Dar es Salaam (Fides) – Als Druckausübung gegenüber der Bischofskonferenz wird in verschiedenen lokalen sozialen Medien der Versuch bezeichnet, eine „über den Apostolischen Nuntius in Tansania eine formelle Petition an den Heiligen Vater “ zu übergeben, in der der Führungsspitze der Tansanischen Bischofskonferenz (TEC) vorgeworfen wird, sich in das politische Leben des Landes einzumischen.
Am 5. Januar erschienen so genannte „Mitglieder der katholischen Kirche” vor den Toren der Apostolischen Nuntiatur in Dar es Salaam, um die Petition zu übergeben, in der dem Erzbischof von Dar es Salaam, Jude Thaddaeus Ruwa'ichi, und den Sekretär der Bischofskonferenz von Tansania (TEC), Pfarrer Charles Kitima, der Einmischung in die Politik des Landes beschuldigt werden.
„Wir, Macledeo Shilinde und Lucy Michael, gehören zur katholischen Kirche”, erklären die Erstunterzeichner der Petition in einer Mitteilung. „Im Namen von über 120 Mitgliedern der katholischen Kirche aus Daressalam und anderen Regionen reichen wir beim Papst eine Petition gegen Bischof Ruwa'ichi ein.“
Laut lokalen Medienberichten ist Lucy Michael Sekretärin des Jugendflügels der Regierungspartei, der Partei der Revolution (Chama Cha Mapinduzi, CCM), in Temeke.
Wie Quellen in Dar es Salam gegnüber Fides berichteten, erschien am 5. Januar eine Gruppe von etwa hundert Personen vor der Nuntiatur, um einen Brief zu übergeben. Da sich die Nuntiatur jedoch gegenüber einem Gebäude des nationalen Geheimdienstes befindet, griffen die Beamten, die dort Wache standen, sofort ein und entfernten die Gruppe innerhalb kurzer Zeit, ohne Gewalt anzuwenden.
In den sozialen Medien wurden starke Zweifel daran geäußert, dass die Teilnehmerinnen der Petition tatsächlich der katholischen Kirche angehören. So wurde beispielsweise hervorgehoben, dass die meisten Frauen Kleidung trugen, die üblicherweise bei lokalen Festen getragen wird und im Volksmund als „Vijora” bekannt ist. Kritiker wiesen darauf hin, dass katholische Frauen – und christliche Frauen im weiteren Sinne – für kirchliche Aktivitäten typischerweise traditionelle „Vitenge”-Kleidung tragen. In der katholischen Kirche tragen Frauen oft Vitenge, die mit den Symbolen ihrer jeweiligen Kirchengemeinde gekennzeichnet sind. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass die Gesänge der vor der Nuntiatur versammelten Menge eher für Pfingstkirchen als für die katholische Kirche typisch waren.
Die Initiative wird als eine der Antworten auf die Erklärung der Tansanischen Bischofskonferenz angesehen, die nach der gewaltsamen Unterdrückung der Proteste vom 29. Oktober und den darauf folgenden Sicherheitsmaßnahmen, die zum Tod von Zivilisten führten, veröffentlicht wurde. In ihrer Erklärung verurteilten die Bischöfe die Tötungen, forderten die Klärung der Verantwortlichkeiten, drängten auf eine unabhängige Untersuchung und die Übergabe der Leichen der Opfer an die Familien.
Die Proteste richteten sich vor allem gegen die scheidende Präsidentin Samia Suluhu Hassan, die mit 97,66 % der Stimmen wiedergewählt wurde, wobei die wichtigsten Oppositionskandidaten ausgeschlossen worden waren, von denen einer verhaftet und der andere von der Wahlkommission disqualifiziert worden war (vgl. Fides 1/11/2025). Der Sekretär der Bischofskonferenz, Pfarrer Charles Kitima, der zu den Personen gehörte, gegen die sich die Petition richtete, war bereits am 30. April im Sitz der Bischofskonferenz in Kurasini, Dar es Salaam, brutal angegriffen worden.
(L.M.) (Fides 12/1/2026)