SELIGSPRECHUNG VON FULTON SHEEN/IV - Söhne und Töchter desselben Vaters. Fulton Sheen und die Rassentrennung

Dienstag, 22 September 2026 seligsprechung   zeugen   mission   rassismus  

pontificalmissions.org

Von Marie-Lucile Kubacki

Rochester (Fides) – „Überall um uns herum gibt es Menschen, die niemals aufhören, jemanden oder etwas zu hassen und zu rufen: ‚Nieder mit dem Kapitalismus! Nieder mit den Gewerkschaften! Nieder mit der Religion! Nieder mit der Regierung! Nieder mit den Wirtschaftseliten! Nieder mit dem Privateigentum! Nieder mit dieser Klasse! Nieder mit jener Klasse!‘ Ich aber sage: ‚Schluss mit dem Klassenhass! Schluss mit jedem Hass! Hören wir auf, auf die Dinge herabzuschauen, und beginnen wir, den Blick zu heben – immer höher, hin zu Gott!‘“
Fulton J. Sheen sprach diese berühmten Worte während des Zweiten Weltkriegs in Los Angeles. Er rief dort zu Frieden und Verständigung zwischen Juden, Protestanten und Katholiken auf und wandte sich gegen den Impuls zu kollektiver Feindseligkeit. Seine Worte bieten zugleich einen Anlass, einen weniger erforschten Aspekt des öffentlichen Wirkens des US-amerikanischen Prälaten in den Blick zu nehmen: seinen konsequenten Widerstand gegen Rassendiskriminierung, der bereits vor der Verabschiedung der Bürgerrechtsgesetze der 1960er Jahre deutlich wurde.

Ein Geburtshaus für schwarze Mütter

1938 erhielt der katholische Priester und spätere Fernsehautor ein Erbe von der Herzogin Brady, einer Wohltäterin, die er in Lourdes kennengelernt hatte. Thomas C. Reeves berichtet in America’s Bishop: The Life and Times of Fulton J. Sheen, dass Sheen einen beträchtlichen Teil der Summe der Diözese Mobile im Bundesstaat Alabama zur Verfügung stellte. Damit sollten die Barmherzigen Schwestern bei der Geburtshilfe und der anschließenden Versorgung schwarzer Frauen unterstützt werden.
In Mobile herrschte damals strikte Rassentrennung. Schwarzen Müttern war der Zugang zu den Krankenhäusern für weiße Patienten verwehrt. Das mit den Spenden unterstützte Programm wurde später dem Martin de Porres Hospital angeschlossen. Im Laufe der Zeit wurde die Initiative ausgeweitet. 1950 wurde nach einer umfangreichen Spendenkampagne, an der sich Sheen weiterhin beteiligte, ein größeres Krankenhaus eröffnet. Reeves zufolge hing Sheens besonderes Interesse an diesem Projekt auch mit Fanny Washington zusammen, seiner afroamerikanischen Köchin und Haushälterin.

In den folgenden Jahren überließ Sheen die Tantiemen aus seinen Büchern und die Honorare für öffentliche Auftritte katholischen Initiativen und Einrichtungen in Alabama. Dazu gehörte seine Unterstützung der Mission des Unbefleckten Herzens Mariens in Hillview sowie Beiträge für Kapellen und mobile Missionsprojekte in North Carolina und Texas.
1942 folgte Sheen der Einladung einer schwarzen Frau in eine kleine Stadt in North Carolina. Dort hielt er auf den Stufen einer öffentlichen Schule eine Missionspredigt. Ein Jahr später durchquerte er gemeinsam mit einem Priester in einem Wohnwagen Alabama. Reeves berichtet, dass Sheen „an Straßenecken und auf Maisfeldern zu jedem sprach, der ihm zuhören wollte“.
Diese Ereignisse fanden in einer Zeit statt, in der schwarze Katholiken häufig am Rand des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens in den Vereinigten Staaten standen. Sie zeigten Sheens Entschlossenheit, seinen Einfluss, die von ihm gesammelten Gelder und seine Bekanntheit in den Dienst von Gemeinschaften zu stellen, die kaum Zugang zu vergleichbaren Ressourcen hatten.

