Archdiocese of Colombo
Colombo (Fides) – „Es ist eine Wunde, die langsam heilt. Der Heilungsprozess ist im Gang. Mit diesem Urteil können wir sagen, dass wir auf dem Weg der Wahrheit und Gerechtigkeit vorankommen, denn die unmittelbaren Täter des Massakers und einige der Mitorganisatoren wurden ermittelt. Ein zweiter Teil muss jedoch noch geklärt werden: Es gilt herauszufinden, welche Personen die Anschläge begünstigt haben, um daraus politischen Nutzen zu ziehen und an die Macht zu gelangen.“
So kommentierte Pater Jude Chrysantha Fernando, Priester aus Colombo und Direktor des Büros für Kommunikation und Medien des Erzbistums Colombo, gegenüber der Nachrichtenagentur Fides das Urteil des Obersten Gerichtshofs von Sri Lanka. Das Gericht hatte gestern 15 von insgesamt 24 Angeklagten im Prozess um die Massaker vom 21. April 2019 verurteilt (vgl. Fides 22.09.2025). Damals verübten Selbstmordattentäter Anschläge auf drei Kirchen und drei Luxushotels. 279 Menschen wurden getötet, darunter 45 aus dem Ausland.
Die 15 Verurteilten erhielten Haftstrafen zwischen 200 und 260 Jahren. Das Gericht ordnete zudem die Beschlagnahmung ihrer Vermögenswerte und weiterer Besitztümer an. Bei den Verurteilten handelt es sich um die unmittelbaren Täter der Anschläge. „Es sind Menschen muslimischen Glaubens, die ihren Glauben als Ideologie benutzt haben, um zu töten“, erklärt Pater Fernando. Neun weitere Angeklagte wurden hingegen „wegen unzureichender Beweise“ freigesprochen, berichtet der Priester, der gestern bei der Urteilsverkündung im Gerichtssaal anwesend war.
„Um jedoch zur vollständigen Wahrheit und Gerechtigkeit zu gelangen, ist dies nur ein erster Schritt. Der Weg ist noch lang“, fährt Pater Fernando fort. Zu den Verurteilten gehört auch der Leiter des staatlichen Nachrichtendienstes, eine Schlüsselfigur, die „die Hintermänner und die Verbindungen zur Politik offenlegen müsste. Bisher hat er dies jedoch nicht getan. Dadurch könnte geklärt werden, wer die Anschläge ermöglicht oder begünstigt hat, um an die Macht zu gelangen“, erklärt der Priester.
Die Behörden untersuchen in einem gesonderten Verfahren mögliche Verbindungen zwischen Teilen des staatlichen Apparats und den Verantwortlichen für die Anschläge.
Pater Chrysantha Fernando berichtet auch über die Familien der Opfer: „Einige von ihnen waren vor dem Gericht. In gewisser Weise haben sie Gerechtigkeit erfahren, weil sie nun wissen, dass diejenigen, die ihre Kinder oder Angehörigen getötet haben, bestraft werden.“
Zugleich weist er darauf hin, dass die Familien bereits Entschädigungen vom Staat sowie Unterstützung von der katholischen Kirche erhalten haben. „Einige, die ihre Ehefrau oder ihren Ehemann verloren haben, haben wieder geheiratet und sich ein neues Leben aufgebaut. Das ist ein Zeichen dafür, dass das Leben weitergeht. Wir dürfen niemals die Hoffnung verlieren, die von Gott kommt“, so der Priester.
In mehreren Kirchen und Gemeinden in Colombo fanden Gedenkfeiern für die Opfer der Osteranschläge statt. In tiefer Anteilnahme wurde dabei der Getöteten gedacht und ihrer Erinnerung Ausdruck verliehen.
Unter den Opfern waren 167 katholische Gläubige, die während der Ostermesse in den Kirchen St. Antonius in Colombo und St. Sebastian in Negombo getötet wurden. Sie wurden in den vom Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse erstellten Katalog der „Glaubenszeugen“ des 21. Jahrhunderts aufgenommen. Der Katalog wurde im Heiligen Jahr 2025 von der Kommission für die neuen Märtyrer und Glaubenszeugen vorgestellt.
(PA) (Fides 23/9/2026)