AFRIKA/NIGERIA - Für bessere humanitäre Hilfe fordert Caritas Nigeria Ausnahmezustand für den Nordosten Nigerias

Montag, 20 Juli 2026

Abuja (Fides) – Jude Akwo, Leiter des Programms für gute Regierungsführung von Caritas Nigeria, forderte die nigerianische Bundesregierung in Abuja auf, den Ausnahmezustand im Nordwesten Nigerias auszurufen, um der Bevölkerung zu helfen, die aufgrund der Gewalt von Dschihadisten und Banditen fliehen musste.
Akwo äußerte sich in diesem Sinne in seiner Rede auf einem eintägigen Seminar zum politischen Dialog in Sokoto, der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates im Nordwesten Nigerias.
Laut Akwo würde die formelle Ausrufung des Ausnahmezustands eine koordinierte humanitäre Hilfe ermöglichen, ähnlich der im Nordosten des Landes, und die Intervention der Bundesbehörden und internationaler Hilfsorganisationen aktivieren. Insbesondere würde sie die Einrichtung angemessen geführter Aufnahmeeinrichtungen für Binnenvertriebene in den von Banditentum und Dschihadismus verwüsteten Gebieten ermöglichen.
Der Leiter von Caritas Nigeria betonte, dass die meisten Unterkünfte für Binnenvertriebene in der Region derzeit informell seien und es an grundlegender Infrastruktur und Schutz mangele, wodurch diese Menschen, insbesondere Frauen und Kinder, weiterer Misshandlung ausgesetzt seien.
Akwo ging in seinem Vortrag auch auf den Beitrag von Frauen zur Unterstützung von Gemeinschaften ein, die von Gewalt betroffen sind. „Wir wollen über die Erzählung von weiblichen Opfern hinausgehen“, sagte er. „Unsere Ergebnisse zeigen vielmehr auch, dass Frauen eine wichtige Rolle bei Frühwarnsystemen und zeitnahen Reaktionsmechanismen spielen. Sie haben Strategien auf Gemeindeebene entwickelt, um auf Konflikte zu reagieren, und sich um Kinder und Familien gekümmert, deren Angehörige entführt wurden.“
„Frauen“, fuhr Akwo fort, „haben Unterstützungsnetzwerke aufgebaut, die sich um Überlebende kümmern. Durch Spar- und Kreditgruppen auf Dorfebene tragen sie dazu bei, betroffenen Familien zu helfen und sammeln in einigen Fällen sogar Geld, um Lösegelder zu zahlen.“
Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) wurden Ende 2025 im Nordosten Nigerias, wo ein humanitärer Notstand ausgerufen wurde, 2.333.190 Binnenvertriebene in 478.229 Familien identifiziert.
Im Oktober 2025 gab es laut IOM-Daten 1.378.124 Binnenvertriebene im Nordwesten Nigerias. Die IOM nennt als Hauptursachen für Vertreibung bewaffnete Bandenüberfälle und Entführungen (54 %), Konflikte zwischen Bauern und Hirten (33 %), interkommunale Konflikte (7 %), klimabedingte Katastrophen (3 %) und dschihadistische Aufstände (2 %).
(L.M.) (Fides 20/7/2026)


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