Internet
Port-au-Prince (Fides) – Das neue Jahr hat bislang keine Verbesserung der schweren humanitären Krise gebracht, unter der die Bevölkerung der Karibikinsel leidet.
Nach Angaben der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ in Haiti wurde im Krankenhaus von Drouillard in Port-au-Prince ein deutlicher Anstieg der durch Gewalt verursachten Krankenhausaufenthalte verzeichnet. Zwischen dem 29. Dezember 2025 und dem 12. Januar 2026 wurden innerhalb von 15 Tagen 101 durch Gewalt verletzte Patienten aufgenommen, darunter 66 mit Schussverletzungen. Die Zahl dieser ersten Wochen übersteigt bereits bei weitem den monatlichen Durchschnitt von 54 Einweisungen wegen Schussverletzungen in Drouillard im Jahr 2025. Von diesen Patienten waren 30 % Frauen und 9 % Kinder unter 15 Jahren.
Seit Dezember letzten Jahres kam es in der haitianischen Hauptstadt vermehrt zu Zusammenstößen zwischen der haitianischen Polizei (Police National d’Haiti, PNH) und bewaffneten Gruppen, vor allem in dicht besiedelten Stadtvierteln, die unter deren Kontrolle stehen. Für Tausende von Zivilisten ist der Alltag mittlerweile von Schießereien und Drohnenangriffen geprägt, wodurch viele Menschen in den von bewaffneten Gruppen kontrollierten Gebieten gefangen sind.
In diesem tragischen Kontext haben mehrere kleine Ereignisse das Leben der Berggemeinde Pourcine Pic-Makaya geprägt, wie Pater Massimo Miraglio (MI) bei seiner Rückkehr aus Jeremie berichtet, wo er sich aufgehalten hatte, um weitere Hilfsmaßnahmen für die Gemeinde Pourcine zu planen, deren Pfarrer er ist.
„Ich bin in unsere Pfarrei, mit einigen Planen für etwa fünfzig Häuser zurückgekehrt, die durch den Hurrikan Melissa beschädigt worden waren (vgl. Fides 2/11/2025). In Begleitung eines ‚Hygiene-Experten‘ einer NGO besuchten wir die Schule, um den Schülern einen kleinen Kurs über persönliche Hygiene zu geben. Am selben Tag wählte eine Volksversammlung das neue Komitee, das für die Wasserversorgung zuständig ist, für die wir mit Reinigungs- und Wartungsarbeiten begonnen haben. Schließlich verbrachten die Schüler in den folgenden Tagen einen Vormittag mit Sport in der Pfarrschule, die nach der Weihnachtspause wieder geöffnet wurde, und sehr bald werden wir mit den Vorbereitungen für das ‚Fest der Flagge‘ beginnen, das am 18. Mai gefeiert wird!”, schließt der Kamillianer-Missionar.
Die Unsicherheit und die Gewalt im gesamten zivilen Kontext haben auch dazu geführt, dass sich der Bischof von Anse-a-Veau und Miragoane und stellvertretende Vorsitzende der haitianischen Bischofskonferenz, Pierre-Andrè Dumas, aus einem nationalen Vermittlungsprozess zurückgezogen hat, der darauf abzielt, politische Instabilität vor dem Ende der Amtszeit des Präsidialen Übergangsrats (Conseil Présidentiel de Transition, CPT) am 7. Februar 2026 zu verhindern. Am 14. Januar hatte der Prälat seinen Rückzug angekündigt und als Gründe dafür Fehlinformationen, Fehlinterpretationen und Manipulationen im Zusammenhang mit seiner Beteiligung angeführt. In einem Brief an Laurent Saint-Cyr, den amtierenden Präsidenten und Koordinator des CPT, bestätigte Bischof Dumas, dass er auf Wunsch verschiedener nationaler zivilgesellschaftlicher und politischer Organisationen sowie internationaler Einrichtungen zugestimmt hatte, „mit Ernsthaftigkeit und Gewissenhaftigkeit” eine Vermittlung durchzuführen, um ein mögliches Chaos am Ende der Amtszeit des Rates zu verhindern. In der am 16. Januar vom „Caribbean National Weekly“ veröffentlichten Mitteilung heißt es, dass der Bischof betont habe, sich nie persönlich als Vermittler angeboten zu haben. Er bedankte sich bei denen, die ihm ihr Vertrauen geschenkt hatten, und bekräftigte, dass er keiner politischen Organisation angehöre, sondern seine Rolle ausschließlich als Hirte beschreibe. In Bezug auf seine Person verwies Dumas auf die Verletzungen, die er bei einer Explosion am Sonntag, dem 19. Februar 2025, in dem Haus erlitten hatte, in dem er während seines Aufenthalts in Port-au-Prince untergebracht war, und beschrieb sie als Erinnerung an die Narben, die Haiti durch interne Spaltungen und Gewalt davongetragen hat. Er erklärte, dass er, genau wie er selbst durch seinen Glauben wieder zu Kräften gekommen sei, daran glaube, dass Haiti „wieder auferstehen” werde.
Der Bischof bekräftigte abschließend seine Bereitschaft, Haiti durch Gebete und moralische Unterstützung zu helfen, forderte die Achtung der haitianischen Souveränität und forderte die Bürger auf, sich für „Leben, Verantwortung und Hoffnung” zu entscheiden.
(AP) (Fides 27/1/2026)