Vatikanstadt (Fides) – Ein Herz, das „ganz dem Vater zugewandt und gerade deshalb ganz den Brüdern hingegeben ist“: Das ist das zentrale Bild, das Papst Leo XIV. gewählt hat, um den Charakter eines Bischofs zu beschreiben, als er am 10. September die Teilnehmer der vom Dikasterium für die Bischöfe, für die Ostkirchen und für die Evangelisierung organisierten Ausbildungskurse für neue Bischöfe zur Audienz empfing.
Aus fünf Kontinenten waren insgesamt 147 Bischöfe zu den Kursen nach Rom gekommen, die heute in der Petersbasilika mit einer Messe und der Verehrung der Reliquien des Apostels Petrus zu Ende gingen.
Bevor er seine Ansprache begann, bat der Papst darum, für die ewige Ruhe des Vaters des Pro-Präfekten des Dikasteriums für die Evangelisierung, Kardinal Luis Antonio G. Tagle, zu beten, und leitete das gemeinsame Beten eines „Ave Maria“ zum Trost für die Familie.
Der Papst versicherte den neuen Bischöfen und mit ihnen ihren Kirchen die Aufnahme in seine Gebete und erklärte: „Jeder darf einen Platz im Herzen eines Bischofs finden, denn jeder hat bereits einen Platz im Herzen Christi.“ Ausgehend davon entwickelte der Nachfolger Petri seine Betrachtung für die neuen Nachfolger der Apostel.
Das Wichtigste, so der Papst, sei es, bei Jesus zu bleiben. „Unter den vielen Aufgaben, zu denen ihr als Bischöfe berufen seid, ist dies die wichtigste. Wir sind Bischöfe, aber wir sind vor allem Jünger“, betonte er. „Er setzte zwölf ein“, so das Evangelium nach Markus, „die er Apostel nannte, damit sie bei ihm blieben und er sie aussenden konnte, zu predigen“, fuhr der Bischof von Rom fort. „Das ist der Auftrag des Evangeliums: bei ihm zu bleiben und von ihm ausgesandt zu werden“, erklärte er und lud dazu ein, die Zeit zu bewahren, die der Eucharistie, dem Wort Gottes und dem stillen Gebet gewidmet sein soll.
Der Papst verwies dann auf einen zweiten Aspekt, den er als das charakteristischste Merkmal des Bischofsamtes darstellte: „das Herz Jesu, des guten Hirten, zu haben – ein Herz, das ganz dem Vater zugewandt und gerade deshalb ganz den Brüdern hingegeben ist.“ Unter Berufung auf das Johannesevangelium: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe“, ermahnte der Papst die Bischöfe mit deutlichen Worten: „Liebt die Menschen, die der Herr euch anvertraut hat. Lernt ihre Namen kennen, hört euch ihre Geschichten an, geht, wann immer ihr könnt, in ihre Häuser, betet mit ihnen.“ Besonders in den jungen Kirchen, so bemerkte er, „sagt die Anwesenheit des Bischofs sehr viel aus, noch bevor er das Wort ergreift“: Ein Besuch, ein Segen, das Zuhören bei einer Familie und andere kleine Gesten „können einem Menschen ein Leben lang im Herzen bleiben“.
Diese Betonung des pastoralen Herzens durch Leo XIV. erinnert stark an ein Thema, das seinem Vorgänger am Herzen lag: Am 24. Oktober 2024 hatte Papst Franziskus die gesamte Enzyklika „Dilexit nos“ der menschlichen und göttlichen Liebe des Herzens Christi gewidmet und sie als Schlüssel zum Verständnis des Lebens der Kirche und des Dienstes ihrer Hirten dargestellt.
Der Papst verwies anschließend auf das, was die Tradition als „sollicitudo pastoralis“ bezeichnet, jene Seelsorge, die der heilige Paulus im Zweiten Brief an die Korinther als seine „tägliche Sorge“ bezeichnete – ein charakteristisches Merkmal der „bischöflichen Vaterschaft“, durch das die anvertraute Kirche „immer mehr Teil eures Lebens, fast Teil von euch selbst“ wird. Unter Bezugnahme auf eine Predigt von Papst Franziskus vom 18. Mai 2020 erinnerte Leo XIV. daran, dass „die Nähe eines der Merkmale Gottes gegenüber seinem Volk ist“, und fügte eine Passage hinzu, die Papst Franziskus selbst am 12. September 2019 vor den Bischöfen des Ausbildungskurses ausgesprochen hatte: „Wir existieren, um diese Nähe spürbar zu machen.“ Daraus ergab sich der Aufruf, die Priester zu lieben, insbesondere die älteren und kranken unter ihnen: „Gebt ihnen das Gefühl, dass sie wertvoll sind, dass die Kirche ihnen dankbar ist und dass der Bischof sie nicht vergisst.“
In Anlehnung an den heiligen Augustinus, der seinen Dienst als „amoris officium“ (In Iohannis Evangelium, 123, 5), als Amt der Liebe, bezeichnete, verband Leo XIV. diese pastorale Nächstenliebe mit den Fragen der Gegenwart. Er zitierte seine Enzyklika „Magnifica humanitas“, in der er erklärte, er habe „vor allem den Hirten der Kirchen eine Vision und eine Methode anbieten wollen, um die große Herausforderung des Schutzes des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz anzugehen“, und forderte die Bischöfe auf, in den Diözesen „Wege der Reflexion und des Dialogs“ im Dienst einer „Zivilisation der Liebe“ zu fördern.
Die zahlreichen Bischöfe aus jungen Kirchen und Missionsgebieten forderte der Papst auf, „ein missionarisches Herz“ zu bewahren, das fähig ist, sich „nicht nur denen zu öffnen, die unsere Pfarreien besuchen, sondern auch den Christen anderer Konfessionen, den Gläubigen anderer Religionen, den Menschen, die keinen Glauben bekennen, sowie allen Männern und Frauen guten Willens“. Unter erneuter Berufung auf den heiligen Augustinus – „Vobis enim sum episcopus, vobiscum sum christianus“, „für euch […] bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ“ (Sermo 340, 1) – forderte Leo XIV. die neuen Bischöfe auf, mit ihrem Volk zu gehen, zu beten, das Wort Gottes zu hören und gemeinsam mit den Gläubigen die Eucharistie zu feiern.
Zum Abschluss der Begegnung versicherte der Papst den Bischöfen, die sich auf den Weg in ihre jeweiligen Diözesen machten, die Treue des Herrn, der sie berufen hat und ihnen auf ihrem Weg vorangehen wird, und vertraute sie zusammen mit ihren Völkern der Obhut Mariens, der Mutter der Kirche, an.
(MLK) (Fides 10/9/2026)