Justice and Peace Commission OFM Cap
Lahore (Fides) – „Die Umsetzung von Kinderschutzgesetzen ist dringend geboten, und die durch den Fall der Christin Maria Shahbaz offengelegten Gesetzeslücken müssen umgehend geschlossen werden. Die bestehenden Gesetze zur Kinderehe weisen Unklarheiten auf, die ausgenutzt werden und es einigen Männern ermöglichen, unter dem Vorwand angeblicher Eherechte das Sorgerecht für minderjährige Mädchen zu erlangen“, so der katholischer Politiker Anthony Naveed, Vizepräsident des Parlaments der pakistanischen Provinz Sindh, gegenüber Fides.
Im April 2026 fällte das pakistanische Bundesverfassungsgericht ein umstrittenes Urteil im Fall der 13-jährigen Christin Maria Shahbaz, die 2025 in Lahore entführt worden war. Obwohl ihre Familie Beweise für ihr Alter und ihre fehlende Einwilligung vorlegte und die Entführung sowie die Zwangsheirat anprangerte, genehmigte das Gericht, dass Maria, bei ihrem Entführer bleiben sollte, mit der Begründung, sie habe die Pubertät erreicht.
In Pakistan, einem überwiegend muslimischen Land, wird häufig auf der Grundlage von Unterschieden zwischen Zivilrecht und islamischem Recht gehandelt, das kein festes Mindestalter für die Eheschließung vorsieht und diese mit Eintritt der Pubertät erlaubt. Naveed merkt jedoch an: „Die Gesetze gegen Kinderehen in ganz Pakistan wurden zum Schutz Minderjähriger und zur Gewährleistung der in der Verfassung verankerten Grundrechte erlassen“, so Naveed, „Diese Gesetze wurden vom Bundesverfassungsgericht in seinen Urteilen bereits als mit islamischen Geboten vereinbar erklärt, was die Notwendigkeit ihrer strikten Anwendung unterstreicht.“
Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Fall Maria, so Naveed weiter, „hat schwerwiegende Mängel bei der Umsetzung der Gesetze zum Schutz Minderjähriger aufgezeigt“. Naveed stellt fest: „Obwohl die Gesetze gegen Kinderehen die Handlung unter Strafe stellen und Strafen für diejenigen vorsehen, die eine Minderjährige heiraten, sowie für diejenigen, die eine Kinderehe vollziehen oder bezeugen, berühren sie nicht die Rechtsgültigkeit von Ehen mit Minderjährigen. Daher ist diese Ehe faktisch nicht ungültig.“
Naveed berichtet, dass „die Familie zusammen mit ihrem Anwaltsteam nun beim Obersten Gerichtshof Berufung gegen diese Entscheidung eingelegt hat.“
In diesem Zusammenhang bemerkt Pater Lazar Aslam (OFM Cap), Direktor der Kommission für Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie des Kapuziner-Ordens, „eine alarmierende Zunahme von Entführungen, Zwangsbekehrungen und Zwangsehen minderjähriger christlicher Mädchen in Pakistan“ und merkt an, dass das jüngste Gerichtsurteil das Phänomen weiter fördern und legitimieren könnte. „Wir lehnen die jüngste Rechtsprechung, die religiöses Recht missbraucht, um Kindesentführung zu legitimieren, kategorisch ab. Diese Entwicklungen stellen eine systemische Ungerechtigkeit dar, die insbesondere Minderheiten in einen Zustand ständiger und allgegenwärtiger Angst versetzt“. Der Ordensmann berichtet gegenüber Fides von einer „kürzlich ereigneten herzzerreißenden Tragödie“: Zwei christliche Schwestern – die achtjährige Zarish und die vierzehnjährige Muqaddas – wurden in Sadiqabad entführt und nach Karatschi verschleppt, ihrer Heimat und ihrer Unschuld beraubt. Die Polizei bestätigte die Gewalttaten nach deren Auffinden im Viertel „Shirin Jinnah Colony“.
„Muqaddas, die ältere Schwester, die nach unvorstellbaren Qualen auf die Intensivstation verlegt wurde, an den Folgen der Misshandlung gestorben. Ein vierzehnjähriges Mädchen, ein zerstörtes Leben. Möge der Herr sie in seinen Armen halten, an einem Ort, wo ihr niemand mehr schaden kann, wo jede Träne trocknet und jede Wunde heilt“, sagt der Ordensmann.
Die Kommission „Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie“ weist auf eine Liste der jüngsten Fälle hin, die die christliche Gemeinde betreffen . Am 24. März verschwand die siebzehnjährige Christin Niya aus ihrem Zuhause in Kot Radha Kishan. Ihre Familie bestätigte, dass sie entführt und zur Konversion gezwungen worden war. Trotz der formellen Anzeige, in der der Hauptangeklagte benannt wurde, gibt es keine Fortschritte in dem Fall. Es gibt Hinweise auf mangelnde Kooperation der örtlichen Strafverfolgungsbehörden, während die Verantwortlichen die Familie weiterhin bedrohen.
Am 6. April erhielt die 20-jährige Christin Laiba Javaid eine schriftliche Morddrohung, in der sie aufgefordert wurde, ihrem christlichen Glauben abzuschwören und einen muslimischen Mann zu heiraten. Andernfalls, so die Drohung, würde sie hingerichtet.
Am 8. April wurde die 14-jährige Christin Waziya Zahid in Toba Tek Singh entführt. Ihre Eltern sagen, sie sei mit der Absicht entführt worden, sie zwangsweise zum Islam zu bekehren und einen muslimischen Mann zu heiraten.
„In vielen Fällen besteht trotz privater Unterstützung durch einige muslimische Geistliche eine gewisse Zurückhaltung, an öffentlich aufzutreten“, so Pater Aslam ,„Daher sind es Vertreter der christlichen Institutionen wie Erzbischof Khalid Rehmat, der neue Erzbischof von Lahore, die das Thema ansprechen und die Familien verteidigen, deren Rechte ungestraft mit Füßen getreten und deren Töchter verschleppt werden.“
Im Zeichen der Solidarität mit den Familien der Opfer fordert die Kommission die pakistanische Regierung auf, „die sofortige und sichere Rückkehr der entführten Mädchen in ihre Herkunftsfamilien“ zu gewährleisten und „diejenigen, die Zwangsbekehrung als Deckmantel für das Verbrechen der Entführung nutzen, strengstens zu verfolgen“.
(PA) (Fides, 21/04/2026)