ASIEN/PAKISTAN - Pater Channan: "Die katholische Kirche setzt sich für interreligiösen Dialog, soziale Bildung und Frieden ein”

Samstag, 20 Juni 2026

Peace Center Lahore

Lahore (Fides) – „Das Evangelium ruft uns zum Frieden auf. Pakistans Christen sind ein Volk der Hoffnung: Wir verbreiten weiterhin die Botschaft des Friedens, der Menschenwürde und der Gerechtigkeit, die uns Jesus Christus anvertraut hat“, so Pater James Channan, Dominikaner und Leiter des „Peace Center“ in Lahore, in einem Interview mit Fides. Er betrachtet es als dringende Notwendigkeit, die Soziallehre der Kirche in einem Kontext religiöser Vielfalt, sozialer Ungleichheit und Bedrohungen der Religionsfreiheit zu verbreiten und anzuwenden.
Obwohl die katholische Kirche nur 1,37 % der pakistanischen Bevölkerung ausmacht, spielt sie – so Pater Channan – weiterhin „eine bedeutende Rolle bei der Förderung von Frieden, interreligiösem Dialog, Menschenrechten und Gewissensbildung“.
Pakistan hat über 230 Millionen Einwohner und ist ein mehrheitlich muslimisches Land (96 %), während die Zahl der Christen etwa 3,3 Millionen beträgt. „Als Minderheitengemeinschaft sind wir aufgrund unseres Glaubens oft Diskriminierung und manchmal auch Verfolgung ausgesetzt“, bemerkt Pater Channan, der an die hohe Analphabetenrate in der christlichen Gemeinschaft erinnert, die auf 65 bis 80 Prozent geschätzt wird, und die damit verbundenen begrenzten Kenntnisse über die Soziallehre der Kirche.
Trotz dieser Herausforderungen leistet die katholische Kirche weiterhin einen bedeutenden Beitrag zur pakistanischen Gesellschaft durch Schulen, Berufsbildungszentren, Seelsorgeeinrichtungen und Bildungsprogramme, die die Menschenwürde, gleiche Bürgerrechte und Religionsfreiheit fördern. Laut dem Ordensmann stellen diese Einrichtungen konkrete Wege dar, eine inklusivere Gesellschaft aufzubauen, die Unterschiede respektiert.
Der interreligiöse Dialog, insbesondere zwischen Christen und Muslimen, ist ein zentrales Anliegen der Kirche, vor allem in Pakistan. In diesem Zusammenhang gründete die pakistanische Bischofskonferenz die Nationale Kommission für Interreligiösen Dialog und Ökumene. Diese fördert landesweit Seminare, Treffen und Initiativen und schafft so Möglichkeiten für Austausch und Zusammenarbeit zwischen Angehörigen verschiedener Religionen.
Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang, wie Pater Channan betont, der Dominikanerorden mit dem „Ibn-e-Mariam Center for Peace“ in Lahore, das 2010 von Kardinal Jean-Louis Tauran eingeweiht wurde. Die Einrichtung, allgemein als „Peace Center“ bekannt, organisiert das ganze Jahr über Schulungsprogramme, Konferenzen und Aktivitäten, insbesondere für junge Menschen und Familien, „mit dem Ziel, eine Kultur der Begegnung, des Friedens und des harmonischen Zusammenlebens zu fördern“, erklärt er.
Pater Channan merkt an, dass „in den letzten Jahren auch zivile Institutionen dem Thema zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt und Kommissionen für interreligiöse Harmonie auf Bundes- und Provinzebene eingerichtet haben“. „Dennoch“, stellt er fest, „bleibt es unerlässlich, den Dialog zu stärken, insbesondere auf lokaler Ebene, wo es häufig zu Spannungen und Missverständnissen zwischen verschiedenen Gemeinschaften kommt.“
Die Situation Pakistans ordnet Pater Channon in den breiteren asiatischen Kontext ein und erinnert daran, dass Asien Heimat von fast 60 % der Weltbevölkerung und etwa 415 Millionen Christen ist, was 8 % der Bevölkerung des Kontinents entspricht. „In einem Kontext, der von außergewöhnlichem religiösem, kulturellem und ethnischem Pluralismus geprägt ist, stellt die Soziallehre der Kirche eine wertvolle Ressource für die Förderung guter Regierungsführung, verantwortungsvoller Führung und ganzheitlicher menschlicher Entwicklung dar“, bemerkt er.
Unter Bezugnahme auf das Lehramt der Kirche, von der Enzyklika „Rerum Novarum“ von Papst Leo XIII. zur Enzyklika „Centesimus Annus“ von Papst Johannes Paul II., betont Pater Channan, dass „der wirtschaftliche, soziale und technologische Fortschritt, der die asiatischen Gesellschaften kennzeichnet, untrennbar mit moralischer Verantwortung und der Achtung der Menschenwürde verbunden ist.“ Und bei diesem Thema sei es wichtig, Gläubige aller Religionen einzubeziehen.
„In Asien ist religiöser Pluralismus keine Theorie, sondern gelebte Realität für Millionen von Menschen“, bemerkt der Priester. Aus diesem Grund, schließt er, „ist es notwendig, Bildungsinitiativen, Publikationen, Seminare und gemeinsame Aktivitäten zwischen Christen, Muslimen und Angehörigen anderer Religionen zu intensivieren, unter anderem durch verstärkte finanzielle Unterstützung für kirchliche Organisationen, die in diesem Bereich tätig sind.“
(PA) (Fides 20/6/2026)


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