AFRIKA/ÄTHIOPIEN - Die neue Allianz der Rebellen lässt den Konflikt um das Rote Meer wieder aufflammen

Mittwoch, 23 September 2026

Addis Abeba (Fides) – Die vor wenigen Tagen angekündigte Rebellenkoalition ist in die Offensive gegangen. Eine ihrer wichtigsten Komponenten, die Tigray People’s Liberation Front (TPLF), hat den Flughafen von Mekelle eingenommen.
Am 20. September haben sieben äthiopische bewaffnete Gruppen – darunter historische Gegner, die sich während des Bürgerkriegs von 2020 bis 2022 auf gegensätzlichen Seiten befanden – die Bildung eines Bündnisses angekündigt. Ziel ist es, die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed zu stürzen.
Die „Allianz der äthiopischen Volkskräfte für das Überleben“ vereint eine heterogene Koalition von Gruppierungen aus verschiedenen Landesteilen: vom Tigray im Norden über die Fano-Milizen der Amhara bis zur Oromo Liberation Army und weiteren bewaffneten Gruppen. Einige dieser Formationen haben in der Vergangenheit gegeneinander gekämpft. Für den Moment haben sie ihre Differenzen jedoch zurückgestellt, um sich gegen die Zentralregierung zu verbünden.

Ziel der Allianz ist nach eigenen Angaben der Sturz der Bundesregierung und die Einsetzung einer Übergangsverwaltung. Die beteiligten Gruppen betrachten die Regierung von Abiy Ahmed als unmittelbare Bedrohung für das Überleben ihrer jeweiligen Gemeinschaften.
Die Regierung in Addis Abeba erklärte, die Mitglieder der Allianz hätten bereits seit längerer Zeit mit finanzieller Unterstützung Eritreas zusammengearbeitet. Der Konflikt in Äthiopien könnte damit erneut aufflammen und einen bedeutenden Teil der Föderation erfassen. Mögliche Folgen wären auch für das gesamte regionale Gleichgewicht zu erwarten.

Äthiopien bildet einen wichtigen strategischen Hinterraum, von dem aus die Kräfteverhältnisse in den Anrainerstaaten des Roten Meeres beeinflusst werden können. An erster Stelle steht Eritrea, das bereits in den Tigray-Konflikt verwickelt war. Hinzu kommt Sudan. Nach verschiedenen Vorwürfen sollen von äthiopischen Stützpunkten aus die Milizen der Rapid Support Forces (RSF) mit Nachschub versorgt worden sein. Auch Drohnenangriffe auf Stellungen der sudanesischen Armee sollen von dort aus erfolgt sein (vgl. Fides, 25.08.2026).
Schließlich sind Dschibuti und Somaliland zu nennen. Somaliland ist eine nördliche Region Somalias, die 1991 einseitig ihre Unabhängigkeit erklärt hat und bislang nur von Israel anerkannt wird. Der jüdische Staat scheint bereits über eine Militärbasis in Somaliland zu verfügen. Nach einer Recherche der israelischen Tageszeitung Haaretz soll Israel in Tel Aviv zudem eine eritreische Oppositionsgruppe beherbergen.
Die Entwicklungen der äthiopischen Krise stehen nicht isoliert von den Ereignissen am asiatischen Ufer des Roten Meeres. Diese haben zwangsläufig auch Auswirkungen auf die afrikanische Seite dieser strategisch wichtigen Seeverbindung. Während die jemenitischen Huthi inzwischen den Zugang zur Meerenge Bab al-Mandab kontrollieren, versuchen Groß- und Mittelmächte, ihre Präsenz an der afrikanischen Küste zu festigen und auszubauen.

China erweitert seinen Militärstützpunkt in Dschibuti. Es handelt sich um die einzige Auslands-Militärbasis, die Peking offiziell anerkennt. Dies weckt Besorgnis bei Frankreich, den Vereinigten Staaten, Japan und Italien, die ihrerseits über Stützpunkte in dem kleinen, aber strategisch wichtigen afrikanischen Staat verfügen.

Diese Sorgen könnten Washington dazu veranlasst haben, nach weiteren Stützpunkten in der Region zu suchen. Dazu könnte Eritrea gehören. Gerade in diesen Tagen wurden die zuvor gegen die eritreischen Streitkräfte und andere Einrichtungen verhängten US-Sanktionen aufgehoben. Die Entscheidung der Trump-Regierung wurde als Versuch interpretiert, die Beziehungen zu Asmara zu stärken.
Die Sanktionen waren 2021 von der Regierung Joe Bidens gegen die amtierende Partei, die eritreischen Streitkräfte und mehrere hochrangige Vertreter des Landes verhängt worden. Grund war deren Rolle im Krieg im benachbarten Äthiopien. Eritreische Truppen hatten dort die äthiopischen Streitkräfte unterstützt, die gegen die lokalen Behörden in der nördlichen Region Tigray kämpften.
Washington ist außerdem in Puntland aktiv, einer autonomen Region Somalias, die sich mit der Regierung in Mogadischu in einem Konflikt befindet (vgl. Fides, 21.09.2026).
Die Entwicklungen in Äthiopien könnten somit weit über die Landesgrenzen hinaus Auswirkungen haben. Betroffen wären die afrikanischen Anrainerstaaten des Roten Meeres und darüber hinaus das strategische Gleichgewicht entlang einer der wichtigsten Seeverbindungen der Welt.

(L.M.) (Fides 23/9/2026)


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