Zehn Jahre nach ihrer Ermodung: In der Slowakei wird an die Ärztin und Missionsschwester Veronika Racková erinnert

Dienstag, 19 Mai 2026 ermordete missionare   missionsinstitute   schwestern   mission  

SSpS (Facebook)

Von Bohumil Petrík

Bánov (Fides) – „Ich kann die Menschen im Sudan nicht verlassen, weil ich sie liebe“: Das sagte Schwester Veronika Racková, Ärztin und Missionarin, über sich selbst, bevor am 16. Mai 2016 südsudanesische Soldaten an einem Kontrollpunkt auf sie schossen (vgl. Fides 21/05/2016).
Zehn Jahre nach ihrem Tod am 20. Mai 2016 in einem Krankenhaus in Nairobi ist die Erinnerung an ihr Zeugnis, insbesondere in ihrer Heimat, weiterhin lebendig. Viele hoffen, dass das Seligsprechungsverfahren für die slowakische Ordensschwester bald beginnen wird.
Der Apostolische Nuntius in der Slowakei, Erzbischof Nicola Girasoli, zelebrierte am Sonntag, dem 17. Mai, in Bánov, dem Geburtsort von Schwester Veronika Racková, einen Gottesdienst zum zehnten Jahrestag ihrer Ermordung.
In seiner Predigt während der Messe in der Kirche des heiligen Erzengels Michael erinnerte Erzbischof Girasoli daran, dass Schwester Veronikas Zeugnis sie zu einem Vorbild missionarischen Engagements mache. Der Nuntius äußerte seine Hoffnung, dass alle, angefangen bei ihren Mitschwestern und denen, die sie in der Slowakei und im Südsudan kannten, dazu beitragen würden, „damit der Seligsprechungsprozess beginnen kann, denn ihr Zeugnis christlichen Lebens ist wunderschön, und die heutige Feier hilft uns, in dieser Richtung weitere Fortschritte zu erzielen.“
Veronika Racková wurde 1958 in Bánov, einer Stadt, die damals zur Tschechoslowakei gehörte, geboren. Sie war Ärztin und gehörte der Kongregation der Steyler Missionsschwestern an. Als Missionarin und Ärztin arbeitete sie zunächst in Ghana und später im Sudan, jenem Teil des Landes, der während ihrer Missionszeit seine Unabhängigkeit erklärte und den Südsudan hervorbrachte.
Die slowakische Ordensschwester leitete das „St.Bakhita’s Medical Center“ in Yei.
Laut einem damaligen Bericht von Fides erhielt Schwester Veronika am 16. Mai gegen Mitternacht einen dringenden Notruf wegen einer Frau mit Geburtskomplikationen. Die Ordensschwester begleitete die Patientin mit dem Krankenwagen zum „Harvester’S Health Center“, einer Einrichtung, die besser für die Versorgung von Müttern und Neugeborenen ausgestattet war. Auf dem Rückweg wurde sie von Schüssen getroffen, die von bewaffneten Männern, Soldaten der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA, der ehemaligen Guerillabewegung, die nach der 2011 ausgerufenen Unabhängigkeit des Landes die Macht übernommen hatte), abgefeuert wurden.
Schwester Veronika wurde umgehend in ein Krankenhaus in Nairobi gebracht, wo sie nach mehreren Tagen ihren Verletzungen erlag.
In ihrem letzten Interview erzählte Schwester Veronika, dass vor der Gründung des Staates Südsudan ökumenische Gebete für den Erfolg des Unabhängigkeitsreferendums gesprochen worden waren: „Nicht nur die Kirche im Sudan und in Afrika war beteiligt, sondern die ganze Welt. Meine Mitschwestern im Dorf Ivanka pri Dunaji in der Slowakei übersetzten das Gebet für das Referendum ins Slowakische, sodass auch sie auf Slowakisch beteten.“
Als sich die Sicherheitslage im Land zuspitzte, wurde die Ordensgemeinschaft gefragt, ob sie in ihre Heimat zurückkehren wolle.
„Wir haben darüber nachgedacht, jede Nonne für sich und dann als Gemeinschaft“, erklärte Veronika im Interview, „und wir entschieden zu bleiben, weil wir spürten, dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren und dass Gott mit uns war. Diese Menschen brauchten uns nicht so sehr wegen unserer Arbeit, sondern um gemeinsam beten und beisammen sein zu können.“
Aufgrund ihrer Missionserfahrung riet Schwester Veronika: „Was die Länder der Dritten Welt betrifft, nehmt nichts als selbstverständlich hin. Sorgt für euer Leben und eure Familie. Lasst uns solidarisch an der Seite der Bedürftigen stehen.“
Bei der Gedenkfeier im Südsudan fünf Jahre nach ihrem Tod sagte der damalige Bischof von Yei, Erkolano Lodu Tombe: „Die Kirche kann nicht zulassen, dass Ungerechtigkeit die Welt weiterhin zerstört. Deshalb zieht sich der noch laufende Fall von Schwester Veronika viel zu lange hin. Aber so funktionieren Gerichtsverfahren, und wir müssen weitermachen, bis wir vor Gericht Gerechtigkeit erfahren.“
2019 verlieh der slowakische Präsident Andrej Kiska Schwester Veronika posthum das Pribina-Kreuz Erster Klasse für ihren „außergewöhnlichen Beitrag zur sozialen Entwicklung der Slowakischen Republik durch präventive Gesundheitsdienste und ihre missionarische Tätigkeit“.
Bei der Gedenkfeier am vergangenen Sonntag erinnerte Pfarrer Peter Čieško von der Gemeinde Bánov daran, dass die Einwohner von Schwester Veronikas Heimatstadt zu Recht stolz auf ihre Mitbürgerin seien und dass der Blick auf Schwester Veronika den Menschen große Ermutigung biete, nicht nur für sich selbst zu leben, sondern bereit zu sein, anderen ihre Hilfe anzubieten.
(Fides 19/5/2026)


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