OMI
Von Paolo Affatato
Rom (Fides) – Als kleine, bescheidene, aber lebendige Kirche, getragen von tiefem Glauben und geprägt von der aktiven Teilnahme der Gläubigen beschreibt Erzbischof Bejoy Nicephorus D'Cruze (OMI) von Dhaka, die katholische Gemeinde in Bangladesch. Anlässlich des „Ad-limina“-Besuchs schilderte er Papst Leo XIV. bei der gestrigen Audienz in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Katholischen Bischofskonferenz von Bangladesch die kirchliche Realität des Landes. Über die Begegnung mit Papst Leo sagt der Erzbischof im Interview mit Fides: „Es war ein sehr ermutigendes Treffen für uns. Wir berichteten Papst Leo vom Leben der Kirche in Bangladesch und baten ihn, uns – so Gott will – zu besuchen.“
In Bangladesch, einem muslimischen Land mit 170 Millionen Einwohnern, machen Christen weniger als ein Prozent der Bevölkerung aus. „Wir sind sehr kleine Minderheit“, bemerkte der Prälat im Interview. Die Zahl der Katholiken liegt bei etwa 433.000, was 0,3 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Trotz ihrer geringen Präsenz verfügt die katholische Kirche in Bangladesch über ein weitverzweigtes und angesehenes pastorales Netzwerk. Über 400 Priester, mehr als 1.200 Ordensleute und 153 Seminare gibt es im Land, wobei mehr als 800 Katecheten eine zentrale Rolle in der Gemeindearbeit spielen, insbesondere in den entlegensten Dörfern.
„Bangladesch ist nach wie vor ein armes Land, das nach Entwicklung strebt, und auch die Kirche ist arm, aber wir setzen uns weiterhin auch für die Armen ein“, so der Erzbischof. Tatsächlich gehört ein Großteil der bangladeschischen Katholiken indigenen und Stammesgemeinschaften an, die in verschiedenen Regionen des Landes leben, während andere sozial benachteiligten Gruppen wie den Dalits angehören. „Die Mehrheit unserer Gläubigen ist arm, obwohl einige der Mittelschicht angehören“, sagt der Erzbischof. Trotz begrenzter Ressourcen, so Erzbischof D’Cruze, leiste die Kirche weiterhin umfangreiche Seelsorge und Sozialarbeit durch Schulen, Gesundheitseinrichtungen, karitative Aktivitäten und von Caritas geförderte Entwicklungsprogramme.
Über 700 Bildungseinrichtungen, darunter Grund- und weiterführende Schulen, technische und berufliche Institute, 13 Colleges und die katholische Universität „Notre Dame University Bangladesh“ befinden sich in katholischer Trägerschaft. „Tausende muslimische, hinduistische, buddhistische und christliche Schülerinnen und Schüler sowie Studierende besuchen diese Einrichtungen, die zu den qualifiziertesten des Landes zählen“, betont der Erzbischof. Neben ihrer Bildungsarbeit engagiert sich die Kirche im Gesundheits- und Sozialwesen durch Krankenhäuser, Ambulanzen, Gesundheitszentren und Gemeindeentwicklungsprogramme in städtischen und ländlichen Gebieten. Eine zentrale Rolle spielt dabei Caritas Bangladesch, die in den Diözesen mit über 80 Programmen in den Bereichen Bildung, Berufsausbildung, Armutsbekämpfung, Katastrophenhilfe und lokale Gemeindeentwicklung tätig ist und rund 1,6 Millionen Menschen erreicht.
„Eine der direkten und schmerzhaften Folgen der Armut“, bemerkt der Erzbischof, „ist die Abwanderung junger Menschen.“ „Aufgrund der prekären wirtschaftlichen Lage, der Unsicherheit im Hinblick auf die Zukunft und der begrenzten Jobmöglichkeiten wollen junge Bangladescher das Land verlassen und wandern aus, sobald es ihnen möglich ist.“ Dieses Phänomen ist besonders in der Diözese Dhaka deutlich zu beobachten: „Viele wollen im Ausland studieren, vor allem in den USA, Großbritannien, Australien oder Europa. Familien investieren in die Ausbildung ihrer Kinder, doch oft kehren diese nie zurück. Dadurch verliert das Land viele seiner besten Talente; wir verlieren unsere klügsten Köpfe.“ Eng mit der Migration verbunden ist eine der sozialen Notlagen, die Bangladesch betreffen: Menschenhandel. „Es ist ein sehr ernstes Problem“, prangert der Erzbischof an. „Viele Schlepper versprechen jungen Menschen Jobs und ein besseres Leben im Ausland, doch oft ist es eine Falle.“ Armut und Arbeitslosigkeit machen viele Menschen besonders verletzlich, vor allem diejenigen aus den ärmsten Familien. Mehrere katholische Organisationen und Ordensgemeinschaften arbeiten daran, das Bewusstsein in der Bevölkerung zu schärfen, das Phänomen zu bekämpfen und ihm vorzubeugen, aber „in einem so großen Land bleibt unsere Präsenz sehr begrenzt, und es ist schwierig, kriminelle Organisationen oder Menschenhändler, die unter falschen Vorwänden agieren, aufzudecken und zu identifizieren.“
Das anhaltende Problem der Arbeitslosigkeit – und ihre Auswirkungen auf die Auswanderung mit ihren dramatischen Folgen – „muss auf nationalpolitischer Ebene angegangen werden“, so der Erzbischof. In diesem Zusammenhang blickt er mit verhaltener Hoffnung auf die neue institutionelle Phase des Landes nach den Wahlen im vergangenen Februar und der neuen Regierung der „Bangladesh Nationalist Party“ (BNP) unter Tarique Rahman: „Nach einer Phase der Instabilität und der Übergangszeit der Interimsregierung haben wir heute eine stabile Regierung und hoffen auf eine bessere Zukunft. Wir pflegen positive Beziehungen zur neuen Regierung und streben einen Dialog an, um zum Gemeinwohl des Landes beizutragen“, bemerkt er.
