Bislang keine Erfolge für die Unabhängigkeitsbewegungen, die Kanada umtreiben

Sonntag, 25 Oktober 2026 geopolitik   nationalismen   internationale politik  

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Ottawa (Fides) – Während sich in Europa in einzelnen Staaten Kräfte und Bewegungen durchsetzen, die darauf abzielen, nationale Anliegen im Sinne einer Ablehnung der Europäischen Union und einer Abschottung gegenüber Migrationsströmen zu bekräftigen, nehmen ähnliche Tendenzen in Kanada die Form von Bestrebungen hin zum Isolationismus oder zum Separatismus auf regionaler Ebene an.


Vor diesem Hintergrund ist der Verlauf des am 19. Oktober in Alberta abgehaltenen Referendums zu betrachten.
Die mehr als vier Millionen Einwohner dieser Provinz wurden an die Urnen gerufen, um darüber zu entscheiden, ob das Verfahren zur Abspaltung von Ottawa eingeleitet werden soll. Die Wahlbeteiligung war gering: Mehr als 1,9 Millionen Menschen gingen zur Wahl und sprachen sich laut den vorläufigen Ergebnissen – die endgültigen werden in den nächsten Tagen vorliegen – mit 76 % der Stimmen dafür aus, keinen Unabhängigkeitsprozess einzuleiten.

Die Ergebnisse wurden vom kanadischen Premierminister Mark Carney begrüßt, der sich in den vergangenen Wochen am Wahlkampf gegen die Unabhängigkeitsoption beteiligt hatte. „Es ist ein großartiges Ergebnis für Kanada, dass sich die Einwohner von Alberta für die Einheit entschieden haben“, lauteten seine ersten Worte, sobald die Teilergebnisse veröffentlicht wurden. Carney fügte hinzu, dass die Ergebnisse es Kanada ermöglichen werden, nach vorne zu blicken, den Handel zu diversifizieren und das Land zu einer Energiemacht zu machen, wobei der Bundesstaat im Mittelpunkt dieser Prozesse stehen wird. Alberta ist nämlich ein Ölproduzent und verfügt über die viertgrößten Rohölreserven der Welt.
Die Provinzpremierministerin Danielle Smith kommentierte die Veröffentlichung der Ergebnisse und hob die starke Unterstützung für den Verbleib in der Föderation hervor: „Die Einwohner von Alberta haben für einen starken Staat in einem vereinten Kanada gestimmt“, schrieb sie in ihren sozialen Netzwerken. Sie war es jedoch selbst, die die Volksbefragung zu diesem Thema vorgeschlagen hatte, angetrieben von den Sezessionskräften innerhalb ihrer Partei, der United Conservative Party (UCP).

Die Unabhängigkeitsbewegungen versprechen trotz der Niederlage, sich weiterhin für die Unabhängigkeit einzusetzen. Der Vorsitzende des „Alberta Prosperity Project“ erklärte gegenüber der Associated Press, er werde der Bevölkerung weiterhin die Vorteile der Unabhängigkeit näherbringen, wie er es in den letzten Monaten getan habe, in der Hoffnung, durch eine interne Abspaltung von der UCP Raum für die Sache zu schaffen.
Der Wind der Sezession weht nicht nur in Alberta, sondern auch in einem Bundesstaat, in dem das Thema traditionell stärker im Bewusstsein ist: in Quebec.
Am 5. Oktober errang die Parti Québécois bei den Wahlen in dem mehrheitlich französischsprachigen Bundesstaat 60 von 127 Sitzen und ging damit als stärkste Partei hervor. Obwohl sie keine absolute Mehrheit für die Regierungsbildung erreicht hat – sie wird auf die Unterstützung einer anderen Partei angewiesen sein –, machte ihr Vorsitzender Paul St. Pierre Plamondon sofort deutlich, dass er versuchen werde, ein weiteres Referendum über die Unabhängigkeit zu organisieren, nach den beiden bereits 1980 und 1995 abgehaltenen.
St. Pierre Plamondon hat deutlich gemacht, dass er das Referendum erst dann anstrebt, wenn US-Präsident Donald Trump im Jahr 2029 das Weiße Haus verlassen hat. Wie bereits im Fall von Alberta hat der kanadische Premierminister Carney nach dem Sieg der Parti Québécois versöhnliche Äußerungen gegenüber den Unabhängigkeitsbefürwortern abgegeben.

Im Gegensatz zu Alberta haben die Unabhängigkeitsbefürworter in Quebec das Ziel der Unabhängigkeit deutlicher vor Augen. St. Pierre Plamondon selbst sagte in seiner Rede nach der Wahl, dass er weiterhin von einem unabhängigen Québec „träume und es sich vorstelle“ und dass sein Traum eines Tages „Wirklichkeit werden“ werde. Nach Ansicht vieler Analysten ist die Unterstützung für die Unabhängigkeit derzeit jedoch gering und liegt bei etwa 30 % (beim Referendum im Jahr 1995 lag sie bei knapp unter 50 %).

Kanada war das erste Land, das Trumps Äußerungen zur territorialen Expansion der Vereinigten Staaten zu spüren bekam. Carney selbst hat während des Wahlkampfs 2025 den kanadischen Nationalstolz ausgeschlachtet, um die Wahl zu gewinnen.
International entstand das Bild eines Landes, das als Reaktion auf die Äußerungen seines südlichen Nachbarn geschlossen auftrat. Gerade deshalb scheinen die Unabhängigkeitsbewegungen das Bild, das Ottawa von sich vermittelt hat, nicht allzu sehr zu trüben. Es bleibt nur abzuwarten, wie sich die Dinge kurz- und mittelfristig entwickeln werden.

(CG) (Fides, 25/10/2026)


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