AFRIKA/ÄGYPTEN - Richter des ägyptischen Staatsrats dementiert “falsches Narrativ” zum Dokument von Abu Dhabi

Samstag, 15 Januar 2022 mittlerer osten   dialog   islam   judentum   christentum   papst franziskus   bruderschaft  

Kairo (Fides) - Als "falsches Narrativ“ bezeichnet Mohamed Mahmoud Abdel Salam, Richter des ägyptischen Staatsrats, Positionen, die im Westen und in den arabischen Ländern die Menschen glauben machen wollen, dass das Dokument über die menschliche Bruderschaft (das in Abu Dhabi vom Bischof von Rom und dem Großimam von al Azhar unterzeichnet wurde) darauf abzielt, die verschiedenen Glaubensrichtungen in einer "einheitlichen Weltreligion" zu verschmelzen. Solche „Erzählungen“ seien kunstvoll konstruiert und würden dazu hergezogene Daten und Realität zu manipulieren.
In einem Beitrag, der auf der Website „abouna.org“ auch in arabischer Sprache veröffentlicht wurde, schreibt Richter Mahmud Salam in voller Kenntnis der Sachlage: Als Berater von Scheich Ahmed al Tayyeb, dem Großimam von al Azhar, war er persönlich - auch zusammen mit dem ägyptischen Priester Yoannis Lahzi Gaid, damals persönlicher Sekretär des Papstes - an der Ausarbeitung des Dokuments über die menschliche Bruderschaft für den Weltfrieden und das gemeinsame Zusammenleben beteiligt, das der Großimam und Papst Franziskus am 4. Februar 2019 in Abu Dhabi unterzeichnet haben. Im August 2019 wurde Mahmud Salam zum Sekretär des Höheren Ausschusses für menschliche Brüderlichkeit ernannt, einem Gremium zur Förderung von Initiativen, die sich an den Inhalten des Abu-Dhabi-Dokuments orientieren.
Anlässlich des zehnten Jahrestages der Gründung des ägyptischen Hauses der Familie (einer interreligiösen Verbindungsstelle, die vor einigen Jahren eingerichtet wurde, um sektiererische Konflikte zu verhindern oder zu entschärfen) hatte auch Scheich Ahmed al Tayyeb am 8. November letzten Jahres vor denjenigen gewarnt, die ein falsches Bild der Brüderlichkeit zwischen den Religionen propagieren, demzufolge Judentum, Christentum und Islam nur Strömungen einer einzigen "abrahamitischen" Religion seien. Dabei warnte er vor dem gefährlichen Anspruch, der sich hinter jedem Versuch verberge, alle Menschen in einer einzigen religiösen Zugehörigkeit zu vereinen.
Erst vor wenigen Tagen (vgl. Fides 10/1/2022) distanzierte sich auch der koptisch-orthodoxe Patriarch Tawadros II. von Theorien, die auf die Existenz einer hypothetischen "abrahamitischen Religion" hindeuten, in der Judentum, Christentum und Islam auf unbestimmte Weise verschmelzen würden. „Diese Idee", so Papst Tawadros, "ist kategorisch inakzeptabel". Eine solche Theorie stelle eine Leugnung der drei monotheistischen Religionen dar und werde zu politischen Zwecken instrumentalisiert, um die besonderen Merkmale des Judentums, des Christentums und des Islams auszulöschen.
(GV) (Fides 15/1/2022)


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