Geschichte und Gegenwart der syro-malabarischen Auslandsgemeinden auf der Arabischen Halbinsel

Samstag, 28 März 2026

Von Pfarrer Jolly Vadakken*

Kuwait-Stadt (Fides) – Ich habe vom vatikanischen Staatssekretariat mein Ernennungsschreiben zum Apostolischen Visitator für die syro-malabarischen Gläubigen auf der Arabischen Halbinsel erhalten. Es wurde mir von Raphael Thattil, dem syro-malabarischen Großerzbischof von Ernakulam-Angamaly, übermittelt. Die offizielle Ernennung wurde am 18. November 2025 in der Eparchie Irinjalakuda und auf dem Mount Saint Thomas in Kakkanad (wo sich der Bischofssitz des Großerzbischofs befindet) öffentlich bekanntgegeben.

Ich bin berufen, meinen Dienst in enger Gemeinschaft und Zusammenarbeit mit den Apostolischen Vikaren des Nördlichen Arabien, Bischof Aldo Berardi (OO.SS.T.), und Südlichen Arabien, Bischof Paolo Martinelli, (OFM Cap.), auszuüben, und prüfe ich die pastorale Situation, erarbeite konkrete Lösungen zum Wohl der Gläubigen und berichte dem Heiligen Stuhl regelmäßig über den Fortschritt der Mission. Sowohl Bischof Berardi als auch Bischof Martinelli begrüßten meine Ernennung, und während eines gemeinsamen Treffens in der Konkathedrale von Kuwait am 21. Dezember 2025 erörterten wir konstruktiv die mir anvertraute Aufgabe. Am selben Tag trafen wir uns auch mit dem Apostolischen Nuntius in Kuwait, Erzbischof Eugene Martin Nugent. Von diesem Moment an begann meine Arbeit auf der Arabischen Halbinsel.

Die syro-malabarischen Katholiken in der Golfregion

Die Geschichte der syro-malabarischen katholischen Gemeinde auf der Arabischen Halbinsel ist untrennbar mit dem wirtschaftlichen Wandel der Region verbunden. Nach der Entdeckung des Erdöls begann sich eine zweite Welle des Christentums in der Wüste auszubreiten, nicht durch traditionelle Missionen, sondern durch die Anwesenheit von Arbeitsmigranten.
Zu diesen Pionieren gehörten die syro-malabarischen Katholiken. Obwohl ihre Präsenz in den 1970er Jahren zunächst nur einen kleinen Zustrom darstellte, entwickelte sie sich in den 1990er Jahren zu einer lebendigen Gemeinde. Anfänglich wurde ihre Seelsorge von den bestehenden apostolischen Vikariaten des lateinischen Ritus übernommen. Da diese Gemeinde jedoch tief in alten, auf Pfarrei und Familie ausgerichteten spirituellen Praktiken verwurzelt war, suchten die Gläubigen naturgemäß nach eigenen liturgischen Ausdrucksformen.
Es wuchsen die seelsorgerischen Bedürfnisse: Viele syro-malabarische Familien und Kinder, die von ihrer Mutterkirche getrennt waren, wurden ausschließlich im lateinischen Ritus erzogen und entfernten sich dadurch von ihrem unverwechselbaren östlichen Erbe. Dieses kulturelle und liturgische Vakuum hat auch verschiedenen Sekten den Weg geebnet, was einige dazu veranlasst hat, sich von ihren katholischen Wurzeln abzuwenden und sich protestantischen Konfessionen zuzuwenden.

Die syro-malabarischen Katholiken in Kuwait

Als Kuwait 1991 vom Irak angegriffen wurde, zwang der plötzliche Kriegsausbruch unzählige Migrantenfamilien zur Rückkehr in ihre Heimatländer. Diese erneute Entwurzelung brachte eine schmerzliche Erkenntnis mit sich: Viele hatten sich von ihrer Mutterkirche entfremdet. Die jüngere Generation, die Jahre im Ausland verbracht hatte, war mit den syro-malabarischen Ritualen und Gebeten nicht vertraut. Obwohl das Zweite Vatikanische Konzil die Bedeutung der Rückbesinnung auf die eigenen spirituellen Wurzeln bekräftigt hatte, mussten die Gläubigen in der Golfregion feststellen, dass die Bewahrung ihres rituellen Erbes angesichts der Belastungen durch Migration und Krieg in der Praxis eine große Herausforderung und eine gewaltige Aufgabe darstellte.
Mit dem Beginn des Wiederaufbaus der Region nach 1993 setzte eine neue Migrationswelle ein. Dubais wirtschaftlicher Aufschwung und der Wiederaufbau Kuwaits zogen noch mehr syro-malabarische Katholiken an. Entschlossen, ihr Erbe zu bewahren und die Gemeinschaft vor Missionierung zu schützen, unternahmen die Gläubigen einen historischen Schritt zur Selbstorganisation. Laienvereinigungen wurden bei ihren jeweiligen indischen Botschaften als Kulturbewegungen registriert, wodurch ihre Aktivitäten rechtlichen Schutz erhielten. Am 1. Dezember 1995 wurde die SMCA Kuwait als erste formelle Laienvereinigung gegründet – ein Modell, das bald von ähnlichen Bewegungen in Katar, Bahrain, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Oman übernommen wurde. Diese Vereinigungen wurden zum Herzstück der Gemeinschaft. Sie wurden zu den wichtigsten Instrumenten für einen kontinuierlichen und respektvollen Dialog mit den Bischöfen des Lateinischen Vikariats, um die Seelsorge für den syro-malabarischen Ritus sicherzustellen. Sie initiierten Initiativen zur Vermittlung des reichen spirituellen Erbes an junge Menschen und stellten so sicher, dass ihr kulturelles und liturgisches Vermächtnis an die nächste Generation weitergegeben wird. Durch den Aufbau eines soliden Netzwerks für Bedürftige innerhalb der Migrantengemeinschaft hat sich die syro-malabarische Glaubensgemeinschaft am Golf von einer heimatlosen Arbeiterschaft zu einer blühenden und gut organisierten Gemeinschaft entwickelt, die fest in ihrem alten Glauben verwurzelt ist und sich gleichzeitig für die moderne Entwicklung ihrer Gastländer engagiert.

