Kathmandu (Fides) – „Es ist die schlimmste Katastrophe in der Geschichte des Landes. Es war entsetzlich. Eine Flutwelle, die aus den Bergen kam und mit voller Wucht flussabwärts strömte, riss alles mit sich: Menschen, Häuser, Brücken, Gebäude. Dörfer, Märkte und Straßen wurden weggespült. Es ist eine schwere Wunde für die Nation“, so der Apostolischer Administrator des Vikariats Nepal, Pfarrer Silas Bogati, gegenüber Fides nach den verheerenden Überschwemmungen, die gestern (26. August) die Grenze zwischen Nepal und Tibet (China) heimsuchten.
Die verheerenden Wassermassen wurden durch einen Gletscherbruch verursacht, bei dem Eis und Gestein im Himalaya abbrachen. Das Material blockierte vorübergehend den Fluss Bhote Koshi und bildete einen natürlichen Damm, der schließlich brach und eine gewaltige Schlamm-, Wasser- und Geröllwelle flussabwärts auslöste. Diese überschwemmte die nepalesischen Distrikte Rasuwa und Nuwakot und erreichte auch weiter flussabwärts gelegene Gebiete wie Chitwan. Auf chinesischer Seite traf die Welle die Region Gyirong in Tibet, einschließlich des Grenzgebiets um Gyirong Port. Wie Experten betonen, war das zunächst wahrgenommene seismische Signal nicht auf ein Erdbeben zurückzuführen, sondern wurde durch einen Gletschereinsturz und den daraus resultierenden Schlammstrom verursacht.
„Wir sind zutiefst erschüttert. Wir beten für alle Vermissten und Toten. Mein tiefstes Mitgefühl gilt allen, die unter dieser Katastrophe leiden. Etwa 25 katholische Familien leben im Katastrophengebiet; sie scheinen in Sicherheit zu sein, aber wir sind sehr besorgt um sie. Wir vertrauen sie Gott an, beten für ihre Sicherheit und werden alles in unserer Macht Stehende tun, um ihnen zu helfen“, fügt der Leiter der kleinen katholischen Gemeinde in Nepal hinzu. „Ein Priester des Vikariats, Pfarrer James Britto, war auf der anderen Flussseite, um die Messe zu feiern, und ist dort eingeschlossen worden: Die Brücke wurde weggespült“, berichtet er.
Offiziellen Angaben zufolge liegt die erste bestätigte Opferzahl bei 165 Toten in Nepal und 3 in Tibet. Die nepalesischen Behörden rechnen jedoch mit einem weiteren Anstieg, da die Suche andauert. Fast 1.500 Menschen werden in Nepal und Tibet vermisst, darunter fast 800 Ausländer. Der Apostolische Administrator merkt an: „Es sind Nepalesen, aber auch Ausländer und Touristen, die sich im Rahmen einer Exkursion an diesen Orten aufhalten: hier befindet sich ein Pilgerweg nach Mansarovar, einer heiligen hinduistischen Stätte, der auch ein Wanderweg für Wanderer und Trekkingtouristen ist.“
„Die Regierung“, berichtet er, „hat die Hilfsmaßnahmen auf den Weg gebracht und den Notstand ausgerufen, es werden kostenlose Behandlungen angeboten und man hat damit begonnen, eingeschlossene Menschen in Sicherheit zu bringen. Dies ist bereits die zweite Katastrophe dieser Art in der Region, doch diesmal ist sie von enormem Ausmaß“, bemerkt der katholische Geistliche.
„Caritas, unsere kleine Hilfsorganisation, wird sich ebenfalls engagieren und einen Spendenaufruf an Partner weltweit starten; wir werden unseren Beitrag leisten“, versichert er. Catholic Relief Services (CRS), die katholische Hilfsorganisation in den USA, hat bereits mit der Bereitstellung von Hilfsgütern, darunter Grundversorgungsgüter und Hygieneartikel, begonnen. Andere Hilfsorganisationen, die mit protestantischen Kirchen verbunden sind, haben erste humanitäre Hilfsmaßnahmen eingeleitet und verteilen Lebensmittelpakete, Erste-Hilfe-Sets und Zelte in den betroffenen Gebieten.
Die katholische Gemeinde in Nepal zählt fast 9.400 Gläubige in 13 Pfarreien – vier davon in der Hauptstadt Kathmandu und neun im übrigen Nepal – und engagiert sich im Rahmen der Bildungs-, Sozial- und Seelsorgearbeit im ganzen Land.
(PA) (Fides 27/8/2026)