Missionen im Sturm: Der Weltmissionssonntag in den Kriegsjahren

Donnerstag, 8 Oktober 2026 weltmissionssonntag   päpstliche missionswerke   papst   krieg   mission  

AP (Wikimedia Commons)

von Marie-Lucile Kubacki

Rom (Fides) – „Unsere Missionare sind dort, standhaft in den Schützengräben des Glaubens, wie wachsame Wächter an den vordersten Posten.“

Am 19. Oktober 1940, als der Krieg auch die katholischen Gemeinden in den Missionsgebieten erschütterte, antwortete Erzbischof Celso Costantini, damals Sekretär der Heiligen Kongregation für die Glaubensverbreitung (ein Amt, das er seit 1935 innehatte), so auf die Frage, die an die Zuhörer seiner Radioansprache gerichtet war: „Was unternehmen unsere Missionare, wie leben sie, wie wirken sie in diesen Zeiten?“


Als Sekretär der Kongregation für die Glaubensverbreitung richtete Costantini am Vorabend des Weltmissionssonntags eine Botschaft an die Gläubigen, die über das Radio ausgestrahlt wurde. In den Meldungen des Fidesdienstes erscheint dieses jährliche Ereignis als Mahnung, diejenigen nicht zu vergessen, die fern waren: internierte Missionare, isolierte Gemeinschaften, mittellose Priester und Ordensleute, von Gewalt heimgesuchte Bevölkerungsgruppen.

Zwischen 1939 und 1944 erzählen diese Botschaften von einer Mission, die versucht, ihre Stätten des Gebets, der Bildung und der Fürsorge offen zu halten, während Hilfe, Verbindungen und Bewegungsmöglichkeiten schwinden. Sie bitten um Spenden, aber auch um Gebete und um eine Solidarität, die die Spaltungen des Konflikts überwinden kann. Im Mittelpunkt steht nicht das Ansehen der Nationen, sondern die den Missionaren anvertrauten Menschen und die Zukunft der Ortskirchen.
Von der Unterscheidung zwischen Evangelium und politischen Interessen bis hin zur Hoffnung, auf den Trümmern wieder aufzubauen – Costantinis Worte begleiten eine Treue, die durch den Krieg auf die Probe gestellt wurde.

Das Evangelium jenseits der Nationen

Ein am 21. Oktober 1939 von Fides veröffentlichtes Dokument berichtet über einen Vortrag, den Costantini an der Päpstlichen Universität Gregoriana zur Vorbereitung auf den Missionstag am 22. Oktober hielt. Der Titel „Christus und Caesar in den Missionen“ führt in das Verhältnis zwischen christlicher Verkündigung und politischer Macht ein. Unter Bezugnahme auf das Wort aus dem Evangelium „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ bekräftigt der Sekretär der Propaganda Fide die Freiheit der Mission gegenüber staatlichen Einmischungen und nationalistischen Versuchungen, denen „mancher Missionar“ erliegen könnte.

„Das Christentum trat der Welt nicht als Religion eines Volkes, sondern als Religion der Menschheit entgegen“, heißt es im Bericht. Costantini weist „ein schwerwiegendes und weit verbreitetes Missverständnis“ zurück: dass Missionare „wertvolle Verbreiter der Idee und des nationalen Einflusses ihres eigenen Landes“ seien, die in der Lage seien, den Weg für dessen politische und wirtschaftliche Expansion zu ebnen. Der Missionar darf kein „Pseudo-Konsularbeamter“ werden. Zu Beginn des Konflikts entziehen diese Worte die Mission ausdrücklich dem Wettstreit zwischen den Mächten. Die Konferenz weist auch auf eine Notwendigkeit hin, die der Krieg immer deutlicher machen wird: die Ausbildung eines einheimischen Klerus, der „auch im Kriegsfall an seinem Platz bleibt“ und so die durch die Außenpolitik verursachten Schäden an den Missionen überwindet.

Die Rede schließt mit dem Gegenentwurf zur Zerstörung: „Während sich die Menschen gegenseitig töten“, kann die missionarische Nächstenliebe noch immer „ein Licht der Güte und der Hoffnung an diesem trüben Horizont der Welt“ entzünden.


Die Rundfunkbotschaft von Pius XII.

In der Rundfunkbotschaft von 1940 erzählt Costantini von seinen Erfahrungen in China.
In einer Zeit der Umwälzungen hatte ein Missionar an seinen Bischof geschrieben: „Ich danke Ihnen, dass Sie mir die Möglichkeit bieten, mich in Sicherheit zu bringen; aber unsere Vorgänger haben in Zeiten der Gefahr ihren Posten nicht verlassen.“ Der Brief endete mit einer Entscheidung: „Wenn wir der Geschichte unserer Mission eine weitere Seite hinzufügen müssen, müssen wir sie im gleichen Stil schreiben können.