Von Mobile nach Rochester

Sheens konkrete Unterstützung schwarzer katholischer Gemeinschaften war in einer umfassenderen moralischen und theologischen Überzeugung verwurzelt. Die Menschenrechte, so schrieb er 1941 in A Declaration of Dependence, hätten ihren Ursprung nicht in der Regierung und dürften nicht den Vorlieben einer Mehrheit untergeordnet werden. Ihr Fundament sei die Würde des Menschen vor Gott.
Staatliche Autoritäten könnten diese Rechte anerkennen und schützen. Nach elementaren Maßstäben der Gerechtigkeit dürften sie jedoch einer Gruppe von Menschen keinen geringeren Wert beimessen als einer anderen.
Diese Sichtweise, die tief in der christlichen Tradition verwurzelt war, führte Sheen dazu, rassistische Vorurteile als Weigerung zu verstehen, den anderen zunächst als Kind Gottes anzuerkennen.
Als Sheen 1966 Bischof von Rochester wurde, kam er in eine Stadt, die von den Folgen rassischer Ungleichheit im Norden der USA geprägt war. Die Unruhen im Juli 1964 hatten die Wut über Polizeipraktiken, Wohnverhältnisse, Arbeitsmöglichkeiten und den Ausschluss von den wirtschaftlichen Vorteilen einer Industriestadt sichtbar gemacht.

Katholische Organisationen in Rochester hatten bereits begonnen, darauf zu reagieren. 1960 war der Interracial Catholic Council gegründet worden. Diözesane Initiativen unterstützten schwarze Kinder und puerto-ricanische Familien.
Während seines Episkopats unterstützte Sheen zahlreiche dieser Anliegen. Die katholische Presse in Rochester berichtete, dass er zwischen 1967 und 1968 eine Organisation gegründet habe, aus der später die Bishop Sheen Ecumenical Housing Foundation hervorging. Diese Einrichtung für sozialen Wohnungsbau ist bis heute in der Region tätig und setzt sich gegen den Mangel an angemessenem Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen ein.

Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt war dabei keineswegs ein ausschließliches Problem der Südstaaten. In den Städten des Nordens konnte sie durch einen ungleichen Zugang zu Mietwohnungen, beim Kauf von Häusern, bei Hypotheken und Krediten sowie durch informelle Praktiken fortbestehen. Diese schränkten die Möglichkeiten von Familien ein, sich an bestimmten Orten niederzulassen.
In Rochester engagierte sich Sheen auch in der öffentlichen Debatte über Beschäftigung und rassistische Ausgrenzung beim Unternehmen Eastman Kodak, dem größten privaten Arbeitgeber der Stadt. Ein in der Zeitschrift America veröffentlichter Artikel zählt ihn zu denjenigen, die Druck auf Kodak ausübten, um den Zugang schwarzer Arbeitnehmer zu Ausbildung und Beschäftigung zu verbessern („Fulton Sheen, God’s Love, and the Civil Rights Movement“, 26. August 2026).

Ein missionarischer Blick auf die gesamte Menschheit

Die internationale Dimension von Sheens Wirken verstärkte diese Perspektive. Von 1950 bis 1966 war er Nationaldirektor des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung in den Vereinigten Staaten. In dieser Funktion sprach er zu den US-amerikanischen Katholiken über eine Kirche, die über Kulturen, Sprachen und nationale Grenzen hinausreicht.
Während seiner Reisen im Jahr 1960 besuchte er Argentinien und Brasilien und hielt sich insbesondere in Buenos Aires und Rio de Janeiro auf. In Rio fiel ihm die unmittelbare Nähe von extremem Reichtum und extremer Armut auf. Der Gegensatz zwischen den vornehmen Vierteln an der Küste und der wenige Schritte entfernt herrschenden Not stellte für ihn jede vereinfachende Gleichsetzung von wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Erfolg mit moralischer Tugend infrage.

