Dar es-Salaam (Fides) – „Ein Jahr nach den Wahlen im vergangenen Jahr gedenken wir unserer Mitbürger, die verletzt wurden, verschwunden sind oder sogar getötet wurden“, erklärt Bischof Wolfgang Pisa von Lindi und Vorsitzender der Tansanischen Bischofskonferenz (Tanzania Episcopal Conference, TEC) in einem Hirtenbrief mit dem Titel auf Swahili „Bwana Awape Amani!“ („Der Herr gebe euch Frieden!“). Der Titel bezieht sich auf die Worte aus dem Zweiten Brief an die Thessalonicher (3,16): „Der Herr des Friedens aber schenke euch den Frieden zu jeder Zeit und auf jede Weise. Der Herr sei mit euch allen.“
Ein Jahr später ruft der Vorsitzende der TEC die Kirche in Tansania dazu auf, Gedenkmessen für die Opfer der Gewalttaten zu feiern, die anlässlich der Parlamentswahlen vom 29. Oktober 2025 ausgebrochen waren. Die Wahl fand in einem Klima starker Spannungen statt, geprägt von Protesten der Opposition, nachdem deren wichtigste Kandidaten von den Wählerlisten gestrichen oder verhaftet worden waren (siehe Fides, 1.11.2025).
Nach der Verkündung des Wahlsiegs von Präsidentin Samia Suluhu Hassan, der etwa 98 % der Stimmen zugeschrieben wurden, kam es in verschiedenen Orten des Landes zu Protesten. Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften gab es Tote und Verletzte, während mehrere Personen als vermisst galten (siehe Fides, 4.11.2025). Eine von der Regierung eingesetzte Kommission schätzte die Zahl der Opfer anschließend auf 518, überwiegend Zivilisten, von denen die meisten durch Schüsse getötet wurden.
„Dieser Zustand des Leids und der Tragödie ist unter unserem Volk noch immer präsent“, schreibt Bischof Pisa. „In diesem Zusammenhang sind wir aufgerufen, als Gemeinschaft der Gläubigen vereint zu bleiben und unsere Nation, ihre Führer und ihr Volk dem barmherzigen Gott anzuvertrauen“.
„Wir bitten darum, dass Heilige Messen für diese Anliegen gefeiert werden: für diejenigen, die verletzt wurden, vermisst werden oder getötet wurden, sowie für unsere Nation“, fährt der Bischof fort. Er empfiehlt außerdem, dass die Gottesdienste, soweit möglich, am Donnerstag, dem 29. Oktober 2026, in den Pfarreien, Gebetsstätten und kirchlichen Einrichtungen stattfinden.
In einer am 15. November 2025 veröffentlichten offiziellen Erklärung hatten die Bischöfe der TEC ihre tiefe Trauer zum Ausdruck gebracht und die Tötung der Demonstranten verurteilt, die sie als „brutal und unmenschlich“ bezeichneten und als „ein Gräuel vor Gott“ einstuften.
Zudem hatten sie die Einleitung einer unabhängigen Untersuchung sowie die bedingungslose Freilassung der Personen gefordert, die aus wahlpolitischen oder politischen Gründen inhaftiert wurden.
(L.M.) (Fides, 26/10/2026)