Religionsfreiheit bleibt ein komplexes Thema. „Die Regierung behauptet, uns nicht als ‚Minderheit‘, sondern als Bürger Bangladeschs definieren zu wollen, und das ist ein positiver Ansatz“, räumt er ein. Er fügt jedoch hinzu: „Es besteht weiterhin Diskriminierung zwischen der muslimischen Mehrheit und Angehörigen anderer Glaubensrichtungen. Die Verfassung garantiert zwar gleiche Rechte für alle, doch in der gesellschaftlichen und politischen Praxis wird dies nicht immer umgesetzt.“ Die Freiheit, das Evangelium öffentlich zu verkünden, ist im Land stark eingeschränkt: „Wir dürfen in unseren Kirchen predigen, aber nicht außerhalb. Deshalb sind wir vorsichtig und versuchen, unser Seelsorgeleben und das Leben unserer Gläubigen zu schützen.“
In diesem Kontext ist der interreligiöse Dialog von entscheidender Bedeutung, insbesondere zwischen Muslimen und Christen: „Die Beziehungen zu vielen muslimischen Religionsführern sind konstruktiv. Es gibt Muslime, die uns helfen und unterstützen“, bemerkt Bischof D’Cruze und verweist auf die Präsenz fundamentalistischer islamischer Gruppen, deren Propaganda mitunter Probleme verursacht oder zu Gewalt gegen Nichtmuslime wie Hindus und Christen führt. „Darüber hinaus“, stellt er hoffnungsvoll fest, „pflegen viele Politiker, Amtsträger und islamische Geistliche, die unsere Schulen besucht haben, positive Beziehungen zur Kirche, hören auf unsere Bedürfnisse und stehen uns nahe.“
Mit Blick auf das kirchliche Leben bemerkt der Erzbischof: „Wir brauchen mehr Schulen sowie Kirchen und Kapellen in den Dörfern. Es gibt Gemeinden, denen noch immer ein geeigneter Ort zum Beten fehlt.“ Was die Berufungen betrifft, ist das Bild hingegen ermutigend: „Es gibt weiterhin viele Berufungen. Das ist ein sehr positives Zeichen für die Zukunft der Kirche“, stellt er fest. Die pastorale Priorität bleibt die Glaubensbildung. „Wir wollen die christliche Bildung der Gläubigen stärken und ihnen helfen, in Glauben, Hoffnung und Liebe zusammenzuleben und einander beizustehen.“ Die Rolle der Laien und Katecheten sei dabei von grundlegender Bedeutung, insbesondere in ländlichen Gebieten. „Katecheten spielen eine entscheidende Rolle bei der Glaubensvermittlung, der Begleitung der Gemeinden und der Zusammenarbeit mit dem Bistum“, berichtet er.
Der Erzbischof betont die Lebendigkeit der katholischen Gemeinden des Landes. „Unsere Gläubigen praktizieren ihren Glauben. An vielen Orten besuchen über 80 % der Katholiken regelmäßig die Sonntagsmesse.“ Auch große Feste und Wallfahrten erfreuen sich großer Beliebtheit: „Zu einigen wichtigen religiösen Feiertagen reisen Tausende von Gläubigen, und bei großen Wallfahrten versammeln sich bis zu 40.000 Gläubige.“ Besonders tief verwurzelt, so der Erzbischof, sei die Marienverehrung, ebenso wie der Kult bestimmter Heiliger wie des heiligen Antonius von Padua, der unter den bangladeschischen Katholiken sehr beliebt sei – „ein ‚Rückkehrerkult‘, den Bangladescher, die ins Ausland gegangen waren, mitgebracht haben“, erklärt er. Mit Blick auf die Zukunft schließt der Erzbischof hoffnungsvoll: „In Bangladesch eine Minderheit zu sein bedeutet nicht, das christliche Zeugnis aufzugeben. Der christliche Glaube kann das Leben der Menschen verändern. Der Glaube an Christus, den wir bekennen und von dem wir Zeugnis ablegen, schenkt den Menschen konkrete Hoffnung und führt zur Erlösung. Wir hoffen, dass unser Land mit der Zeit die Würde jedes Menschen immer mehr achten wird. Wir tun unseren Teil dazu.“
(Fides 26/6/2026)