. Die vom Bischof erwähnten dravidischen Parteien sind regionale politische Gruppierungen in Indien, die fast ausschließlich im Bundesstaat Tamil Nadu, einem wichtigen Bundesstaat Südindiens, beheimatet sind und deren ideologische Wurzeln in der dravidischen Bewegung liegen, einer Bewegung für soziale Reformen und sprachlich-kulturellen Prägung, die dort zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand.
„Dem neuen Ministerpräsidenten ist es gelungen, ein langjähriges Zweiparteiensystem zu durchbrechen“, so Erzbischof Pitchaimuthu, „Er ist zwar katholisch, wurde aber mit breiter Unterstützung gewählt. Seine neue Partei genießt großen Zuspruch in der Bevölkerung. Nach 60 Jahren, in denen sich zwei Parteien an der Macht abgewechselt hatten, wünschten sich die Menschen in Tamil Nadu dringend einen Wandel. Sie wollten einen Durchbruch und beklagten Korruption und Vetternwirtschaft.“ Die beiden regionalen Parteien, die historisch in dem Bundesstaat verwurzelt sind, sind: die „Dravida Munnetra Kazhagam“ (DMK) säkular, progressiv und regionalistisch, und die „All India Anna Dravida Munnetra Kazhagam“ (AIADMK) ebenfalls regionalistisch, mit Verbindungen zu Sozialpolitik und charismatischen Führungspersönlichkeiten.
„Katholiken machen in Tamil Nadu etwa 12 % der Bevölkerung aus, Christen hingegen 30 % der rund 77 Millionen Einwohner des Bundesstaates. Der religiöse Faktor spielte bei der Wahl jedoch keine Rolle, obwohl hinduistische Randgruppen versuchten, C. Joseph Vijay aufgrund seiner Religion zu diskreditieren“, erklärt der Bischof.
„Er war Schauspieler, was ihm große Popularität einbrachte“, bemerkt Bischof Pitchaimuthu zum kometenhaften Aufstieg des neuen Ministerpräsidenten, „Ich erinnere mich, dass er früher in Fernsehserien einen Politiker spielte; jetzt ist er ein echter, professioneller Politiker. Und es ist kurios, dass es in den sozialen Medien Überschneidungen zwischen realen politischen Diskussionen und inszenierten Beiträgen (also Ausschnitten aus Fernsehserien, in denen er einen Politiker spielte) gibt“.
„Die neue Partei“, fährt er fort, „ist mit hochtrabenden Versprechen und Ankündigungen angetreten. Im Wahlkampf versprach sie kostenlosen Strom, Löhne für Frauen, ein monatliches Arbeitslosengeld für junge Menschen und Studentenkredite von bis zu zwei Millionen Rupien: Maßnahmen mit starker emotionaler und sozialer Wirkung. Genau darin liegt nun die Herausforderung. Meiner Meinung nach kann und muss sie der Bevölkerung ehrlich sagen, welche Maßnahmen unter Berücksichtigung des Staatshaushalts tatsächlich umsetzbar sind.“
Beobachtern zufolge würde die Umsetzung all dieser Wahlversprechen die Staatskasse stark belasten. Vijays Regierung hat von der Vorgängerregierung einen hohen Schuldenberg geerbt, und ihre größte Herausforderung wird darin bestehen, die notwendigen Mittel ohne neue Steuern aufzubringen.
„Die Bevölkerung des Bundesstaates setzt große Erwartungen in die neue Regierung“, so der Bischof von Vellore abschließend, „Die Regierung des Bundesstaates, eine Koalitionsregierung, weist eine starke christliche Repräsentation auf – ein Novum: Neben dem katholischen Ministerpräsidenten ist erstmals in der Geschichte auch der Finanzminister katholisch, und der Parlamentspräsident ist ebenfalls Christ. Wir als Bischöfe werden uns mit ihm treffen und unsere Bereitschaft zur Zusammenarbeit für das Wachstum, die Entwicklung und den Fortschritt Tamil Nadus sowie zur Förderung des sozialen Zusammenhalts, der Grundlage des Wohlstands, zum Ausdruck bringen.“
Unmittelbar nach seinem Amtsantritt genehmigte Vijay wichtige Maßnahmen wie die teilweise kostenlose Stromversorgung, die Schaffung einer speziellen „Schutztruppe“ für Frauen und die Einrichtung von Anti-Drogen-Einheiten in jedem Bezirk des Bundesstaates. In seiner Antrittsrede bat Vijay die Bevölkerung um Zeit, um seine Wahlversprechen zu erfüllen.
(PA) (Fides 6/6/2026)