Pourcine Pic Makaya (Fides) – Die humanitäre Lage in Haiti verschärft sich. In mehreren Departements wurden weitere Vertreibungen verzeichnet. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) wurden im Departement Artibonite über 2.600 Menschen nach den Zusammenstößen bewaffneter Gruppen in der vergangenen Woche vertrieben. Mehr als drei Viertel der Vertriebenen suchten Zuflucht in der Gemeinde Marchand Dessalines. Im Departement West führten erneute bewaffnete Auseinandersetzungen in der Gemeinde Cité Soleil, die am 13. Juni begannen, laut IOM zur Vertreibung von über 5.000 Menschen. Tausenden von Menschen ware bereits zwischen März und Mai aufgrund bewaffneter Gewalt in der Gemeinde vertrieben worden.
Die anhaltende Gewalt hat die Gesundheitsversorgung, insbesondere für Frauen und Mädchen, massiv beeinträchtigt. Die Nichtregierungsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) musste ihre Arbeit in ihrer Geburtsklinik in Cité Soleil, einem der am dichtesten besiedelten Gebiete von Port-au-Prince, einstellen, wodurch Tausende von Frauen keinen Zugang mehr zu mütterlicher Gesundheitsversorgung hatten. All diese Entwicklungen finden vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl von Zwangsrückführungen nach Haiti statt. Laut IOM wurden allein im Mai 2026 über 25.500 Menschen zwangsweise zurückgeführt. Insgesamt wurden zwischen Januar und Juni 2026 über 117.000 Menschen zurückgeführt. 24 Prozent aller zwangsweise zurückgeführten Migranten im Jahr 2026 waren Frauen und fast 8 Prozent Kinder.
Die haitianischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften – katholische, protestantische, adventistische und andere – arbeiten aufgrund der Kontrolle krimineller Banden, Vertreibung und der humanitären Krise weiterhin unter extremem Druck. Viele leisten Hilfe, bieten Unterkünfte und Dienstleistungen dort an, wo der Staat nicht helfen kann, sehen sich aber Bedrohungen, Schließungen und Einschränkungen ausgesetzt. Religiöse Führer haben wiederholt zu Frieden und zum Schutz des Lebens aufgerufen.
Mit großem Durchhaltevermögen und Begeisterung ist die KIWO-Jugendgruppe im Rahmen des KIWO-Projekts der Pfarrei „Notre-Dame-du-Perpétuel-Secours“ in der katholische Gemeinde Pourcine Pic Makaya in den zerklüfteten Bergen Haitis aktiv. Die Mission wird vom Kamillianer-Missionar Pater Massimo Miraglio geleitet, der gegenüber Fides von dem vergangenen Wochenende berichtete, an dem er mit der KIWO-Gruppe an einem Ausflug teilnahm. „Mit etwa sechzig Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen stiegen wir ins Tal hinab“, erzählt der Kamillianer. „Nach einer Stunde Fußmarsch erreichten wir den auserwählten Platz. Nachdem wir das Gelände gerodet und Feuer für das Mittagessen vorbereitet hatten, spannten wir Planen als Sonnenschutz auf. Anschließend beteten wir und hörten einen kurzen Vortrag über die Ursprünge des KIWO-Vereins. Zum Abschluss folgte der lang ersehnte Moment des Badens und schließlich das Essen“. „Nach diesen gemeinsamen Aktivitäten“, fügt Pater Massimo hinzu, „brachen wir am späten Nachmittag wieder auf, um nach Pourcine Pic Makaya zurückzukehren.“
Zu den positiven Ergebnissen des kürzlich abgeschlossenen Schuljahres in der kleinen ländlichen Gemeinde der Pfarrschule zählt der Missionar ein Jahr, das ohne größere Schwierigkeiten verlief. Die Lehrkräfte hätten sich trotz enormer Herausforderungen engagiert um die Kinder und Jugendlichen gekümmert, und es seien positive Entwicklungen bei den Schülern und ihren Familien beobachtet worden. „Es gibt noch viele Unbekannte für das nächste Jahr … aber wir arbeiten hoffnungsvoll weiter und machen jedes Jahr einen kleinen Schritt nach vorn“, betont er. „Trotz der Schwierigkeiten haben sich unsere Schüler in Bezug auf Pünktlichkeit, Anwesenheit, Körperpflege, Grundausstattung an Schulmaterialien und Teilnahme an außerschulischen Aktivitäten verbessert. Die Noten sind für eine kleine Minderheit gut, aber zu viele Schüler erzielen immer noch sehr schlechte Ergebnisse. Disziplin bleibt ein großes Problem!“. „Außerdem“, so schließt er, „haben wir gerade die Alphabetisierungskurse abgeschlossen (vgl. Fides 03/05/2025), bei der in der Abschlussprüfung alle Teilnehmer aus verschiedenen Regionen zusammenkamen. Jeder hat sich engagiert, sein Bestes zu geben, um zu zeigen, was er in sechs Monaten Unterricht gelernt hat. Jetzt beginnen wir mit der Planung für das nächste Schuljahr 2026/27. Die ‚Alfa‘-Schule ist ein wunderbares Projekt, das in unserer Gemeinde erste Erfolge zeigt.“
(AP) (Fides 1/7/2026)