Statistiken über die syro-malabarischen Katholiken in Kuwait

Gesamtbevölkerung: 4,3 Millionen
Indische Bevölkerung in Kuwait: 0,85 Millionen (20 %)
Katholische Bevölkerung: 400.000 (9 %)
Syro-Malabarische Katholiken: ca. 40.000 (10 % der Katholiken)
Vier Pfarreien in Kuwait
1. Konkathedrale der Heiligen Familie, Kuwait-Stadt
2. Pfarrei Unserer Lieben Frau von Arabien, Ahmadi, Kuwait
3. Pfarrei der heiligen Therese vom Kinde Jesu, Salmiya, Kuwait
4. Pfarrei des heiligen Daniele Comboni, Abbasiya, Kuwait

In allen vier Pfarreien pulsiert das Leben der syro-malabarischen Gemeinde. Doch das spirituelle Wachstum steht vor erheblichen materiellen und logistischen Herausforderungen. In Abbasiya ist unsere Gemeinde mit 2.460 Kindern, die den Religionsunterricht besuchen, beeindruckend groß. Dieser Segen bringt jedoch auch ernsthafte Einschränkungen mit sich. Aufgrund fehlender Klassenräume müssen die Kinder in vier Gruppen aufgeteilt werden. Der verfügbare Platz im Keller reicht seit Langem nicht für unsere Gottesdienste und Gemeindeaktivitäten aus; die Situation verschärfte sich kürzlich, als die zuständigen Behörden die Kellerräume in Abbasiya vollständig schlossen. Ähnliche Schwierigkeiten bestehen in Salmiya, wo wir auf angemietete Kellerräume angewiesen sind, um unsere Liturgie zu feiern und unsere Jugendlichen religiös zu erziehen. Obwohl wir uns der komplexen rechtlichen und behördlichen Formalitäten bewusst sind, ist der Bedarf an einer angemessenen Infrastruktur, einem größeren Gottesdienstraum und funktionierenden Parkplätzen dringend. Ein wesentliches Merkmal unserer syro-malabarischen Identität ist der Zusammenhalt der Familie. Diese kleinen Hauskirchengemeinschaften, die aus 30 bis 40 Familien bestehen, treffen sich monatlich in den Häusern der jeweiligen Familien, um das Wort Gottes zu hören und die christliche Gemeinschaft zu pflegen.

Die syro-malabarische Kirche des heiligen Thomas in Doha (Katar)

Die syro-malabarische Kirche des heiligen Thomas in Doha nimmt als einzige Kirche auf der Arabischen Halbinsel mit einer eigenständigen syro-malabarischen Identität eine besondere Stellung ein. Sie ist weit mehr als ein bloßes Gebäude; sie dient als spirituelle Heimat und bietet den syro-malabarischen Gläubigen in Katar liturgische, seelsorgerische und soziale Begleitung. Die Kirche wurde am 22. Mai 2009 von Kardinal Varkey Vithayathil, dem damaligen Großerzbischof der syro-malabarischen Kirche, feierlich eingeweiht. Das spirituelle Leben der Gemeinde ist lebendig: Täglich werden drei Heilige Messen gefeiert, freitags sogar fünf, um der großen Gemeinde gerecht zu werden. Die Glaubensbildung ist ein zentrales Anliegen. Derzeit besuchen 2.544 Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 12 freitags den Religionsunterricht, die von über 180 Lehrkräften unterrichtet werden. In der Gemeinde sind zahlreiche apostolischen Organisationen und Bewegungen aktiv, und 28 Familiengruppen treffen sich monatlich in der Kirche, wodurch ein tiefes Gefühl des Zusammenhalts gefördert und der Gemeinschaftsgeist der Gemeinde lebendig gehalten wird.

