OZEANIEN/PAPUA NUOVA GUINEA - Kardinal Tagle bei Jubiläumsfeiern in Bougainville: “Lasst uns zuerst das Reich Gottes suchen”

Dienstag, 18 August 2026 kardinal tagle   ortskirchen   evangelisierung   mission  




Von Marie-Lucile Kubacki

Buka (ides) – „Dies ist zwar ein lokales Ereignis, aber ein lokales Ereignis, das die ganze Welt umfasst“ Mit diesen Worten fasste Kardinal Luis Antonio Tagle, Propräfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung und Sondergesandter von Papst Leo XIV., die Bedeutung des 125jährigen Jubiläums der Ankunft des katholischen Glaubens in Bougainville zusammen. Beim Festgottesdienst in der Kathedrale Mariä Himmelfahrt in Hahela auf der Insel Buka, rief der Kardinal die örtliche Kirche dazu auf, ihr missionarisches Engagement zu erneuern, die Gemeinschaft zwischen den verschiedenen ethnischen und sozialen Gruppen zu stärken und das Reich Gottes über alles andere zu stellen.
Zu den Feierlichkeiten waren Gläubige aus den nördlichen, östlichen, westlichen, südlichen und zentralen Regionen der Diözese Bougainville sowie Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien anderer örtlicher Kirchen zusammengekommen. Kardinal Tagle überbrachte auch die Grüße und den Segen von Papst Leo XIV. „Als ich ihm sagte, dass ich zu dieser Feier nach Bougainville kommen würde, sagte er: ‚Oh, Bougainville. Bitte übermitteln Sie meine Verbundenheit, meine Segenswünsche und meine Grüße‘“, berichtete der Kardinal.
Das Jubiläum erinnert an die erste Messe, die am 7. August 1901 auf der Insel Ahok-Ahok von den beiden Missionaren Pater Peter Mayer und Pater Eugene Ender zelebriert wurde. „Der christliche Glaube kam durch die Feier der Eucharistie hierher“, bemerkte Kardinal Tagle. „Ich kann mir vorstellen, dass es vor 125 Jahren keine Menschenmenge, keine Versammlung wie diese gab. Es müssen nur die beiden Missionare und einige wenige Begleiter gewesen sein. Und wie wir sehen, sind nach 125 Jahren nicht nur Menschen aus Bougainville, sondern Menschen aus aller Welt hier.“
Im Bistum Bougainville, das auch sein 60-jähriges Bestehen feiert, leben heute über 200.000 katholische Gläubige in 35 Pfarreien. Seine Geschichte ist geprägt von den Anfängen als Mission, dem Dienst der Laienkatecheten, den Wirren des Zweiten Weltkriegs und den Wunden des Bürgerkriegs in Bougainville. Das Jubiläum machte jedoch eine Kirche sichtbar, die in der lokalen Bevölkerung Wurzeln geschlagen hat und dazu berufen ist, ihre Mission und Verantwortung immer umfassender wahrzunehmen.
In seiner Predigt wies Kardinal Tagle darauf hin, dass die Lesungen des Festgottesdienstes dieselben biblischen Texte waren, die bereits vor 125 Jahren bei der ersten Eucharistiefeier verlesen wurden. „Dies waren die ersten Worte der Heiligen Schrift, die hier in Bougainville verkündet wurden“, sagte er. „Unsere Herzen sind voller Dankbarkeit. Gott war treu.“ Der Kardinal lud die Gläubigen ein, diese ersten Worte des Evangeliums erneut als Aufruf für die Gegenwart zu begreifen: „Lasst uns zuerst das Reich Gottes suchen. Dient Gott.“

