ASIEN/SYRIEN - Angehörige ehemaliger IS-Kämpfer kehren nach Rakka zurück

Samstag, 16 Januar 2021 mittlerer osten   dschihadisten   flüchtlinge   kindheit   geopolitik   isis   kurden  

ahvalnews.com

Rakka (Fides) – Das kurdische Bündnis der Demokratischen Kräfte Syriens, dass den Nordosten Syriens kontrolliert, hat die Freilassung von etwa 400 Familien ehemaliger Kämpfer des Islamischen Staates (IS) aus dem Gefangenenlager Al Hol angeordnet und ihre Rückkehr in die Stadt Rakk, die während der Jahre des Konflikts lange Zeit die Hochburg des IS Syrien ermöglicht Die Freilassung von Familien von syrischen IS-Mitgliedern wurde mit der Überbelegung des Lagers motiviert, in dem die Lebensbedingungen zunehmend unerträglich werden und wo es immer wieder zu schweren Gewalttaten kommt. Die aus dem Gefangenenlager Al Hol entlassenen Familienangehörigen handelt es sich größtenteils um Witwen und Kindern von Dschihadisten, die während des langen Konflikts getötet wurden. Trotzdem äußerten die Einwohner von Rakka Bedenken und zum Teil offene Ablehnung im Hinblick auf die Ankunft ehemaliger Gefangener aus Al Hol.
Bei den Syirischen Demokratischen Kräften (SDF) handelt es sich um ein Bündnis überwiegend kurdischer Milizen, das im Oktober 2015 während des Syrienkonflikts gebildet wurde und mit Unterstützung der von den USA geführten internationalen Koalition de facto große Gebiete im Nordosten Syriens kontrolliert und dort die so genannte Demokratische Föderation Nordsyriens, allgemein bekannt als Rojava, ausrief.
Das Schicksal der Familien ehemaliger IS-Kämpfer in den Gefangenenlagern auf syrischem Territorium stellen weiterhin ein humanitäres Problem dar, das schwer zu lösen ist. Bereits im Jahr 2020 begannen die Syrischen Demokratischen Kräfte - unter Vermittlung lokaler Stammesführer - einen Prozess der Freilassung und fortschreitenden Umsiedlung von Gefangenenfamilien aus Al Hol und anderen Gefangenenlagern. Nach dem Zusammenbruch des Islamischen Staates hat Frankreich bisher die Rückkehr von 35 Kindern französischer Dschihadisten begleitet, die in kurdisch kontrollierten Gefangenenlagern inhaftiert waren.
In den letzten Wochen starben bei Ausschreitungen zwischen geheimen Zellen des IS und Streitkräften der Regierung Dutzende Menschen. In Rakka, der damaligen syrischen Hochburg des IS, gingen am 29. Juli 2013 die Spuren des italienischen Jesuiten und Islamwissenschaftlers Paolo Dall'Oglio, Gründer der Klostergemeinschaft Deir Mar Musa, verloren.
(GV) (Fides 16/1/2021)


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