Wir werden bleiben.“ Costantini stellt dies als Ausdruck eines „heroischen Stils“ dar, in dem die Treue zur Mission Vorrang vor dem Streben nach persönlicher Sicherheit hat. Die Botschaft räumt jedoch ein, dass die Tätigkeit durch die Internierung oder Verbannung der Missionare „zwangsläufig beeinträchtigt“ und manchmal „völlig lahmgelegt“ wird. Ihrer Beharrlichkeit muss daher konkrete Unterstützung entsprechen.
Im zweiten Teil greift Costantini auf die biblische Klage „Parvuli petierunt panem et non erat qui frangeret eis“ zurück und erklärt: „Einige Missionare hungerten wirklich. Wir strecken die Hand für sie aus.“ Die Hilfe von Landsleuten und religiösen Instituten kommt nicht mehr an; die Zuhörer werden konkret um zumindest „ein wenig Brot für ihr hartes Leben“ gebeten.

Am selben Vorabend, Samstag, dem 19. Oktober 1940, spricht auch Pius XII. persönlich eine Rundfunkbotschaft, die sich an die Bischöfe und Katholiken der Vereinigten Staaten richtet. Seine Worte überqueren den Atlantik, um deren missionarischen Eifer zu bestärken. Der Papst erinnert an die Missionare und Ordensschwestern, die in Krankenhäusern und Schulen tätig sind, aber auch an „die großen Regionen, die durch die Konflikte der Völker blutgetränkt und verwüstet sind“. Das Bild der christlichen Ernte überlagert sich mit dem des „Sturms aus Konflikten, Ruinen, Elend und unzähligen Nöten“. Pius XII. verbindet Gebet und materielle Hilfe: „Die Gabe des Gebets (...) darf nicht von der Gabe der Hand getrennt sein.“ Die Spenden sollen es ermöglichen, „das Begonnene zu fördern, das Beschädigte oder Zerstörte wiederherzustellen“, das Zerbrechliche zu stützen und das bereits Vorhandene zu vermehren.
Der Aufruf zur Mission wird so auch zu einem Aufruf zur Versöhnung: „Denn auch der Weltfrieden ist eine Mission der Kirche.“ In ihrem Bericht über den Tag wird Fides an diese päpstlichen Worte erinnern, die sich zwar besonders an die Amerikaner richteten, von den Gläubigen jedoch als an jeden Einzelnen gerichtet empfunden wurden.Der Aufruf von Costantini für den 19. Oktober 1941 beginnt hingegen mit einem Dank: Die Spenden aus den verschiedenen Ländern haben die bisherigen Budgets um einige Millionen übertroffen. „Wenn man an den Krieg denkt, an die unvermeidlichen Entbehrungen, die die Völker fast überall auf der Welt erdulden mussten und müssen, hat dieser Anstieg der Nächstenliebe eine tiefe Bedeutung“, schreibt er.

Die Gabe gewinnt gerade deshalb an Wert, weil sie aus einer gemeinsamen Not heraus entsteht. Die Begleitdokumente belegen diese Mobilisierung. In Italien waren die Einnahmen des Päpstlichen Werks zur Verbreitung des Glaubens von 6.635.216 Lire im Jahr 1939 auf 7.564.559 Lire im Jahr 1940 gestiegen. Zur Vorbereitung des Tages im Jahr 1941 wurden Rundschreiben an die Pfarrer, Predigtmaterial, Heiligenbilder und Flugblätter verteilt; die Radiobotschaft wurde vom EIAR (Ente Italiano per le Audizioni Radiofoniche), dem Vorgänger der RAI, ausgestrahlt und von Radio Vatikan in mehreren Sprachen wiederholt. Die Solidarität nahm durch Pfarreien, Presse und Radio Gestalt an.


Aufbau inmitten der Zerstörung

„Die Erbauer der Stadt Gottes“ lautet der Titel der Botschaft zum Tag am 18. Oktober 1942. Costantini geht von der Erwartung einer anderen Welt aus, mit einem offensichtlichen Bezug zu Augustinus: „Die ganze Welt wartet darauf, dass auf den rauchenden Trümmern dieses Krieges eine neue Ordnung errichtet wird.“