Mit Blick auf das Evangeliums, das besagt, dass niemand zwei Herren dienen kann, betonte Kardinal Tagle, dass die „vielen Könige und Königinnen“, die um die Gunst der Menschen wetteifern, dies oft tun, indem sie Ängste schüren. „Durch unsere Sorgen und Ängste entdecken wir die Könige und Königinnen, die uns beherrschen“, sagte er. Die Sorge um Äußerlichkeiten, Besitz oder sozialen Status könne dazu führen, dass wir diejenigen vergessen, die ärmer oder verletzlicher sind. Doch, das Reich Gottes gründe sich nicht auf Furcht, sondern auf Vertrauen: „Es ist nicht Sorge, es ist Glaube, es ist Zuversicht. Gott wird für uns sorgen zu unserem Besten.“
Der Kardinal betonte, dass die Suche nach dem Reich Gottes nicht bedeute, Arbeit, Studium oder die täglichen Pflichten zu vernachlässigen. Vielmehr seien Gläubige aufgerufen, ihre Kraft, ihre Talente und ihre Arbeit in den Dienst der Gerechtigkeit zu stellen. „Gottes Gerechtigkeit ist seine Wahrheit. Sie bedeutet, Menschen zu lieben und zu achten, Natur und Schöpfung zu bewahren und die Güter der Erde und der Meere mit anderen zu teilen.“ Der gerechte Mensch, fügte er hinzu, stehle, beute nicht aus und betrüge andere nicht.
Die Eucharistie, so der Kardinal weiter, sei Quelle und Vorbild dieser Einheit. An die vielen Gläubigen gewandt, die sich vor der Kathedrale versammelt hatten, sagte er: „Ihr mögt draußen sein, aber ihr seid Teil des lebendigen Leibes Christi, der diesen Moment der Gnade heute feiert. Die Mauern sind keine wirklichen Mauern. Wir sind eins, heute und in Ewigkeit.“ Er erinnerte an die Worte des heiligen Paulus und betonte, dass die Gläubigen in Christus einander nicht länger „fremd“ seien. „Die Mauern, die euch trennten, sind in Christus verschwunden“, sagte er. „In Jesus gibt es keinen Unterschied mehr zwischen ethnischen Gruppen, Sippen, Stämmen, Reich und Arm, Gebildeten und Ungebildeten. Wir sind eine Familie in Jesus.“ Diese Einheit beginne mit der Erkenntnis, die zu Beginn jeder Messe zum Ausdruck kommt, dass alle Sünder sind und Gottes Barmherzigkeit benötigen.
Der Appell von Kardinal Tagle stellt Papua-Neuguinea, ein Land mit über 800 Sprachen und starker Stammeszugehörigkeit, vor eine besonders große Herausforderung. Die örtliche Kirche war oft ein Ort, an dem Menschen unterschiedlicher Herkunft wie eine Familie zusammenkamen und durch das Gemeindeleben, Schulen, Gesundheitszentren und Friedensinitiativen zur Versöhnung und nationalen Einheit beitrugen. Der Kardinal rief christliche Familien dazu auf, „kleine Kirchen“ zu werden, die sich durch gegenseitige Vergebung, Segen und aufmerksames Hören auf das Wort Gottes auszeichnen. Er lud dazu ein, digitale Medien und andere Ablenkungen nicht an die Stelle des gemeinsamen Hörens der Heiligen Schrift treten zu lassen. Er verband die eucharistische Spiritualität auch mit der täglichen Arbeit: Die Früchte der Erde und die Arbeit des Menschen, die zum Altar gebracht werden, werden durch die Kraft des Heiligen Geistes zum Leib und Blut Christi. „Auch im Alltag sollt ihr dafür sorgen, dass eure Arbeit die Gegenwart Christi widerspiegelt“, sagte er.
Am Ende der Eucharistiefeier erinnerte Kardinal Tagle erneut an den missionarischen Charakter der Messe. „‚Gehet hin in Frieden‘: Geht, das ist die Mission“, sagte er. „Was ihr im Wort Gottes gehört, empfangen und erfahren habt, geht und teilt es mit anderen.“ Er forderte die Kirche von Bougainville auf, die Eucharistiefeier in die Häuser, Nachbarschaften und Dörfer zu tragen und den Glauben an zukünftige Generationen weiterzugeben. „Wir hoffen, das 500-jährige Jubiläum der Evangelisierung von Bougainville feiern zu können“, erklärte der Kardinal. „Doch dies hängt nicht nur vom Segen des Herrn ab, sondern auch von unserer Verantwortung, unserer Pflicht, die Frohe Botschaft zu verbreiten.“ Abschließend lud er die Gläubigen ein, einander zu sagen: „Ihr seid vom Herrn gesegnet. Ihr seid wahrhaft gesegnet.“
Kardinal Tagle beendete seinen Pastoralbesuch in Papua-Neuguinea mit einem Gottesdienst am Montagabend in der Pfarrei Maria Königin des Pazifiks in Waigani (Port Moresby). Anwesend waren auch Katholiken aus der Diözese Bougainville, die in der Hauptstadt leben und arbeiten. Konzelebranten waren Erzbischof Maurizio Bravi, Apostolischer Nuntius für Papua-Neuguinea und die Salomonen, Bischof Jacek Tendej von Alotau, Bischof Paul Sundu von Kundiawa und Pfarrer Lawrence Arockiaraj, Generalsekretär der Katholischen Bischofskonferenz. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt mit Gläubigen, darunter Mitglieder der philippinischen Gemeinde sowie der ehemalige Präsident der Autonomen Region Bougainville, John Momis, und seine Frau. Anschließend reiste der Kardinal vom internationalen Flughafen Jacksonville weiter nach Manila, von wo aus er nach Rom zurückkehrt.
(Fides 18/08/2026)


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