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Seoul (Fides) – In der koreanischen Zivilgesellschaft lehnen soziale Organisationen, NGOs und Gruppen verschiedener Religionsgemeinschaften (darunter auch christliche Vereinigungen) den Plan der koreanischen Regierung zum Bau von zwei neuen Kernkraftwerken ab. Im Rahmen von Protesten fordern sie dessen sofortige Aufhebung. Die Regierung in Seoul hat erklärt, dass sie bis 2038 zwei Kernkraftwerke bauen wird, wie Klimaminister Kim Sung-whan angekündigt hat, um die nationale Stromversorgung zu erweitern. Das staatliche Unternehmen „Korea Hydro & Nuclear Power” (KHNP) wird eine Ausschreibung zur Auswahl der Standorte für die neuen Reaktoren veröffentlichen, woraufhin ein etwa sechsmonatiger Bewertungs- und Auswahlprozess folgen wird. Das Unternehmen strebt die Fertigstellung der Reaktoren für 2037 und 2038 an.
Ursprünglich hatte der neue koreanische Präsident Lee Jae-myung, der 2025 sein Amt antrat, Investitionen in erneuerbare Energien in Aussicht gestellt und sich damit gegen den Trend seines Vorgängers Yoon Suk Yeol gestellt, der eine Ausweitung der Kernenergieproduktion geplant hatte. Nun hat die Regierung Lee grünes Licht für die Wiederaufnahme von Investitionen in Kernkraftwerke gegeben.
Dieser Schritt hat zu Unmut und Protesten des Netzwerks „Bürgeraktion für nukleare Abrüstung” geführt, das aus 43 zivilen und religiösen Gruppen besteht, die in einem gemeinsamen Appell Präsident Lee Jae-myung auffordern, der Öffentlichkeit persönlich eine Erklärung zu dieser Entscheidung zu geben. Das Netzwerk fordert den Rücktritt von Minister Kim, der „seine Verantwortung für die nationale Sicherheit und den Umweltschutz vernachlässigt und auf die Produktion von Kernenergie gedrängt hat”.
Darüber hinaus erinnert das Netzwerk daran, dass die Regierung versprochen hatte, die Kernenergie schrittweise abzuschaffen, nun aber einen Kurswechsel vollzogen hat, „basierend auf übereilten Meinungsumfragen und ohne angemessene öffentliche Diskussion“. Diese Entscheidung, so heißt es, „stellt einen Verrat an den Bürgern dar, die sich sehnlichst eine Denuklearisierung gewünscht haben“.
Neben Fragen zum Bau der Reaktoren fragt das zivilgesellschaftliche Netzwerk: „Wie wird das Problem der Zunahme hochradioaktiver Abfälle aufgrund des Ausbaus der Kernkraftwerke gelöst werden?“. Da sich mehr als 26 Kraftwerke allein an der Ostküste konzentrieren, gibt es außerdem Bedenken hinsichtlich der Evakuierungsmaßnahmen im Falle eines Unfalls in mehreren Reaktoren gleichzeitig.
Nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Behörde verfügt Südkorea über 26 kommerziell betriebene Kernkraftwerke, zwei weitere, Saeul-3 und Saeul-4, befinden sich im Bau. Die 26 Kraftwerke lieferten 2024 insgesamt 31,7 % der Stromerzeugung des Landes.
(PA) (Fides 27/1/2026)