Statistik über die syro-malabarischen Katholiken in Doha

Gesamtbevölkerung Katars: 2,7 Millionen
Indische Bevölkerung: 0,7 Millionen (ca. 26 %)
Katholische Bevölkerung: 350.000 (ca. 13 %)
Syro-malabarische Katholiken: 35.000 (ca. 10 % der katholischen Bevölkerung)
Registrierte Mitglieder: 17.900
Anzahl Familien: 3.500
Anzahl Alleinstehende: 7.000
Anzahl Katechismusschüler: 2.544


Die syro-malabarischen Katholiken in Bahrain
Das Königreich Bahrain, historisch bekannt als das „Land der zwei Meere“, ist ein Archipel, der seit Langem ein Knotenpunkt für Kultur und Handel ist. Seit den 1950er Jahren gibt es in Bahrain eine vielfältige internationale Arbeiterschaft, doch erst der Ölboom der frühen 1970er Jahre löste die Migration der katholischen Gemeinde aus Kerala aus. Auf der Suche nach neuen Lebensgrundlagen brachten diese Gläubigen ein tiefgreifendes spirituelles Erbe mit, das bis heute lebendig ist.
Die Wurzeln des katholischen Glaubens in Bahrain reichen tief. Bereits 1939 erteilte die Herrscherfamilie die Genehmigung zum Bau der ersten Kirche. Unter der Leitung von Bischof Tirinanzi und dem Kapuzinerpater Luigi wurde die Herz-Jesu-Kirche in Manama gegründet. Heute hat sich die spirituelle Landschaft deutlich erweitert. Die majestätische Kathedrale Unserer Lieben Frau von Arabien in Awali dient heute als Sitz des Vikariats und wurde von Kardinal Luis Antonio Tagle, Pro-Präfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung (Sektion für die Erstevangelisierung und die neuen Teilkirchen), eingeweiht. Sie beherbergt auch die BAPCO-Mission von Awali. Die katholische Präsenz in Bahrain ist ein wesentlicher und dynamischer Bestandteil des nationalen Gefüges.

Statistik über die syro-malabarischen Katholiken in Bahrain

Gesamtbevölkerung: 1,47 Millionen
Indische Bevölkerung: 0,33 Millionen
Katholiken: 80.000 (5 %)
Syro-malabarische Katholiken: ca. 20.000 (25 % der katholischen Bevölkerung)

Anders als in anderen Staaten der Golfregion zeichnet sich die katholische Gemeinde in Bahrain durch ein besonderes Gefühl liturgischer Einheit aus. Obwohl die syro-malankarische Kirche ihre eigenen, unverwechselbaren Gottesdienste feiert, ist die übrige katholische Gemeinde gut integriert. Der syro-malabarische Gottesdienst wird zweimal wöchentlich in Malayalam sowohl in der Herz-Jesu-Kirche als auch in der Awali-Kathedrale gefeiert. Im Geiste geschwisterlicher Zusammenarbeit finden Religionsunterricht und Katechismus gemeinsam mit Schülern anderer liturgischer Traditionen statt. Derzeit werden die Gemeindeaktivitäten gemeinschaftlich und nicht nach Ritus getrennt durchgeführt, was den einheitlichen pastoralen Ansatz unter dem Lateinischen Vikariat widerspiegelt.
Ich fühle mich zutiefst geehrt und bin dankbar für das Vertrauen, das mir der Heilige Stuhl mit meiner Ernennung zum Apostolischen Visitator entgegengebracht hat. Mein Dank gilt Papst Leo XIV., dem Staatssekretär, Kardinal Pietro Parolin, und allen Kirchenvertretern, die diese Entscheidung unterstützt haben. Im Vertrauen auf die göttliche Vorsehung versichere ich, dass ich meine Aufgaben und Pflichten mit Integrität, Mitgefühl und Liebe für die syro-malabarischen Katholiken auf der Arabischen Halbinsel erfüllen werde.
Die katholische Kirche auf der Arabischen Halbinsel ist heute in zwei lateinische Apostolische Vikariate gegliedert, die beide direkt dem Dikasterium für die Evangelisierung (Sektion für die Erstevangelisierung und die neuen Teilkirchen) unterstehen. Zuvor bildeten das Apostolische Vikariat von Arabien (Vereinigte Arabische Emirate, Oman, Bahrain, Katar und Saudi-Arabien) und das Apostolische Vikariat von Kuwait (nur Kuwait) zwei separate Jurisdiktionen. Diese wurden später neu organisiert und umbenannt. Aktuell umfasst das Apostolische Vikariat des Südlichen Arabien (AVOSA) die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman und Jemen, während das Apostolische Vikariat des Nördlichen Arabien (AVONA) Kuwait, Katar, Bahrain und Saudi-Arabien einschließt. In den vergangenen 20 Jahren hat das Apostolische Vikariat des Nördlichen Arabien die Arbeit von 17 syro-malabarischen Priestern und die Glaubensbildung, den Katechismusunterricht, die Sakramente und heilige Messen im syro-malabarischen Ritus ermöglicht. Wir danken den Kapuzinern, den Trinitariern und den Salesianern.
(Fides 28/3/2026)

*Apostolischer Visitator für die syro-malabarischen Katholiken auf der Arabischen Halbinsel


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