Die Kirchen im Heiligen Land und der “christliche Zionismus“

Dienstag, 20 Januar 2026 ortskirchen   ostkirchen   jerusalem   zionismus   Ökumene   geopolitik  

Facebook

Jerusalem (Fides) – Eine jüngste gemeinsamen Erklärung der Patriarchen und Oberhäupter der christlichen Kirchen von Jerusalem befasst sich mit den Themen „Einheit” und „Vertretung” der christlichen Gemeinschaften im Heiligen Land. Im Mittelpunkt der Erklärung steht ein Phänomen, das innerhalb der kirchlichen Gemeinschaften im Heiligen Land mit wachsender Besorgnis wahrgenommen wird: der Aktivismus von Gruppen und Einzelpersonen, die mit den Netzwerken des „christlichen Zionismus“ in Verbindung stehen.
In der gemeinsamen Erklärung vom 17. Januar bekräftigen die Patriarchen und Oberhäupter der christlichen Kirchen Jerusalems „vor den Gläubigen und der Welt, dass die Herde Christi in diesem Land den apostolischen Kirchen anvertraut ist, die seit Jahrhunderten mit unerschütterlicher Hingabe ihren heiligen Dienst verrichten“. Anschließend verurteilen sie „die jüngsten Aktivitäten lokaler Personen, die schädliche Ideologien wie den christlichen Zionismus propagieren“. Diese Aktivitäten „täuschen die Öffentlichkeit, stiften Verwirrung und fügen der Einheit unserer Herde Schaden zu“ und finden zudem „Unterstützung bei einigen politischen Akteuren in Israel und anderswo“. Akteure, die ihrerseits „eine politische Agenda verfolgen, die der christlichen Präsenz im Heiligen Land und im Nahen Osten insgesamt schaden könnte“.
Die Erklärung der Patriarchen und Kirchenoberhäupter enthält keine direkten Verweise auf Organisationen oder Personen, aber die Beschreibung passt perfekt zur Vorgehensweise von Gruppen wie „The Israeli Christian Voice“ (Die israelische christliche Stimme), die von politischen Akteuren innerhalb und außerhalb Israels als repräsentative Organisationen der Christen im Heiligen Land anerkannt sind.
„Autorität außerhalb der Gemeinschaft der Kirche zu beanspruchen“, schrieben die Patriarchen und Oberhäupter der Kirchen von Jerusalem, „bedeutet, die Einheit der Gläubigen zu verletzen und die pastorale Verantwortung zu belasten, die den historischen Kirchen in demselben Land anvertraut ist, in dem unser Herr lebte, lehrte, litt und von den Toten auferstand“. Aus diesem Grund bekräftigen sie mit der gemeinsamen Erklärung, dass „nur sie die Kirchen und ihre Herde in Fragen des religiösen, gemeinschaftlichen und pastoralen Lebens der Christen im Heiligen Land vertreten“.
“The Israeli Christian Voice“ bezeichnet sich selbst als eine in Israel registrierte zivile Vereinigung, die sich für die Interessen und die Zukunft der lokalen christlichen Gemeinschaft einsetzt. Ihr Vorsitzender, Oberst Ihab Shlayan, kürzlich neben dem israelischen Präsidenten Isaac Herzog auf den Fotos des offiziellen Treffens zwischen dem Staatsoberhaupt und den Patriarchen und Kirchenoberhäuptern zu sehen, das am 12. Januar 2026 zum Austausch von Neujahrsgrüßen stattfand. Aber „das tatsächliche Gewicht dieser ‚Stimme der israelischen Christen‘ innerhalb der christlichen Öffentlichkeit in Israel“, so Marie-Armelle Beaulieu auf „terrasanta.net“, „bleibt schwer einzuschätzen. Die Gruppe verfügt weder über eine anerkannte kirchliche Verankerung noch über eine klare öffentliche Unterstützung durch die wichtigsten lokalen Kirchen. Inwieweit sind die über 18.000 Follower ihrer Facebook-Seite aussagekräftig?“.
(GV) (Fides 20/1/2026)


Teilen: