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Bogotá (Fides) – Insgesamt 78 Kinder (58 Jungen und 20 Mädchen) wurden von unbekannten Gruppen sowie von Abtrünnigen der demobilisierten Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC-EP, Zentraler Generalstab, Grenzkommandos und Segunda Marquetalia) getötet oder verstümmelt. Dies geht aus dem jüngsten Bericht des UN-Generalsekretärs über Kinder in bewaffneten Konflikte hervor, der den Zeitraum bis 2024 abdeckt. Durchschnittlich wird in Kolumbien alle 20 Stunden ein Kind von bewaffneten Gruppen rekrutiert und eingesetzt.
Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) erklärte zudem, dass sich die Rekrutierung von Kindern durch illegale bewaffnete Gruppen in Kolumbien innerhalb von fünf Jahren vervierfacht hat und die Gewalt das Leben Zehntausender junger Opfer gefährdet.
Während die UN im Jahr 2020 insgesamt 116 und im Jahr 2024 insgesamt 453 Fälle von Rekrutierung dokumentiert, geht ein Bericht der „International Crisis Group“, einem Zentrum für Konfliktprävention, davon aus, dass die ohnehin schon alarmierende Zahl deutlich höher liegt. Familien melden ihre vermissten Kinder nur selten, aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen bewaffneter Gruppen. „Es ist schwierig, das wahre Ausmaß dieser Praxis zu erfassen, die als Kriegsverbrechen gilt und vom Internationalen Strafgerichtshof untersucht wird“, heißt es in dem Bericht der „Crisis Group“. Laut dem Bericht schätzt die kolumbianische Polizei, dass mehr als die Hälfte der neuen Rekruten illegaler bewaffneter Gruppen minderjährig sind. Daten des Verteidigungsministeriums deuten darauf hin, dass die Reihen dieser Gruppen zwischen Dezember 2024 und Juli 2025 um etwa 3.300 Mitglieder angewachsen sind. Für diese kriminellen Gruppen seien „Minderjährige zu billigen und entbehrlichen Kämpfern geworden, die in der Lage sind, die gefährlichsten Aufgaben sowohl an der Front als auch bei der Herstellung und dem Vertrieb von Sprengsätzen zu übernehmen“. „Sie sind einfache Soldaten in Expansionskampagnen und Kanonenfutter in Kämpfen mit Rivalen. Die Jugendlichen werden zunächst durch Botengänge oder Wachdienste in kriminelle Netzwerke rekrutiert; sie werden auch von Gruppenmitgliedern sexuell ausgebeutet“, heißt es in dem Bericht weiter.
Der Bericht führt außerdem aus, dass ein indigener Anführer aus Cauca Monate vor seiner Ermordung im März 2025, als er rekrutierte Kinder rettete, gegenüber der „Crisis Group“ erklärte: „Jedes Kind hat einen Wert, basierend auf seinen Eigenschaften.“ Die Preise variieren zwischen etwa 135 und 540 US-Dollar, je nachdem, was die Gruppen als „wertvoll“ einstufen. In manchen Fällen werden Kinder in neue Gebiete verlegt, um sie schwerer auffindbar zu machen. Dieses Phänomen wurde durch den Tod von 15 Kindern zwischen August und Oktober 2025 im Department Guaviare (im Südosten) deutlich. Sie lebten zwar in den Departments Guaviare und Amazonas, waren aber in anderen Departments wie Putumayo, Nariño, Caquetá, Norte de Santander und Arauca geboren.
Theoretisch ging die Rekrutierung und der Einsatz von Minderjährigen durch bewaffnete Gruppen zurück, nachdem die FARC 2016 ein Friedensabkommen mit der Regierung unterzeichnet und über 80 % ihrer Kämpfer demobilisiert hatte. Das Phänomen hält jedoch bei Dissidentengruppen, der ELN und der kriminellen Vereinigung des Golf-Clans an. UNICEF führt diesen Anstieg auf Faktoren wie „die Eskalation der Gewalt, weit verbreitete Armut, mangelnde Bildung und die unzureichende Verfügbarkeit sozialer Dienste und grundlegender Infrastruktur in einigen Regionen, insbesondere in ländlichen Gebieten“, zurück.
Seit 2012 wird am 12. Februar im Land der „Red-Hand-Day“ begangen. Dieser Aktionstag ruft zum Nachdenken auf und fordert ein Ende der Rekrutierung und des Einsatzes von Kindern und Jugendlichen in bewaffneten Konflikten.
(AP) (Fides 16/2/2026)