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Von Gianni Valente
Rom (Fides) – Der erste Todestag von Papst Franziskus fällt mit einer bemerkenswerten apostolischen Reise des jetzigen Bischofs von Rom zusammen. Umgeben von den Gläubigen, die auch Papst Fanziskus so sehr liebte, besucht Papst Leo vier Länder auf dem afrikanischen Kontinent. Dort wird er von kleine Gemeinden und jubelnde Menschenmengen willkommen geheißen – Länder, die zum Teil bereits zur Zeit der Apostel vom christlichen Evangelium erreicht wurden, und andere, in denen christliche Gemeinschaften dank der Arbeit der Missionare der letzten Jahrhunderte entstehen konnten.
Diese glückliche Fügung bietet auch die Gelegenheit, die dankbar auf das Geheimnis der Kirche auf ihrem Weg durch die Geschichte zu blicken und dem Nachfolger Petri ein dankbares Andenken zu bewahren, der am Ostermontag, dem 21. April 2025, von dieser Welt schied, nachdem er am Ostersonntag zuvor von der Loggia des Petersdoms aus die Welt mit seiner letzten Kraft gesegnet hatte.
Im Geheimnis der Kirche geschieht nichts zufällig. Und selbst die alltäglichsten Umstände können Licht und Trost spenden.
Ein Jahr nach seinem Tod, als sich der Nebel, in den Kritiker und eigennützige Lobredner die Tage und Jahre seines Pontifikats gehüllt hatten, langsam auflöst, hilft uns der nötige Abstand, die Züge und Nuancen der Worte zu erfassen, die Papst Franziskus während seiner Zeit als Bischof von Rom dem Herzen der Kirche Christi zuflüsterte.
Papst Franziskus bekräftigte als Nachfolger Petri auf seine Weise, dass der Glaube nicht aus dem menschlichen Herzen entspringt, sondern eine Gabe Christi ist, der seine Anziehungskraft auf Menschen jeden Alters und jeder Herkunft ausüben kann. Er betonte, dass die Kirche deshalb nicht aus sich selbst lebt, sondern allein durch die Gnade Christi. In seiner täglichen Lehre, in seinen Predigten, Katechesen und Dokumenten beschrieb er unzählige Details und Ausdrucksformen dieses Merkmals – der Abhängigkeit in von der Gnade Christi –, das wie ein genetischer Abdruck den gesamten Weg der Kirche durch die Geschichte prägt.
In seinem Lehramt hat Papst Franzisku wiederholt betont, dass jede Form kirchlicher Introversion, der Selbstbezogenheit, eine Krankheit darstellt. Und dass Christus seine Kirche stets von der Selbstbezogenheit und vom Klerikalismus, die sie ständig bedrängen, befreien kann, indem er sie immer wieder zu sich zieht und sie immer wieder mit seiner Vergebung erneuert.
Bereits in seiner kurzen Ansprache an die Generalkongregation der Kardinäle vor dem Konklave im Jahr 2013, das ihn zum Bischof von Rom wählte, hatte er, um das innigste Geheimnis der Kirche anzudeuten, die ihm so wichtige patristische Metapher des „Mysterium Lunae“ aufgegriffen: jene Formel, mit der die griechischen und lateinischen Kirchenväter der ersten Jahrhunderte zum Ausdruck brachten, dass die Kirche nicht von selbst leuchtet, sondern ein undurchsichtiger, dunkler Körper bliebe, wenn Christus sie nicht mit seinem Licht und seiner Gnade erleuchte, wie die Sonne den Mond.
Gerade weil sie Christus gehört, lebt sie nicht für sich selbst und leuchtet nicht aus eigenem Licht – betonte auch Papst Franziskus –, ist die Kirche missionarisch. Ihrem Wesen nach kann sie nicht selbstzufrieden sein, sich nicht selbst voranbringen, sich nicht selbst verkünden. Sie kann nur auf etwas anderes als sich selbst verweisen. Sie kann nur auf die Gnade und das Wirken des auferstandenen Christus verweisen, der ihr Leben schenkt und sie erleuchtet, wie der Mond das Licht der Sonne reflektiert.
Die missionarische Umkehr war das Kennzeichen des Pontifikats von Papst Franziskus.
