Khartum (Fides) – Ein Konflikt, der zunehmend von externen Einflüssen geprägt ist und bei dem nun der Verdacht aufkommt, dass mindestens eine der Konfliktparteien chemische Waffen einsetzt. Es handelt sich um den in Vergessenheit geratenen sudanesischen Bürgerkrieg, der am 15. April 2023 (siehe Fides 17.4.2023) zwischen den Soldaten der sudanesischen Armee (Sudan Armed Forces – SAF) und den Milizionären der Rapid Support Forces (RSF) ausgebrochen ist, der weit davon entfernt ist, zu einem Ende zu kommen, und zunehmend die Nachbarstaaten einzubeziehen droht (siehe Fides, 25.8.2026).
Die von zwei der größten US-Zeitungen aufgegriffenen Vorwürfe über den Einsatz von Chlorgasbomben durch die SAF würden, sollten sie sich bestätigen, weiteren Handlungsbedarf schaffen. Anfang September veröffentlichten sowohl die „New York Times“ als auch die „Washington Post“ Artikel, die sich auf Geheimdienstberichte eines nicht näher bezeichneten „Landes im Nahen Osten“ stützten und sich auf die Erprobung, Herstellung und den anschließenden Einsatz von chlorhaltigen Bomben durch die SAF bezogen. Die chemischen Sprengkörper sollen im September 2024 gegen Stellungen der RSF eingesetzt worden sein, unter anderem in der Nähe der Ölraffinerie von Al Jaili (Jaili) und des Militärstützpunkts Garri nördlich von Khartum. Videos und Bilder zeigen gelb-grüne Dämpfe, die auf Chlor hindeuten, während Zeugen von Atembeschwerden berichteten.
Um die Vorwürfe zu untermauern, sind jedoch Untersuchungen vor Ort durch unabhängige Experten erforderlich, die Munitionsrückstände, Umwelt- und medizinische Proben, Zeugenaussagen der Opfer sowie Dokumente zu den militärischen Operationen sammeln.
Zudem stellt sich die Frage, ob der Einsatz dieser Waffen tatsächlich auf den September 2024 zurückgeht und warum erst jetzt darüber berichtet wird. Wurden Chlorbomben auch nach den gemeldeten Vorfällen eingesetzt? Wenn ja, wann und wo? Im Jahr 2025 hatten die Vereinigten Staaten bereits Sanktionen gegen den Anführer der SAF, General Abdel Fattah al-Burhan, und gegen den Sudan im Zusammenhang mit dem Einsatz chemischer Waffen verhängt, basierend auf früheren Geheimdienstberichten über Angriffe mit Chlor. Die SAF bestritten, chemische Waffen entwickelt oder eingesetzt zu haben.
Es gilt jedoch noch einen weiteren Aspekt zu bedenken. Das zum Befüllen der Sprengkörper verwendete Chlor findet breite Anwendung in der Trinkwasseraufbereitung, doch sein Einsatz als Waffe verändert seinen Zweck grundlegend. Chlor kann zu einem gefährlichen und erstickenden Wirkstoff werden, wenn es in hohen Konzentrationen eingeatmet wird, insbesondere in geschlossenen Räumen oder in Gebieten, aus denen Zivilisten nicht schnell fliehen können. Die von amerikanischen Zeitungen vorgelegten Dokumente beschreiben Pläne, Chlormengen aus einer zivilen Wasseraufbereitungsanlage zu entnehmen, die die Chemikalie ursprünglich von internationalen humanitären Hilfsorganisationen erhalten hatte
Hierin liegt einer der gefährlichsten Aspekte der Problematik im Sudan: Material, das im täglichen humanitären Einsatz verwendet wird, kann sich im Kriegskontext in ein Massenvernichtungsinstrument verwandeln. Dies bedeutet, dass internationale Kontrollgremien möglicherweise die Überwachung der für zivile Zwecke bestimmten Chlorlieferungen verschärfen müssen. Strengere Kontrollen könnten jedoch ein weiteres Problem schaffen, sollten sie die für die Trinkwasserversorgung unverzichtbaren Lieferungen unterbrechen und damit die Lebensbedingungen einer Bevölkerung verschlechtern, die bereits seit mehr als drei Jahren unter dem Krieg leidet.
(L.M.) (Fides-Agentur 9/9/2026)