VATIKAN - Covid-19: Caritas Internationalis bittet um besonderes Augenmerk für Arme, Migranten und Menschen in Kriegsgebieten

Samstag, 4 April 2020   solidarietät   caritas  

CI

Vatikanstadt (Fides) – "Wir dürfen den Süden der Welt mit seinen Migranten und Flüchtlingen nicht vergessen, sondern müssen weiterhin all jenen Ländern helfen, die von Krieg und Armut betroffen sind", so Caritas Internationalis (CI) in einem Appell an die Regierungen mit Blick auf die Covid-19-Pandemie an. "Jeder der 165 nationalen Caritasverbände hat Projekte und Maßnahmen zur Unterstützung der von der Pandemie betroffenen Bevölkerung oder zur Bekämpfung des Vordringens des Virus in Ländern initiiert, in denen es noch nicht weit verbreitet ist", so Aloysius John, Generalsekretär, von Caritas Internationalis bei einer Video-Konferenz am gestrigen 3. April 2020.
Zu den Prioritäten der Caritas, so der Generalsekretär gehöre vor allem die Förderung eines Bewusstsein unter der Weltbevölkerung und die Begleitung der am stärksten gefährdeten Gruppen. „Jeder”, bemerkte er, “hat das Recht, die richtige Empfehlungen zu erhalten, um eine Infektion zu vermeiden. Wir dürfen die armen Länder nicht aus den Augen verlieren, die wehrloser sein könnten und deshalb umso mehr eine globale Solidarität brauchen. In Gebieten wie Syrien, Südsudan und Afrika im Allgemeinen könnte die Epidemie zu einer humanitären Katastrophe führen. Die Situation der Gesundheitssysteme in diesen Regionen ist fragil, unsere Abteilungen für Nothilfe ist mobilisiert. Wir arbeiten mit dem Heiligen Stuhl zusammen, um herauszufinden, welche Bedürfnisse bestehen und wie wir am besten helfen können. Die verschiedenen Caritasverbände des Kontinents arbeiten dabei mit den örtlichen Bischofskonferenzen zusammen."
"Insbesondere ist die Caritas in ganz Afrika sehr aktiv, um das Bewusstsein dafür zu schärfen und sicherzustellen dass Informationen auch in die entlegensten Dörfer gelangen. Allein dadurch können wir die Ausbreitung von Infektionen verhindern", so Suzanna Tkalec, Leiterin der Abteilung für humanitäre Nothilfe bei Caritas Internationalis. In Ruanda beispielsweise hat die Caritas bereits vor Auftreten des ersten Covid-19- Falls damit begonnen, eine Aufklärungskampagne über Diözesanradios zu starten, während die kenianische Caritas Ärzte und Krankenschwestern rekrutiert, die neu eingestellt werden sollen, um die Situation zu bewältigen, sollte sie außer Kontrolle geraten.
“Die Bedürfnisse werden immens sei”, so Aloysius John “die Gesundheitssysteme müssen gestärkt werden, wir müssen wirklich proaktiv arbeiten und die Hilfsprogramme müssen auf dem neuesten Stand sein. Wir sind alle im Kampf gegen einen gemeinsamen Feind vereint. Ich hoffe, dass das beispiellose Leiden, das wir in Europa erleben und das uns überrascht hat, uns helfen wird, vereinter zu sein”. “Es ist sehr wichtig” - fügte er hinzu, “was Papst Franziskus sagte, dass wir heute alle vereint sind, dass es nicht „wir“ und „sie“ gibt, sondern dass wir eine einzige Menschheitsfamilie sind. Das menschliche Leiden sollte uns vereinen, und als Kirche müssen wir eine besondere Rolle spielen. Ich glaube, dass ein Gefühl der Solidarität uns vereinen wird ".
 In einem Überblick über einige der am stärksten betroffenen Krisengebiete, nannte der Generalsekretär auch Italien, wo Caritas trotz der dramatischen Situation weiterhin Kantinen, Schlafsäle für Obdachlose und Hilfe für ältere Menschen und eine Telefonhotline anbietet. In Spanien und den USA, den beiden anderen Ländern, die derzeit am stärksten betroffen sind, ist der jeweilige Caritasverband in Zusammenarbeit mit anderen lokalen gemeinnützigen Organisationen rund um die Uhr aktiv. In Venezuela verschärft die Ausbreitung des Virus eine bereits katastrophale wirtschaftliche Situation. Freiwillige Helfer verteilen auch an Menschen in häuslicher Quarantäne Nahrungsmittelhilfe und Kits für die persönliche Hygiene verteilt. In Indien, wo die Pandemie gerade erst beginnt, aber bereits Hunderte infiziert sind, hat die Caritas mehr als 72.000 Flaschen Desinfektionsmittel, über 400.000 Masken und 64.000 Kits für die persönliche Hygiene bereit gestellet. Der Generalsekretär betonte auch das ernsthafte Risiko für eine so große Bevölkerung, an Hunger und Durst zu sterben. Auf den Philippinen wurden spezielle "Hilfsstationen" geschaffen, oft in den Pfarreien, in denen die Nahrungsmittelhilfen an die Ärmsten verteilt werden. In Ecuador, wo die Verbreitung des Coronavirus mittlerweile weit verbreitet ist, betreut der lokale Caritasverband bereits fast zweitausend Menschen, darunter etwa tausend Kindern und Jugendliche.
Der Generalsekretär bittet, die am stärksten gefährdeten Personen in aller Welt nicht zu vergessen. Insbesondere Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende wie die Rohingya-Bevölkerung in Bangladesch sind aufgrund ihrer Lebensbedingungen besonders von Ansteckung bedroht. Er forderte deshalb auch die lokalen Behörden auf, ihnen unabhängig von ihrem rechtlichen Status den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen zu garantieren.
Aloysius John erinnerte daran, dass die Organisation im Einklang mit Papst Franziskus und Kardinal Luis Antonio Tagle, Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, der auch Präsident von Caritas Internationalis ist, eine globale Waffenruhe fordert und um die Streichung der öffentlichen Schulden der Entwicklungsländer und die Aufhebung der Sanktionen in Syrien, Libyen, Jemen und Iran bittet. "Die Zukunft wird nicht wie die Vergangenheit sein, und deshalb müssen wir uns auch darauf vorbereiten, den Menschen zu helfen, zum normalen Leben zurückzukehren, indem wir starke Bezugspunkte angeben", so Aloysius John über die Zeit nach der Krise.
Abschließend teilte der Generalsekretär von Caritas Internationalis mit, dass er am heuitigen Samstag, den 4. April 2020, von Papst Franziskus empfangen wird, "um ihm zu erklären, was wir im Namen der Sendung der Kirche zur Unterstützung der verschiedenen Ortskirchen tun. Der Papst hat bereits der italienischen Caritas geholfen, aber auch Mittel für China bereit gestellt. Wir werden ihn nicht nur informieren, sondern ihn auch fragen, wie wir diese Mission fortsetzen können, wie wir die Solidarität des Papstes insbesondere im Süden der Welt und Afrika bezeugen kann, wo es einen enormen Bedarf geben wird, sollte sich das Coronavirus ausbreiten."
(AP) (Fides 4/4/2020)


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