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von Marie-Lucile Kubacki
Vatikanstadt (Fides) – Papst Leo XIV. empfing heute Vormittag Kardinal Giorgio Marengo, den Apostolischen Präfekten von Ulaanbaatar, sowie den Ehrwürdigen D. Javzandorj, den 30. Khamba Nomun Khan und Abt des Klosters Gandantegchinlen, auch Gandan genannt, dem größten des Landes. „
Wir freuen uns sehr über die wichtige Zusammenarbeit und den Dialog zwischen der katholischen Kirche und der buddhistischen Welt in der Mongolei“, erklärte Kardinal Marengo gegenüber Fides.
„Es war ein herzliches Treffen. Wir schätzen die Freundlichkeit und Großzügigkeit von Papst Leo sehr, der trotz seines so intensiven Terminkalenders und des allen bekannten Genesungsprozesses auf dem Weg zur vollständigen Wiederherstellung seiner Gesundheit dieses Treffen gewünscht hat und so dem Abt Javzandorj die Möglichkeit gab, ihn persönlich zu treffen.“
„Wir sind dem Heiligen Vater sehr, sehr dankbar für diese Geste großer Güte, mit der er die Delegation des Gandan-Klosters aus Ulaanbaatar empfangen wollte“, fügte der Kardinal hinzu. Die Delegation wurde von der mongolischen Botschafterin in Italien, Bulgan Dansran, und der mongolischen Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Davaasuren Gerelmaa, begleitet. Zu ihr gehörte auch Professor Thomas Cattoi, Inhaber des William-und Barbara-Moran-Lehrstuhls für Theologie des frühen Christentums und interreligiöse Beziehungen an der Päpstlichen Universität St. Thomas von Aquin (Angelicum).
„Diese Synergie zum Wohle der Gesellschaft und für den Weltfrieden“, betonte der Kardinal, „kam auch sehr gut in dem Geschenk zum Ausdruck, das der Ehrwürdige Javzandorj Papst Leo überreichen wollte.“ Es handelt sich um ein Gemälde, das von den Meistern des Ateliers für bildende Kunst des Klosters Gandan auf Anweisung des Abtes selbst angefertigt wurde. Das Werk stellt den „Weisen Alten“ dar, eine Figur, die „in der mongolischen Tradition und in anderen Ländern des Fernen Ostens für ein langes Leben und Weisheit steht“, zusammen mit „einer symbolischen Darstellung von vier verschiedenen Tieren, die die Vielfalt verkörpern, die, wenn sie vereint wird, zu Stärke, zum Versprechen auf Erfolg und Zukunft wird“. Das Ganze ist „im mongolischen Stil verziert“ und durch ein Bild bereichert, das an den Haupttempel des Gandan-Komplexes erinnert. „Der Besuch beim Heiligen Vater“, fügte der Kardinal hinzu, „endete dann mit einem weiteren Moment spiritueller und kultureller Bedeutung in der Petersbasilika, wo die Delegation die Schönheit des heiligen Raums bewundern konnte. Wir haben auch einen Zwischenstopp im innersten Teil der Basilika gemacht, auf Höhe des Petrusgrabs.“
Es handelt sich um die dritte Audienz, die ein Papst einer mongolischen buddhistischen Delegation gewährt hat. Die erste fand am 28. Mai 2022 statt, als Papst Franziskus die offiziellen Vertreter des mongolischen Buddhismus anlässlich des 30. Jahrestags der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Mongolei empfing.
Bei der zweiten Audienz am 13. Januar 2025 wurde derselbe Javzandorj zusammen mit Kardinal Marengo von Franziskus empfangen. Im Oktober 2025 nahmen zudem mongolische buddhistische Mönche in Begleitung des Kardinals an den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Konzilserklärung „Nostra Aetate“ in Anwesenheit von Leo XIV. teil.
Das heutige Treffen kommt aufgrund der Rolle von Gandan eine besondere Bedeutung zu. Gandan wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet und war nach dem demokratischen Wandel von 1990 die treibende Kraft hinter der Wiederbelebung des Buddhismus. Heute umfasst es drei philosophische Kollegien und mehrere rituelle Kollegien und leitet die Buddhistische Universität der Mongolei. Die päpstliche Audienz ist auch ein Zeichen für eine Freundschaft und ein Vertrauen, die im Laufe der Zeit gewachsen sind. Während des Krankenhausaufenthalts von Papst Franziskus im Februar 2025 hatte der Abt dem Apostolischen Nuntius eine unterzeichnete und versiegelte Botschaft übermitteln lassen, in der er die Verbundenheit der Mönche von Gandan zum Ausdruck brachte, und auf Bitten von Präsident Ukhnaagiin Khürelsükh hatte er die Rezitation heiliger Texte für die Genesung des Papstes geleitet. Nach dem Tod von Franziskus hatte das Kloster eine Gebetsfeier für seine Seele abgehalten und auch anlässlich der Wahl des neuen Papstes seine Verbundenheit bekundet.
Javzandorj, geboren 1980, wurde im November 2023 an die Spitze von Gandan berufen und ist eine Persönlichkeit von großem Ansehen. Er trat 1991 ins Kloster ein und reiste 1998 nach Indien, um am Gomang-Kolleg des Klosters Drepung zu studieren, wo er 2001 die vollständige Mönchsweihe empfing. Im Jahr 2017 erlangte er den Titel eines Geshe Lharampa, den höchsten akademischen Grad der Gelug-Tradition, und belegte dabei den ersten Platz unter rund tausend Kandidaten, bevor er seine tantrischen Studien in Gyuto fortsetzte, wie das Portal StudyBuddhism berichtet.
