AFRIKA/GABUN - Ritualmorde: Präsident will Bürger über die Wiedereinführung der Todesstrafe abstimmen lassen

Freitag, 9 Januar 2026 todesstrafe     ortskirchen  

Libreville (Fides) – Die Bürger werden darüber entscheiden, ob für sogenannte „Ritualmorde“ künftig die Todesstrafe verhängt wird. Dies kündigte der Präsident von Gabun, Brice Clotaire Oligui Nguema, in seiner Neujahrsansprache am 2. Januar an. Die Todesstrafe wurde in Gabun 2010 abgeschafft, aber angesichts der sozialen Unruhe, die durch die Zunahme sogenannter „Ritualmorde” ausgelöst wurde, erklärte Präsident Nguema, er wolle die Bevölkerung befragen, ob sie die Wiedereinführung der Todesstrafe zur Bestrafung derjenigen befürwortet, die solche Taten begehen. „Diese Entscheidung muss von dem Volk getroffen werden, das mich gewählt hat”, erklärte er.
Die gabunische Bevölkerung war schockiert über den Fall von Pascal Cameron Ngueba Loko, einem 13-jährigen Jungen, der am 17. Dezember verschwand und dessen Leiche am 22. Dezember in einer Klärgrube in der Nähe seines Wohnortes gefunden wurde.
Einer der vier von der Polizei festgenommenen Verdächtigen gestand, den Jungen auf Anweisung eines noch unbekannten Auftraggebers zu fetischistischen Zwecken getötet zu haben. Bemerkenswert ist, dass der Leichnam des Jungen laut Gerichtsmediziner keine Anzeichen für eine Entnahme von Organen aufweist.
Ritualmorde kommen in Gabun seit langem vor, sodass es sogar eine Vereinigung zur Bekämpfung von Ritualverbrechen gibt, die bereits 2013 einen Protestmarsch organisiert hatte.
Diejenigen, die diese brutalen Handlungen in Auftrag geben, wollen durch „magische“ Praktiken, durch die Verstümmelung der Körper junger Opfer materielle Vorteile erzielen.
Die katholischen Bischöfe haben mehrfach eingegriffen, um diesen Praktiken entgegenzuwirken. Am 28. Dezember 2025 feierte die Bischofskonferenz von Gabun in Oyem den Abschluss des Jubiläums und den Nationalen Tag zur Bekämpfung jeder Form von Gewalt und Angriffen auf das Leben.
In seiner Predigt verurteilte der Vorsitzender der Bischofskonferenz und Bischof von Oyem, Jean Vincent Ondo Éyéne, diese „barbarischen” Taten und forderte die Sicherheitskräfte auf, ihre Verantwortung voll und ganz wahrzunehmen, um das Vertrauen der Bürger wiederherzustellen. „Mein Herz ist voller Schmerz über die Ritualmorde, die unser geliebtes Land mit Blut überziehen”, sagte der Bischof von Oyem. „Ich denke an diejenigen, die aus dem Leben gerissen wurden, deren Leichen geschändet und deren Unschuld gebrochen wurde”, fuhr er fort und bezog sich dabei insbesondere auf den Mord an Pascal Cameron Loko sowie auf zahlreiche andere Opfer, deren Verbrechen ungestraft bleiben.
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz von Gabun vertraute die Seelen der unschuldigen Opfer Gott an und erbat ewige Ruhe für sie und Trost für ihre Familien. Er erinnerte auch an die Überlebenden, die für immer von dieser Gewalt gezeichnet sind, und bat um ihre körperliche und geistige Heilung.
(L.M.) (Fides 9/1/2025)


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