Doch der Wiederaufbau, so betont er, „muss, bevor er eine materielle Realität wird, eine geistige Wirklichkeit sein“ . Neben den kämpfenden Soldaten verweist er auf „andere Soldaten, stille, wehrlose“, die in den entlegensten Regionen verstreut sind und für diese neue Ordnung leiden und arbeiten. Die bei der Propaganda Fide eingegangenen Briefe machen diese Schilderung greifbar. Ein Bischof aus Zentralafrika berichtet, dass er seine Werke dank der erhaltenen Beiträge aufrechterhalten und die internierten Missionare eines benachbarten Vikariats zumindest teilweise ersetzt habe. Ein Bischof aus Westafrika blickt auf das Wachstum des afrikanischen Klerus: „Die Mission wird erwachsen sein, wenn sie den afrikanischen Klerus gut ausgebildet hat.“ Dann wird es an den afrikanischen Priestern liegen, ihrerseits „die Fackel des Glaubens“ weiterzugeben . Costantini merkt an, dass die Mission „in die einheimische Kirche münden muss“. Der Konflikt zeigt, wie notwendig dies ist: Wo ausländische Missionare interniert sind, können einheimische Priester sie ersetzen und „die Situation retten“.

Die Ausbildung des Klerus wird jedoch nicht als Reaktion auf die Notlage betrachtet, sondern als Weg zur Reife der christlichen Gemeinschaften, „nach Gottes Plan“ und „vom Papst gewollt“.Im September 1943 trägt der Aufruf einen Titel, der Verwüstung und Zuversicht miteinander verbindet: „Die Missionen werden wiederauferstehen“. Der Krieg ist ein Sturm, der in einen Garten hereinbricht und Blumen und Zweige ausreißt. Die robusten Pflanzen beugen sich, können sich aber wieder aufrichten und neu erblühen. Bei der Propaganda gehen „Stimmen des Schmerzes, Stimmen der Flehen“ von Missionaren ein, die untätig sind, interniert wurden und hungern. Und doch, so schreibt Costantini, „ist nie ein Wort der Entmutigung eingegangen“. Der Text beschönigt die Verluste nicht. Eine Bombe, die in einem Ordenshaus explodierte, tötete fünfzehn Ordensschwestern auf einen Schlag; die verwundeten Überlebenden haben ihren „Ort der Nächstenliebe“ nicht verlassen. Neben den Opfern erinnert Costantini an diejenigen, die von ihren Gemeinschaften getrennt und in Konzentrationslager interniert wurden. Ein Bischof bezeichnet diesen Zustand als „weißes Martyrium“: „Es ist ein blutloses Martyrium, aber langwierig, zermürbend, schrecklich qualvoll“, verschlimmert durch die Sorge um die zurückgelassenen Christen. Ein anderer schreibt aus einem Konzentrationslager: „Wir bemühen uns hier, unsere Zeit sinnvoll mit Gebet und Studium zu verbringen. Nur Gott weiß, was die Zukunft uns bringen wird.
Wir werden jedoch mit seiner Gnade versuchen, auf alles vorbereitet zu sein. Alles, was wir in der Vergangenheit haben durften, haben wir angenommen und Ihm gerne dargebracht. Wir erinnern uns an die erhabenen Worte unseres heiligen Kolumban: ‚Christi sumus, non nostri: Wir gehören Christus, wir gehören nicht uns selbst.‘“Auch hier lassen sich in den Ortskirchen Keime der Hoffnung erkennen. „Glücklicherweise hatten die Missionare überall Priesterseminare gegründet“, bemerkt Costantini. An sehr vielen Orten ersetzen die einheimischen Priester die internierten. Die Priesterseminare bleiben fast überall geöffnet, „aber um den Preis unsäglicher Opfer“ . Die Hoffnung auf einen Neuanfang lebt bereits in denen, die ihre Ausbildung fortsetzen und die Gemeinden unterstützen.