„Das Thema des Dialogs und der Zusammenarbeit ist für die katholische Kirche in der Mongolei von zentraler Bedeutung“, betonte Kardinal Marengo. „Wir sind überzeugt, dass wir durch Begegnungen dieser Art und auf der Grundlage der regelmäßigen Arbeit des Dialogs, der Begegnungen und der Zusammenarbeit, die wir vor Ort leisten, der gesamten Gesellschaft eine positive Botschaft vermitteln können: Wenn sich religiöse Traditionen gegenseitig in dieser Art von Dialog engagieren, verwirklicht sich jener Beitrag, den jede religiöse Tradition der Gesellschaft leistet. Die religiösen Traditionen also als Partner für den Aufbau einer Gegenwart und einer Zukunft, die auf Frieden, gegenseitigem Respekt und dem Einsatz für das Gemeinwohl beruhen.“
In dem Land, in dem die katholische Kirche seit 1992 präsent ist, hat sie den Dialog mit dem Buddhismus zu einem wesentlichen Bestandteil ihrer Mission gemacht.
Wie sein Vorgänger Wenceslao Padilla nimmt Kardinal Marengo regelmäßig an nationalen und internationalen buddhistischen Treffen teil und ist Mitglied einer Gruppe der wichtigsten religiösen Vertreter des Landes, die sich regelmäßig trifft. In Karakorum, der alten Hauptstadt des mongolischen Reiches, hat die Kirche ein Zentrum für den Dialog eröffnet.Der Buddhismus ist die am weitesten verbreitete Religion in der Mongolei. Die Verfassung von 1992 verankert die Trennung von Staat und Religion, doch das Gesetz von 1993 über die Beziehungen zwischen dem Staat und den religiösen Institutionen legt fest, dass der Staat „die vorherrschende Stellung des Buddhismus“ im Hinblick auf die Einheit des Volkes und die Traditionen seiner Kultur achtet, wobei klargestellt wird, dass dies die Bürger nicht daran hindert, anderen Religionen anzugehören. Der Buddhismus verbreitete sich im Land in drei großen Wellen, gemäß der traditionellen Periodisierung mongolischer Historiker. Die erste Welle erfolgte in den ersten Jahrhunderten über Zentralasien, wohin der Buddhismus von Indien aus entlang der Handelswege gelangt war: Seine Präsenz im Land ist bereits seit etwa dem 5. Jahrhundert belegt. Die zweite Welle geht auf die Zeit des Mongolischen Reiches zurück, als Kublai Khan sich dem tibetischen Buddhismus zuwandte. Die dritte Welle im 16. Jahrhundert wurde 1578 durch das Bündnis zwischen dem Fürsten Altan Khan und dem tibetischen Abt Sonam Gyatso besiegelt, dem die Mongolen den Titel „Dalai Lama“ verliehen.
In einem auf der mongolischen Website Zindaa.mn veröffentlichten Interview hob der Abt die Rolle von Zanabazar (1635–1723), dem ersten Bogd Jebtsundamba (höchste buddhistische geistliche Autorität in der Mongolei), hervor: „Ein einzigartiges Merkmal des mongolischen Buddhismus ist seine dritte und jüngste Ausbreitungswelle, die eng mit unserem ersten Bogd Jebtsundamba, Öndör Gegeen Zanabazar, einem direkten Nachkommen des Goldenen Geschlechts von Dschingis Khan, verbunden ist. Unter seiner Führung wurde die grundlegende Struktur des mongolischen Buddhismus geprägt. Öndör Gegeen Zanabazar hat die zehn traditionellen Wissenschaften des Buddhismus, insbesondere die Künste und Handwerke sowie das innere Wissen, weise miteinander verbunden und entscheidend zu ihrer Blüte in der Mongolei beigetragen. „Unser klösterliches Bildungssystem, einschließlich der Übersetzung der heiligen Texte, der von ihm festgelegte besondere Stil der Mönchsgewänder und deren reiche symbolische Bedeutung sowie unsere Tempelarchitektur und unser Gesangsstil unterscheiden uns von anderen Traditionen.“ Javzandorj fügte hinzu, dass sich der Buddhismus in der Mongolei „auf einzigartige Weise entwickelt hat, indem er sich mit der Lebensweise und der Kultur in Einklang gebracht hat, die von den vier Jahreszeiten und den weiten Landschaften des Landes geprägt sind“, und dass die Mongolei zu den wenigen Nationen gehört, die den Kangyur, die Worte Buddhas, und den Tengyur, die Kommentare der indischen Meister, vollständig in ihre eigene Sprache übersetzt haben.
Kardinal Marengo und Abt Javzandorj werden morgen, am Dienstag, dem 27. Oktober, an der Abschlussveranstaltung in Assisi teilnehmen, die von der Gemeinschaft Sant’Egidio anlässlich des 40. Jahrestags des von Johannes Paul II. im Jahr 1986 einberufenen Gebetstages für den Frieden organisiert wird. Der Papst wird nicht persönlich anwesend sein, sondern den Teilnehmern eine Botschaft übermitteln.
(Fides, 26/10/2026)