ASIEN/LIBANON - Trotz Evakuierungsbefehl der israelischen Armee: Christen bleiben in ihren Dörfern im Süden des Libanon

Donnerstag, 5 März 2026 ostkirchen   krisengebiete   kriege   dialog   geopolitik  

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Rmeich (Fides) – „Was hier gerade geschieht, ist klar. Die Operation der israelischen Armee auf libanesischem Gebiet ist bereits im Gange. Und in den Dörfern, in denen Christen leben, zumindest in denen, mit denen wir in Kontakt stehen, haben wir beschlossen, unsere Häuser nicht zu verlassen, denn wenn wir unsere Dörfer verlassen, könnten wir sicherlich nie wieder zurückkehren“, so Pfarrer Toni Elias, ein maronitischer Priester aus dem Dorf Rmeich, der mit wenigen Worten beschreibt, wie die christlichen Gemeinden im Südlibanon die Zeit seit Beginn der neuen Militäroperation Israels im Land der Zedern erleben.
Rmeich liegt weniger als zwei Kilometer Luftlinie von der Grenze zu Israel entfernt. Und bereits im Oktober 2024 schwebte das Dorf zwischen dem Leben und dem Untergang, der es umgab, als die Armee des jüdischen Staates zuletzt in den Südlibanon einmarschierte.
Das erklärte Ziel der neuen israelischen Intervention ist nun, das Gebiet von den Überresten der Stellungen der Hisbollah zu „säubern“, nachdem die mit dem Iran verbündete schiitische Miliz im Zusammenhang mit den neuen Unruhen, die durch den Angriff der USA und Israels auf den Iran ausgelöst wurden, Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert hat. In den letzten Tagen haben israelische Bombenangriffe neben dem Südlibanon auch die mehrheitlich schiitischen Viertel von Beirut und das Bekaa-Tal getroffen.
Die Aufforderung zur Evakuierung, die der arabischsprachigen Sprecher der israelischen Armee, Avichay Adraee, ausgesprochen hatte, erreichte in der Nacht zum Montag auch an die christlichen Dörfer im Südlibanon. Die Glocken einiger Kirchen hatten in der Nacht zu läuten begonnen, um die umliegenden Dörfer zu warnen.
„In Rmeich und den benachbarten Dörfern Debel und Ain Ebel“, berichtet Pfarrer Toni Elias im Gespräch mit Fides, „sind wir alle in unseren Häusern geblieben, ebenso wie die Menschen in Alma el Shaab und den weiter westlich gelegenen Dörfern. Auch die Drusen sind in ihren Häusern geblieben.“
Die Entscheidung, zu bleiben und der Evakuierungsaufforderung nicht zu folgen, basiert paradoxerweise auf der Erkenntnis der eigenen Wehrlosigkeit: „Wir haben keine Waffen, wir haben keine Raketen, wir sind für niemanden eine Gefahr“, fügt Pfarrer Toni hinzu, „Wir bleiben hier und bitten Gott um seinen Schutz. Wir sind unserem Bischof Charbel Abdallah, dem Apostolischen Nuntius Paolo Borgia und General Diodato Abagnara (Leiter der Friedensmission der Vereinten Nationen im Südlibanon, Anm. d. Red.) dankbar, mit denen wir in ständigem Kontakt stehen und die uns ihre Unterstützung zugesichert haben.“
Angesichts der erneuten Flucht von Zehntausenden von Familien, die durch die Wiederaufnahme der Militäroperationen ausgelöst wurde, gibt es in Rmeich zahlreiche Beispiele für die Solidarität in der Bevölkerung, auch zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften. „Bei uns“, berichtet Pfarrer Toni Elias gegenüber Fides, „gibt es derzeit 1350 christliche Familien, zu denen noch weitere 100 christliche und schiitische Familien aus anderen Dörfern sowie 250 syrische Familien hinzukommen, die wir derzeit beherbergen und die zuvor in einem nahe gelegenen schiitischen Dorf Aufnahme gefunden hatten“. „Möge der Herr der ganzen Welt Frieden schenken“, schließt Pfarrer Toni Elias.
(GV) (Fides 5/3/2026)


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