ASIEN/THAILAND - Bischöfe im Vorfeld der Wahl: “Kandidaten sollten Menschenwürde achten und Gemeinwohl fördern”

Mittwoch, 28 Januar 2026 politik   wahlen  

Thailand Catholic Bishops's Conference

Bangkok (Fides) – „Die Kirche ermutigt dazu, für Kandidaten zu stimmen, die den Wert und die Würde jedes Menschen achten und das Gemeinwohl über den persönlichen Gewinn stellen“, so die Bischöfe Thailands in einem gemeinsamen Hirtenbrief, der am Vorabend der Wahlen am 8. Februar 2026 veröffentlicht wurde. Der Brief, der vom Vorsitzenden der Thailändischen Bischofskonferenz und Bischof von Chiang Mai, Francis Xavier Vira Arpondratana, unterzeichnet ist, trägt den Titel „Rechte und Pflichten der Christen bei der Stimmabgabe in einer Demokratie“.
„Die katholische Kirche in Thailand“, so heißt es in dem Brief, der Fides vorliegt, „möchte gemeinsam mit unserer Gesellschaft voranschreiten“. „Obwohl sie streng unabhängig von jeder politischen Partei bleibt“, heißt es weiter, „hat die Kirche die Verantwortung, im Namen ihrer moralische Mission als soziales Gewissen zu agieren, um sicherzustellen, dass diese Wahlen dem Weg der Wahrheit und Gerechtigkeit folgen“.
In diesem Sinne fordern die Bischöfe die Christen auf, „zu verstehen, dass die Stimmabgabe eine moralische Pflicht zum Wohle der Allgemeinheit ist. Sie ist nicht nur eine gesetzliche Verpflichtung, sondern eine moralische Pflicht, die alle Bürger als Mitverantwortung für unsere Gesellschaft teilen”.
Der Hirtenbrief zitiert den Katechismus der Katholischen Kirche (KKK 2240), in dem es heißt, dass die Bürger die Pflicht haben, Steuern zu zahlen, das Stimmrecht auszuüben und das Land zu verteidigen und damit einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. „Dieses Recht zu vernachlässigen bedeutet, unserer Verantwortung gegenüber dem Gemeinwohl nicht nachzukommen“, so die Bischöfe, die betonen: „Diese Pflicht beschränkt sich nicht auf die Wahlurnen; sie umfasst auch die Überwachung und den Schutz moralischer Wahrheiten in jeder Phase des politischen Prozesses. Wir erkennen auch an, dass die Entscheidung, für keinen Kandidaten zu stimmen, eine Option ist, jedoch nur in Fällen, in denen kein Kandidat moralisch akzeptabel ist.“
Tatsächlich sei „eine gesunde Demokratie mehr als nur eine Reihe von Regeln“. Sie müsse „auf grundlegenden menschlichen Werten beruhen, insbesondere auf der Menschenwürde, den Menschenrechten und dem Gemeinwohl. Ohne diese moralischen Grundlagen kann eine Demokratie leicht zu einer versteckten Tyrannei werden, die ihr Volk unterdrückt“, heißt es in der Erklärung.
Aus diesem Grund werden die Wähler aufgefordert, „Führungskräfte zu suchen, die die lokalen Bürger wertschätzen, den Gemeinden die Teilnahme am Entscheidungsprozess ermöglichen und Opferbereitschaft zeigen“. Ein wahrer politischer Führer „konzentriert sich nämlich auf das Wohlergehen anderer, insbesondere der Armen und Schwachen“.
Der Brief zitiert die Stelle aus dem biblischen Buch Exodus (vgl. Ex 18,21), in der Moses aufgefordert wird, tüchtige, gottesfürchtige, zuverlässige und uneigennützige Führungskräfte auszuwählen. „Führung sollte nicht als Besitz von Macht angesehen werden; im Gegenteil, Macht muss als Dienst ausgeübt werden. (vgl. Kompendium der Soziallehre der Kirche, 410)“.
Schließlich richtet die thailändische katholische Kirche einen Appell an Politiker und Regierungsbeamte zum Thema moralische Integrität und erklärt: „Wie Jesus lehrte: ‚Wer in kleinen Dingen zuverlässig ist, der ist auch in großen zuverlässig‘ (Lk 16,10-11). Der Kauf oder Verkauf von Stimmen oder jede andere Form von Betrug ist der Beginn der Korruption, die das Gefüge der Gesellschaft zerstört. Politische Korruption ist ein Verrat am Volk und ein schwerer Verstoß gegen die soziale Gerechtigkeit.“
Die Bischöfe bitten alle thailändischen Gläubigen um das Gebet, dass „Führungskräfte mit einer starken Moral und kreativen politischen Konzepten“ gewählt werden, die „die Nation zu wahrem Frieden und Geschwisterlichkeit führen können“.
(PA) (Fides 28/1/2026)


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