Rom (Fides) – An der Päpstlichen Universität Urbaniana in Rom hat am Mittwoch, 30. September, die internationale Tagung „Refugee & Migrant Education: Voices in Action: Transformative Collaboration and Educational Solidarity with Refugees & Migrants“ begonnen.
Das vom Refugee & Migrant Education Network (RMEN) organisierte Symposium endet am Freitag, 2. Oktober. Es bringt Wissenschaftler, Vertreter von UN-Organisationen und internationalen Einrichtungen, Studierende mit Fluchterfahrung, Vertreter der Zivilgesellschaft sowie kirchliche Akteure zusammen. Ziel ist es, gemeinsame Strategien zu entwickeln, um den Zugang zu Bildung zu verbessern und die Inklusion von Menschen zu fördern, die gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen.
Die Tagung findet vor dem Hintergrund einer anhaltenden weltweiten Flucht- und Migrationsbewegung statt. Wie die Veranstalter in ihrer Ankündigung betonen, sind Millionen Menschen aufgrund von Kriegen, Armut, Gewalt und Klimawandel weiterhin auf der Flucht. Familien müssen ihre Heimat verlassen, die Bildungswege junger Menschen werden unterbrochen. Viele Gemeinschaften können nicht einmal grundlegende Bildungsangebote gewährleisten.
„Auf allen Kontinenten werden Millionen Menschen aufgrund von Kriegen, Armut, Gewalt und Klimawandel weiterhin vertrieben. Familien werden entwurzelt, die Bildung junger Menschen wird unterbrochen“, heißt es in der Vorstellung des Netzwerks.
Das RMEN wurde 2018 gegründet. Es vernetzt Universitäten, Nichtregierungsorganisationen, internationale Einrichtungen und Menschen, die sich für die Bildung von Flüchtlingen, Migranten und Binnenvertriebenen einsetzen. Die Gründungsidee beruht auf der Überzeugung, dass die Arbeit der einzelnen Akteure durch Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung gestärkt werden kann. „Bildung ist ein Weg, den wir gemeinsam gehen müssen. Ihre Ziele lassen sich am besten durch gegenseitige Zusammenarbeit erreichen“, betonen die Veranstalter.
In seiner Begrüßungsansprache nannte Anthony J. Cernera, Präsident und Gründer des Netzwerks, zwei zentrale Ziele der Tagung: konkrete Empfehlungen zu erarbeiten und die Zusammenarbeit zwischen den Teilnehmern zu vertiefen. „Unser wichtigstes Ziel bei dieser Konferenz ist es, konkrete Empfehlungen zur Förderung der Bildung von Flüchtlingen und Migranten zu entwickeln und zugleich die Zusammenarbeit zwischen den Teilnehmern zu stärken“, erklärte er.
Die Diskussionen befassen sich nicht nur mit Bildungsangeboten für Menschen auf der Flucht und in Migration. Auch die Vermittlung von Wissen über Migration und menschliche Mobilität steht auf dem Programm.
In seiner Eröffnungsrede erinnerte Professor Aldo Skoda vom Scalabrini International Migration Institute und der Päpstlichen Universität Urbaniana an das zehnjährige Bestehen des Netzwerks. Er hob dessen Entwicklung zu einer Plattform der Zusammenarbeit zwischen Institutionen, Pädagogen, Forschern und Gemeinschaften aus verschiedenen Ländern hervor.
Zugleich warnte Skoda davor, Migration ausschließlich als Krise oder als zu bewältigendes Problem zu betrachten. Jede Migration bringe eine eigene Geschichte, Hoffnungen, Fähigkeiten, Kulturen und Kenntnisse mit sich. Bildung sei vor diesem Hintergrund nicht nur eine Dienstleistung. Sie sei vielmehr ein Instrument, um Menschen ihre Würde zurückzugeben, ihre Selbstbestimmung zu stärken und neue Perspektiven zu eröffnen. „Bildung ist nicht einfach eine Dienstleistung, die bereitgestellt werden muss. Sie ist ein wirkungsvolles Instrument, um Würde wiederherzustellen, Selbstbestimmung zu stärken und Chancen zu schaffen“, sagte Skoda.
Das Recht auf Bildung ist für Millionen Flüchtlinge, Migranten, Asylsuchende und Opfer von Menschenhandel jedoch nach wie vor nicht vollständig gewährleistet. Skoda verwies auf die Hindernisse, denen Betroffene in den verschiedenen Phasen ihrer Migration begegnen können: von der Flucht und dem Transit bis zur Ankunft und Eingliederung in die Aufnahmegesellschaften.
Begrenzte finanzielle Mittel, unterbrochene Schulbildung, Sprachbarrieren sowie rechtliche und bürokratische Schwierigkeiten erschweren den Bildungszugang. Hinzu kommen Ungleichheiten beim Zugang zu digitalen Technologien. All diese Faktoren können junge Menschen daran hindern, ihre Ausbildung fortzusetzen.
Das Tagungsprogramm greift diese Herausforderungen in Plenarsitzungen, Podiumsdiskussionen und Arbeitsgruppen auf. Zu den Schwerpunkten gehören der Zugang zur Hochschulbildung, die Sicherung kontinuierlicher Bildungswege in unterschiedlichen Lebenssituationen, die Auswirkungen von Finanzierungskürzungen und bestehende Forschungsdesiderate.
Ein eigener Programmpunkt widmet sich verschiedenen Kooperationsmodellen zwischen Universitäten und Organisationen. Vorgestellt werden unter anderem das Mother Cabrini Institute of Immigration, die Initiative University of Sanctuary der Universität Exeter, die Saint Joseph University in Beirut sowie der Jesuit Refugee Service, Jesuit Worldwide Learning und Refugee Education UK.
Der erste Veranstaltungstag am 30. September begann mit einem Workshop zur Verbesserung des Zugangs von Flüchtlingen zur Hochschulbildung. Auf dem Programm standen außerdem Beiträge zu Zusammenarbeit und Solidarität mit Flüchtlingen und Migranten sowie Erfahrungsberichte von umgesiedelten Flüchtlingsstudenten und jungen Menschen, die in humanitären Notlagen leben.
Darüber hinaus nahmen Arbeitsgruppen zu vier Themenfeldern ihre Tätigkeit auf: Bildung für Flüchtlinge und Migranten, Bildungsarbeit zu den Themen Flucht und Migration, Interessenvertretung und Begleitung sowie Forschung. Am heutigen Donnerstag, 1. Oktober, stehen die Kontinuität von Bildungsangeboten in unterschiedlichen Kontexten und auf verschiedenen Ausbildungsstufen, Kooperationsmodelle zwischen Institutionen und ethisch fundierte pädagogische Ansätze im Mittelpunkt.
Für den Nachmittag sind parallele Veranstaltungen zu verschiedenen Schwerpunkten vorgesehen. Dazu gehören die Führungsrolle von Flüchtlingen, der Zugang zur Hochschulbildung und der erfolgreiche Verbleib im Studium, Pädagogik der Solidarität, die Resilienz junger Vertriebener sowie die Zusammenarbeit zwischen Institutionen und Gemeinschaften.
Am Freitag, 2. Oktober, befasst sich eine Sitzung mit den Chancen und Herausforderungen künstlicher Intelligenz in der Bildung von Flüchtlingen und Migranten. Den Beitrag hält Pater Maurice Emelu von der John Carroll University.
Zum Abschluss der Tagung werden die Empfehlungen der Arbeitsgruppen vorgestellt. Geplant ist außerdem ein gemeinsamer Aufruf zum Handeln.
(MLK) (Fides 1/10/2026)