Anschließend reiste Sheen nach Kenia. Dort besuchte er Missionsstationen und Gemeinschaften, die von Krankheiten, Isolation und großer Unsicherheit geprägt waren. Er feierte die Messe in einer Missionskirche mit einem Boden aus festgestampfter Erde und Dung. Später erinnerte er sich an die Begegnung mit einer Mutter von zehn Kindern, die von ihrem Mann verlassen worden war.
Seine Reise führte ihn auch nach Johannesburg, wo er die Apartheid unmittelbar erlebte. Berichte über seinen Aufenthalt schildern seine Entschlossenheit, trotz des Widerstands der Behörden einen schwarzen Katecheten in einem Gebiet zu besuchen, das der Rassentrennung unterlag.

Bei einer Missionskonferenz in St. Louis im Jahr 1953 verband Sheen die universale Dimension der katholischen Mission ausdrücklich mit der Ablehnung jeder rassisch begründeten Hierarchie. Laut einem späteren Bericht über die Veranstaltung im National Catholic Register sagte er zu den Missionaren: „Achtet nicht auf Rasse oder Hautfarbe, denn es gibt auf der Welt keine Menschen, die minderwertig sind, wenn sie durch die Sakramente Kinder der Gnade sind.“ („When Venerable Fulton Sheen Spoke to 270,000 People in St. Louis“, 14. April 2026).
In derselben Rede verwies Sheen auf den Glauben der Muslime an den einen Gott und auf ihre Verehrung Jesu und Mariens. Auch China erwähnte er. Das Land, so Sheen, bleibe trotz der schwierigen Zeit, die es durchmache, offen für eine Erneuerung des Glaubens.

Die Nächstenliebe gegenüber dem „Nächsten“, den wir uns nicht aussuchen

Fulton Sheen lässt sich nicht ohne Weiteres in die heutigen politischen Kategorien einordnen. Er war weder Bürgerrechtsaktivist noch Theoretiker des strukturellen Rassismus im späteren Sprachgebrauch der Bürgerrechtsbewegung. Sein Engagement zeigte sich in Predigten, philanthropischen Initiativen, pastoralen Reisen und Aufrufen an das Gewissen.
Dennoch hatten diese Formen seines Handelns in ihrem historischen Kontext konkrete Auswirkungen: Er unterstützte die medizinische Versorgung von Müttern dort, wo die Rassentrennung schwarzen Frauen den Zugang zu medizinischer Behandlung erschwerte. Er half Missionsgemeinschaften, die von staatlichen Einrichtungen kaum unterstützt wurden, und setzte sich in Rochester für Wohnraum und Beschäftigung ein.

Der Lebensweg von Jerome Gary Cooper veranschaulicht Sheens Ansatz. Cooper wuchs in Mobile, Alabama, auf, einer Stadt, die von der Rassentrennung geprägt war. 1954 kam er mit einem Stipendium an die University of Notre Dame und schloss dort vier Jahre später ein Studium der Finanzwissenschaften ab.
Anschließend trat er dem US Marine Corps bei. Während des Vietnamkriegs wurde er der erste afroamerikanische Marineoffizier, der im Kampfeinsatz eine Infanteriekompanie führte. Später erreichte er den Rang eines Generalmajors und wurde zum US-Botschafter in Jamaika ernannt, wo er von 1994 bis 1997 tätig war.

Die Zeitschrift America und die biografische Datenbank BlackPast berichten, dass eine Empfehlung von Fulton Sheen Cooper dabei geholfen habe, das Stipendium für die University of Notre Dame zu erhalten.
Für Sheen war Cooper „der Nächste“. Gemeint war nicht der „Nächste“, den wir uns aussuchen, weil er so denkt wie wir oder uns ähnelt – nach der Logik jener Algorithmen, die falsche Gemeinschaften schaffen. Gemeint war der Mensch, der uns vor Augen gestellt wird, oft unbequem und häufig am Wegesrand.
In diesem Menschen, davon war Sheen überzeugt, können Christen das Abbild Gottes erkennen und zugleich Zeugnis für ihren Glauben an Christus geben.

(Fides 22/9/2026)


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