Islamabad (Fides). Keine Schuldigen und keine Verurteilten. Der Mord an einem christlichen Ehepaar, der sich 2014 in der Provinz Punjab ereignete, ist endgültig abgeschlossen und in dritter Instanz sprach der Oberste Gerichtshof mit Urteil vom 10. Juli die drei im ersten Verfahren zum Tode Verurteilten frei und wies die Berufung der Regierung von Punjab gegen den Freispruch von 102 weiteren Angeklagten durch das Oberste Gericht von Lahore zurück.
Shahzad Masih und seine schwangere Frau Shama Bibi (sie war katholisch, er protestantisch), beide christliche Arbeitskräfte in einer Ziegelfabrik, wurden am 4. November 2014 in Kot Radha Kishan im Distrikt Kasur angegriffen. Die beiden wurden fälschlicherweise der Blasphemie beschuldigt und von einem Mob gelyncht. Anschließend wurden sie in einen Ziegelofen geworfen und bei lebendigem Leibe verbrannt (vgl. Fides 4/11/2014).
Die Polizei leitete Ermittlungen gegen Hunderte von Personen (über 600) ein, darunter den Ziegeleibesitzer und den örtlichen Imam. 2016 verurteilte ein Gericht fünf Angeklagte (darunter den Imam) in erster Instanz zum Tode, acht weitere erhielten mildere Strafen wegen Beihilfe, während die übrigen freigesprochen oder nicht angeklagt wurden. 2019 sprach das Oberste Gericht von Lahore zwei der fünf Todeskandidaten (darunter den Imam) frei und bestätigte die Todesurteile gegen die übrigen drei. Es sprach außerdem 102 weitere Angeklagte in dem Fall frei.
Nun hat der Oberste Gerichtshof in letzter Instanz die letzten drei Todeskandidaten ihnen aufgrund von Schwächen und Widersprüchen in der Anklage freigesprochen. Das Endergebnis lautet: Niemand ist für den Mord an dem Paar schuldig, da alle Hauptverdächtigen und Verurteilten im Laufe der Jahre freigesprochen wurden.
Das Urteil hat in pakistanischen christlichen Gemeinden und Menschenrechtsorganisationen Bestürzung und Enttäuschung hervorgerufen. In einer vom Vorsitzenden der Pakistanischen Bischofskonferenz und Präsidenten der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, Bischof Samson Shukardin von Hyderabad, unterzeichneten Erklärung, die Fides vorliegt, wird das Urteil als „Teil eines wiederkehrenden Musters, bei dem Täter schwerer Verbrechen gegen religiöse Minderheiten ungestraft bleiben“, bezeichnet.
Die Kommission erinnert an ähnliche Vorfälle vom 1. August 2009 in Gojra und den Angriff im März 2013 auf das christliche Viertel „Joseph Colony“ in Lahore, bei dem alle 115 Angeklagten mangels Beweisen freigesprochen wurden. Sie fordert konkrete Maßnahmen zur Gewährleistung von Gerechtigkeit für religiöse Minderheiten und appelliert an die Regierung, den Zeugenschutz zu verbessern und sicherzustellen, dass Massengewalt nicht ungestraft bleibt. Bischof Shukardin ruft die Gläubigen zu Frieden, Gebet um Kraft in schwierigen Zeiten und Standhaftigkeit im Glauben auf.
Die Eheleute Shama und Shahzad hinterließen drei Kinder. Seit dem Tod der Eltern kümmert sich die „Cecil & Iris Chaudhry Foundation“ (CICF) in Lahore um die Bildung und Betreuung der drei Waisenkinder (vgl. Fides 5/11/2015 und 20/11/2017).
(PA) (Fides 17/7/2026)