Columban Mission Myanmar
Taungngu (Fides) – „Wir befinden uns in einer Situation weitreichender Vertreibung, doch die Seelsorge geht trotz aller Schwierigkeiten weiter. Die Priester sind in den Pfarreien und kümmern sich um die Familien, sie hören ihnen zu und spenden Trost.“ Dies ist das Zeugnis, das Monsignore Bernardino Ne Ne, Weihbischof von Taungngu im südlichen Zentralmyanmar, der Agentur Fides anvertraut hat, während das Land weiterhin eine schwere Krise durchlebt, die von Konflikten, Vertreibungen und dem Zusammenbruch der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse geprägt ist.
Taungngu liegt in der Region Bago, einem strategisch wichtigen Gebiet Myanmars, das die zentralen Landesteile mit den östlichen Regionen verbindet, in denen die Karen die Mehrheit bilden und wo seit Jahrzehnten ein Konflikt zwischen der myanmarischen Armee und bewaffneten ethnischen Gruppen herrscht. Nach dem Staatsstreich im Februar 2021 hat sich der Bürgerkrieg ausgeweitet und verschärft und auch die Region Bago sowie die umliegenden Gebiete erfasst.
Im Südosten des Landes dauern Kämpfe, Militäroperationen und Luftangriffe an, was schwerwiegende Folgen für die Zivilbevölkerung hat und zu neuen Vertreibungen führt.
„Als Kirche versuchen wir, in dieser Situation großer Not unser Bestes zu geben“, berichtet Monsignore Ne Ne, ehemaliger Landesdirektor der Päpstlichen Missionswerke in Myanmar.
„Es gibt Luftangriffe rund um die Städte. Die Menschen haben Angst und versuchen zu überleben. Die Inflation steigt rasant an, und die Bevölkerung leidet.“ In diesem Zusammenhang, so erklärt er, gehe die Kirche mit Bedacht vor und versuche in erster Linie, das Leben der Menschen zu schützen: „Wir veranstalten keine großen Versammlungen, die nicht erlaubt sind. Der Glaube ist jedoch trotz der Herausforderungen und der prekären Lage stark.“
In der Diözese Taungngu, fügt der Bischof hinzu, „waren viele Menschen aufgrund des Krieges gezwungen, ihre Häuser zu verlassen, und leben unter prekären Bedingungen“. Die Krise der Vertriebenen ist Teil der umfassenderen Krise, die Myanmar durchlebt: Nach Angaben der Vereinten Nationen belief sich die Zahl der Binnenvertriebenen im Land im Jahr 2026 auf etwa 3,6 Millionen.
Von den 64 Priestern der Diözese seien derzeit 44 im pastoralen Dienst tätig, betont er: „Unsere Priester stehen den Familien nahe, besuchen sie, hören ihnen zu und trösten sie. Die Kirche steht denen nahe, die leiden, insbesondere den Armen, den Schutzbedürftigen und all jenen, die vom Konflikt und von Not betroffen sind.
Durch karitative Dienste, Seelsorge, Bildung und das Engagement für Gerechtigkeit versucht die Kirche, das Mitgefühl Christi weiterzugeben.
Besonders heikel ist die Situation der Jugendlichen: „Sie sind geflohen, weil das Bildungssystem zusammengebrochen ist“, erklärt Ne Ne. Viele von ihnen, so bemerkt er, denken daran, sich anderswo, auch im Ausland, ein Leben aufzubauen:
„Die Jugendlichen sind nicht nur die Zukunft der Kirche; sie sind heute ein wesentlicher Teil der Kirche. Der beste Weg, sie zu begleiten, besteht darin, ihnen zuzuhören, mit ihnen zu gehen und ihnen zu helfen, Christus persönlich zu begegnen.“ Doch auch diese seelsorgerische Aufgabe ist schwierig geworden in einer Gesellschaft, in der so viele junge Menschen darauf fixiert sind, das Land zu verlassen.
Angesichts dieser Realität nennt Bischof Ne Ne das Zuhören als eine der grundlegenden Aufgaben des bischöflichen Dienstes: „Was ich tun kann, ist, dem Volk Gottes zuzuhören.“ Für einen Bischof, fügt er hinzu, seien „Glaube, Demut, Mitgefühl, Weisheit und die Fähigkeit zum Zuhören“ unerlässlich. Ein Bischof sei Gott durch das Gebet und den Menschen durch seine seelsorgerische Präsenz nahe.
Ich fühle mich berufen, eine Brücke der Gemeinschaft, ein Diener der Einheit und ein Zeuge der Hoffnung in einer Welt zu sein, die oft Spaltung und Unsicherheit erlebt“.
Auf politischer Ebene betont der Bischof, dass nach fünf Jahren Bürgerkrieg „der Frieden ein Gebot ist“, auch wenn es heute schwierig erscheint, einen Dialog in Gang zu bringen, da „es kein gegenseitiges Vertrauen zwischen den beiden verfeindeten Gruppen gibt“, wie er feststellt. Zur Möglichkeit, eine Instanz als Vermittler einzuschalten, merkt er an, dass auch die ASEAN versucht habe, einzugreifen, doch „ihr Plan ist auf dem Reißbrett geblieben”
Für die Kirche ist die Friedensstiftung jedoch kein optionales Unterfangen: „Frieden und Versöhnung beginnen in unseren Herzen und in unseren Gemeinschaften. Als Nachfolger Christi sind wir dazu berufen, Werkzeuge des Friedens, der Vergebung und der Einheit zu sein“. Aus diesem Grund, fügt er hinzu, wolle er alle Katholiken ermutigen, „ihren Glauben nicht nur mit Worten, sondern auch durch Taten der Güte, Ehrlichkeit, des Dienstes und der Nächstenliebe zu bezeugen“.
Die Kirche von Taungngu setzt ihre Mission in einem vom Krieg geprägten Gebiet fort und versucht, eine Bevölkerung zu begleiten, die Gewalt und Vertreibung ausgesetzt ist. In einem Myanmar, das von Zusammenstößen und Luftangriffen heimgesucht wird, die nach wie vor eine der Hauptursachen für das Leid der Menschen sind, hält die katholische Gemeinschaft die Türen für Seelsorge und Nähe offen.
(PA) (Fides-Agentur 17.09.2026)