AFRIKA/RUANDA - Die Herausforderung der Versöhnung umfasst auch die Wiedereingliederung ehemaliger Häftlinge

Mittwoch, 21 Oktober 2026

Rom (Fides) – „Versöhnung ist ein fortwährender Prozess“, erklärt Bischof Papias Musengamana von Byumba, Beauftragter für das Apostolat der Laien bei der Bischofskommission für das Laienapostolat, in einem Gespräch mit Fides am Rande des Internationalen Forums der Katholischen Aktion (FIAC), das vom 15. bis 18. Oktober in Rom stattfand.
In dem Fides gewährten Interview erklärt Bischof Musengamana, dass die Kirche 32 Jahre nach dem Völkermord an den Tutsi diejenigen bei ihrer Rückkehr in die Gesellschaft begleitet, die kurz vor dem Ende ihrer Haftstrafe stehen. Im Mittelpunkt der Seelsorge stehen zudem Jugendliche, Familie und Bildung.


Die Kirche in Ruanda hat das 125-jährige Jubiläum der Evangelisierung gefeiert. Was hat dieses Jubiläum für Sie bedeutet?

Es war eine Gelegenheit, den Weg seit der Ankunft der ersten Missionare im Jahr 1900 bis heute Revue passieren zu lassen und zu den Wurzeln unseres Glaubens zurückzukehren. Das Jubiläum der Kirche in Ruanda wurde auf allen Ebenen gefeiert: auf Pfarrei-, Diözesan- und nationaler Ebene. Im Anschluss an die Feierlichkeiten hat die Ruandische Bischofskonferenz ein Programm für die nächsten 25 Jahre ausgearbeitet, in dem wir den Schwerpunkt auf die Familienpastoral, die Jugend, die Bildung und vor allem auf die Versöhnung innerhalb der Gemeinschaften und auf nationaler Ebene legen wollten.

Sind in diesem Zusammenhang die Wunden, die die Ereignisse von 1994 hinterlassen haben, noch immer offen?


Der Völkermord an den Tutsi hat tiefe Spuren im Land hinterlassen, und es ist noch ein langer Weg bis zur vollständigen Versöhnung.
Meiner Meinung nach ist Versöhnung ein fortwährender Prozess. Jeder von uns ist jeden Tag dazu aufgerufen, sich mit Gott, mit sich selbst und mit seinen Brüdern und Schwestern zu versöhnen. Für ein Land, das so dramatische Ereignisse wie das unsere erlebt hat, ist dieser Weg noch anspruchsvoller.
32 Jahre nach dem Völkermord – eine noch relativ kurze Zeitspanne – sehen wir, dass dank Gott einige wichtige Schritte unternommen wurden, auch wenn noch viel zu tun bleibt.

Können Sie uns einige konkrete Beispiele für Versöhnung nennen?

Es gibt Familien, die sich versöhnt haben, und Personen, die für Verbrechen verantwortlich sind und wieder eine Beziehung zu ihren Opfern aufgebaut haben. Zudem werden bald mehrere Personen, die ihre Strafen für die 1994 begangenen Verbrechen verbüßen, aus dem Gefängnis entlassen.
Als Kirche widmen wir diesen Menschen große Aufmerksamkeit. Wir versuchen sicherzustellen, dass diejenigen, die kurz vor der Entlassung stehen, auf die Wiedereingliederung in die Gesellschaft vorbereitet sind und dass auch ihre Familien und Nachbarn bereit sind, sie aufzunehmen.
Das ist keine leichte Aufgabe. Nach Jahrzehnten im Gefängnis werden diese Menschen in ein Land zurückkehren, das sich tiefgreifend verändert hat, und sie werden zudem mit den Schwierigkeiten der familiären und sozialen Wiedereingliederung konfrontiert sein. Deshalb müssen wir sowohl mit denjenigen arbeiten, die kurz vor der Entlassung stehen, als auch mit den Gemeinschaften, die sie aufnehmen werden.

Auch in Ruanda stellen junge Menschen die Mehrheit der Bevölkerung dar. Wie gedenkt die Kirche, sie auf ihrem Weg des Heranwachsens zu begleiten?

Junge Menschen machen über 70 Prozent der ruandischen Bevölkerung aus. Bildung und die neuen Generationen stehen daher im Mittelpunkt unserer Seelsorge: Es handelt sich um zwei Bereiche, die eng miteinander verbunden sind. Junge Menschen sind die Zukunft und die Hoffnung der Kirche; ihre Ausbildung hat daher in unserem Seelsorgeprogramm – zusammen mit der Förderung der Familie – höchste Priorität.

Gibt es also eine Herausforderung im Bildungsbereich?

Wir müssen das Engagement der Behörden anerkennen, die in Bildung für alle investiert haben. Es gibt jedoch noch viel zu tun, vor allem um allen Kindern den Zugang zur Schule zu gewährleisten. Die Klassen sind oft überfüllt, und die Qualität der Bildung muss verbessert werden.
Als Kirche wollen wir unseren Beitrag in diesem Bereich leisten, in dem wir uns bereits stark engagieren. Die Kirche betreibt zahlreiche Schulen im Land, vom Kindergarten über die Grundschule bis hin zur Sekundarstufe. Wir wollen weiterhin eine qualitativ hochwertige Bildung gewährleisten, die auf christlichen Werten basiert.
Wir sind uns zudem der zahlreichen Herausforderungen bewusst, denen junge Menschen gegenüberstehen: vom nicht immer positiven Einfluss der sozialen Medien über Schwierigkeiten in den Familien bis hin zur Verbreitung von Alkohol und Drogen.

Ist auch in Ruanda ein Anstieg des Drogenkonsums zu verzeichnen?

Ja. Vor allem der Alkoholmissbrauch ist weit verbreitet, und zahlreiche junge Menschen leiden unter alkoholbedingten Problemen. Auch der Drogenkonsum betrifft unser Land. Schließlich ist die Welt zu einem globalen Dorf geworden, und es gibt Probleme, die uns alle betreffen.
Jugendliche, die keine Schule besuchen oder arbeitslos sind, sind oft einem höheren Risiko ausgesetzt, in Alkohol- und Drogenabhängigkeit zu geraten.
Auch die Nutzung von Smartphones und sozialen Medien kann Probleme verursachen, wenn Jugendliche nicht im richtigen und bewussten Umgang damit geschult werden. Sie müssen lernen, verantwortungsbewusst mit diesen Instrumenten umzugehen, ohne zu ihren Sklaven zu werden.

Als Kirche haben wir in diesem Bereich Bildungsinitiativen ins Leben gerufen. Die Kommission, deren Vorsitz ich innehabe, hat beispielsweise Kurse ins Programm genommen, um Jugendlichen den richtigen Umgang mit diesen Geräten beizubringen. Wir tun dies in den Gruppen der Katholischen Aktion, in den Pfarreien und in den Schulen.

(L.M.) (Fides 21/10/2026)


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