Die dringende Forderung eines erneuerten missionarischen Geistes wurde zum Kern seines Lehramtes. Sie war der rote Faden, der sich durch sein gesamtes Wirken als Petrusnachfolger zog. Ein Faden, der sich nun durch das Lehramt des gegenwärtigen Nachfolgers Petri zieht. Er integrierte die beiden Päpste mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten und Temperamenten, ungeachtet der vielen Spekulationen über mögliche „Gegensätze“ der Persönlichkeiten der verschiedenen Bischöfe von Rom. Noch vor seiner ersten Afrikareise veröffentlichte Papst Leo XIV. mit einer symbolträchtigen Geste am 12. April einen Brief an die Kardinäle. Darin bekräftigte er Aspekte, die beim Konsistoriums im Januar in den Arbeitsgruppen zu den von Papst Franziskus in seinem programmatischen Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ vorgeschlagenen missionarischen Perspektiven erörtert worden waren. In seinem Brief erinnerte Papst Leo auch an die Notwendigkeit, sich erneut mit „Evangelii Gaudium“ zu befassen, um „ehrlich“ zu prüfen, was nach all den Jahren tatsächlich rezipiert wurde und was unbekannt und nicht umgesetzt bleibt.
Ein Jahr nach seinem Tod scheint es noch deutlicher, dass selbst das Pontifikat von Papst Franziskus mit seiner vom Geist des Evangeliums geleiteten Unruhe auf etwas anderes als sich selbst hinwies. Das „Mysterium Lunae“, die Formel und Intuition, die für ihn das Herz und das Geheimnis der Kirche erfasste, lässt sich auch auf sein christliches Wirken und die Zeit seines Petrusamtes anwenden.
Von Beginn seines Pontifikats an hatte Papst Franziskus der Welt erklärt, dass er, ein armer „Sünder, auf den Christus blickte“, keine Wunder vollbringen könne. Er war jemand, der seine Grenzen nie verbarg, der nicht im Zeichen einer Geste der Schlichtheit, sondern „aus psychiatrischen Gründen“ nicht in den Apostolischen Palast zog, weil er es vorzog, in einem Haus zu leben, wo er täglich mit vielen anderen Menschen in Kontakt stand. Jahrelang wiederholte er unermüdlich, dass das Christentum die Welt nicht durch päpstliche Strategien erobert und fesselt, sondern durch „delectatio“, wie der heilige Augustinus sagte; „durch Anziehungskraft“, wie er immer wieder mit einem Zitat von Papst Benedikt betonte.
Lange Zeit haben Kommentatoren den Fokus ausschließlich auf die Person des Papstes, seine persönlichen Eigenschaften, seine Qualitäten und seine Schwächen gerichtet. Indem sie ihn vom lebendigen Leib der Kirche trennten, stilisierten sie ihn zu einem Einzelwesen, einem Star, einem Parteiführer. Und sie entfachten eine weltweite Polarisierung um ihn.
In Abwandlung eines alten orientalischen Sprichworts könnte man sagen: Als Papst Franziskus auf den Mond verwies, blickten die Narren nur auf ihn und verweilten bei seinen unbestreitbaren Qualitäten, seinen Charakterzügen oder den Fehlern, die er auf seinem Weg begangen hatte.
Das Volk Gottes hingegen, seinem Glauben folgend, blickte, als es Papst Franziskus sah, auf den Mond, auf den er zeigte. Deshalb liebt es Papst Bergoglio auch heute noch.
Diese Dynamik wiederholt sich bis heute auf einzigartige und unvorhersehbare Weise an dem Ort, wo seine sterblichen Überreste für immer ruhen. In der Basilika Santa Maria Maggiore verweilen Römer und Pilger in Stille im Gebet vor seinem Grab. Und sie verweilen nicht nur dort: Wenige Schritte weiter erreichen sie die Paulinische Kapelle und beten vor der Ikone der Jungfrau Maria „Salus Populi Romani“, vor der Papst Franziskus während seines Pontifikats insgesamt 126 Mal betete. So erstreckt sich die dankbare Erinnerung an Papst Franziskus nicht nur auf ihn selbst, sondern umarmt ihn auch mit Gebeten, Bitten und Danksagungen an die ihm so teure Ikone der Jungfrau Maria im Herzen Roms.
(Fides 20/4/2026)