Von den Trümmern zum Wiederaufbau

„Sursum corda!“ lautet der Titel der Rundfunkbotschaft zum Tag des 22. Oktober 1944. „Es sind nun schon fünf Jahre vergangen, seit der Missionstag inmitten der Verwüstungen des Krieges begangen wird“, leitet Costantini ein. Die Erwartung einer Aufhellung kommt zum Vorschein, doch die Hoffnung lässt die Opfer nicht vergessen: Die Botschaft gedenkt sechzig gefallener Missionare, unter ihnen ein Bischof. Das dramatischste Zeugnis stammt von einer Ordensschwester. Zwischen Bombardements, Hunger und langen Märschen von einer Insel zur anderen transportiert, waren sie und ihre Mitschwestern an Bord gebracht worden, ohne das Ziel zu kennen. Ein Luftangriff hatte das Schiff getroffen. „Von unseren 47 Ordensschwestern blieben nur vier unverletzt“; vierundzwanzig waren sofort gestorben. Die Priester hatten den Sterbenden beistanden, und der Bischof, der an der Schulter verwundet worden war, sollte später sterben. „Mit den Ordensschwestern, die noch nicht ins Jenseits hinübergegangen waren, erneuerten wir die heiligen Gelübde und beteten.“ Costantini kommt auf seinen Appell zurück: Die Missionare sind bereit, ihre Arbeit wieder aufzunehmen, brauchen aber Hilfe.
An die Gläubigen, die ebenfalls von den Verlusten gezeichnet sind, richtet er die Bitte, auch im Gedenken an ihre eigenen Toten zu spenden und dabei auf eine Zukunft des Friedens zu blicken: „Lasst uns alle mit festem und großem Herzen daran arbeiten, dass auf den Trümmern des Krieges, aus der Nähe und aus der Ferne, eine neue, menschlichere und christlichere Welt entsteht.“Im Laufe der Kriegsmonate wird das Papier der im Archiv der Agentur Fides aufbewahrten Sammlungen dünner, rauer und die Tinte verblasst. Im Jahr 1944 findet sich diese Botschaft unweit derjenigen zum Weltmissionssonntag: „115 Seiten mit Artikeln und Nachrichten – das ist alles, was wir in diesem Jahr 1944 liefern konnten, und leider nur für einen winzigen Teil der italienischen Presse. Es ist nicht nötig, an Abonnenten und Leser zu appellieren, damit sie verstehen, dass es moralisch und materiell nicht möglich war, mehr zu tun. Wir hoffen, dass die Ereignisse den fernsten Missionen und dem Fidesdienst bald die Möglichkeit geben werden, die durch den Krieg unterbrochenen Verbindungen wiederherzustellen: So können wir unsere Tätigkeit in vollem Umfang wieder aufnehmen.“

Im Jahr 1946 wird das Thema des Wiederaufbaus ausdrücklich angesprochen. „Wiederaufbau: Auf welcher Grundlage?“, fragt ein Artikel vom 12. Oktober, unterzeichnet von Monsignore Lazzaro Acquistapace von Fides, wo er von 1931 bis 1955 als Redakteur tätig war. In seinem Kommentar zu Costantinis Aufruf und einer Botschaft von Pius XII. an die Bischöfe Japans erinnert der Autor an die Bemühungen, die verstreuten Christen wieder zusammenzuführen, die Mauern wieder aufzurichten und die katholischen Einrichtungen wieder zu eröffnen. Doch zuallererst sei ein „moralischer und geistlicher“ Wiederaufbau erforderlich: „Auf der Grundlage des Evangeliums, auf Christus, dem Eckstein, hat jeder Missionar schon immer gebaut und wird nun wieder aufbauen.“



Von der Nachkriegszeit bis zum „dritten Weltkrieg in Etappen“

Das Kriegsende bedeutet jedoch nicht das Ende der Prüfungen. In seiner Botschaft zum Tag am 23. Oktober 1949 beschreibt Costantini das Wachstum der Werke in Afrika und den Übergang von den Auslandsmissionen zu den Ortskirchen in Indien, während die Kirche in einigen Regionen des Fernen Ostens „leidet und blutet wie die Kirche der Katakomben“. Der Titel greift den heiligen Paulus auf: „Maledicimur et benedicimus“, „Man verflucht uns und wir segnen“.

Costantini regt daraufhin zu einer sehr tiefgründigen Reflexion über die christliche Haltung angesichts des Martyriums an: „Ich würde den Rahmen sprengen, wenn ich euch die schrecklichen Berichte schildern wollte, die bei der Propaganda eintreffen: Verwüstungen, Flucht, Deportationen, Zerstreuung der Seminaristen, Zersplitterung der Christen, Raubüberfälle, Morde und Todesfälle durch Entbehrungen. Doch wenn auch das Fleisch schwach ist, ist der Geist bereit“, bekräftigt er.
Er fügt hinzu: „Kein Wort des Hasses oder der Entmutigung ist bei der Propaganda eingegangen, sondern nur Worte tiefer Barmherzigkeit. Maledicimur et benedicimus. Bei der Propaganda stehen wir in ständigem Kontakt, nicht nur mit dem Natürlichen, sondern auch mit dem Übernatürlichen; die Kirche leidet, betet und widersteht.“

Vom Krieg bis zur Nachkriegszeit war der Missionstag nie ein weltliches Ereignis, sondern hat seine Wurzeln in sehr konkreten Realitäten. Und genau das gibt dem Umstand Sinn, dass die Gläubigen auch heute noch aufgerufen sind, die Mission zu unterstützen: nicht als abstraktes Konzept, sondern als eine Realität, die in den Menschen Gestalt annimmt, die bleiben und daran arbeiten, die Stadt Gottes aufzubauen.
Während die Welt, nach den Worten von Papst Franziskus, in einen „dritten Weltkrieg in Etappen“ eingetreten ist, verdient diese Erinnerung heute mehr denn je, verbreitet zu werden.

(Fides, 8/10/2026)


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